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Beilage zur Nr. 143 -es Kreisblatts

Hersfeld, den 4. Dezember 1890.

(Holland.) Der königliche Leichen« zug ist am Montag Nachmittag vom Schlöffe Loo auf dem Staatsbaynyofe im Haag einge- troffm, wo ihn die Minister, die Behörden und die Truppen erwarteten. Sodann wurde der Sarg unter Glockengeläute und Artilleriesalven durch 24 Unterofficiere des Landheeres und der Marine in den prachtvollen Leichenwagen gehoben und nach dem Palais in Noordeinde gebracht. In den Straßen, welche der Trauerzug passirte, bildeten die Truppen Spalier. 5 Uhr 15 Minuten traf der Zug im Palais ein, wo der Sarg als­bald in dem Trauergewache aufgebahrt wurde

(Asien.) Im südlichen China soll eine bedenkliche Gäbrung unter den Volksmassen herrschen. Durch die Ueberschwewmung brodlos geworden, drohe die Menae, die Europäer um- zubringen und dann nach Peking zu ziehen, um mit dem Kaiser Abrechnung zu halten.

W«S Provinz ««d Nachbargsbirt

HerSkeld, 3. Dezember *890.

* (Die Weihnachtssendungen betreffend.) Das Reichs-Postamt richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den WeihnachlSversendungen bald zu beginnen, damit die Packetmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrängen, wodurch die Pünktlichkeit in der Beförderung leidet. Die Packete sind dauerhaft zu verpacken. Dünne Pappkasten, schwache Schachteln, Cigarrenkisten rc. sind nicht zu benutzen. Die Ausschrift der Packete muß deutlich, vollständig und haltbar hergestellt sein. Kann die Ausschrift nicht in deut­licher Weise auf das Packet gesetzt werden, so empfiehlt, sich die Verwendung eines Blattes weißen Papiers, welches der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Am zweck­mäßigsten sind gedruckte Aufschriften aus weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Postpacketadressen für Packet- aufschriften nicht verwendet werden. Der Name des Be­stimmungsorts muß stets recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Packetaufschrift muß sämmtliche Angaben der Begleitadresse enthalten, zutreffendenfalls also den Frankovermerk, den Nachnahmebetrag nebst Namen und Wohnung des Absenders, den Vermerk der Eilbestellung u. s. w., damit im Falle des Verluste« der Begleitadresse das Packet auch ohne dieselbe dem Empfänger auSgehändigt werden kann. Auf Packeten nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Packeten nach Berlin auch der Buchstabe des Postbezirks (C., W., SO. u. s. w.) anzugeben. Zur Beschleunigung deS Betriebes trägt es wesentlich bei, wenn die Packete frankirt aufgeliefert werden. Das Porto für Packete ohne angegebenen Werth nach Orten des Deutschen ReichS- Postgebiet« beträgt bis zum Gewicht von 5 Kilogramm: 25 Pf. auf Entfernungen bis 10 Meilen, 50 Pf. auf weitere Entfernungen.

* Bet der am 1. Dezember stattaefundenen Serienziehung der Kurhessischen 40-Thalerloose wurden folaende Nummern gebogen: 7 14 56 121 146 223 225 295 377 398 482 509 528 586 606 624 653 664 674 677 779 809 971 975 987 1032

678 760 775 776

1183 1567

1738 2045 2384

1272

1569

1756

2073

2422

2684 2686

3005

3311 3771

4010 4591

5138

5489 5765

6219

3061 3343 3823 4115 4906 5253 5511 5783 6305

1285 1585 1767 2130 2424 2761 3127 3453 3840 4213 4915 5254 5576 5796

6367

1310 1630

1768 2161 2428

2847 3202

3478 3880

4235 4945 5278 5129 5938

6418

1321 1683

1773 2197

2496 2875

3214 3533 3899

4257 5057 5327 5630

5992 6523

1364 1708 1854 2256 2517 2919 3222 3575 3951 4315 5058 5354 5678 6034 6544

1434 1714 1870 2266 2577 2939 3253 3597 3966 4456 5074 5389 5710 6131

6583

1524 1732

1969 2379 2579 2979

3298 3739 3968 4582

5081 5423 5752

6155 6605

6607 6710.

