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Imftlhtr Kreisblitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Anterhaltungsölatt".

Nr. 122. Donnerstag den 16. Oktober 1890»

Wolitische Nachrichten.

Berlin, 14. October. Se. Majestät der Kaiser weilt seit Sonnabend mit I h r e r Majestät der Kaiserin zur Abhaltung von Jagden auf Jagdschloß Hubertusstock in der Schorfhatde. Von dort treffen die Kaiserlichen Majestäten mittels Sonderzuges morgen Vor­mittag kurz vor 11 Uhr auf der Wildparkstation ein, von wo aus Se. Majestät der Kaiser, nach­dem derselbe sich von Ihrer Majestät der Kaiserin verabschiedet, dann sofort um 11 Uhr mittels des kaiserlichen Sonderzuges nach Wusterwitz weiter- reist. Auf der Station Wusterwitz wird der Kaiser vom Grafen Königsmarck empfangen und von dort zu Wagen nach Schloß Plane bei Brandenburg geleitet werden. Dort findet dann am Nachmittage um 1 Uhr in der Kirche des Ortes die Vermählung der Comtesse Königsmarck mit dem Commandeur des Regiments der Gardes du Corps statt, welcher der erlauchte Monarch beizuwohncu gedenkt. Der Trauung folgt dann im gräflichen Schlosse ein größeres Dejeuner denatoire und nach demselben wird Se. Majestät mit den Herren seiner Umgebung Schloß Plane wieder verlassen und auf demselben Wege über Wusterwitz rc. nach Potsdam bez. zur Station Wildpark zurückkehren. Soweit bis jetzt bekannt, wird Se. Majestät schon gegen 5 Uhr Nachmit­tags wieder im Neuen Palais bet Potsdam ein- treffen.

Die sterblichen Ueberreste weiland Kaiser Friedrichs und seiner beiden Söhne, der Prinzen Joachim und Waldemar, werden am 16. October aus der Sacristet der Friedenskirche, in der sie bisher beigesetzt waren, in das neuerbaute Mausoleum überführt und der Sarg Kaiser Friedrichs in der Gruft, die Särge der beiden Prinzen an Seiten des Altars beige­setzt werden. Dies wird im Beisein des Haus­

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Kreuz und Kalömond.

Historische Erzählung von Ernst von Waldow.

(Fortsetzung.)

»Wohl gesprochen," erwidert hoch aufathmend der Franzose. »Jetzt gehört unser beider Leben der heiligen Sache, der wir uns geweiht, gefällt es jedoch Gott, uns ungefährdet aus diesem Kampfe hervorgehen zu lassen, dann stelle ich mich Euch, Sir Domenico und vielleicht lernt Ihr dann milder denken über schwergebüßte Schuld!"

Schweigend, ohne noch einen Blick zu wechseln, trennten sich darauf die Nebenbuhler. Die Zeit drängte, nur wenige Minuten hatte ihre Zwie­sprache gewährt und schon waren sie von feind­lichen Schaaren umringt. Wie aus dem Boden gewachsen tauchten immer mehr und mehr Türken auf, die flüchtigen Franzosen bis au die Wälle der Stadt verfolgend.

Das Gemetzel ward allgemein und ehe die Sonne sank, wurden dem Großwesir 500 Köpfe borfleleflt, welche die Ungläubigen den gefallenen Christen abgeschnitten. Unter diesen schaurigen befanden sich auch die Köpfe des «on ^Äxt? des Grafen Rosan - i-nkn°? Ä^ bes Marschalls Turenne und die- ?^^ ^^len Frankreichs. Aber auch das Blut der Venezianer war geflossen und Sir Domenico, der wie ein Löwe gefochten, lag schwer

ministers von Wedell-PieSdorf, des Ober-Hof- unb Haus-Marschalls Grafen Eulenburg und des Oberhofmeisters Grafen Seckendorff in Ver­tretung der Kaiserin Friedrich geschehen. Am 18. d. Mts., am Geburtstage Kaiser Friedrichs, wird in der Gruftstätte eine Andacht abgehalten werden, der der Kaiser, die Kaiserin, die Kaiserin Friedrich, die Großherzoglich badischen Herr­schaften und die anderen nächsten Familienmit- glieder beiwohnen werden. Künftig, wenn der Sarkophag aufgestellt sein wird, soll die Gruft dem Publikum zugänglich gemacht werden.

Se. Majestät der König der Belgier wird, dem Vernehmen nach, am 28. d. Mts. zum Besuch der Kaiserlichen Majestäten aus Brüssel in Berlin eintrcffeu.

Der Hochzeitstag der Prinzessin Victoria von Preußen ist auf den 20. November festgesetzt.

Der Hamburgische Senat beantragt zur bleiben­den Erinnerung an den neunzigsten Ge­burtstag des GeneralfeldmarschallsGrafen Moltke, das Portrait MoltkeS in der Kunst­halle aufzustellen, für dessen Herstellung, der A. R. C." zufolge, 12000 Mk. gefordert werde».

Das preußische Krtegsmtvisterium hat ange- orduet, daß in den Königlichen Militärwerk­stätten zuSpandau künftig größere Ent­lassungen von Arbeitern thunlichst vermieden werden sollen.

Wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, ist das Abschiedsgesuch des commandirenden Generals des Württembergischen Armeecorps v. A l v e n s l e b e n jetzt genehmigt worden. Sein Nachfolger wird ein württembergischer General, derCommandeur der1. Württembergischen Division, Generallieutenant v. Wölckern.

