Zahl dieser Gutachten geht dahin, daß die Einführung einer einheitlichen Zeitrechnung für den inneren Eisenbahndienst empfehlenswerth sei, daß aber zur Einführung einer solchen für das bürgerliche Leben kein Anlaß vorliege.
Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich ist mit Ihrer K. H. der Prinzessin Margarethe am Sonnabend Nachmittag in Kiel eingetroffen. Ihre K. H. H. der Prinz und die Prinzessin Heinrich waren zum Empfange auf dem Bahnhöfe anwesend und geleiteten die Höchsten Herrschaften von dort zum Schlöffe.
Die Jsteinnahme au Zöllen und Verbrauchssteuern im deutschen Reiche für die Zeit vom 1. April 1890 bis zum Schluß des Monats November hat 414 674 903 Mark H- 37 967 532) betragen. An dem Plus nehmen die Zölle mit 23,3 Millionen, die Verbrauchsabgabe von Branntwein mit 9,7, die Verbrauchsabgabe von Zucker mit 7,7, die Tabaksteuer mit 0,9 und die Salzsteuer mit 0,5 Millionen Theil. Ein Minus weisen auf die Zuckermaterialsteuer mit 3,4 Millionen und die Maischbottich- und Branutweiumaterialsteuer mit 1,2 Millionen. Von den anderen Einnahmen ist die Böisensteuer erwähnenswerth, welche zwar 13,1 Millionen erbracht hat, damit aber immer noch gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres um 3,3 Millionen zurückgeblieben ist.
Die Commission für das Einkommensteuergesetz hatte behufs Ausarbeitung eines neuen Steuertarifs eine Subcommission niedergesetzt. Der neue Tarif bezweckte etnestheils über die Vorlage hinaus Ermäßigungen für die mittleren Einkommen, andererseits das Ansteigen des Satzes für die Einkommen von 30—100000 Mk. bis auf 4 Proceut, während der Regierungsentwurf bet 3 Procent stehen bleibt. Die Com- misstonsberathung ging ohne erhebliche Zwischeu- fälle vor sich und läßt ein gedeihliches Ende erwarten. — Die Commission über das Volks- schulgesetz ist bis zum 8 15 gekommen, es bleiben noch ziemlich starke Meinungsverschiedenheiten auszugleichen. — Die Commission für die Landgemeindeordnung kam in erster Lesung über die Eingemeindung und die Bildung von Zweckverbänden zu Beschlüffen, welche das Gesetz unwirksam machen, die Rechte der Krone berühren und daher vom Minister des Innern nameus der Staatsregierung bekämpft wurden. DaS Entscheidende liegt darin, ob über die Nothwendigkeit von Zusammenlegungen von Gemeinden und von Verbandsbildungen die Krone nach Anhörung des Kreisausschuffes oder ob das Rimessen der letzteren unter formeller Genehmigung der Krone entscheiden soll. Durch die entschiedene Erklärung des Ministers sind die Versuche zerstört worden, die Zustimmung der Staats- regteruug für die Commissionsbeschlüsse vorweg- zunehmen. Während freisinnige Blätter sogar die Auflösung des Abgeordnetenhauses, deffen Plenum sich noch nicht entschieden hat, verlangen, wird in gemäßigten Kreisen au der Hoffnung auf eine Verständigung festgehalten.
Im Prüfungsjahre 1889/90 sind von den Prüfungscommtssionen der preußischen Uaiverst- tätev im Ganzen 794 Doctoreu und Candidaten der Medicin geprüft worden, davon bestanden
»Es thut mir leid, Julia, ich kann sie dir nicht schaffen."
Da beugte sie sich zu ihm vor und fast zischend kam es von ihren Lippen:
»Warum versilberst du keines der Papiere ? Was soll das Zögern?"
»DaS wäre eine verhängnisvolle That!" rief er auf, während tödtliche Blässe sein Artlitz bedeckte.
»Aber ich konnte eine der Obligationen verkaufen — ohne Gefahr."
