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Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Zluterhaltungsölatt".

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Nr. 134.

Amtliches.

Donnerstag den 13. November 1890.

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29. aus

Casiel, den 4. November 1890.

Euer Hochwohlgeboren veranlassen wir festzu­stellen und innerhalb 14 Tagen anzuzeigen, bet wie viel mit Kirchendienst verbundenen Lehrer- stellen des dortigen Kreises die Befreiung des Lehrers vom niederen Kirchendienste im Sinne des in Gemeinschaft mit uns erlassenen Cousistorial- Avssckreibens vom 22. Februar 1882 C. Nr. 1472 B. Nr. 2509 (s, unsere Rundverfügung vom 8. März 1882 B. 2509) stattgefunden hat und mit wie vielen Lehrerstellen noch der niedere Kirchendienst verbunden ist.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. gez. Opttz.

An die Königlichen Landräthe des Regierungs­Bezirks. B. 13765.

Hersfeld den 10. November 1890.

Wird den Königlichen Localschulinspectoren des hiesigen Kreises mit dem ergebensten Ersuchen Mitgethetlt, mir gefälligst bis spätestens - zum 18. d. MtS. mittheilen zu wollen, wie £ viel Inhaber von Schulstellen Ihres Bezirks vom niederen Kirchendienst befreit sind und r mit wie viel Schulstellen derselbe noch verbunden ist.

10453. Der Königliche Landrath

Freiherr von S chleiui tz.

Hersfeld, den 12. November 1890.

Nach einer Mittheilung des ständischen Bau- awtes dahier sind die Gemeinden ic.:

Allmershausen, Biedebach, Bingartes, Fried­los, Mecklar, Meisebach, Reilos, Untergeis und Unterhaun

mit Erledigung von Landwegebau-Aufgaben im Rückstände.

Die Herren Ortsvorstäude der genannten Ge-

meinden haben für die Ausführung der rück­ständigen Arbeiten mit Frist bis zum 1. Dezember d. I. Sorge zu tragen. Nach Ablauf dieser Frist wird der etwa weiter ver­bliebene Rückstand auf Kosten der säumigen Ge­meinden veraccordirt werden.

1043310441. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinttz.

Steckbrief.

Gegen den Banquier Johann Conrad Zicken- draht aus Hersfeld, ist die Untersuchungshaft wegen Unterschlagung verhängt. Verhaftung und Ablieferung in das Gerichtsgefängniß des Er- greifungsortes und Nachricht. II. Nr. 14082/90. Beschr. Alter: 29 Jahre, Größe: 1,62 m, Statur: zierlich, schlank, Haare: blond, Stirn: hoch, Bart: kleiner blonder Schnurrt» art, Augen: blau, Gesicht und Kinn: oval, Gesichtsfarbe: blaß, Sprache: rasch und hoch. LUdg. Ueberzieher von Hellem Stoff, dunkler Filzhut.

Cassel, den 4. November 1890.

Der Erste Staatsanwalt.

Aolitische Nachrichten.

Berlin, 11. Novbr. Während der heutigen Morgenstunden arbeitete S e. Majestät der Kaiser zunächst im Neuen Palais allein und börte darauf die Vorträge des Ministers der geistlichen Angelegenheiten, Staatsministers von Goßler und des Chefs des Militär-Cabinets, General-Adjutanten v Hahnke, sowie deS Staats- secretärs im Reichsmarine-Amte Contre-AdmiralS Hollmann. Später hatte der commandirende General des 15. Armee-Corps General der In­fanterie v. Lewinsky II. die Ehre des Empfanges. Mittags ertheilte der erlauchte Monarch dem General-Lieutenant z. D Hann von Wabern

Audienz, welcher die Ehre hatte, die Orten seines verstorbenen Vaters, des Generals der Kavallerie Hann v. Weyhern, in die Hände Sr. Majestät des Kaisers persönlich zurücklegen zu dürfen.

Se. Majestät der Kaiser wird sich Donnerstag Nachmittag von Potsdam aus zur Abhaltung von Jagden nach dem Königlichen Forstrevier bet» Letzlingen begeben und am Sonnabend Abend von dort zurückkehren.

Der Besuch des Reichskanzlers in Mailand hat am Sonntag Vormittag seinen Abschluß gefunden, nachdem am Abend vorher General v. Caprivi und Herr Crispi vom Könige in Monza huldvollst empfangen worden waren. Dem Kanzler wurde bei Gelegenheit dieser Audienz der Annunciaten-Orden überreicht. Um 10*/, Uhr trat Herr von Caprivi mit dem Zuge der Gotthardbahn die Rückreise nach Deutschland an. Gern würde er wie er am Freitag dem mailändischen Sindaco und einer Abordnung von Mitgliedern der Gemeindevertretung erklärte noch etwas mehr auf italienischem Gebiete sich umgeschaut haben, die Geschäfte gestatteten ihm jedoch nicht, diesem Wunsche Folge zu geben. Die Einwohnerschaft Mailands, die dem deutschen Staatsmann während des mehrtägigen Aufent­halts in ihrer Mitte wiederholt Beweise auf­richtiger Hochachtung gegeben hatte, bekundete ihm auch beim Abschiede ihre sympathische Ge­sinnung. Ein Telegramm des Wolffschen Bureaus aus Mailand vom 9. November meldet: »Der Reichskanzler und der Ministerpräsident Crispi hatten sich gegen 10 vom Hotel Cavour in einem Wagen gemeinsam nach dem Bahnhof begeben; beide Staatsmänner verabschiedeten sich dort von einander in überaus herzlicher Weise mit wieder­holtem Händedruck. Die auf dem Bahnhof ver­sammelte zahlreiche Menge begrüßte den Reichs­kanzler mit wiederholte» lebhaften Hochrufen. Dem Ministerpräsidenten Crispi, der sich Sonn­tag Abend nach Rom und von da nach Palermo

