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Htlsskl-tr Kreisblatt

Mit wöchentlicher Hratis-WeilageIllustrirtes Nuterhaltuugsblatt".

Nr. 6. Dienstag den 13. Januar 1891.

Amtliches.

Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß für die RettungSanstalt zu Hof Reith bet SLlücbtern auch im Jahre 1891 eine einmalige Sammlung freiwilliger Beiträge bet den evange­lischen Einwohnern im Regierungsbezirke Cassel mit Ausschluß des Kreises Rinteln, sowie im Stadtkreise Frankfurt a/M. durch polizeilich legt* tiwirte Collectanten veranstaltet werden darf.

Cassel, den 23. Dezember 1890.

Der Regierungs-Prästdent. J. B. v. Pawel.

Der Herr Minister des Innern hat dem Comits des für den 9. bis 12. Mai dieses Jahres ge» planten Pferdemarktes zu Stettin die Erlaubniß ertheilt, bei Gelegenheit des letzteren eine öffent- liche Verloosung von Wagen, Pferden, Pferde­geschirren rc. zu Veranstalter! und die in Aussicht genommenen 300000 Loose zu je 1 Mark im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Cassel, den 5. Januar 1891.

Der Regierungs-Prästdent. J. V.: v. Pawel.

Hersfeld, den 8. Januar 1891.

Die Mitglieder desKretsvereinSzur Pflege im Kelve verwundeter und ertränkter Krieger werden hierdurch auf

Sonnabend den 24. d. Mts.

Nachmittags 3 Uhr

in den oberen Rathhaussaal dahier zu einer General-Versammlung eingeladen.

Auf der Tagesordnung steht:

1. Rechnungsablage.

2. Beschlußfassung über die Verwendung der Vereinsmittel und die Thätigkeit des Ver­ein- im Falle einer Mobilmachung.

Der Vorsitzende Freiherr v o n S ch l e i v i tz.

* Zwanzig Jahre.

Am 18. Januar, dem Tage der Erhebung des Kurfürstenthums Brandenburg zum Königreich Preußen, feiern wir den zwanzigsten Geburtstag deS Deutschen Kaiserthums. Aus blutiger Saat auf den Schlachtgefilden Frankreichs entsprossen, ist das Deutsche Reich unter dem Szepter der Hohenzollern-Kaiser ein Reich des Friedens ge­worden. Wir haben zwanzig Jahre die Wohl­thaten eines segensreichen Friedens genossen und mehr und mehr ist Deutschland auch ein von aller Welt anerkannter Hort des Friedens geworden. Ein fester Bund vereinigt uns mit Oesterreich- Ungarn und Italien; freundschaftliche Beziehungen bestehen mit England, Rußland, den scandina- vischen Reichen und den anderen benachbarten Ländern; auf gegenseitiger Achtung beruht unser Verhältniß zu Frankreich.

Welche Genugthuung aber auch immer die Gestaltung der Beziehung:" Deutschlands zum AuSlande gewähren mag, heute dürfen wir mit besonderer Befriedigung auf die Verhältnisse schauen, wie sie sich seit dem zwanzigjährigen Bestehen des Reichs daheim entwickelt haben. Man werfe nur einen Blick über den Zaun, den die Geschichte mit dem Jahre 1870/71 in der Entwicklung Deutschlands errichtet hat, und man wird den Unterschied des Sonst und Jetzt be­greifen. Seitdem sich die Fürsten und Stämme Deutschlands unter König Wilhelm's I. Führung zur Abwehr vereinigt und seitdem , diese Einigung ihre Vollendung in der Kaiserkröauvg zu Ver­sailles gefunden hat, ist sie nicht etwa abgenutzt oder locker geworden: das Band, welches die Fürsten und Stämme Deutschlands umschlungen, ist fester und fester geworden, und selbst die Schicksalsschläge des Jahres 1888 haben das Ihrige zu seiner Stärkung beigetragen. Nicht nur den Verträgen und der Verfassung, sondern vor Allem der inneren Zufriedenheit aller Glieder

mit den errungenen Gütern, der Thatsache, daß die Einigung dem nationalen Bedürfniß ent­spricht und daß sie dabei berechtigte Sonder­heiten geschont und berücksichtigt bat, sowie dem hierauf begründeten stetigen Wachsthum des nationalen Geistes haben wir den festen Zu­sammenhalt zu danken. Wenn wirklich hier und da einmal in den Blättern das Gespenst eines sich stärker geltend machenden ParticulariSmuS an die Wand gemalt wurde, so waren dies Be­fürchtungen, die in den wirklichen Verhältnissen keine Begründung fanden. Heute dürfen wir mit größerem Recht wie je sagen: die nationale Eintracht steht fest und unverrückt da und sie wird sich durch ihre Schwerkraft selbst erhalten. Die Vergangenheit der sprichwörtlich berühmten Querelles allemandes ist unwiderbringlich ver­loren, und sie wird ihre Auferstehung nicht feiern!