In der Sitzung des socialdemokra­tischen Parteitages am Sonntag tu Halle gab Bebel das Parteivermögen am 1. October 1890 auf 171,829 Mk. an. Bebel kündigte

verwundet auf dem ärmlichen Lager, wo man ihn gebettet.

Lange und sinnend blickte der Chevalier de Maison-Rouge, der sich, seinem Versprechen ge­mäß, bei Barbarigo eingefunden, auf das blasse Antlitz und die geschlossenen Augen deS wunden Mannes herab, dessen Haupt von blutigen Tüchern umwunden war. Dann entfernte er sich leise und es war, als feuchte der Schimmer einer Thräne des Kriegers Auge.

Fünftes Kapitel.

Vor und nach Kandia'S Fall.

Durch Wochen war Sir Domenico's Zustand schier ein hoffnungsloser und erst allmählich er­langte er, wenn auch nicht die frühere Kraft, so doch die Fähigkeit, wieder sein Schmerzenslager zu verlassen und in der Abendkühle zuweilen einen kurzen Spaziergang zu unternehmen. Statt aber seinen Pflegern dankbar zu sein für deren treue Wartung, der er die Rettung des gefährdeten Lebens dankte, grollte er mit seinem Geschick, das ihm die seit Jahren des Schmerzes und Grams so heiß ersehnte Rache an einem treu­losen Freunde, in dem Moment entzogen, wo er schon den Dolch gezückt, um dem Dasein jenes verhaßten Mannes ein Ende zu machen.

Der fast tödtliche Stretch, den die mit dem Krummsäbel bewaffnete Hand eines türkischen OfficierS gegen Barbartgo's Haupt geführt, hatte ihn verhindert, den ersehnten Zweikampf

sodann den Kampf gegen den UltramoutauismuS au und empfahl schließlich die Gründung von socialistischen Zeitungen für die Laudarbeiter, insbesondere auch eines polnischen Blattes. Einen Antrag von Schmidt-Berlin auf Einsetzung einer Commission behufs Erörterung der persönlichen Streitigkeiten zwischen der Parteileitung und Berliner Genossen, welcher von v. Vollmar be­fürwortet wurde, lehnte die Versammlung ab, nachdem sich Bebel dagegen ausgesprochen hatte.

Aus Ostafrika wird gemeldet: Bet Ltndi soll zwischen deutsche« Truppen und MafitiS hart gekämpft worden sein. Die englische Demonstration gegen Wttu gilt alS nahe bevor­stehend ; man bringt die Rückkehr der britischen Flotte von Mozambique damit in Zusammen­hang. Laut Kabelmeldung aus Sansibar ist entlang der deutschen Küste die Einfuhr aller geistigen Getränke, nur Bier, Wein und Wer- muth ausgenommen, unter Androhung schwerer Strafe verboten.

Bezüglich d;. Regentschaft deS GroßherzogthumS Luxemburg, schreibt das »Wiesb. Tagebl.", sei Herzog Adolf von Nassau nach wie vor gesonnen, die Regentschaft des GroßherzogthumS Luxemburg geboteueufallS zu übernehmen; doch gedenke er sich erst nach dem Ableben des KönigS nach Luxemburg zu begebeu.

(Cholera in Spaniens Die Behörden in Barcelona treffen außergewöhnliche Maß­regeln gegen das nunmehrhäufigeAuf- treten der Cholera. Obgleich die Re­gierung die Existenz der Epidemie nicht amtlich auerkennen will, wird ein besonderes Spital er» richtet. Die ausländischen Consuln in Barcelona verweigern die Ausstellung von Gesundheitspäffen für die ausgehenden Schiffe.

(England.) Abermals wird ein Fall von Insubordination in der englischen Armee gemeldet. 200 Mann vom Surrey-

auszufechten und jetzt war es zu spät, das Ver­säumte nachzuholeu, selbst wenn sein Arm nicht schwach und gelähmt gewesen.

Die französischen Hilfstruppeu, über deren Sendung in Venedig so große Freude gewesen, rüsteten sich znm Abzüge, nachdem wenige Tage nach dem verunglückten Ausfall, die zweite französische Division eingetroffen war.

Weder Bitte» noch Protestationen, au denen es weder Morostui, die Officiere der Garnison, die Geistlichkeit, noch die unglückliche Bevölkerung fehlen ließen, wareu im Staude, den Herzog von Navailles in Kandia zurückzuhalten und Ende August verließen die Franzosen die Insel.

Das Schicksal Kaudia's war somit besiegelt, denn auch die ««deren Bundesgenossen gaben die Festung auf, welche nunmehr noch ei« Trümmerhaufe war. Die Mauern der Häuser, durchlöchert durch die Kugeln, welche fort­während ia die Stadt geschleudert wurden, boten kaum «och neuen Angriffen Stand, während in den Sttaßen, aus denen man die Bomben- und Grauatstücke nicht mehr sortzu- räumen vermochte, verwundete Soldaten ihren letzten Seufzer auShauchten.

Voll triumphirender Freude begrüßten die Türken den Abzug der Hilsstruppen und nun wurde im Kriegsrath ein Sturm beschloffen, denn man wähnte, daß die 3000 Venezianer, welche jetzt die ganze BertheidigungSarmee bildeten^