* Nach der bestehenden Vorschrift ist vom zweiten Advents-Sonntage bis Weihnachten geschlossene Zeit, in der Tanzbetust'gungennicht ftattfillden dürfen, worauf wir hiermit aufmerksam machen.

* Bei dem sich voraussichtlich letzt öfters wiederholenden Glatteis wollen wir den Haus­besitzern folgenden Vers zur Beherzigung em­pfehlen: «Streue so, wie, wenn Du fällst, wünschen

den Colonialwaarenhändtern Berlins eine Be­wegung im Gange, um eine Preissteigerung d e s K a f f e e s durch gemeinsames Vorgehen zu erzielen. In Folge der Concurrenz sind, wie genanntes Blatt mtttheilt, die Preise für Kaffee so niedrig, daß die Detailleure den Kunden minderwerthige Waare geben oder mit direktem Verlust arbeiten müssen.

* Eine allgemeine Verfügung des Justizministers

vom 20. November cr. ordnet an, daß die Notare an Stelle des alten, seit 1840 eingeführten Depositalbuches vom 1. Januar 1891 ab ein Verwahrungsbuch nach vorgeschriebenem Muster zu führen haben, in welches sie alle fremden Gelder, geldwerthen Papiere und Pretiosen ein- zutragen haben, die ihnen in Erwartung eines von ihnen zu errichtenden Rechtsgeschäfts oder aus Anlaß eines von ihnen errichtenden Rechts­geschäfts oder zur notariellen Verwahrung ein- gebändiat mürben.

):(Philippsthal,2.Dezember. Einpracht- volles Meteor von intensivem Lichtglanze durchzog gestern Abend gegen 8 Uhr den südwest­lichen Himmel. Es schien, als sei der Himmel geöffnet und stände derselbe im Feuer.

Caflel, 29 November. Herr Geh. Medicinal- rath Professor Dr Robert K o ch in Berlin hat dem hiesigen Krankenpflege-Institut vomRothen Kreuz" eine Quantität seines neuen Heilmittels gegen die Tuberkulose zukommen lassen und wird dasselbe alsbald zur Verwendung gelangen.

Cassel, 2. Dezember. Herr Professor König in Göttingen hatte vorgestern eine große Anzahl von Aerzten in zuvorkommenfter Weise eingeladen, um dieselben durch Selbstanschauung über die Methode und Einzelgaben der Koch'scheu Flüssig­keit, sodann über die Wirkungen derselben in der chirurgischen Klinik, an deren Kranken mit dem Mittel schon zahlreiche Versuche angestellt waren, zu unterrichten. Zu dieser Demonstration hatten sich die Mitglieder der Göttinger medicintschen Facultät, die praktischen Aerzte von Göttingen, Hannover u. s. w. sehr zahlreich eingefunven; der Operationssaal war am 30. November, Abends 8 Uhr, bis auf den letzten Platz gefüllt. Der klare, geistvolle Vortrag des Professors König, welcher bisher an 48 Kranken seine Versuche mit der Koch'schen Impfung gemacht hatte, war ver­bunden mit der Vorstellung einer großen Zahl von Kranken. Mit großem Fleiß und größter Umsicht waren die verschiedenen Krankheitsfälle zur Demonstration herausgesucht, um die Wirkung des Mittels in den einzelnen Krankheiten, welche dem Chirurgen zufallen, um ebenso die Wirkung des Mittels in den einzelnen Stadien der Impfung zu zeigen. Von größtem Interesse waren die Ansichten des Professors Köntg über das Verhältniß der Koch'scheu Impfung zu der chirurgischen Thätigkeit. Die Zuhörer dankten dem Vortragenden durch Erheben von den Sitzen und lebhafteste Zustimmung. Professor König forderte in den sonst stillen, geräuschlosen Räumen des Krankenhauses, zu einem dreimaligen Hoch für den genialen Forscher Robert Koch auf, der, wie König selbst, aus dem Stand der praktischen Aerzte hervoraegangen sei, dem die Versammlung begeistert nachkam.