Wer von den unmittelbaren Sorgen des TageS und den schwebenden Parteifragen der Gegenwart seinen Blick zu erheb?'! vermag auf das, was die hinter uns liegenden zwanzig Jahre au inneren Einrichtungen geschaffen haben, der wird gleichfalls nicht umhin können, die außerordentlichen Fort­schritte, welche Deutschland auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, in Handel und Wandel, in Kunst und Wissenschaft, gemacht hat, anzuer- kennen. Ein starkes Heer, welches zugleich eine Schule der Zucht und Ordnung für die waffen­fähige Jugend ist, schützt das Vaterland nach außen; die Gesetzgebung hat für den inneren Ausbau der Verfassung gesorgt: die wirthschaft- lichen Verhältnisse haben eine immer eingehendere Berücksichtigung gefunden, das Interesse an constitutionellen Macht- und Streitfragen ist in den Hintergrund gedrängt. Ganz besonders aber beschäftigt die Fürsorge für das Wohl der wirth- schaftlich leidenden Klaffen die gesetzgebenden Gewalten, und erst vor Kurzem ist die Ber- sicherungsgesetzgebung durch daS Jnvaliditäts- und AltersversicherungSgesetz gekrönt worden.

Ein weiblicher Geheimpolizist.

Original-Erzählung von Walter OnSlwo.

(Fortsetzung.)

Am Abend stand Mary Golling vor einem Spiegel und studierte eine neue Rolle ein. Jeder Schauspieler hätte von ihr noch lernen können. Da stand Mac Guire wie er leibt und lebte das schwarze strähnige Haar, die fahle Gesichts­farbe, der struppige Bart, buschige Augenbrauen, kurz der ganze Ausdruck verliehen Mary so voll­ständig daS Aussehen des Schotten, daß, würde U man die beiden Physiognomien neben einander gesehen haben, man sie kaum von einander zu unterscheiden im Stande gewesen wäre.

Am darauf folgenden Tage verließ Mary ; wieder als Frau Brown ihre Wohnung, in einer | Handtasche die rur Maske des Schotten nöthigen Dinge mit sich führend.

Schon nach wenigen Schritten wußte sie, daß man ihr folgte. Sie ging kreuz und (hier durch verschiedene belebte Straßen, um sich zu über- ' Wgen, daß sie sich nicht täuscht. Beim Ueber- - schreiten eines Platzes sah sie sich um, als erwarte sie einen Omnibus. Etwa zwanzig Schritte hinter sich bemerkte sie Mac Guire, der an einem Schaufenster stehen geblieben war.

Mary setzte ihren Weg fort, Mac Guire folgte M. an ttw Strotzm-ck- sah sie M, elegant

gekleidete Herren miteinander plaudern. Es waren Geheimpolizisten, mit denen sie sich verab­redet hatte. Mary bezw. Frau Brown näherte sich ihnen, als träfe sie da zufällig zwei Bekannte. Mac Guire hatte keine Ahnung von ihrem Vor­haben, als sie einige Minuten lang mit den Herren sprach. Nachdem sie sich mit einem Gruße verabschiedet hatte, folgte ihr der Schotte wieder in geringer Entfernung. Er beachtete es nicht, daß die beiden Herren sich dicht hinter ihm hielten und stand überrascht still, als die beiden thu am Arme faßten und, ehe er sich zu wehren ver­mochte, in eine Droschke brachten. »Wir ver­haften Sie im Namen deS Gesetzes," war alles, was sie ihm sagten. Dann nahmen sie ihm einen Revolver ab, den er verborgen mit sich führte. Mary hatte auf der Polizei Anzeige von der Unterredung Robertsons und Mac Guires ge­macht und hatte sich auf diese Weise zu schützen gewußt.

Daß die Polizei in Mac Guire einen längst gesuchten Verbrecher entdeckte, gehört nicht zu unserer Erzählung, es genügt dem Leser zu wissen, daß der Schotte zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilt wurde wegen schwerer, im Laufe der Jahre, verübter Verbrechen. Mary strengte in ihrer Angelegenheit keine Unter­suchung an, es genügte ihr, sich geborgen zu wissen und im Hexzen war sie dem Elenden fast

dankbar: war er es doch, der ihrindtrect zu den gestohlenen Werthpapieren verhalf, denn M seiner Maske vermochte sie in Robertsons Villa einzudringen.

XXI.

Es war gegen Mitternacht, als Robertson ruhelos in seinem Zimmer auf und ab wanderte; tiefe Schatten lagerten auf seiner Stirn und verriethen die Angst, welche ihn fast verzehrte, seit er wußte, daß das Kammermädchen um sein Geheimniß wußte. Er erwartete in fiebernder Erregung den Schotten, welcher ihm die Gewiß­heit bringen sollte, daß sein gefährlichster Feind nicht mehr unter den Lebenden weile

Da endlich meldete ein Diener, daß ein Fremder den gnädigen Herrn zu sprechen wünsche.

»Führen Sie ihn zu mir!"

Der Diener kam dem Befehle nach und führte den falschen Mac Guire zu seinem Herrn. _

Der Bankier verriegelte vorsichtig die Thür, trat dicht zu dem Schotten heran und fragte im Flüsterton, mit vor Erregung rauher Stimme: »Ist es geschehen?" ,

»Es ist geschehen," antwortete ihm Mac Guire.

»Ist sie unschädlich gemacht, spurlos ver­schwunden?"

»Ja."

Robertson ward leichenblaß.