»Nein, nein, führe mich nicht in Versuchung, wir wären beide verloren; meine Pläne sind noch nicht reif. Erst dann kann ich die Papiere zu Geld machen, ohne daß der Verdacht auf mich fiele —"
»Ich weiß, wie eS schon jetzt zu machen ist, Georg, ohne daß die geringste Gefahr unS droht," wiederholte Julia.
»Nochmals, führe mich nicht in Versuchung, eS wäre uns beiden zum Unheil."
»Dann müssen unsere Wege sich trennen. Tausende sind mir geboten, wenn ich dich ver- laffe."
»O Julia, du treibst mich zum Aeußersten l" rief er leidenschaftlich aus, indem er das schöne Weib mit heißen Blicken verzehrte.
»Nein, du treibst mich zum Aeußersten, wenn du mir das Geld nicht schaffst! Also, willst du auf meinen Plan eingehen oder nicht? Ich kenne einen Mann, der um ein paar Tausend Dollar sich getraut, einige der Hbligatione» in Haar
563. Es bestanden nicht oder waren zurückgetreten 231. Einen hohen Procentsatz von nicht bestandenen Prüfungen weisen auf Berlin (87 von 217) Breslan (34 von 72), wogegen Kiel nur 8 nichtbestandene Prüfungen unter 86, Göttingen 8 unter 55 zählt. Candidaten der Pharmacie wurden geprüft 247, die meisten in Berlin und Marburg, je 57, davon bestanden 215, Von den 563 Medicinern, welche die Prüfung bestanden, erhielten die Censur: Genügend 184, gut 357, sehr gut 22; von den Pharmaceuten: Genügend 59, gut 119, sehr gut 37.
Ueber den vonHolland aus betriebenen schwunghaften Handel mit amerikanischem Speck, welcher in Köln zur Verhaftung des holländischen Händlers Andrffse aus Amsterdam geführt hat, erfährt die »Köln. Ztg.", daß der Verhaftete ganze Schiffsladungen amerikanischen Speck bezog, der mit amerikanischem Stempel versehen war. In Holland wurde der Speck der dortigen Behörde vorgezeigt vnd dann mit dem Gemeinde- stempel versitzen. Der Stempel wurde auf einer Ecke der Speckseiten aufgedrückt. Die nun mit zwei Stempeln versehenen Seiten wurden dann durchgeschvitten; der Theil, welcher den amerikanischen Stempel trug, kam in Holland, wo die Einfuhr amerikanischen Specks erlaubt ist, zum Absatz, der andere, mit dem holländischen Stempel gezeichnete Theil, ging als „holländischer Speck" nach Deutschland. Bet einem Kölner Agenten beschlagnahmte die Kriminalpoltzei zuerst etwa 90 Seiten und dann noch mehrere Waggonladungen Speck, welche von dem Amsterdamer Händler hierher geschickt worden waren. Unter dem beschlagnahmten Speck befanden sich auch die Speckseiten, welche bei der Untersuchung im Kölner Schlachthof mitTrichinen durchsetzt befunden wurden. Als der Holländer nach Köln kam, um sich mit dem schwer geschädigten Agenten auseinanderzusetzen, wurde er wegen des Verdachtes, amerikanischen Speck als holländischen Speck in Deutschland eingeführt zu haben, verhaftet.
Der »Reichsavz." bringt die Meldung, daß der Reichscommissar Major von Wißmann E m i n Pascha zurückberufen habe, weil dessen Mission als gescheitert zu betrachten sei.
Ein Weltpostcongreß wird im Mai kommenden Jahres in Wien stattfinden. Der letzte Cougreß im Jahre 1886 ist in Lissabon abgehalten worden. Deutschland wird, soweit bis jetzt bestimmt ist, auf dem Wiener Congreß durch Reichspostamtsdirector Sachse und Geheimen Oberpostrath F r i t s ch, welche auch an den Berathungen in Lissabon Theil genommen haben, vertreten werden. Wie die »M. Z" hört, wird auch Staatsseeretär von Stephan sich zur Eröffnung des Congresses nach Wien begeben.
