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trieben wird, anstellte, griff der Sohn des Wagners R. an eine Transmissionswelle. Die­selbe ergriff den Kleinen und schleuderte denselben mehrere Male herum; der Knabe, welcher 8 Jahr alt war, war vollständig zerquetscht, so daß der Tod sofort eintrat. Den Müller soll kein Ver­schulden treffen.

Caffel, 11. Novbr. In der am 17. d. Mts. beginnenden letzten diesjährigen Schwurgerichts- Periode werden auch die Eschweger Verfertiger von falschem Papiergeld zur Aburtheilung ge­langen.

Carlshafen, 10. Novbr. Heute Nachmittag fiel das vierjährige Söhncheu des Fabrikarbeiters W. Mantel in Helmarshausen beim Spielen in die Diemel. Erst nach einiger Zeit wurde das Kind aus den Wellen gezogen. Herr Dr. Amelung von hier, welcher gerade an ersterem Orte war, stellte sofort Belebungsversuche an, die aber leider nicht mehr von Erfolg waren.

hat, welche die internationalen Eisenbahnzüge ausplündert.

(Ein Freund der Bildung.)Sie derfen mir nich mit'n janz gewöhnlichen Rumdreiber un Tagedieb us eene Stufe stellen, Herr JerichtShof, indem ick woll'n bisken mehr Bildung in die Suppe zu brocken habe, wie die mehrsten Schutzleute, un Bildung macht frei, wie Schiller sagt." So meinte von der Anklagebank des Berliner Schöffengerichts aus ein etwa vierzigjähriger Mann in abgerissener Kleidung, der sichtlich bestrebt war, dem Gerichtshöfe möglichst zu imponiren. Vors.: Ich weiß nur aus den früheren Verhandlungen, daß Sie ein ganz unleidlicher Schwätzer sind und vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen Pflegen. Angekl.: Wer Vieles bringt, wird jedem etwas bringen un wenn Dumm­heit eene Jabe JotteS is, denn is wahre Bildung derjenige Adel, der Vors.: Lassen Sie uns in Ruhe mit Ihrer Bildung und mit Ihren Salbadereien. Sie sind der frühere Barbier Emil G . . . und schon vielfach wegen der ver­schiedensten Uebertretungen und Vergehen vorbestraft. Heute sind Sie nun wieder der Beleidigung eines Schutzmannes und der Zechprellerei angeklagt. Wir wollen zunächst die erste Sache erörtern. Was machten Sie am Nachmittage des 19. August in den Anlagen auf dem Königsplatze? An­gekl.: Ick bin en leidenschaftsvoller Leser un lese alle Bücher, die ick habhaft werden kann. An jenem Tage saß ick uf 'ne Banke und hatte en sehr scheenct Buch vor, ick jlobe, det waren die Memoriden von Kaiser Josephen von die Mühl- bachcn. Mit eenem Male, als ick jerade an eene recht rührende Stelle bin, spüre ick, det einijc Droppen in det Buch fallen. Nanu? denke ick, Rejen bei vollständig blauen Himmel? Det is ja en merkwürdijet Aeguinoktium. Da muß ick doch Virchowcn mal inpellitiren. Mit eenem Male kommen noch mehr Droppen. Nu stehe ick uf un sehe, dat hinter mir, von en Jebusch versteckt, en Mann mit en Spritzenschlauch steht, der in alle Jemiethlichkeit die Blumen begießt. Sie da, sage ick, sehen Sie nich, det ick mir hier vervollkommnen dhue? Halten Sie gefälligst Ihren Schlauch so, det det Publikum nich molestirt wird. Ach wat, meente er, so jenau könnte det keener treffen un ick sollte mir solange uf 'ne andere Bank setzen. Vors: Das hätten Sie ruhig thun sollen. Angekl.: Ick sehe nich in, det ick den Beamtenstolz noch neie Nahrung jeben soll, so'n Mann muß sich nach mir richten. Vors.: Sie geriethen also mit ihm in einen Wortwechsel, der besonders viele von den sich in den Anlagen aufhaltenden Kindern anlockte, ein Schutzmann kam hinzu, der Sie fort- wies und nun richteten Sie Ihre beleidigenden Aeußerungen gegen ihn. Angekl.: Wie kann der Mann mir uf 'ne öffentliche Anlage meine Existenz verweigern? Ick habe blos jesagt, er hätte woll den Einfalts-BacilluS in'n Kopp, wat der Mann wohl jar nich mal verstanden hat. Bors.: Sie sollen noch verschiedene recht beleidigende und ordinäre Redens­arten gebraucht haben, woraus am besten zu sehen ist, wie es mit Ihrer vielgerühmten Bildung beschaffen ist. Der Schutzmann führte Sie zur Wache, wo Sie festgehalten wur­den, bis Ihre Personalien festgestellt waren. Dann wurden Sie entlassen. Sagen Sie mal, wurden Sie auf der Wache nicht untersucht? Angekl.: Ja, sie haben mir da die Taschen umjekramt. Vors.: Gut. Wie kam er denn, daß Sie nach 2 Stunden wieder aus der Wache waren? Angekl.: Det jing janz natierlich zu. Ick jehe so langsam durch die Karlstraße un hatte mir natierlich ieber den Mann mit die Spritze un ieber die Schutzleite mächtig jeärjert. Ich schmeiße in'n Vorbeijehen eenen Blick in so'n Budikerkeller hu un sehe denn, det mein Fremd Müller, der Colporteur is un mir die Memoriden jeborgt hatte, an't Fenster sitzt. Det trifft sich fein, denke ick un jehe rin. Als ick ihm aber bejrüßen will, 'sehe ick, det ick mir jeirrt habe, er war et nich. Ick lasse mir 'ne jroße Weiße jeben un weil der Wirth jerade seine scheene Sülze uf'n Disch stehen hatte, wat schon von Kindheit an mein Lieblingsessen jewesen is, lasse ick mir davon for 30 Fennje runterschneiden. Vors.: Sie sollen im Ganzen eine Zeche von 65 Pfg. gemacht haben. Angekl.: Det mag woll stimmen. Vors.: Wie wurde es denn nun mit der Bezahlung? Angekl: Ick hatte durch alle die Ereignisse janz verjessen, det ick keen Jeld bei mir hatte, aber det is doch schon janz andere Leite passiert. Vors.: Das mag sein. Sie wußten aber doch, daß Sie soeben auf der Wache unter­sucht worden waren und keinen Pfennig Geld hatten. Angekl.: Wer viel in Büchern liest, der denkt an so wat nich. UebrigenS brauchte der Budiker keene Angst for die paar Fennje zu haben, denn ick wollte ihm die Mühlbachen so lange in Pfand lassen. Vors.: Er hat es vorgezogen, Sie arre- tiren zu lassen. Der Angeklagte soll eine vierzehntägige Gefängnißstrafe verbüßen.

