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Rr. 138.
Sonnabend ten 22. November
1890.
Amtliches.
Gemöß §. 22 Abs. 2, Ziffer 1 des Gesetzes, betreffend die Jnvaliditäts- vnd Altersversicherung, vom 22. Juni 1889, wird der durchschnittliche Jabresarbeitsverdienst für die in der Land- nnd Forstwirthschaft beschäftigten Personen des Regierungsbezirks (MM, wie folgt, festgesetzt:
für erwachsene (über 16 Ich
re alte) 1 männlichen Geschlecht«.
Zelsonen weiblichen Geschlecht«.
1) Cassel, Stadtkreis, aus .
2) „ Landkreis, „ .
3) Kreis Eschwege „ .
4) „ Frankenberg „ .
5) „ Fritzlar „ .
6) „ Fulda
a. für die Stadt „ .
b. „ „ übrigen Orte „ .
7) Kreis Gelvhausen „ .
8) „ Gersfeld
9) Hanau, Stadtkreis „ .
10) „ Landkreis, „ -
11) Kreis Hersfeld „ .
12) „ Hofgeismar „ .
13) „ Homberg „ .
14) „ Hünfeld „ .
15) „ Kerchhain „ .
16) „ Marburg
a. für die Stadt „ .
b. „ „ übrigen Orte „ .
17) Kreis Melsungen „ .
18) „ Rinteln „ .
19) „ Rotenburg „ .
20) „ Schlächtern „ .
21) „ Schmalkalden „ .
22) „ Witzenhausen „ .
23) „ Wolfhagen „ .
24) „ Ziegenhain „, .
600 540 500
450 500
600 500 500 400 700
600 420
500 400
420 450
600 500 450 450 450 450 500 500 400
400
400 350 350 310 350
450 350 350 280 550
450 300 350 280 300
310
450 350 310 310 310
310 350
350 280 280
Cassel, am 17. Oktober 1890.
DerRegierungs-Präsident. J. V.: von Pawel.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Uervrhmt.
Eine Erzählung von K. L o ch m a n n.
(Fortsetzung.)
Denn gerettet war Felicia, — das sagte ihm die Ruhe die hier herrschte, das sagten ihm die treuen, klugen Augen Ralphs, der keine Spur eines etwa stattgehabten Kampfes an sich trug. Doch wo war Felicia? — In seiner Aufregung dachte er nicht an das vorhin offen gelassene Fenster, das jetzt, wie die übrigen, geschlossen war. — Doch, als er die Hausthür geöffnet hatte, schritt er fast mechanisch seinem Studierzimmer zu.
Leise hatte er die Thür desselben geöffnet — jetzt blieb er verwundert stehen.
An seinem Schreibtisch, den Kopf in die Hand gestützt, — so daß die blonden Locken über das schöne Gesicht herabfielen, — saß Felicia, sie, die er nie Wiedersehen wollte. — Sie hatte wie es schien in seinen Papieren gelesen, — mit übermüthiger Hand das Geheimniß seines Lebens angetastet, den Schleier von dem unheimlichen Bilde seiner Vergangenheit gezogen.
Er war leichenblaß geworden; — näher schritt $r dem Tische zu, und dicht vor dem noch leise
Hersfeld, den 19. November 1890.
In dem Kreisblatte Nr. 135 ist von dem Königlich statistischen Büreau in Berlin eine Ansprache an die Bevölkerung über Wesen und die Bedeutung der bevorstehenden Volkszählung veröffentlicht worden.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden beauftragt, dieselbe durch Verlesen in Gemeinde- Versammlungen zur Kenntniß der Ortseinwohner zu bringen, sowie die Herren Localschulinspectoren ersucht, erwähnte Ansprache durch Besprechung in den Schulen zur größtmöglichsten Verbreitung bringen zu lassen, um der vielfach verbreiteten irrthümlichen Annahme entgegen zu treten, daß die Volkszählung zu irgend welchen steuerlichen Zwecken erfolge.
10744. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld wird hierdurch ergebenst be'^ richtigst, daß unter den Schafen der GemeiuLe Berka a./W., sowie unter dem Rindviehbestande des Landwirths Christoph Wirsing daselbst der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt ist.
Eisenach, den 15. November 1890.
Der Großherzogl S Director deS III.
Verwalt.-Bezirks.
v. Beust.
An das Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. Zu P. 2984a/b.
* * *
Hersfeld, den 19. November 1890.
Wird veröffentlicht.
10732. Der Königliche Landratb
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 19. November 1890.
Der commtss. Bürgermeister Hieronymus B ä tz zu Kalkobes ist heute als Ortsschätzer für die genannte Gemeinde eidlich verpflichtet worden.
10761. Der Königliche Landrath
Fre-Herr von Schleinitz.
weinenden Mädchen stehen bleiben», rief er mit harter, rauher Stimme: „Comteß Felicia!"
Sie fuhr erschrocken auf, — strich sich die Locken ein wenig zurück, so daß er ihre Thränen sehen konnte.
„Wie kommen Sie hier her, Comteß?" — fragte er streng.