Ein Maurergeselle aus Königsberg i. Pr. hatte sich, während er zu einer vierzehntägigen Uebung als Reserve-Unter- officier nach Justerburg zum 41. Infanterie- Regiment eingezogen war, socialdemokratischer Umtriebe schuldig gemacht. Der Maurergeselle, welcher socialdemokratische Schriften verbreitet hatte, wurde in Haft genommen. Jetzt ist er nun, wie die „Osto. 3tg.* meldet, vom Kriegsgericht zu sechs Jahren Gefängniß verurtheilt worden.
Geld umzusetzen."
„Um dann in die Hände der Polizei zu gerathen," meinte Robertson ironisch.
»Gewiß," gab sie lakonisch zur Antwort.
»Ich weiß nicht, wo du hinaus willst"
»Es kann uns ja nichts besseres passieren, als daß er mit der Polizei zu thun bekommt. Der Mann schwört dann, daß er die Obligationen von Henry Wilbert gekauft hat. Wir müssen es so eiurtchten, womöglich, daß er einige Male mit Wilbert gesehen wird, was durch Zeugen bestätigt werden könnte und des betreffenden Mannes Glaubwürdigkeit erhöhen würde."
»Wenn uns aber der Mann, den du meinst, schließlich im Stiche läßt?"
»Das ist hier nicht zu befürchten; ich stehe für ihn, Georg, es ist mein Bruder."
»Gut denn," sagte Robertson nach einigem Zögern.
»Ich werde es also einrichten, daß du mit meinem Bruder eine Unterredung haben kannst, aber nicht hier bei mir, es ist besser wo anders, am dritten Ort — man kann nie wissen — du wirst sehen, daß er unsere Sache geschickt führen wird; er ist ein gewitzter Bursche und kein Neuling," lachte sie.
Dann näherte sie sich Robertson und küßte ibn liebevoll; hatte sie einmal durchgesetzt, was sie wollte, dann war sie von bezaubernder Liebenswürdigkeit. Sie verstand es den ohnehin schon von Leidenschaft Verblendeten immer von neuem 8» sich z« fesseln.
(Rußland.) In letzter Zeit tauchten wiederholt Gerüchte von Vorbereitungen zu neuen nihilistischen Attentaten auf. Jedenfalls ist eine verschärfte Aufmerksamkeit der Polizei bemerkbar, besonders scharf werden nach und vom Auslande reisende Personen beaufsichtigt. In der vorigen Woche genügten einige Aufrufe, welche kurz vor Kaluga in einem Coupee des Schnellzuges auf dem Boden gefunden wurden, um sämmtliche Fahrgäste dieses Wagens zu verhaften, die erst vierundzwanzig Stunden später, nachdem sie sich als völlig unschuldig erwiesen hatten, Weiterreisen durften.
Arts PsoviW «Wd Kachbasgsvist.
H e r 8 f e l d, 22. Dezember 1890.
* Aus dem Krosseuer Kreise wird eine Heilung auf Grund der Kochschen Behandlung gemeldet. Die Tochter des Lehrers R. in Münchsdorf sollte in der Klinik des Geheimraths von Bergmann einer Operation unterzogen werden, da es an Rippentuberkulose litt Vor der Operation war, der »Franks. Oder- Ztg." zufolge, zufälligerweise Professor Koch in der Klinik anwesend, und machte den Vorschlag, man möge, anstatt der Operation, zunächst einige Einspritzungen mit seiner Lymphe bet der Kranken anwenden. Dies geschah auch bald darauf, und nach 2 Injektionen, die in Gegenwart eines großen Kreises von Aerzten erfolgten, ging der Heilprozeß vor sich, und zwar mit derartigem Erfolge, daß das Mädchen dieser Tage gesund zu seinen Eltern zurückgekehrt ist.