Helsingör, 10. November. De* schwedische DampferKurtr", nach Königsberg unterwegs, sank auf der hiesigen Rhede nach einem Zusammenstoß mit der norwegischen BarkR e x"; sechs Personen ertranken.

Dünkirchen. Am Sonntag wurde im hiesigen Theater eine Vorstellung der OperFaust* durch stürmische Kundgebungen unterbrochen. Das Publikum hatte erfahren, daß einer der beiden Leiter des Stadttheaters, Mertel, Deutscher sei und schrie:Nieder mit dem Prussten! Nieder mit dem Deutschen! Zurücktreten!* Es forderte die Marseillaise und beruhigte sich nicht eher, als bis ihm von der Bühne herab mitgetheilt wurde, man werde sich unverzüglich mit seinen Be­schwerden beschäftigen. Mertel ist übrigens keineswegsPrussten", sondern Elsässer.

Prag, 10. November. Heute Vormittag stürzte das Dachgesimse eines Neubaues am Kohlenmarkte ein, durchschlug. das Gerüst und führte den Einsturz von vier Stockwerken herbei. Bisher wurden 5 Todte und 6 Verwundete aus den Trümmern hervorgeschafft. Die Rettung?- arbeiten werden fortgesetzt.

(Rus sis che Kälte.) Die Schneegestöber und die Fröste, welche in Rußland während der letzten Wochen herrschten, haben viele Menschen­leben gefordert. Während des Schneesturmes, welcher in der Nacht zum 22. Oetober in der

Vermischtes.

