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fjt'jfclkr Kreistlatt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Unterhaltungsklatt".
Nr. 142. Dienstag dcu 2. Dezember 1890.
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„JLlustrirtes Unterhaltn« gsblatt"
für den Monat Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Der Herr Minister des Innern hat dem Vereine für Pferderennen und Pferdeausstellungen in Preußen zu Königsberg i/Pr. die Erlaubniß ertheilt, bei Gelegenheit der im Frühjahre nächsten Jahres daselbst abzuhaltenden Werbeausstellung eine öffentliche Verloosung von Wagen, Pferden rc. 4Ä« reiche der Monarchie zu vertreiben.
Gissel, am 22. November 1890.
Der R aierunos-P ästdent. I. V.: v. Pawel
Bekanntmachung.
Einziehung der Po st werthzeichen älterer Art.
Vom 1. Dezember 1890 ab werden die Verkehrsanstalten nur noch Postwerthzeichen neuerer Art verkaufen.
dem R^tchshavshallsetat für 1891/92 schließt mit geringeren Z ffern ab, als der laufende Etat; letzterer belief sich auf 1269873777 Mk. und zu Die alsdann noch in den Händen des Publikums seiner Balanzirung mußten 317 086 344 Mk. be» befindlichen Postwerthzeicheu älterer Art (Frei- schafft werden; der neue Etat beläuft sich nur marken, sowie gestempelte Briefumschläge, Post- auf 1130 645888 Mk. und zu seiner Balanzirung karten, Streifbänder und Postanweisungs-Formu- sind nur 98 790 369 Mk. außerordentliche Deckungs- lare) können noch bis zum 31. Januar 1891 Mittel erforderlich. Die Herabminderung der zur Frankirung von Postsendungen verwendet Ausgaben ist darauf zurückzuführen, daß das werden. Reich in dem neuen Jahre nicht so viel Mittel
Vom 1 Februar 1891 ab verlieren die älteren zur Stärkung seiner Wehrkraft bedarf als in dem
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ein weiblicher Geheimpolizist.
Original-Erzählung von Walter Ontlow.
L Der Chef der New-Aorker Geheimpolizei, Director Ionng, saß noch zu vorgerückter Abend- - stunde in seinem Arbeitszimmer und dachte über j, einen verwickelten Fall nach, der ihm eben über- geben worden war, als ihn ein leises Klopfen Man der Thür aus seinem Brüten aufschreckte. x Der Eingang zu dem Privatbüreau deS Chefs 'war gewöhnlichen Besuchern unzugänglich, daS MKlopfen wurde jedoch von einem kleinen Er- v kennungszetchen begleitet, was ihn veranlaßte, MHerein* zu rufen.
Die Thüre öffnete sich und eine dicht verschleierte Dame trat ein.
Klopfen wurde jedoch kennungszetchen begleit
„Der Himmel sei gepriesen! Niemand könnte mir gelegener kommen, wie Sie, Fräulein Mary!*
„Ich stehe Ihnen zu Diensten, Herr Director,* gab das Mädchen mit weicher wohllautender Stimme zur Antwort, indem sie den Schleier zurückschlug; ein liebliches Gesicht, von seltener Intelligenz durchleuchtet, kam zum Vorschein. , Sie mochte kaum älter als dreiundzwanzig Jahre sein und nichts tu den jugendlichen, milden Zügen verrieth, daß sie an Muth, an List, Ge- dvlb, Ausdauer und Scharfsinn den tüchtigsten
Postwerthzeichen ihre Gültigkeit. Dem Publikum I soll indeß gestattet sein, die bis dahin nicht ver- | wendeten Postwerthzeichen älterer Art biS spätestens zum 31. März 1891 gegen neuere Werthzeichen gleicher Gattung und von entsprechendem Werthe umzutauschen. Gestempelte Briefumschläge und gestempelte Streifbänder werden gegen Freimarken zu 10 und 3 Pfennig umge- tauscht, die Herstellungskosten werden mit 1 Pfennig für jeden gestempelten Briefumschlag und */2 Pfennig für jedes gestempelte Streifband baar erstattet. Der Umtausch der älteren Postwerthzeichen gegen neue wird an den Post- schaltern bewirkt.
Postsendungen, welche nach dem 31. Januar 1891 noch mit Werthzeichen älterer Art zur Auflieferung gelangen, werden dem Absender zurückgegeben, oder wenn dies nicht thunlich sein sollte, als unfrant'rt behandelt werden.
Vom 1 April 1891 ab sind die VerkehrSan- stalten zum Umtausch altere? Postwerthzeicheu nicht mehr befugt.
Berlin W., den 27. November 1890.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts. von Stephan
» Die RrWnuMge.
Der dem Reichstage vorgelegte Entwurf zu
männlichen Mitglieoern der Geheimpolizei gleich» stand, ja sie zuweilen noch übertraf.