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Uervehmt.

Eine Erzählung von K. Lochmann.

(Fortsetzung.)

Fast Überall hatte man die Natur frei walten lassen und nur ab und zu mit Baumscheere und Stützen nachgeholfen. Immer neue Schönheiten boten sich Felicias Augen dar, bald eine herrliche noch nie gesehene Blume, bald ein heimlich verstecktes, lauschiges Plätzchen, oder ein seltenes Blattgewächs.

Bisweilen pflückte Felicia eine oder die andere Blume, wie sie es auch zu Hause that, um sich eine kurze Zeit an dem schönen Anblicke zu erfreuen.

Als sie jetzt abermals die Hand nach einer duftigen Blüthe ausstreckte, sagte Herr von Hagen lächelnd: »Es ist eigentlich gegen die von mir ein geführte Ordnung, Comteß, die Blumen abzu- brechen. Ich denke, man kann ihre Schönheit auch dann genießen, wenn man sie am mütter­lichen Strauche, an dem sie erblühten, auch ver­welken läßt."

»Zu welchem Zwecke sind die Kinder des Lenzens sonst geschaffen, als damit wir uns flüchtig ihrer freuen?" entgegnete sie achtlos.

»Sie irren, Comteß," bemerkte er ruhig, »die Pflanze ist ebenfalls ein Geschöpf der Erde, L drren Blüthen man nicht gedankenlos vernichten

darf, weil sie Keime der Zukunft in sich bergen." Felicia sah verwundert zu dem Sprecher auf.

Dieser Mann, von dem man behauptete, er habe seine Frau getödtet, er konnte den schmerzlosen Tod einer Blume bedauern?

Die schattigen Laubgänge hatten sich, während sie weiter gingen, mehr und mehr gelichtet und Überrascht stand jetzt Felicia mit ihrem Begleiter vor einem klaren, stillen See, in dem die Strahlen der Morgensonne goldig blitzten.

Ein stiller Friede ruhte auf diesem Stückchen Erde, das zum AuSruhen und Träumen wie ge­schaffen schien.

Felicia eilte bis dicht an den Rand deS Wassers, das ihre freundliche Gestalt wieder- spiegelte. Hagen folgte langsam.

»Ich weile gern hier," sagte er, auf eine Bank im Schatten einer mächtigen Linde deutend, »eS ist hier immer angenehm im heißen Sommer: des Morgens, wenn die Natur sich froh zu regen beginnt, die Vögel erwachen und ihre frohen Lieder beginnen, am Tage, wenn ringsum die Sonne brennt und Abends, wenn alles still wird und nur der Nachtigall Gesang süß und trostvoll in das Herz hinein tönt."

»Trostvoll?" wiederholte Felicia sinnend; sie kannte kaum die Deutung dieses Wortes, sie hatte ja noch nie eines Trostes bedurft.

Und dennoch klang das Wort süß und be«

ruhigend auch ihr ins laut klopfende Herz.

Mit rascher Bewegung riß sie zwei Blüthen aus dem Strauß, den sie hoch in der Hand hielt, und warf sie stumm in die goldene Flut deS kleinen Sees, dessen Wellen vom Morgenwind getrieben, sie schaukelnd voa dannen trugen.

Beider Augen folgten unwillkürlich aufmerksam den Blumen, wie sie auf den kräuselnden Welle» langsam dahintrieben, sich wett und weiter von einander trennten, bis ein stärkerer Lusthauch kam und sie von neuem vereinte. So erreichten sie, aneinander geschmiegt, endlich das jenseitige Ufer.

Felicia sah lächelnd zu Hagen empor. »Ja, es ist schön hier, viel schöner, als drüben bei uns!" rief sie, »und wenn jemals ein Leid mein Herz bedrücken sollte, so komme ich, um es zu vergessen, nach Ihrem herrlichen Lindenruh und zu diesem See!"

»Dann bleibt mir nichts übrig," erwiderte er nicht unfreundlich, »als zu wünschen, daß Sie aus diesem Grunde nie zu mir kommen möchten!"

Langsam auf einem andern Pfade kehrten beide nach dem Landhause zurück.

Der Graf hatte schon ihrer Rückkehr geharrt, auch der alte Diener wartete. Er bot Felicia in kostbarer Schale die ersten Ananasbeereu, die er soeben gepflückt hatte.

«Sie muffen in großer Gunst bei ihm stehen!"