Ein Mitarbeiter Robert Kochs, Dr. Arnold Liebbertz aus Frankfurt a. M. hat am Mon­tag, wie dieFranks. Ztg." meldet, einen Fall von Lupus einer Behandlung unterzogen. Unter denjenigen Formen der tuberkulösen Erkrankungen, welche der Kunst am hartnäckigsten trotzten, nimmt der Lupus eine hervorragende Stellung ein. Es ist dieses eine mit mehr oder minder umfangreicher oder vollständiger Zerstörung der Gesichtshaut, der Nasenflügel oder der Lippen einhergehende, auf Tuberkulose beruhende Er­krankung der Haut, welche sehr oft zur Allgemeiniutcction des Körpers führte. Voraussichtlich wird Dr. Libbertz dasselbe günstige Resultat erzielen, wie Professor Koch, der Lupuö in fünf Tagen völlig geheilt hat! Die Spritze, deren sich Koch bedient, ist ähnlich der Pravazschen Spritze. Der Jnsictionsstofs ist eine vollkommen durchsichtige, gelblich schimmernde, schwach nach Karbolsäure riechende Flüffigkeit. Nach den bisherigen Erfahrungen folgt auf die Operation eine Zunahme der Temperatur, dann Schüttelfrost mit Fieber, oft Erbrechen; die injicirte Stelle schwillt an; der Impfstoff tödtet den Tuberkel-Bacillus und stößt die kranken Gewebe nach kurzer Zeit nekrotisch ab; es bildet sich eine neue, gesunde Haut, und schon nach wenigen Tagen ist der Patient vollkommen herge­stellt. Von autorisirter Seite erhält dieFrankfurter Zeitung" ferner folgende Mittheilungen: Die Publication Kochs erfolgt in den nächsten Tagen. Der Impfstoff wird sofort sämmtlichen Aerzten zugänglich gemacht. Der Preis des FläschchenS mit 20 bis 30 Jnjectionen ist vorläufig 25 Mark. Der Erfolg bei tuberkulösen Erk^nkungen der Haut, der Gelenke und Knochen, sowie bei frischen Fällen von Lungentuberkulose ist unbedingt sicher; inwieweit bei vor­geschrittenem Lungenleiden, wjrd die Erfahrung lehren,

Hamburg, 12. November. Der Kapitän des SchunersHenriquetta" will an der Magellans- streße Indianer in Uniformen der Osficiere des Hamburger DampfersVirgilia- gesehen haben, welcher seit dem 11. August vermißt wird. Ein chilenisches Kanonenboot ist dorthin entsendet worden.

Hamburg, 10. Novbr. Gestern Abend fand in O t t e n s e n eine furchtbare Schlägerei zwischen den Streikenden und den neuengagtrten polnischen Glasbläsern statt, an der sich 300 Arbeiter betheiligten. Es fielen auch Revolver- schüsse, durch welche ein Arbeiter schwer verwundet wurde. Zahlreiche Verhaftungen wurden vor­genommen.

Freiberg i. S., 8. November. Folgen­der Unglücksfall ereignete sich gestern im hiesigen Brauhofe. Mehrere Böttcher waren mit dem Ausstichen eines großen Mutterfasses beschäftigt, als plötzlich die Gase, welche sich in demselben entwickelt hatten, explodirten und das Faß aus- einandertrieben. Dem Böttcher Vogt wurde der Kopf abgerissen, während der Böttcher Hierlich lebensgefährliche Verätzungen erlitt; außerdem wurde der in der Nähe befindliche Braumeister Büller leicht verwundet.

Nürnberg, 9. Novbr. Der vorgestern Nachmittag von hier abgegangene neue italienische Hofzug ist zurückgekehrt, weil unterwegs durch eine Gas-Explosion sein Inneres zerstört wurde.

Dortmund. (RuhestörenderLärm.) Eine eigenthümliche Angelegenheit beschäftigte jüngst das hiesige Schöffengericht. Ein Vater bestrafte eines Tages seinen widerspenstigen Sohn nachdrücklich. Der Knabe erhob bei der Züchti­gung ein großes Geschrei, welches durcy das Rufen der Mutter, welche glaubte, der Schlingel könne zu viel bekommen, verstärkt wurde. Der Mann hat nun wegen Verübung ruhestörenden Lärms fünf Mark zu zahlen.

Der Gräfin von Bismarck, der Schwiegertochter des Fürsten von Bismarck, ist auf ihrer Reise nach England während der Eisenbahnfahrt durch belgisches Gebiet ein mit kostbaren Juwelen gefüllter kleiner Koffer ge­stohlen worden; darunter befanden sich mit Perlen und Brillanten geschmückte Armbänder, Medaillons, eine antike Brüche. Da erst vor 14 Tagen die Baronin von Rothschild auf ähn- liche Weise beraubt worden ist, glaubt man, daß * sich eine internationale Spitzbubenbande gebildet

Umgegend von Elisabethgrad wüthete, wurden dem Elisabethgradskij Wjestnik zufolge mehr als 25 Personen erstarrt auf- gefunden. Bet einem Gutsbesitzer sind 8 Stück Hornvieh durch die ungeheure Kälte vernichtet worden.

Kopenhagen, 10. November. Nach einer Meldung desMorgenbladet* aus Malmö ist unter dem Schweinebestande der Ortschaft Skurup (in der Nähe von Malmö) eine Seuche ausgebrochen,.welche sich in einer rasch eintreten­den Lähmung der einzelnen Glieder äußert und ein schnelles Verenden der Thiere herbeiführt.

