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Htrssel-tr Ittislilatt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Anterhaltungsklatt".
Nr. 14V. Donnerstag Den 27. November 1890.
Bestellungen auf das HersfeLder Kreisblatt mit der wöchentlichen GratiSBeilage ^Illustrirtes Unterhattungsblatt" für den Monat Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expeditton angenommen.
Amtliches.
Cassel, den 8. November 1890.
Der Herr LandeSdirector hat mich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Hessischen Brand« Versicherungsanstalt unter Beifügung einer Nach- Wetsung über die in den letzten 5 Jahren im Bezirk vorgekommenen Schornfteinbrände, darauf aufmerksam gemacht, daß durchschnittlich jährlich i/, sämmtlicher Brände durch mangelhafte Schornsteinanlagen verursacht werden und mich ersucht, aus die Beseitigung vorschriftswidriger Schornsteinanlagen hmzuwirkev.
In Anerkennung des Uebelstandes erachte ich es zum Zwecke der allmählichen Beseitigung der mit den Bestimmungen der Bauordnungen in Widerspruch stehenden Anlagen für wünschens- werth, daß die Polizeibehörden hinsichtlich der Schornsteinanlagen in adsgiebiger Weise von der ihnen durch die §§. 92, 80 und 31 der 3 Bauordnungen gewährten Besuguiß Gebrauch machen, wonach die Bestimmungen derselben auf bereits vorhandene Anlagen dann zur An- Wendung gebracht werden können, wenn überwiegende Gründe der öffentlichen Sicherheit und der Gemeiugefährlichkett der Anlage dies unerläßlich machen. Von dem Vorhandensein von mangelhaften Schornsteinanlagen aber werden
die Polizeibehörden dadurch die vollständigste Kenntniß erlangen, daß die Bezirksschornsteinfeger der ihnen obliegenden Verpflichtung pünktlich nachkommen, gelegentlich des ReinigenS der Feuerstätten, deren Feuersicherheit zu prüfen und mangelhafte Anlagen zur Anzeige zu bringen. Ich ersuche Ew. Hochwohlgeboren ergebenst hiernach das Geeignete zu veranlassen, insbesondere auch den Bezirksschornsteinfegern die ihnen obliegende Anzeigepflicht wiederholt einzvschärfeu.
Der Regierungs-Präsident. Rothe.
An sämmtliche Herren Landräthe des Bezirks und den Königl. Polizei-Director hier. A. III. 5573.
Hersfeld, den 21. November 1890.
Vorstehende Verfügung des Herrn Regiernvgs« Präsidenten wird den Ortspolizeibehörden des Kreises ^ur Kenutnißnahme und Nachachtung Den Bezirksschornsteinfegeru ist die ihnen obliegende Anzeigepflicht von mangelhaften Schorn- steinanlagen wiederholt etngeschärft worden.
10649. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleivitz.
Hünfeld, den 20. November 1890.
Das Königliche Landratbsamt wird hierdurch ergebenst in Kenntniß ges tzt, daß durch Verfügung Königlicher Regierung vom 15. November d. Js. A. III. 8319 wegen des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche im hiesigen Kreise die für dieses Jahr noch hierselbst angesetzten Viehmärkte aufgehoben worden sind.
J. Nr. 7663. Der Königliche Landrath von Dal wtgk.
An das Königl. Landrathsamt zu Hersseld.
* * *
Hersfeld, den 24. November 1890.
Wird veröffentlicht.
10885. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Hersfeld, den 25. November 1890.
Die Gemeinden
Conrode, LampertSfeld, Laudershauseu, Mal- komes, Oberlengsfeld und Wüstfeld sind nach einer Mittheilung des ständischen Bau» amtes dahier noch mit Erledigung von Land» Wegebau-Aufgaben im Rückstände.
Die Herren Ortsvorstände der genannten Gemeinden haben für die Ausführung der rückständigen Arbeiten mit Frist btS zum 15. Dezember d. I. Sorge zu tragen. Nach Ablauf dieser Frist wird der etwa weiter verbliebene Rückstand auf Kosten der säumige« Gemeinden veraccordtrt werden.
10840-10845. Der Königliche Landrath
___________Freiherr von Schletnitz.
Hersfeld, den 22. November 1890.
Der Bürgermeister Adolf Krapf zu Rohrbach ist heute als Ortsschätzer der dafigen Gemeinde eidlich verpflichtet worden.
10872. Der Königliche Landrath ______________Freiherr von Schletnitz.
Zugelaufen: dem Mühlenbesitzer G. Henning zu Oberhaun ein grauer Hund. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Futterkasten bet rc. Henning in Empfang nehmen.
Faktische Nachrichten.
