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fruchtbaren Gedanken unseres Kaisers in die stattfinden. Andererseits aber mehren sich die Hand genommen und dem entsprechende Grund- " s*s

sätze für die Ausbildung der Lehrer, sowohl der niederen wie der höheren Schulen aufgestellt. Was letztere anbetrifft, so soll Anfang Dezember eine Conferenz zusammentreten, welche über die Mittel und Wege berathen soll, die zu dem ge­steckten Ziele eingeschlagen werden können. In Bezug auf das niedere Schulwesen hat der Cultus- minister in einer Verfügung vom 18. October 1890 an die Regierungen und Provinziol-Schul- collegien schon die nöthigen Anweisungen über die Ausbildung der Lehrer ergehen lassen und auch ein Ergänzungsheft zum Semiuar-Lesebuch aus- gearbeitet, welches zunächst die vaterländische Ge- fchichte nach der Seite ihrer wirthschaftlichen Ent­wickelung erweitert und den Lehrern den geeigneten Stoff zum Lehren zuführt. Es ist in 48000 Exemplaren verbreitet worden.

Hoffen wir, daß die neuen Waffen zum Kampfe gegen Irrlehren sich bewähren werden. Wenn so auch schon die Schule ausgerüstet wird, dann kann es an dem endlichen Erfolge nicht fehlen. Unserem Kaiser aber werden alle wahren Freunde der Schule, der Jugend und des Volkes für die auch hier bewiesene Thatkraft und hohe Einsicht in die Lebensbedingungen unseres Volkes zu leb«

haftestem Danke verpflichtet sein.

Faktische Nachrichten.

Am Freitag Nachmittag fand in Potsdam in der Hof- und Garnisonskirche in Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers die Vereidigung der Rekruten der Garnison statt. Außer dem Kaiser wohnten der Feier die Prinzen Heinrich und Albrecht, der Kronprinz von Griechenland und mehrere andere der gegenwärtig in Berlin und Potsdam weilenden Fürstlichkeiten bei.

Se. Majestät der Kaiser hat, dem Vernehmen derN. Pr. Ztg." nach, am Freitag an die Rekruten der Potsdamer Garnison nach ihrer Vereidigung eine Ansprache gehalten, in welcher er zunächst die friedliche äußere Lage betont und dann auf den inneren Feind hinge- wiesen hat, der nur auf dem Boden des Christen­thums zu überwinden sei. Niemand könne ein guter Soldat sein, wenn er nicht zugleich ein guter Christ wäre. Darum sollten die Rekruten, ie soeben ihm, als ihrem irdischen Herrn, den Eid der Treue geleistet, vor allen Dingen auch ihrem himmlischen Herrn und Heiland die Treue bewahren.

S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r hat dem Ge­heimen-Rath Professor Dr. Robert Koch das Großkreuz des Rothen-Adler- Ordens verliehen.

Die im Abgeordnetenhause ausge­gebene Fractionsliste führt auf 120 Cou- servative, 98 Mitglieder des Centrums, 84 Natioualliberale, 66 Freicovservative, 29 Deutsch- Freisinnige, 15 Polen, 13 Wilde, 1 keiner Fraction Angehörigen. Erledigt sind 8 Mandate.

Eine allgemeine Versammlung schlesischer Katho­liken wird in Breslau gtplant, um eine Petition um Aufhebung des Jesuitengesetzes fest- zustellen. Die Versammlung wird nach der »Schles. V.-Ztg.* Mittwoch, den 10. Dezember

selben. Die tief trauernde Witwe von einem j Majoratsherrn erblickte, als schwände ihm plötz-i finden in der großen, weiten Welt? älteren Herrn, ihrem Bruder, geführt, hinter ihr | lich ein geträumtes Glück. Einsamkeit erschien 1 Während Felicia so nebem dem Andenken an

die Tochter die schöne, vielbewunderte, heute bleich aussehende Felicia von Hollweg, am Arm eines jungen, stolz und vornehm daherschreitenden Officiers, der wohl kein anderer fein konnte, als der neue Majoratsherr von Hohenheim, dem so plötzlich und überraschend das reiche Erbe zu- gefallen war.