Cassel, 2. Dezember. Der 16. hessische Communallandtag ist heute Nachmittag von dem Oberpräsidenten Staatsmmtster Grafen Euleu- burg geschloffen worden.

Cassel, 2, Dezember. Gestern Nachmittag wurde ein in den 30er Jahren stehender Schreiner von hier erhängt an einem Baume im Tannen- wäldcheu aufgefunden. Arbeitslosigkeit soll ihn dazu bewogen haben. sich das Leben zu nehmen.

Hanau, 29. Novbr. Der Main geht stark Mtt Treidels; in Frankfurt, wo die abgetriebenen F-öße bereits die Brücken sperrten und nur theil- w lse und auf schwterrge Weise abgefahren werden konnten, ist man wegen dieser neuen Gefahr ernstlich in Besorgniß.

Frankfurt a. M., 1. Dezember. Auf dem Bauplätze der nächstjährigen internationalen elektrischen Ausstellung ereignete sich abermals ein Unfall. Durch den Einsturz eines Gelüstes wurde ein Arbeiter am Arm ernstlicher, drei andere unbedeutend verletzt. Die entstandene Sachbeschädigung ist unerheblich.

Vermischtes.

B e r l i n, 1. Dezember. Die Abendblätter bestätigen das Gerücht, daß der Spender einer Million Mark für die Koch'sche Heilanstalt der Geheime Rath von Bleichröder ist. Außer der Million hat derselbe auch noch Baugründe an­gewiesen.

Die Zahl der gegenwärtig in Berlin mittels

Koch'scher Jnjectton in Krankenhäusern, Hospi­

tälern und privatim Behandelten beträgt nach ungefährer Schätzung 7 -800 Personen. In vier Wochen soll so viel Lymphe schon bereitet sein, daß ein großer Theil des jetzigen Bedarfs gedeckt sein wird.

Mainz, 29. November. In unserm Nach­barorte Weisenau hat sich heute Morgen ein schrecklicher Unalücksfall ereignet. Eine daselbst wohnende Taglöhnersfrau halte auf einen brennen­den Ofen feuchtes Holz zum Trocknen gelegt und hatte dann das Haus verlassen, ihre drei Kinder, die in dem Wohnzimmer schliefen, allein lassend. Als die Frau nach Verlauf einer Stunde wieder nach Hause kam, drang ihr beim Oeffnen der Zimmerthüre eine starker Rauch entgegen und auf dem Boden ausgestreckt lagen ihre drei Kinder, zwei waren bereits todt erstickt, während das dritte nur noch schwache Lebens­zeichen von sich gab. Während der Abwesenheit der Frau hatte sich das auf dem Ofeu liegende Holz entzündet und der Rauch den Unglücksfall herbeigeführt.

Züllichau, 1. Dezember. Eine wirk­liche amerikanische Erbschaft ist nach der Stadt Züllichau gefallen. An das dortige LandrathSamt gelangte am Sonntag vor acht Tagen eine Baarsendung von 95000 Mark, die einer dortigen Familie als Erbschaft von einer nahen Verwandten, einer Frau E. in Chicago, zugefallen ist.