Sicherem Vernehmen nach hat der K a i s e r Anfang Dezember dem in Hannover garnisoutren» den Ulan en-Regiment Nr. 13 seinen Besuch zugedacht. Die Anmeldung beim Officier- corps des betr. Regiments für den 5. kommenden Monats ist bereits erfolgt.
sJnvaliditäts» und AlterSver» sicherung.j Um alle Zweifel auszaschließen, soll der Buuoesrath auf Grund des ihm nach dem Gesetze zustehenden Verordnungsrechts auS»
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Urrvrhwt.
Eine Erzählung von K. L o ch m a n n.
(Fortsetzung.)
$ Einstweilen beobachtete sie scharf Felicias veränderten Sinn, denn, wenn es auch durch die ^ Trauer geboten war, dem früheren Putz und Tand zu entsagen, so schien es hingegen eine neue Laune Felicias zu sein, daß sie, nachdem sie Lisette, die hetrathen wollte, aus ihrem Dienst entlasten hatte, au deren Stelle keine andere Dienerin annahm, sondern selbst die Arbeit einer solchen verrichtete.
Felicia kleidete sich selbst auS und an, sie räumte eigenhändig ihre Zimmer auf, so schwer es ihr zuerst auch wurde, und zeigte ganz plötzlich ein großes Interesse für die Hauswirthschaft, namentlich für die Küche.
Die Gräfin ließ sie ruhig gewähren, in der Hoffnung, diese neue Laune werde von selbst verschwinden, wenn der Reiz der Neuheit vorüber sei.
Endlich traf Graf Ulrich, von seiner Reise nach der Residenz, woselbst er seine Angelegenheiten geordnet hatte, wieder auf dem Schlosse ein.
Der Sommer neigte sich bereits seinem Ende zu, iu den Laubbäumen des Parkes welkte schon hte und da ein Blatt, während die meisten in den buntesten Farben des Herbstes prangten.
Graf Ulrich war viel in Gesellschaft der i ,
Damen, da er wußte, daß er stets gern gesehen I war. Felicia schien in der Tbat Gefallen an dem hübschen jungen Mann zu finden, der schon bei der ersten Bekanntschaft einen günstigen Eindruck auf sie gemacht hatte.
Mit unverhohlener Freude bemerkte die Gräfin die Fortschritte Ulrichs in der Gunst ihrer Tochter, und, wenn Felicia auch ein Alleinsein mit ihm vermied, und geschickt bisher jede versteckte Anspielung, die auf ein tieferes Interesse deutete, abzulenken wußte, so konnte dies Benehmen eine unschuldige, mädchenhafte Koketterie sein, durch welche das Herz des lebhaften jungen Mannes Noch mehr entflammt werden mußte.
In Wahrheit war sich Felicia selbst über ihre Gefühle nicht recht klar. — Die geistvollen, munteren braunen Augen des hübschen Vetters verfolgten sie oft, auch wenn er selbst nicht zu- S war. Das Bild Hageus begann zu er- en. Die gelegentlichen Andeutungen der Gräfin, daß eine Hetrath der beiden Verwandten die beste Lösung der langjährigen Familienzwiste sei, daß der Verstorbene selbst in seinem Herzen diese Vereinigung gewünscht habe, fielen selbst bei Felicia nicht auf ganz unfruchtbaren Boden, und stimmten sie oft nachdenklich.
Felicia kämpfte mit sich selbst.
Sollte sie dem Vetter, der alle Vorzüge besaß, und der sie zu lieben schien, ihre Hand reichen? Und warum drängte sich bei dem Gedanke« daran
immer ein düster ernstes Antlitz zwischen ihn und sie, das Antlitz eines Mannes, Dessen Besitz ihr doch versagt war. Sie kämpfte einen schweren Kampf und hatte niemand, mit dem sie sich allS- sprechen, den sie nm Rath fragen konnte.
Die alte, treue Rathgebertu, die Pflegerin ihrer Ktnderjahre war an einem heiteren Herbsttage dem kurz vorangegangenen Herrn sanft in die Ewigkeit gefolgt, ohne den Liebling ihres Herzens vollkommen glücklich alS die Gattin eines würdigen Gemahls sehen zu sönnen.
Felicia hatte das Hmscheiden der alten, treum Anne tief betrauert, sie war ja noch die einzige, mit der sie vertraulich über die Sorgen igreS Herzens plaudern konnte. — HagevS Geheimnis lastete bisweilen schwer auf ihr — und nur Ulrichs Gegenwart gelang es daS Bild jenes ernsten Mannes aus ihrer Seele zeitweise za verbannen.
An einem köstlich warmen Septemberabende saß Felicia im traulichen Gespräch mit ihre« Better auf der Terraffe deS Schlosses.
Die Gräfin hatte sich schweigend zurückgezogen, ohne daß die jungen Leute sonderlich daraus zu achten schienen, aber Ulrich hatte doch seinen Stuhl dichter an den Felicias gezogen, und daS Gespräch sank fast unbewußt, in der sie umgebenden Stille des AbendS, zum heimlich leisen Ge» flüster herab.
1 Ulrich erzählte von dem Leben der Residenz