* Gedenket der darbenden Vögel! riefen wir beim Eintritt des Winters unseren Lesern zu und glaubten wirklich ein gutes Werk zir thun. Und nun erfahren wir, daß wir nur den schädlichen Raupen und Schmetterlingen damit beistehen. Von kundiger Seite wird nämlich geschrieben! „Mit mathematischer Pünktlichkeit erscheint alle Jahre beim Eintritt der Winterkälte in den Zeitungen eine Aufforderung an das Publikum, den nützlichen Vögeln Futter hinzustreuen, um dieselben vor dem Hungertode zu schützen. Dieser Appell an die Thierfreundlichkeit kommt zwar aus einem guten, wohlmeinenden Herzen, ist jedoch keineswegs in den thatsächlichen Verhältnissen begründet. Wer wie ich eine lange Reihe von Jahren hindurch auf dem Lande gewohnt und das Leben der Thiere in der freien Natur beobachtet hat, bet weiß, daß die Vögel auch im Winter nicht zu darben brauchen, sondern daß da« ganze Jahr hindurch der Tisch für sie gedeckt ist. Im Winter giebt es Jnsekteneier, Larven und Puppen auf Bäumen und Sträuchern, an jedem Ast und in jedem Winkel, an Zäunen und Brücken, am Gebälk bet Häuser, Scheunen und Stallungen, aus denen, wenn sie nicht vertilgt werden, im Frühjahr eine Unmasse Raupen und sonstiges Geschmeiß hervorkriecht,' um unter den ange- bauten Feld- und Gartenfrüchten Verheerungen hervorzurufen. Die Vernichtung all dieser Puppen und Larven ist die Aufgabe der Vögel zur Winterszeit; erweisen sich dieselben hierbei fleißig, so brauchen ste keinen Hunger zu leiden. Wenn Kinder außerhalb des Elternhauses von sreundlichen Händen gesättigt werden, dann sind sie natürlich schlechte Esser am Tisch der Eltern: wenn die Vögel wissen, daß für ste an gewissen Stellen Brotkrumen hingestreut, Fleisch und Talgreste, Mark und Schmalz aufgestellt sind, dann fällt eS ihnen nicht mehr ein, sich mit dem Ansuchen von Insektenlarven abzumüben, sondern sie fliegen einfach dorthin, wo sie wissen, daß Futter sür sie hingestellt ist. In der Wirklichkeit beschützen also diejenigen, welche die Vögel vor dem Hunger- tode schützen wollen, nur die schädlichen Raupen und Schmetterlinge. (D. Tgbl.)
* Bei Postpacketen nach England werden die Abschnitte der Postpacket-Adreffen
Die beiden hatten ihren Plan aufs schlauste ausgeheckt; hätten sie aber daS triumphierende Lächeln auf dem Gesicht des Kammerkätzchens sehen können, als sie in einem Nebenzimmer sich vom Schlüsselloch entfernte, vielleicht würde ihre Zuversicht in das Gelingen des Planes etwas m's Schwanken gekommen sein.
XII.
»Na, ist das alte Schaf endlich weg?" war die Frage eines elegant gekleideten Stutzers, als er zu Julia ins Zimmer trat.
»Ja Gottlob, Charles, und ich habe ihn dazu gebracht, daß er dir einige der Werthpaptere zum Verkauf übergebeu will."
Der junge Mann nannte sich Charles Harriug« ton und galt als der Bruder Julias. Er hatte ein hübsches Aeußere, aber auch seinen Zügen war das Gepräge von Rohheit aufgedrückt, die einzige Aehnlichkett, die sich zwischen ihm uud dem schönen Weib entdecken ließ.
Wieder kam Lucie mit einer Toilettenfrage zu ihrer Herrin; diese fertigte sie kurz ab und sandte sie hinaus.
»Wer ist dean dieses hübsche Mädchen, Julia?" fragte Charles Harrington mit einem leichten Zwinkern seiner kleinen Augen.
Ein mißtrauischer Blick traf ihn, während Julia leichthin sagte:
»Meine neue Jungfer!"
(Fortsetzung folgt.)