Ein leises Geflüster ging durch die Reihen der Versammelten.

Schien dieses junge, schöne Paar nicht gleich­sam von Geburt und Natur zu Lebensgefährten für einander bestimmt?

Wir stolz war Haltung und Blick des jungen Mannes, und mit welch zarter Innigkeit ruhten seine klaren, braunen Augen bisweilen auf dem ernsten, schönen Mädchen an seiner Seite.

Das war nicht mehr die strahlende Felicia von früher! War ihre Kindesliebe und ihr Schmerz um den Verlust des theuren Vaters so groß, daß ste aus der Weltdame so plötzlich eine Heilige geworden? Die reichen blonden Locken, um die man sie so oft beneidet, umwanden heute in weichen Flechten ihr Haupt, der früher so reizend lächelnde Mund war streng geschlossen die glänzenden Augen waren zu Boden gesenkt.

So konnte Felicia den düstern Mann nicht sehen, der ebenfalls gekommen war, seinem Nach­bar die letzte Ehre zu erweisen. Ihm war es, da er Filicia am Arme des jungen und schönen

Kundgebungen gegen die Aufhebung des Jesuiten-Gesetzes. So wird, wie die Hall. Ztg." hört, auch in Halle eine Petition um Aufrechterhaltung der erwähnten Gesetzes­

bestimmungen vorbereitet.

Das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht eine Kaiserliche Cabinetsordre, durch welche behufs beschleunigter Ausbildung des OfficierersatzeS die Einrichtung abgekürzter Unterrichtskarse auf den Kriegsschulen verfügt wird. Im Frühjahr 1891 ist eine neunte Kriegsschule zu eröffnen. Bei besonders guter Qualification können aus dem Kadettencorps hervorgegangene charakterisirte Portepeefähnriche schon nach zweimonatlichem, die übrigen Aspiranten schon nach dreimonatlichem Truppendienste zur Kriegsschule zugelassen werden.

Die Berliner Stadtverordneten-Dersammlung hat einstimmig beschlossen, Professor Koch zum Ehrenbürger der Stadt Berlin zu ernennen. Ein zweiter Antrag, Professor Koch 6i8 zur Fertigstellung der ihm vom Staat zugesicherten Klinik diejenigen Raume zur Verfügung zu stellen, deren er zur Förderung seiner neuesten Entdeckung bedarf, gelangte eben­falls einstimmig zur Annahme. Es wurde mitgetheilt, daß Verhandlungen des Magistrats mit dem Cultusminister damit geendet hatten, Professor Koch das Moabiter Krankenhaus mit 150 Betten zur Verfügung zu stellen und daß auch Pro­fessor Koch das städtische Gut Malchow zum Zwecke der Er­richtung eines Sanatoriums zur Verfügung gestellt sei. Ferner hat die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat ersucht, die erforderlichen Einrichtungen zu treffen, um das Kochsche Verfahren der gesammten Bevölkerung zugänglich zu machen. Berlin ist von fremden Aerzten überfüllt, fast wie zur Zeit der internationalen medicinischen CongresseS. Für die zugeströmten Kranken mußten, Privatkliniken errichtet werden. Koch's ursprüngliche Idee war es, die Frage der Heilung sämmtlicher bisher bakteriologisch erforschten Jn- fectionskrankheiten als ein ganzes zu betrachten und darnach zu bearbeiten. Da die Lösung dieser Gesammtfrage mit der Herstellungsweise und Zusammensetzung der gegen Tuberkulose angewandten JnjcctionSflüssigkeit zusammenhing, ist es be­greiflich, daß Koch darüber so lange Stillschweigen bewahrt, bis er auch mit der Lösung des zweiten Theils seiner Auf­gabe hervortreten kann. Er selbst hat sich, wie dem Bericht zweier Schüler von ihm in Wien zu entnehmen, von der praktischen Seite der Frage vollkommen zurückgezogen und die weitere Ausarbeitung seiner Methode seinen bisherigen Mit­arbeitern und der ganzen Welt überlassen, während er selbst in erhabener Bescheidenheit und Ruhe sich in sein Laboratorium zurückzieht, um weiteren Forschungen zu leben. Tausendfachen Anfragen aus der Welt setzt er beharrliches Schweigen ent­gegen und schließt sich von der Außenwelt ab.