„Der böse Hund trägt die Schuld," entgegnete Felicia, indem sie vergeblich ihre Erregung zu verbergen suchte, „er ließ mich nicht fort, — so suchte ich von der V randa durch jenes Fenster zu entfliehen, das geöffnet war und —*
„Und Sie vertrieben sich die Zeit Ihrer unfreiwilligen Gefangenschaft, indem Sie meinen Geheimnissen nachspürten?"
„Ja!" — antwortete sie einfach, indem sie hoch erröthet.
Sie war aufgestanden, und wandte sich voll dem strengen Manne zu.
In diesem Augenblicke war sie nicht mehr das übermüthige Kind, sondern das, seiner selbstbewußte, liebende Weib! — Und wunderbarer Zufalls — Als sie stumm, Verzeihung bittend, vor ihm stand, glitt sachte der Schleier von dem Frauenbilde an der Wand herab, und auch jene großen dunklen, einst so geliebten Augen starrten Hagen a«.
Unter dem Rindvieh in hiesiger Gemeinde ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Wüstfeld, den 18. November 1890.
Der Bürgermeister Westphal.
tt Jnvaliditäts- und Altersversicherung der Dienstboten.
In vielen Kreisen, sowohl bei den Herrschaften, als auch den Dienstboten herrscht noch immer Unkenntniß darüber, daß auch Dienstboten (Kutscher, Knechte, Köchinnen, Mägde k.) nach dem Jnvaliditäts- und AlterSverficherungSgesetze vom 22. Juni 1889 als verficherungspflichtige Personen anzusehen sind.
Die Versicherungspflicht der Dienstboten tritt nach § 1 Ziffer 1 des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetze» ein für denjenigen Dienstboten, welcher da» sechSzehnte Lebensjahr bereits vollendet hat und gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt wird. Als Lohn gelten auch Naturalbezüge (Wohnung, Kleidung, Gartennutzung, Feuerung u. s. w.)
Eine VersicherungSpflicht der Dienstboten besteht dagegen nicht, wenn der Dienstbote, als Entgeld für die Dienstleistung nur freien Unterhalt (Wohnung, Nahrung, Kleidung) aber keinen baaren Lohn ' wie dieses auf Sem Platten Lande bei Haussöhnen und HauStöchicrn oft der Fall ist.
Die versicherungspflichtigen Dienstboten haben dafür Sorge zu tragen, daß sie beim vollen Inkrafttreten des Invalidität«- und AlterSversicherungSgesetzes — voraussichtlich dem 1. Januar 1891 — im Besitze einer QuittungSkarte sind, in welche die den demnächst zu entrichtenden Beiträgen für die Invalidität«- und Altersversicherung entsprechenden Marken einzukleben sind.
Die Beiträge beziehungsweise Marken find von der Dienstherrschaft zu entrichten; jedoch sind die Herrschaften berechtigt, den Dienstboten die Hälfte der Beiträge in Abzug zu bringen.
Die Entrichtung der Beiträge erfolgt bei jeder Lohnzahlung, also monatlich, vierteljährlich u. s. w., je nachdem dem Dienstboten der Lohn monatlich, vierteljährlich u. s. w. ge. zahlt wird, und zwar, wie schon bemerkt, in der Weise, daß die Herrschaft denjenigen Betrag an BÜtragsmarken in die QuittungSkarte des Dienstboten in fortlaufender Reihenfolge einklebt, welcher für die Lohnperiode, d. h. die Zahl von Wochen, für welche dem Dienstboten der Lohn gezahlt ist und die in Betracht kommende Lohnklasse zu entrichten ist.
Für die Höhe der Lohnklasse ist der Jahresarbeitsverdienst der Dienstboten (baarer Lohn und Naturalbezüge) maßgebend. Das Gesetz hat 4 Lohnklasse gebildet und e« gehören zur: Lohnklasse I alle Versicherten mit einem Jahresarbeitsverdienst bis zu 350 Mk. einschließlich,
, II alle Versicherten mit einem JahresarbeitSverdienst
Schuld und Unschuld! — Nie schienen sie trefflicher charakteristrt zu sein, als in diesen beiden Gesichter«, diesen Augen.
Dort die schöne, schuldbeladene Frau, mit dem stolzen, kalten Lächeln um die vollen Lippen! — Und hier dicht vor ihm, daS rosige unschuldsvolle Mädchen, in dessen bisher ungetrübten Augen Thränen glänzten, — erregt, fürchtend und hoffend zugleich. —
„Felicia!" — Er wollte den glückverheißenden Namen rufen, zärtlich, mild, — verzeihend.
Aber die Arme, die er anSstreckte, die süße Mädchengestalt zu umfassen, sanken matt herab, und der süße Name erstarb auf seinen Lippen. — Er hatte sich gefaßt!
„Ich zürne Ihnen nicht, Comteß Hollwegl- sagte er tonloS.
Sie hatte seine Bewegung vorhin nicht bemerkt, aber den Blick seiner Äuaen hatte sie verstanden, so wie er die glühende Röthe, die plötzlich ihr Antlitz übergoß, verstehen mußte die Flammen- schritt ihres Herzens, die da sagte: „Ich liebe dich!" —
Wie konnte er jetzt so kalt und herzlos sprechen: „Ich zürne Ihnen nicht, Comteß Soll- weg !" Hielt der Unerbittliche so starr au seinem Sutschluffe fest? -