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Htrssel-el Kreisblatt
Mit wöchentlicher Kratis-Meikage „Illustrirtes Nnterhaltungsölatt".
Nr. 128.
Donnerstag den 30. October
1890.
Bestellungen
auf das
Hersfewer KreisvLatt mit der w-chentltche« Gratt- Beilage
^Illustrirtes Unterhattungsblatt" für die Monate November und Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief- irisiern und von der Expedition angenommen.
Neu hinzutretende Abonnenten erhalten sämmtliche biS zum 1. November erscheinende Nammeru gratis.
NMlltches.
HerSfeld, den 28. October 1890.
Damit am 1. Januar 1891, an welchem Zeitpunkte daS Jnvaliditöts- nnd AltersversicherungS- gesetz vom 22. Juni 1889 in Kraft treten soll, alle verstcherunaspflichttge Personen:
1) Arbeiter, Gehülfen, Gesellen, Lehrlinge, Dienstboten (beiderlei Geschlechts nnd über 16 Jahre alt),
2) BetriebSbeamte, Handlungsgehülfen und Lehrlinge (bei einem Jahreseinkommen biS zu 2000 Mk.)
im Besitze einer auf ihren Namen ausgestellten QuittungSkarte sich befinden und Niemand Übergängen wird, erhalten die Herren Ortsvorstände des Kreises hiermit die Auflage, alSbald eine Liste anzufertigen, welche die Namen sämmtlicher Berstcherungspfltchtigeu in der Gemeinde enthält. Diese Liste ist entweder auf Grund der Klassensteuer-Rolle vom laufenden Jahre unter Berücksichtigung der auS den Meldelisten erkennbaren Zu- und Abgänge oder nach besonderer Aufnahme von Haus zu HauS anzufertigen. Die Quittungs- karten werden seitens der Versicherungsanstalt den
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Uervrhmt.
Eine Erzählung von K. L o ch m a n n.
(Fortsetzung.)
Die Gräfin, eine kalt und vornehm aussehende Dame, die nachlässig auf dem weichen Divan rvhte, erging sich eben in genauen Beurtheilungen der Toiletten des BalleS, die sie in allen Einzelheiten studirt zu haben schien. Felicia hörte diesen Plaudereien mit halbem Ohre zu, da eS ihr im Grunde ganz gleichgültig war, wie die übrigen Damen auSgesehen hatten; war sie ja doch, nach dem Urtheile fast aller Herren, die Schönste und Gefeiertste von allen gewesen!
Bereits im Laufe deS vergangenen Tages hatten mehrere Cavaltere, darunter natürlich jener hübsche Osficier, im gräflichen Hause ihre Aufwartung gemacht. Dabei waren ihr eine Reihe glänzender Vergnügungen in AuSsicht gestellt worden; sie freute sich im voraus auf dieselben, während sie noch in Erinnerung an die verflossenen Stunden schwelgte.
Fast störend war ihr daher der Eintritt der Kammerzofe, die ihre Träumerei und daS Ge- plauder der Mutter unterbrach. Sie meldete den Musiklehrer, der die Comtek unterrichtete und einige Tage auSgeblieben war.
Felicia folgte der Dienerin in den behaglich xxvärmte» Salon, in welchem der ältliche blaffe
mit der Ausstellung betrauten Stellen demnächst direct zugestellt werden.
Auf Grund der ausgestellten Listen ist dann die Ausfertigung und Vertheilung der Karten an, einer dazu geeigneten Stelle vorzunehmen, wohin die Empfangsberechtigten zu laden sind. Bei dieser Gelegenheit werden ihnen zweckmäßig auch Formulare für die nach §§. 18, 156 und 157 des GesetzeS erforderlichen Nachweise anzu- bieten sein (cfr. Schlußsatz meiner Verfügung vom 25. März d.J.Nr. 2662 (Kreisblatt Nr. 39). Die Vertheilung der Karten ist nicht auf die letzten Tage deS Jahres zu verschieben.
Da anzunehmen ist, daß die einschlagenden Gesetzesbestimmungen unter dem Publikum immer noch nicht richtig bekannt sind, wird mit einer der nächsten Kreisblatt-Nummern ein Flugblatt erscheinen, welches in möglichst kurzer und verständlicher Fassung die für Arbeitnehmer und Arbeitgeber wichtigsten Bestimmungen deS GesetzeS enthält. Dasselbe ist in den Vorräumen öffentlicher Gebäude, AuShängekästen, Gasthäusern rc. anheften zu lassen und auf jede andere geeignete Art und Weise zur Kenntniß deS Publikums zu bringen.
Ueber den Umtausch und die Ausfüllung der QuittungSkarten selbst bleibt wettere Verfügung vorbehalten.
A. Nr. 1433. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schletnitz.
Hersfeld, den 23. October 1890.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises werde ich in den nächsten Tagen das nöthige Formular- papier für die
Klassensteuer-VeraMaguttg pro 1891/92 (Klassensteuer - Rollen und Einkommens - Nach- weisungen sowie außerdem die nöthigen Formulare zu den Klassensteuer-Zn- und Abgangslisten rc.) mittheilen und zugleich zwecks Benutzung bet Aufstellung der neuen Einkommeus-Nachweisung,
Mann ihrer bereits harrte.
