Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Abonnement-preis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postaufschlag.
Die Jusertiontgebühren betragen für den Raum einer SpaltreUe 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. RcAamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Irrsftlhti Kreisliliitt.
Mit wöchmtlicher Kratis-Iieilage .^llustrirtes Nnterkaltungsklatt«.__________
Nr. 151. Dienstag dm 23. Dezember 1890.
DöNemeck-LckkU
Mit dem 1. Januar 1891 beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende
Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllnstriltes UilterhaNnngs-Blatt".
Wir bitten, das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für das »Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gra- tis»Beilage „JllustrirteS Unterhaltungs- blatt" beträgt 1 Mark 40 Ps.
Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kretsblatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bis 1. Januar 1891 gratiS und franco zu- gesandt.
MT Inserate finden zweckentsprechende Verbreitung und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
Die Expedition.
LUI>E IM.» I MMMMWMMM, 1 >>«,„.. WH । _!J. .IM]
Amtliches.
Csssel, den 13. Dezember 1890.
In Berfolg meiner Rundverfügung vom 30. November 1888 z. A 11 13786 theile ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst mit, daß der Herr Minister des Innern, im Einverständniß mit dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe bestimmt hat, daß die Ausstellung der Ursprungszeugnisse für nach Italien zu exporttrende
zollpflichtige Waaren künftig nicht durch die I Gemeindebehörden, sondern durchweg durch die, Ortspolizeibehörden zu erfolgen hat.
Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebevst die Ortspolizeibehörden hiernach zu bescheiden.
Der Regterunps-Prästdent. Rothe.
An sämmtliche Königliche Landrätbe des Bezirks. J. A II Nr. 9954.
* . *
*
Hersfeld, deu 19. Dezember 1890.
Wird den Ortsvoltzeibehörden des Kreises mit Bezug auf die Bekanntmachung vom 5. Dezember 1888 Nr. 12230, Kreisblatt Nr. 145, zur Nach- achtung mitgetheilt.
11647. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 22. Dezember 1890.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises wird in den nächsten Tagen ein auf Kosten der Versicherungsanstalt hergestelltes Buch zugehen, welches den Wortlaut des Gesetzes, betreffend die Jnvaliduäts- und Altersversicherung, des Statuts der Bersicherungs-Anstalt und sämmtlicher einschlagenden Verordnungen enthält. Dieses Buch ist zum dienstlichen Gebrauche bestimmt und deshalb sorgfältig aufzubewahren.
Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß der Druck des in der Anweisung vom 17. October 1890 (Beilage zum Regierungs-Amtsblatt Nr. 50) empfohlenen Formulars über die Endzahlen aus der Aufrechnung der Qmttungskarten, bei der Buchdruckerei der Gebrüder Funk dahter veranlaßt worden ist und das Formular von derselben auf Kosten der Gemeinde bezogen werden kann. 11726. Der Königliche Landrath
____________Freiherr von Schleinitz.
~2)te in hiesiger Gemeinde ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.
Widdershausen, den 20. Dezember 1890.
Der Bürpermeister Trieschmann.
Unter dem Rindvieh des Gutsbesitzers Hase I dahter ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Gethsemane, den 20. Dezember 1890.
Der Bügermeister Heiner.
Faktische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser stattete am Donnerstag Vormittag dem Grafen Mottke einen Besuch ab, um demselben die Geburt des sechsten Kaiserlichen Prinzen persönlich mitzutheilen. Um 5*/, Uhr empfing der Kaiser den Besuch der Kaiserin Friedrich und ertheilte gegen 6 Uhr dem aus Holland eingetroffenen General-Major Grafen du Monceau, welcher die Thronbesteigung seiner Souveränin uottfictrte, die nachgesuchte Audienz. Um 6 Uhr fand bet dem Kaiser zu Ehren der niederländischen Gesandtschaft eine größere Tafel statt. Am Freitag fuhr der Kaiser bet dem Porträtmaler Couer vor und gewährte demselben eine längere Sitzung.
Das Befinden Ihrer Majestät der KaisertnuuddesjuugeuPrtuzen ist nach den ausgegebenen Berichten ein fortgesetzt gutes.
Bei der Schlußsitzung der Conferenz für daS höhere Schulwesen wurde der Cultusmintster von Goßler, wie verschiedene Blätter melden, durch eine Aufmerksamkeit Sr. Maj. des Kaises überrascht. Er fand im Conferenz-Saale das ihm gewidmete lebensgroße Brustbild des Herrschers vor, welches die eigenhändige Unterschrift trägt: „Sie volo, sie jubeo.“ (So will ich's, so befehl' ich's).