„Haben Sie augenblicklich irgend einen Fall zu erledigen, Fräulein Marys*
„Nein. Ich melde mich eben, um zu erfahren, ob Sie etwas für mich zu thun haben.*
„Ja. Im selben Moment, als sie eintraten, dachte ich an Sie, in Verbindung mit einer schwierigen Sache.*
„Ein Mord?«
„Nein.*
„Ah, ich bin froh ... ich habe vorgestern eine Mordaffaire zu Ende geführt und bin noch von den durchlebten Schrecknissen bis tu die tiefste Seele erschüttert.*
„Ja, Fräulein Mary, ich weiß es; Sie haben es mir nur zu oft schon eingestanden, daß Ihr Beruf ihnen zuwider ist und daß Sie gern einmal eine lohnende Sache übernehmen möchten, um ihn aufgeben zu können.*
„Sie haben recht. Und ist es denn auch nicht traurig, daß ein Mädchen aus guter Familie und -- von meiner Sinnesart, in diesen Beruf hineingetrieben wurde, aus Nothwendigkeit um des lieben, täglichen Brotes willen? Aber lassen mir daS — zum Geschäftlichen also —*
„Wenn Sie Erfolg haben in der vorliegenden Angelegenheit, so ist Ihr Glück gemacht und Sie können sich für immer dem von Ihnen so gehaßten
laufenden. Zur Balanzirung der Ausgaben und Einnahmen ist diesmal eine Anleihe von nur 62 570 339 Mk. erforderlich.
Sehen wir von den aus Auleihemittelu zu deckenden Ausgaben ab, und betrachten wir nur die fortdauernden und einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats, so ergtebt sich, daß sich der Bedarf des Reichs gegen das Vorjahr um 46 609 686 Mk. erhöht. Dieser Mehrbedarf ist unter Anderem durch die auswärtige Vertretung und die Beamten in den Schutzgebieten (309 090 Mark), durch den Zuschuß des Reichs zu der Jnvaliditäts- und Alters-Versicherung (6213510 Mark), durch die Verwaltung des ReichSheereS (Geldverpflegung, Waffen, Remontepferde ic. 25754707 Mk), durch die Marineverwaltung (Indienststellung von Schiffen rc. etwa 11600000 Mark), für Zinsen der Reichsschuld (17450000 Mark) u. s. m. veranlaßt. Dieser Mehrbedarf kann aber nicht vollständig auS den zu erwartenden, dem Reiche verbleibenden Emoahmen gedeckt werden. Die Zölle geben dem Reich nur immer 130 Millionen Mark, und diesmal soll nur ausnahmsweise aus stuanztechnischen Gründen, um die für die Reichsschuld erforderlichen Zinsen nicht dem neuen Jahr zur Last zu legen, sondern in dem Jahr verrechnen, zu welchen sie Wirth- schaftlich gehören, 10 242500 Mk. als Extraeinnahme auS den diesjährigen Zöllen dem Reiche gut geschrieben werden. Weiter ist zum ersten Mal ein Ueberschuß aus dem Jahre 1889/90 im Betrage von 2519743 Mk. zur Deckung deS Mehrbedarfs vorhanden. Die übrigen Mehreinnahmen, auf welche gerechnet werden kann, und zwar aus der Zuckersteuer, Brausteuer, Wechsel- stempel, Post- und Telegrapbenverwaltung, Bankwesen, betragen etwa nur 13 400000 Mk. Kurz zur Deckung des Mehrbedarfs von 46158 608 Mk. hat das Reich aus eigenen Mitteln nur 26158 608 Mark übrig; deshalb muß es sich 20451078 Mk. von den Bundesstaaten geben lassen. Um diese
und doch mit so großem Erfolg betriebenen Be- rufe entziehen.*
„Ich hoffe Erfolg zu haben!* flüsterte daS Mädchen, während ein Seufzer sich ihren fein geschnittenen Lippen entrang und ein finsterer Zug das schöne Antlitz verdüsterte.
„Eine der größten New-AorkerBankfirmen ist das Opfer einer colossalen Unterschlagung geworden. Der gestohlene Betrag beläuft sich auf eine halbe Million Dollar.*
„Eine halbe Million Dollars*
„Eine halbe Million Dollar in Werthpapicreu. Das Eigenthümliche bei der Sache ist, daß die Firma ihren Verlust entdeckte, ohne daß der Schuldige eine Ahnung davon zu haben scheint.*
„Wozu braucht's denn da eines Detectivs? Warum läßt man den Dieb nicht verhaften, wenn man ihn kennt s*
„Weil man die Obligationen intakt zurück- erhalten möcht; sie befanden sich als Depot eines Fremden in der Bank, seit wenig Monaten erst und sollten noch kurze Zeit da bleiben. DaS von der Bank versiegelte Packet wurde von dem älteren Chef der Firma aus der Kasse genommen — er wollte etwas nachsehen — da fanden sich tu dem» selben werthlose Papiere vor; Siegel rc. waren täuschend dem echten Packet nachgemacht. Der Besitzer deS DepotS ist noch nicht unterrichtet, man hofft eben die Obligationen zurückzuerhalren,