außerdem über Schmerzen im Kniegelenk. Der Verdacht, daß auch diese« Leiden tuberkulöser Natur sei, war begründet. Nachdem die Flüssigkeit in das Unterhautzellgewebe des Rücken« eingespritzt war, trat eine heftige Reaction im Kniegelenk ein; dasselbe schwoll stark an. Die Bedeutung der Kochschen Methode liegt also einmal darin, daß durch dieselbe die Dia gn os e auf Tuberkulose unbedingt gesichert ist; sodann daß die Heilung zweifellos erscheint. Libbertz hat hier Controlversuche angestellt und zwar durch Einspritzung der Flüssigkeit in den gesunden Körper seine« eigenen Schwiegervater«. Hier trat keinerlei Reaction und keinerlei Fieber ein. Heute Vormittag gelangte in der Klinik von Dr. Lohsen ein neuer Fall von LupuSgeschwür zur Behandlung. Selbst die zweifelsüchtigsten Fachmänner gestehen unumwunden zu, daß die Kochsche Methode von unübersehbarer Tragweite ist. Die Herstellung des Impfstoffe« ruht lediglich in den Händen von Dr. Libbertz und Dr. Pfuhl. In Berlin wird für Koch ein eigene« Krankenhaus zwischen der alten Charlie und der Stadtmauer errichtet werden; die Herstellungskosten betragen 200,000 Mark, welche auf Antrag dcS CultuS- ministers v. Goßler durch Miguel bereits zur Verfügung ge stellt sind. Geschichtlich sei bemerkt, daß Koch an den Versuchen seit drei Jahren arbeitet. Die Thierversuche waren bereits im August des vorigen JahreS abgeschlossen. Die Kochsche Methode ist nicht blos auf Tuberkulose anwendbar, sondern aus alle Infektionskrankheiten, deren bakterielle Natur bekannt ist. Die Versuche an DiPhtheritiSkranken haben gleichfalls bereit« begonnen. (Becl. Tgbl.)
Vermischtes.
— Würzburg, 9. Novbr. In dem benachbarten Kitzingen wurden vorgestern durch aus- strömende Most-Gase die Vorsteherin (Schwester des Neuendettelsauer Diacomssenhauses) und ein Zögling der evangelischen Kinderbewahranstalt getödtet. Ueber daS Unglück erfährt man Folgendes: Der Zögling der Anstalt wurde in den Keller geschickt, um Kartoffeln zu holen, kam aber nicht wieder, was die Vorsteherin veranlaßte, nach ihm zu sehen, wobei sie von dem gleichen Schicksale ereilt wurde. Eine andere Schwester wurde bei dem Versuche, die Beiden zu retten, ebenfalls betäubt, aber noch lebend aus dem Keller gebracht.
— L ü b e ck, 10. November. Vorgestern Abend feuerte der Former D. aus dem Hannöverschen gegen den Werkmeister S. und einen Former der Eisengießerei Scheselig u. Nöld mehrere Re- volverschüsse ab und tödtete sich darauf durch einen Schuß in die Brust. Der Werkmeister wurde am Oberbein verletzt. D. war kürzlich entlassen worden, ist 37 Jahre alt und ver» heirathet.
— (Eine Frauenstadt.) In Merzig, einer Kreisstadt an der Saar, -ist jüngst behördlicherseits festgestellt worden, daß mehr als die Hälfte aller Geschäftsbetriebe unter der Leitung weiblicher Personen stehen. Die größte Fabrik der Stadt gehört einer Witwe und wird von ihr persönlich geleitet. Die G'oßhandlungsbe- triebe, die Gasthöie und sonstigen Geschäfte unterstehen in der Mehrzahl Frauen. Allen Ernstes darf versichert werden, daß diese von Frauen geleiteten Geschäftsbetriebe sehr pros- pertren und unter der Concurrenz des stärkeren Geschlechts garnicht zu leiden haben. Nun trete noch einmal einer gegen die Gleichberechtigung der Frauen auf!
— (Raubmord.) Der Pfarrer von Ascq bei Lille wurde in der Nacht zum 11. November ermordet, seine Magd tödtlich verwundet. Ein Raub war Anlaß des Verbrechens.
— (Versunkene Fähre) Am 10. November war in Bistritz au der Waag Jahrmarkt, zu welchem von dem am anderen Ufer gelegenen DorfeOrowa ungefähr 70 Bauern mit Wagen und Pferden kamen, um sich auf einer Fähre übersetzen zu lassen. Die Waag ging eben sehr hoch. Die Fähre war überdies überlastet. Mitten im Strome drang
Wasser ein, die Fähre sank, und Alles stürzte in d^e hochgehenden Flutben. Nur 24 Personen wurden gerettet. Von Reisenden wird in ergreifender Weise geschildert, wie zahlreiche Personen an beiden Ufern der Waag das furchtbare Unglück mitansahen, ohne aber Hilfe bringen zu können. Zahlreiche Menschen, Pferde und Wagen wurden von den Fluthen fortgetragen.