Sein kummervolles Aussehen fiel ihr auf.
Es ist Ihnen doch nichts Trauriges begegnet?* — fragte sie in halb theilnehmendem, halb herablassend klingendem Tone, indem sie sich an den Flügel setzte.
„Mein kleiner Knabe starb mir kürzlich/ ent» gegnete, schmerzvoll bewegt, der Mann; dabei traten ihm Thränen in die Augen und seine Stimme zitterte, „heute Nachmittag wollen wir ihn begraben, unsern kleinen Liebling/ —
Felicia sah fast erschrocken auf.
„Wann starb er denn?* — fragte sie jetzt mit wirklicher Theilnahme.
„Vorgestern Nacht!" war die traurige Antwort. — Also gerade zur selben Zeit, als sie in höchster Lustbarkeit schwelgte! Sonderbarer Zufall! Sie wurde plötzlich ganz ernst und redete dem Lehrer zu, doch nach Hause zu gehen, er könne doch unmöglich in der Stimmung sein, ihr schlechte- Spiel geduldig anzuhören und zu beurtheilen.
„Wir können viele», gnädige Comteß/ ent- gegnete der Mann leise, „wenn uns die Nothwendigkeit zwingt. Dte Existenz meiner Familie hängt von meinem Musikunterricht ab, und ich mußte ohnedies schon einige Stunden opfern; da muß ich nun das Versäumte nachholen/ —
Felicia spielte nun, aber sie war nicht recht bei der Sache; sie dachte fortwährend au das todte Rinb, das sie gar nicht gekannt hatte, nnd sie
die EinkommenS-Nachweisung pro 1890/91 beifügen.
In Betreff der Vorarbeiten für die Klassensteuer-Veranlagung verweise ich auf daS AuS- schreiben vom 17. October 1877 Nr. 10576 Kreisblatt Nr. 84 pro 1877.
DtePersovenstandsaufnahme erfolgt, wie alljährlich, am 12. November. Es bleibt den Herren Ortsvorständen überlassen, diese Personen- stavdsaufnahme auf die Ihnen am geeignetsten dünkende Weise zu bewirken; für größere Gemeinden wird eS sich empfehlen, daß seitens deS Ortsvorstandes an dieHauShaltuugSvorstäode und Einzelnsteueruden schon vor dem 12. November entsprechende Formulare zur ordnungsmäßigen Ausfüllung und Rückgabe auSgehändtgt werden. Die Herren OrtSvorstäude find speciell dafür verantwortlich, daß die Personenstandsaufnahme richtig und vollständig erfolgt.
Sodann haben die H-rren OrtSvorstände
1) auf Grund deS bei der PersonenstaudSauf- nähme oder auf sonstige Weise gewonnene« Materials die Einträge in den Spalten 1 biS incl. 20 der Einkommeus-Nachweisung bezw. 1 bis incl. 6 der beiden Klassensteuer- Rollen pro 1891/92 genau und sauber zu bewirken.
2) Die Schulden-Nachweisung in vorgeschriebener Weise aufzustellen und deren Resmtate tu Spalte 17 a und 17 b der Einkommeus- Nachweisung anzumerken, inzwischen auch,
3) die Mitglieder der Einschätzungs-Commisstou wählen zu lassen, (wegen deren Zahl cfr. Ausschreiben vom 17. October 1877 Kreisblatt Nr. 84 pro 1877) und hierauf,
4) noch vor dem 1. Dezember d. I. die Einschätzung zur Klassensteuer unter Ausfüllung der Spalten 7 biS 27 der Klassensteuer-Rollen bezw. 21 und 22 der Einkommens - Nachweisung bewirken und die
| nahm sich, leicht erregbar wie sie war, vor, dem Begräbniß desselben betzuwohnen. Die Stunde verging, der Lehrer, dem Felicias Theilnahme wohlgethan hatte, verabschiedete sich diesmal herzlicher von ihr, als es früher der Fall gewesen, und diese kehrte ins Zimmer ihrer Mutter zurück.
Im späteren Verlauf deS TageS aber erinnerte sie sich nur noch flüchtig ihrer Absicht, dem Begräbniß deS KindeS betzuwohnen. DaS Wetter war so schlecht, und außerdem hatte sie keine Zeit; denn sie sollte am Abend mit Mama die Oper besuchen; sie beauftragte daher ihr Kammermädchen, schnell einen schönen Jmmortelleukranz zu besorgen und denselben in ihrem Austrage nach der Wohnung deS LehrerS zu tragen. Dies geschah, und der arme Mann freute sich innig über die zarte Aufmerksamkeit seiner hochgeborenen Schülerin.
Am Abend saß Felicia wieder schön und strahlend an der Seite ihrer Mutter in einer Loge deS Opernhauses. Unbefangen, als müßte eS so sein, nahm sie die bewundernden Blicke hin, die man von allen Seiten ihrer Schönheit zollte, und die der stolzen Gräfin, ihrer Mutter, einen geheimen Triumph gewährten.
Lag eS doch in ihrer Absicht, ihrer schöne« Tochter durch eine reiche und standesgemäße Partie eine glänzende ginnst zu verschaffen, Dig