HinsichtlichderEtuführungeiner einheitlichen Zeitrechnung fürdaS bürgerliche Leben waren die wirthschaft- lichen Corporationen regierungsseitig zu Gutachten aufgefordert worden. Eine sehr große
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ein weiblicher Geheimpolizist.
Original-Erzählung von Walter OnSlwo.
(Fortsetzung.)
Hätte Robertson gewußt, wie recht er mit seiner Meinung über die Kammerkätzchen, namentlich in diesem Momente hatte, vielleicht würde ihm dann Lucie noch unsympathischer geworden sein, als sie es ihm beim ersten Anblick war. Sie stand am Schlüsselloch und merkte sich mit einem verständnisinnigen Nicken jedes Wort, das in dem Salon Julias gesprochen wurde. , ,
Georg Robertson war ein vorfichtiger, schlauer Mensch. Er ließ stch nicht ohne weiteres davon »en, daß die Zofe nur französisch verstand.
te erst prüfen, ehe er sich zufrieden gab.
»Julia/ sagte er, »rufe das Mädchen unter irgend einem Vorwand herein."
»Warum?* „ u . .
»Ich wünsche mich zu vergewisiern, daß du sticht hintergangen wirst."
»Aber woher denn plötzlich dieses Mißtrauen? Du kümmerst dich doch sonst auch nicht um meine Leute."
Ein vielsagender Blick traf sie auS seinen Augen: sie schien plötzlich zu verstehen, denn sie erhob sich und rief nach Lucie. „ ,, . , Das Mädchen trat ins Zimmer; sie schaute in hnvminÄ ntth nttfAnfhia in die Welt, daß es
kein Wunder war, wenn ste ihrer Herrin volles | dann an Robertson, nachdem Lucie aus dem Vertrauen etoflößte.
Julia gab Lucie auf französisch einen Befehl, der sie für eine Weile im Z mmer aushielt.
»Aber, Julia, wo hast du denn dies Mädchen her?" fragte Robertson in lautem Tone und auf englisch. »Das ist ja eine zweideutige Person, die jedermann aus der Straße kennt und die unter polizeilicher Aufsicht steht."
Bei dieser schrecklichen und etwas gewagten Behauptung ruhten seine stechenden Augen durchbohrend auf dem Mädchen. Nicht die geringste Veränderung in ihren Zügen ließ annehmen, daß sie die häßliche Anklage Robertsons ver- standen habe. Sie hätte nicht ruhiger und gleichgültiger dretvschauen können, wenn ste taubstumm gewesen wäre.
Dagegen rief Julia entrüstet auS:
»Was fällt dir denn ein? Eine solche Behauptung aufzustellen!" -
»WaS mir einfällt? Daß ich einen Schutzmann rufen werde, um die Betrügerin, die sich hier als ein anständiges «Mädchen eingeführt hat, ver- $ Noch immer blieb des Mädchens Gesicht ruhig wie zuvor, während sie in einer Schublade nach dem von Julia Gewünschten suchte.
Julia entließ sie, indem sie ihr ein paar freund- HTÄ«^ soll das?" sandte sie sich
Zimmer gegangen war.
»Ich wollte sie auf die Probe stellen."
»Ach so! Und daS Resultat?"
»Ich bin überzeugt, daß ste kein Wort englisch versteht; ste würde bet einer solchen Anklage Mindestens mit den Wimpern gezuckt haben, weuu ste Mich verstanden hätte."
Wenn Robertson das Mädchen auf gut englisch zu stch hätte sprechen hören, was er wohl gesagt hätte? -
»Das sollte wohl schlau sein, mein Bester?" murmelte die Zofe; »ich war darauf vorbereitet und bin froh, daß du mich auf die Probe stelltest; um so leichter habe ich es jetzt, dich zu saugen."
Julia Harrtugton kehrte zu ihrem Anfangs- thema zurück, zu dem Gelde, welches ste haben
wollte.
»Würde denn dein Compagnon dir nicht einen Wechsel auf einige Tausend ausstellen?" fragte sie.
»Du vergißt, daß ich in letzter Zeit schon so viel Geld aus dem Geschäft gezogen habe, daß ich ohnehin jeden Tag fürchten muß, MortouS Mißtrauen zu erregen. Einige Tausend mehr könnten die Catastrophe, welche ich fürchte, her- betführen."
»Ist mir alles gleich, Georg. Ich sage dir nur, ich m u ß noch diese Woche 5000 Dollar haben; mache es wie d« willst."