— (Gescheitert.) Der engliche Kreuzer „S e r p e n t" ist nach in L o n d o n eingegangenen Nachrichten beim C a p V i l l a n o an der spanischen Küste gescheitert. An Bord des „Serpent" befanden sich 276 P e r s o n e n, von denen nur drei gerettet wurden, die bei dem Dorfe Camarinas ans Land geschwommen sind.
— C h r i st i a n i a, 11. November. Eine genaue Untersuchung hat ergeben, daß die Schweinepest nur an drei Stellen in der Stadt Christiania, sonst aber nirgends im Lande aufgetreten ist. Der Bestimmung der Regierung gemäß sind sämmtliche Thiere aus den in sichten Ställen gc- tödtet und die Ställe gründlich desinficirt worden.
— (F e u e r s b r u n st.) Am Dienstag Vormittag brach in Madrid in einer Tabckfabrik eine große Feuersbrunst aus, durch welche der größte Theil der Fabrik eingeäschert ist und 6000 Personen arbeitslos wurden.
— (Eine langlebtgeFamilie) Dieser Tage wurde in Warschau eine goldene Hochzeit gefeiert, die vielleicht einzig in ihrer Art ist, da dieser Festlichkeit die Mutter des Jubelgreises beiwohnte. Frau Anelli B o r r u g s k i, deren Sohn sein fünfzigjähriges Hochzeitsfest beging, ist 1784 geboren, steht also im 107. Lebensjahre. Trotz dieses hohen Alters erfreut sich diese rüstige Dame einer guten Gesundheit, nur daß ihre Sehkraft erheblich abgenommen hat. Vor etwa zehn Jahren starb ihr Mann, der auch e n Alter von mehr als hundert Jahren erreichte.
— Sydney, 29. October. (Ein Hund ert- jährigerZuchthäusler.) Amvergangenen Montag ist im Gefängniß zu Geelong in Victoria ein zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheiltes Individuum, James Golden, gestorben. Der Mann ist, wie actenmäßig feststeht, im Jahre 1790 geboren, also genau hundert Jahre alt geworden.
— (Deutsche Journalistik in Amerika.) In den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika und Canada giebt es 773 deutsche Zeitungen, von denen 95 täglich erscheinen, 4 dreimal in der Woche, 18 zweimal, 493 einmal, 74 am Sonntag, 35 zweimal im Monat, 52 einmal und 3 dreimal. Die älteste deutsche Zeitung ist die „Gazette" in Nork, Pa., welche seit 1795 erscheint. Die meisten Zeitungen hat der Staat New-Iork, nämlich 117, dann kommt Ohio mit 105, Pennsylvanien mit 85, Illinois mit 85, Wisconsin mit 82.
— (Holzfütterung für Ochsen.) In der Sitzung des Landesöconomiecollegiums wurde am Mittwoch vom Oberforstmeister Dr. Danckel- wann mitgetheilt, daß man in Eberswalde mit der Holzfütterung von Nutzthieren gute Resultate erzielt habe. Ein mit Holz gemästeter Ochse sei vor Kurzem in Berlin zu hohem Preise verkauft worden. Eine bei Julius Springer in Berlin von Doctor Ramann und von Jena-Käthen erschienene „Holzverfütterung und Retsigverfütke- rung* behandelt eine Reihe von den Verfassern angestellter Versuche, die den landwirthschaftlichen Vereinen mitgetheilt werden sollen.
— Zwei Besenbinderbegeguenstch. Der eine ruft: „Besen! Neirn Pfennig das Stück!" — der andere: „Besen! Sechs Pfennig das
Stück!" — „Höre, Bruder," sagte der eine, „ich stehle doch das Reisig zu meinen Besen auch und kann sie nicht billiger geben; wie machst du es denn?" — „34 stehle die schon gemachten Besen."
- (Kindermund.) Ein kleiner ABC-Schütze, der erst seit Kurzem die Schule besucht, fand am 10. d. am Abreiß-Kalender unter den üblichen Datumsangaben auch den Geburtstag Schillers verzeichnet. „Papa, sag' mal, was heißt denn das hier, „Schiller"?" — „Das ist ein Dichter." — „Wo ist er denn?" — „Oh, der ist schon lange todt!" — „So, wer führt deuu das Geschäft weiter?" — Der Papa bleibt natürlich die Antwort auf diese Frage schuldig, welche wohl auch unsere Litteratur-Historiker in Verlegenheit setzen dürfte.
Berloosunge«.
Braunschweig, 1.Novbr. Serienziehung der Braunschweiger 20 Thaler-Loose: 17 73 111 116 131 331 371 755 1028 1058 1439 1458 1734 1967 2278 2318 2536 2667 3510 3543 3604 4010 4096 4167 4243 4430 4592 4850 4859 4936 5215 5314 5370 6131 6197 6630 6707 6737 6915 7005 7289 7379 7468 7478 7546 7576 7913 7916 7982 8038 8113 8163 8617 8815 9132 9240 9289 9509 9585 9753 9826 9985.
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