Nach den Voranschlägen für den Reichshaus- Halts-Etat 1891/92 soll die Friedensstärke des Heeres im neuen Etatsjahre 20440 Officiere und 486 900 Mann betragen. Gegen das laufende Jahr treten nur ganz unbedeutende Veränderungen ein. Einer Vermehrung der Zahl der Gefreiten und Gemeinen entspricht eine Ver­minderung der Oeconomie-Handwerker.

Die Jsteinnahme bet den Zöllen und Verbrauchssteuern im Deutschen Reiche hat amtlicher Nachweisung zufolge in der Zeit vom 1. April bis 31. October 1890 364,1 Millionen Mark oder ein Mehr von 35,3 Millionen gegen den gleichen Zeitraum des Vor­jahres ergeben. An dem Mehr sind in erster Reihe die Zölle mit 21,7 Millionen, sodann die Verbrauchsabgabe von Zucker mit 6,2 und die Verbrauchsabgabe von Branntwein mit 9 Milli- onen betheiligt. Die Zuckermaterialsteuer weist ein Minus von 2,7 Millionen gegen das Vorjahr auf. Was die andern Einnahmen des Reiches

ihm sein Loos auf ewig.

Als die feierliche Rede, die der Geistliche dem

Andenken des Verstorbenen gewidmet hatte, vor­über war, hoben zwölf Förster, sonnengebräunte, stattliche Männer, in der schmucken, grünen Weidmaunstracht, den Sarg auf und senkten ihn hinab für immer in die stille Gruft.

Einsam und ruhig war es wieder auf Schloß Hohenheim, als die Gäste, welche zu der Trauer- feierlichkeit herbeigekommen, abgereist waren, unter thue» der neue Majoratsherr, Graf Ulrich von Hollweg, der einer Seitenlinie des alten Ge­schlechts angehörte.

Erst jetzt kam Felicia zum vollen Bewußtsein alles dessen, was in letzter Zeit über sie herein- gebrochen war. Sie rief sich nun wieder die ernste Stunde ins Gedächtniß, die sie in Linden- ruh verlebt; das Bild jener unglücklichen, schönen Frau in Hagens Studierzimmer trat leb­haft wieder vor ihre Seele!

Und Er, den jenes Weib sterbend ins Elend gerissen, Robert von Hagen war ihr verloren! Die strenge Festigkeit seines Charakters war nicht an ihrer Liebe, die sie ihn doch so deutlich hatte errathen lassen, gescheitert.

Ja, wenn der Mann zu finden wäre, der allein Aureliens That gesehen, jener einzige Zeuge von Hagens Unschuld! O! sie hätte ihn gern gesucht, gesucht mit allen Kräften. Doch wo sollte sie ihn

betrifft, so ist erwähnenswerth, daß die Börsen- steuer, die allerdings jetzt schon von den im Etat für das ganze Jahr veranschlagten 14,8 Millionen 11,6 Millionen eingebracht hat, gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres noch mit 2,8 Millionen im Rückstände ist.

(Frankreich) Aus Anlaß des in Part? = an dem russischen General Seltverskoff ver­übten nihilistischen Mordes, besten t

Thäter, ein gewisser Padlewski, immer noch nicht aufgefunden ist, soll die Regierung be. schloffen haben, eine Anzahl der in Paris sich = aufhaltenden Russen auszuweisen. Man hat dabei besonders diejenigen im Auge, welche bereits in Nibilistenprozessen verwickelt waren.