Berlin, 1. Dezember. Der Congreß derDick - leibigen hat, veranstaltet von dem Humoristischen Wohl- thätigkeits-Verein Halluncia, in der Sonnabend Nacht in dem Passage-Panoptikum" stattgefunden. DieAutomaten Wage' versagte bei dieser Gelegenheit den Dienst, und eine fest« construirte Brückenwaage mußte ihre Stelle einnehmen, um das Körpergewicht der um dieMeisterschaft" und dieEhren­preise" concurrirendenDickleiber" festzustellen. Es mochten ihrer wohl gegen fünfzig gewesen sein, von denen keiner unter zweihundert Pfund wog. Die sieben schwersten davon wurden um Mitternacht proclamirt und unter dem Tusch der Musik zur Tribüne geleitet. Als die gewichtigste Persönlichkeit in Berlin und auch wohl weit betrübet hinaus entpuppte sich der Vertreter der Gräflich Reischach'schen Brauerei in Stralau, Herr Berg, mit netto 399 Pfund Leibesgewicht. Derschwere Berg" behauptete sogar, daß er auf einer andern Wage 405 Pfund gewogen habe. Ihm folgte ein Herr Ferdinand Cohn aus Angermünde mit 365 Pfund; als dritter imschweren Bunde" erwies sich der hiesige Restaura­teur Herr Hubert in der Taubenstraße mit 364 Pfund. Herr Hansen aus Cottbus hatte noch 276 Pfund aufzuweisen, und die Kleinigkeit von 268 Pfund wiesen die Herren Wegener, Weigel und TlüQer aus Berlin auf. Als Prämie für den schwersten geborenen Berliner hatte der Hofschlächter- meistcr Großner ein junges gemästetes Schwein gestiftet, das blumenbekränzt auf weichem Strohlager von einer Ecke des Saalcs aus vergnügt dem Concurrenzkampfe zusah und zu­weilen ein wohlgefälliges Grunzen hören ließ. Für den schwersten Mann auf dem Congreß bestand der Ehrenpreis in einer halben Tonne (50 Liter) echten bayrischen Bieres des Bürgerlichen Brauhauses in München, worüber ein Gut­schein der stiftenden Brauerei vorlag. Diesen Preis erhielt Herr Berg zugesprochen, während das Schwein, den Be­stimmungen des Stifters gemäß, dem Restaurateur Herrn Hubert alsschwersten geborenen Berliner" zuerkannt werden mußte.

(N i e w i e d e r!) Ick habe meine Ehrenrechte noch sämmtlich beisammen, und ick, sowie meine FamUie haben noch nie nischt bejangen, außer bat mein Hund mal ohne Maulkorb uf de Echtraße j-lvosen is, wo ick natterlich davor ufkommen mußte, und nu muß mir so'n infamigtet Bild bet Jenick brechen. Herr Jerichtshof, ick bin jänzlich außer mir. Lassen Sie das lieber bleiben; so schlimm wird die Sache nicht werden. Erzählen Sie uns in aller Ruhe den Sach» verhalt, wandte sich ermuthigend der Vorsitzende des Berliner Schöffengerichts zu dem der Sachbeschädigung beschuldigten Friedrich G. Schlimm wird ct nich werden, aber bestrafen werden Sie mir am Ende doch, und bet Allen« blos wegen meine Eselei. Warum verpumpte ick meine Frau! O ick . .! Diese letzten Worte ergänzte der Angeklagte durch eine Hand­bewegung gegen seinen Kopf, welche anveuten sollte, daß er sich seineEselei" nimmermehr verzeihen könne. Bors.: Was hatte es mit dem in Rede stehenden Familienbild des Zeugen M., das Sie zertrümmert haben sollen, für eine Be- wandtniß? Angekl.: Dat ist eben bet Bild, wo ick meine Frau dazu verpumpt hatte. Bors.: Erklären Sie sich deutlicher. Angekl.: Wat der Zeije i«, der jetzt mein in­timster Feind is, bet war früher mein jeschworenster Duz- freind. EeneS Abends saßen wir Rammen in een Local. Du, sagt er zu mir, nächsten« hat meine Olle ihren JebortS- dag. Na, bet is ja sehre scheene von ihr, sagt ick. Nich wahr? fuhr er fort, nu rathe aber mal, wat ick ihr zu ihrem JebortSdage schenken will? Bors.: Zur Sache, zur Sache! Angekl.: Ick rieth det natürlich nich, und schließlich jestand er mir, bet er ihr een Familienbild schenken wollte,n scheene« Jeschenk, sage ick. Jewiß, sagt er, aber wie krieg ick nu bloß meine Olle uf bet Bild druf, die doch von bet janzen Jeschichic nischt merken soll? Weeßte wat, fuhr ei fort, Du kannst mir den Jesallen dhun und mir mal uf't Stündsken Deine Frau pumpen; et jeschieht ihr nischt. Sr soll bloß mit zum Fortejrafen, ick werd ihr heimlich bi Sonntagskluft von meine vlle besorgen! Ick sage Dir, de