London, 11. November. Heute Morgen fand bei Taunton ein Zusammenstoß zwischen einem Güterzug und einem Extrazug statt, welcher von Südafrika in London angekommene Paffagiere nach Plymouth brächte. Wie verlautet, sind mehrere Personen getödtet und acht andere zum Theil schwer verletzt.

(Feuersbrunst.) Das Gefängniß und 20 anstoßende Geschäftshäuser sind in Picton, Neu-Schottland, durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Das Feuer war von einem Sträfling angezündet worden, welcher selbst in den Flammen umkam. Derselbe war ein norwegischer Matrose, welcher in's Gefängniß gekommen war, weil er einem Collegen einen Mefferstich versetzt hatte. Im Gefängniß zündete er seine Zelle an. Die Flammen verbreiteten sich schnell über die ganze Anstalt.

London, 8. November. DieTimes- schließt eine Besprechung der Entdeckung Professor Koch's, falls die Methode sich in der Prüfung bewähre, so würde deren Entdecker einen Platz unter den größten Wohlthätern der Menschheit einnehmen und seinem Gedächtniß unvergänglichen Ruhm verleihen.

(Johann Orth) Nach einer Lissaboner Depesche derKreuz-Ztg.* meldet derDiarto de Notitias" ein Telegramm aus Amerika, daß der Erzherzog Johann Salvator (Johann Orth) mit seinem Segler, derMargaretha*, mit einem Kauffahrer zusammengestoßen sei, wobei die Margaretha* mit Mann und Maus den Unter­gang gefunden haben soll.

Ein gemeinnütziger Dichter, dessen Name leider nicht bekannt ist, hat seinen Pegasus in den Dienst der Bestrebungen zur Förderung hauswirthschaftlicher Erziehung ge­stellt und nach bekannter Weise folgende hübsche Verse, vermuthlich zum Vortrag in Salons, ver­faßt: Wenn ich ein junges Mädchen wär', mein erstes wäre das: Ich nähme Strickbaumwolle her und strickt' ohn' Unterlaß. Ich ließe das Ptanosptel, das ist nur Ohrentrug, Geklimpert wird ja viel zu viel, gestrickt doch nie genug. Wenn ich ein junges Mädchen wär', mein zweites wäre das: Ich controllirte etwas mehr die Wäscherin am Faß. Ich stellte, wenn die Waschzeit ist, Romanlcctüre ein; Mit spannen­den Romanen liest man nicht die Wäsche rein. Wenn ich ein junges Mädchen wär', mein Liebstes wäre das: ich ging zur Köchin in die Lehr' und kochte selber 'was! Der Hausfrau ziemt es sicherlich, wenn sie gut kochen kann, Und könnt' ich dies, bekäme ich auch sicher einen Mann.

(Onkels Talent.)Wir wollen wilde Thiere spielen, Onkel, spielst Du mit?Alle Wetter, Fritz chen, was sollt ich denn für ein Thier fein?*Du wirst der Bär, Onkell* Warum denn gerade der Bär?*Weil Du so schön brummen kannst!*Ich brummen? Hast Du's denn schon gehört?*Nein, aber Papa sagte gestern, Du hättest schon mal ein halbes Jahr gebrummt!*

(Kasernenblüthe.) Feldwebel:Na, arbeiten wollen die Kerle nicht, aber den ganzen Tag auf dem Strohsack herumlümmeln, wie die Venus im Wellenschaum das wäre so ihr Geschmack!*

Allgemeine Renten-, Capital- und Lebensver­sicherungsbank Teutonia in Leipzig. Bis 30. Sep­tember 1890 gingen ein 3238 Einträge über 10 999146 Mk. Versicherungssumme, ausgefertigt wurden 2644 Versicherunaen über 8 725 867 Mk. Versicherungssumme. Am 30. Septem­ber 1890 waren in Kraft 44 781 Policen über 112 831956 Mk. Versicherungssumme. Die durch den Tod in den ersten 9 Monaten des Jahres 1890 fällig gewordene BersicherunqS- summe belief sich auf 1210276 Mk. Bisher gezahlte Ber- stcherungsumme: 30 Millionen Mark.

Fruchtpreise.

Weizen (ä 100 Kilogr.) 18 M. Pf. biS 18 M. 40 Pf. (Durchschnittspreis 18 M. 20 Pf.) Roggen (ä 100 Kiloar.) 16 M. 80 Pf. bis 17 M. 75 Pf. (Durchschnittspreis 17 M. 26 Pf.) Gerste (ä 100 Kilogr.) 15 M. 57 Pf. biS 18 M. - Pf. (Durchschnittspreis 16 M. 74 Pf.) Hafer (ä 100 Kilogr.) 13 M. 68 Pf. biS 14 M. - Pf. (Durchschutttspreis 13 M. 85 Pf.)