Beilage zur Nr. 151 des Kreisblatts.
Hersfeld, den 23. Dezember 1890.
Caffel, 19. Dezbr. Heute wurde ein hiesiger gräflicher Reitknecht von einem Pferd beim Putzen derart gegen den Kopf geschlagen, daß der Unglückliche, welcher wohl unvorsichtig gewesen sein muß, schon nach einer halben Stunde den Geist aufgab.
Cafsel, 19. Dezbr. Ein Glaser aus Wahlers- Hausen war heute Nachmittag mit Verglasen gemalter Fenster in einer kleinen Bude an der Sanct Martinskirche beschäftigt und hatte wegen der Kälte die Thüre zugemacht, so daß kein rechter Abzug vorhanden war. Er wurde von den Kohlengasen betäubt und gerieth mit einem Bein an den mit brennendem Coaks gefüllten und zum Löthen verwendeten kleinen Ofen. Man fand den Verunglückten nach längerer Zeit mit gefährlichen Brandwunden auf; in die Luft getragen, kam er erst nach längerer Zeit wieder zu sich und wurde dann nach seiner Wohnung gefahren.
Hanau, 20. Dezember. Gestern Nachmittag hat durch Verhandlung zwischen Herrn Justtzrath Dr. Renner aus Cassel als Generalbevollmächtigter Seiner Hoheit des Herrn Landgrafen Ernst von Heffen-PhtUpPsthal und dem Herrn Oberbürgermeister Westerburg vor dem hiesigen Amtsgericht die Auflassung und Uebertreibung des Altstädter Schlosses nebst Parkes auf die Stadt Hanau stattgefunden. Schloß und Park stehen also seit gestern tm Eigenthum der Stadt.
Oelshausen (bei Dörnberg), 19. Dezember. Die D'pwyeritis ist hier epidemisch ausgetreten, die hiesige Schule mußte beS auf Weiteres geschlossen werden. , _
Volkmarsen, 18. Dezember. Dieser Tage wollte hier ein junges Mädchen aus der Twiste Wasser schöpfen, glitt aus und fiel hinein. Eine Strecke weit wurde das Mädchen durch die Kleider über Wasser gehalten, bald aber war es dem Ertrinken nahe, als glücklicherweise noch zur rechten Zeit ein kleiner Knabe die Gefahr be- Mitte und nach Hilfe schrie. Einem in der
Nähe beschäftigten Arbeiter gelang es, das Mädchen zu retten. Dasselbe liegt nun in Folge des Schreckens und des kalten Bades krank darnieder.
Kirchhain, 16. Dezember. Bei dem auf deu Dörfern noch üblichen NicolauSspielen ist dieser Tage in Schröck ein recht roher Streich ausgeführt worden. Dem als Nicolaus verkleideten 15jährtgen Pius Matt wurde von einem anderen Burschen der Nicolausbart mit einem Streichholz angezündet, wodurch demselben das Gesicht und beide Hände stark verbrannt wurden. Derselbe befindet sich noch heute in der Klinik und steht zu befürchten, daß die Brandwunden eine dauernde Entstellung des Gesichts zur Folge haben.
Von der Werra, 15. Dezember. Wie aus Gerstunaen mttgelheilt wird, soll bei dem letzten Hochwasser auch ein Menschenleben zum Opfer gefallen sein. Der Bäckermeister Rösing von daselbst ist seit dem 24. v. M. verschwunden. Derselbe ist an dem genannten Tage noch auf seinem Grundstücksplan bet Gerstungen dicht an der Werra gesehen worden und wird allgemein vermuthet, daß derselbe von dem Hochwasser überrascht und mit fortgerissen worden sei, wo er seinen Tod gefunden hat. — Das Auffiaden einer solchen Leiche ist jetzt besonders schwierig, da das ganze Ueberschwemmungsgebiet noch mit Eis bedeckt ist.
Gerstungen, 18. Dezember. Durch einen Thterarzt wurde hier festgestellt, daß durch einen tollen Hund mehrere andere Hunde gebissen worden waren. Sie wurden sämmtlich sofort erschossen. Außerdem wurde ein Kind gebissen und sind zur Verhütung des Ausbruches der Tollwuth ärztliche Mittel ergriffen worden. Für ganz Gerstungen wurde amtlicherseits die Hundesperre auf ein Vierteljahr unverzüglich verfügt.
Windungen, 18, Dezember. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern im hiesigen Stadtwalde. Holzhauer waren mit dem Fällen von
Bäumen beschäftigt und wollten gerade eine quer unter einer gefällten Eiche liegende Buche hervorziehen, als betdeBaumstämme ins Rollen gerietheu und ein Ast der Eiche den Tagelöhner Heinrich B e ck e r so unglücklich in den Nacken traf, daß dieser sofort todt zur Erde sank.
Vermischtes.
— Bremen. Rickmers Aktiengesellschaft (große Reismühlen, Reederei, Schiffbau) in Bremen schenkt ihren 500 Arbeitern 80 000 Mark zu Weihnachten. Die Gaben find abgestuft nach der Dauer des Arbeitsverhältnisses. Für eine dreißigjährige Arbeitszeit ist ein Maximum mit 250 Mark festgesetzt.
— A s ch e r s l e b e n, 17. Dezember. Aus dem Nachbardorfe Q u e u st e d t kommt die Nachricht von einem schrecklichen Unglücksfall. Der Arbeiter Paust und seine Frau gingen anf Arbeit und ließen ihre drei Kinder, im Alter von 2, 4 und 6 Jahren, von denen Letzteres am Scharlach krank lag, unbeaufsichtigt in der verschlossenen Wohnung zurück. Als die Nachbarn Nachmittags Rauch aus der Wohnung kommen sahen, erbrachen sie die Thür und fanden die Betten u. s. w. brennend vor. DaS jüngste Kind fand man mit zahlreichen Brandwunden bedeckt bereits erstickt vor. Die beiden anderen hatten auch verschiedene Brandwunden und waren halb erstickt; es gelang aber, sie ins Leben zurück- zurufen. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben die Kinder mit Streichhölzern gespielt und dadurch das Unglück herbetgeführt.
— Königsberg i> Pr., 17.Dezember. Ein bemoostes Haupt, ein 45 Jahre alter Student der Theologie, hat jetzt endlich die Hauptprüfung zur Austelluug im Pfarramt bestauben.
— G e e st e m ü n d e, 18. Dezember. Professor vr. B r a m a n u aus Halle (welcher bekanntlich deu Kaiser Friedrich in San Remo operirte)