(Holland.) König Wilhelm III. von i Holland ist am Sonntag früh seinen laugen i und schweren Leiden erlegen. Mit ihm ist der letzte der Oranier, dieses berühmten und hervor­ragenden Herrschergeschlechtes, dahingegangen. ^(Amerika.) Nach den letzten in New Aork eingegangenen Nachrichten rücken die Sioux- Jndianer, welche von dem Glauben an einen

kommenden Messias erfüllt sind, über die Pine- Ridge-Berge vor. Dem New-Aorker Journal Sun" zufolge beträgt die Anzahl der indianischen Krieger circa 1500, während die Stärke der Unionstruppen und Grenzpolizei nicht 500 Mann übersteigt.

Aus Provinz «nd RachhnrgrSirt.

H e r s f e l d, 24. November 1890,

* Gewisse Forderungen verjähren am 31. Dezember des dritten Jahres, in welchem sie zahlbar bezw. klagbar waren; also am 31. Dezember 1890 Forderungen aus Geschäften, welche im Jahre 1887 abgeschlossen. Den Be­stimmungen unterliegen: 1) Forderungen der Fabrikanten, Kauf- und Handelsleute, Apotheker, Krämer und Händler jeder Art, der Künstler und Handwerker für Waaren und Arbeiten ihres

Geschäfts; 2) die Forderungen der Wirthe und Kostreicher für Beherbergung, für abgegebene Speisen und Getränke und sonstige für ihre Gäste bestrittene Bedürfnisse und Auslagen; 3) Forderungen der Dienstboten, Fabrikarbeiter, Handwerksgesellen, Tagelöhner und anderer Hand­arbeiter, desgleichen der Haus- und Wirthschafts- beamten, der Handlungsgehilfen, und überhaupt aller in Privatverhältniffi " '

standenen Personen wegen ihrer Emolumente und etwaiger Auslagen für die Dienstherrschaft und

en stehenden oder ge-

die Forderungen der Dienstherrn wegen der an die in Ziffer 3 genannten Personen geleisteten Vorschüsse; 4) Postporto, Briefträgerlohn, Fracht­geld, Fuhrlohn, Pferdemiethe und Botenlohn;

5) die Forderungen der öffentlichen und Privat- Lehr-, Erziehungs- oder Verpflegungs-Anstalten für Unterricht und Unterhalt, Lehrgeld, Vorschüsse und Auslagen für Zöglinge und Lehrlinge; 6) Gebühren und Auslageforderungen der öffent­lichen Anwälte und Notare, Aerzte, Wundärzte, Hebammen, Müller, Feldmesser rc.; 7) rückständige Mieth- und Pachtgelder, und bedungene Zinsen.

* Wir verfehlen nicht, darauf hinzuweisen, daß namentlich jetzt die geeignete Zeit ist, O b st - bäume zu dünge». Vorzügliches Düngungs­matertal ist 1 Theil Jauche mit 2 Theilen Wasser

dem geliebten Todten auch Robert von Hagens gedachte, und strebte, seiner würdig zu werden, beschäftigte sich die Gräfin lebhaft mit Felicias Zukunft.

Die Badereise und damit die Heirathspläne mit dem reichen Baron von Lärmen hatte sie auf­geben müssen, aber in der Person des jungen Majoratsherrn bot sich eine so viel glänzendere Partie für ihre Tochter. Ueberdies war Ulrich schön, liebenswürdig und von hoher Bildung.

Er hatte vor seiner Abreise ein längere Unter­redung mit der Gräfin gehabt, welche sie mit den besten Hoffnungen für die Zukunft erfüllt hatte So sah sie denn mit sehnlicher Erwartung der baldigen Rückkehr des jungen Mannes entgegen.

Der Tochter gegenüber schwieg die Gräfin vor­läufig wohlweislich über ihre Pläne; sie kannte Felicias leicht verletzbares Wesen, und hielt es für klüger, den jungen Leuten die Annäherung selbst zu überlassen. Gelegenheit dazu würde sich reichlich bieten, wenn Ulrich erst da sei.

(Fortsetzung folgt.)

G e b w e i l e r, 21. November. Wie die Straßb. Post" berichtet, ermordete der Posthilfs« beamte Weck, der nächste Woche Hochzeit haben sollte, um seine Braut heirathen zu können, seine zweite Geliebte, die Kaufmannstochter Rosaltg Dauer.