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Hersseliikl IrrisMitt.
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Nr. 117. Sonnabend den 4. Oclodcr 1890.
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Amtlich«.
HerSfeld, den 30. September 1890.
Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Januar 1891 gekündigten 31/2 °/0 Staatsschuldscheine von 1842 liegt im Geschäftslocale des hiesigen Landrathsamtes sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerlasten des Kreises während der Dienststunden den Inhabern zur Einsicht offen. Zugleich mache ich auch auf die diese Nummerliste und die bereits früher ausgeloosten, noch rückständigen Staatsschuldfcheine betreffende Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 3. d. Mls., abgedruckt auf Seite 175 des diesjährigen Amtsblattes, noch besonders aufmerksam,
9095. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
HerSfeld, den 29. September 1890.
Für Margarethe Wittich, geboren am 12. Juni 1877 zu Asbach, Tochter der Anna Kath. Marie Wittich, ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
9125. Der Königliche Lgndrath
Freiherr von Scüreinitz.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Kreuz und Katömond.
Historische Erzählung von Ernst von Waldow.
(Fortsetzung.)
Catalina, mein Weib, neugierig wie alle Frauen, bestürmte die Fremde mit Fragen, doch diese blieb stumm, dann sank sie gänzlich erschöpft auf das Lager, welches wir ihnen bereitet und entschlief.
Catalina hörte sie im Schlafe stöhnen, schlich näher und hob ein wenig den Schleier. — Da erblickte sie ein Antlitz von engelhafter Schönheit, von reichem Goldhaar umflossen."
, Bmcbarigo zuckte zusammen, er wollte eine schnelle Frage thun, besann sich jedoch und forderte dunh eine«Handbewegung den Diener zum Wetter- „Verzeihet," begann dieser, „daß ich so weit- läufig derlei Unwichtiges berichte, doch muß hier ttn Geheimniß verborgen sein, dies meint auch Caterina, und sie ist ein kluges Weib. Als ste nunnoch bei der Fremden weilt, erwacht diese plötzlich, blickt um sich in jähem Schreck und Andet darauf der Catalina: sie bedürfe des Beistandes, weil sie glaube, daß ihre Stunde gekommen sei.
Und so war eS. — Eben jetzt hat die arme Frau einem Knäblein das Leben gegeben, doch
Gefunden: eine Spannkette. Meldung des Eigenthümer? bei dem Ortsvorstande zu Heddersdorf.
+ Die neue Zeit.
Fast alle größeren Parteiblätter widmen dem Ablauf des Socialistengesetzes besondere Betrachtungen. Hier wird noch einmal daran erinnert, daß der Erlaß des Gesetzes seiner Zeit nothwendig war und daß es im Großen uud Ganzen gut gewirkt hat; dort kommt die entgegengesetzte Anschauung zum Ausdruck und wird dem Socialistengesetz noch einmal ein Sündenregister vorgehalten, in welchem das Wachsthum der Socialdemokratie die erste Rolle einnimmt. Hiernach sind natürlich auch die Erwartungen für die Zukunft verschieden; daS eine Organ ist voll Besorgniß, das andere erwartet zuversichtlich, daß nunmehr die geistige Ueberwindung der Socialdemokratie in der Freiheit der Rede und Schrift beginnen werde. Mag in den Nekrologen der Blick mehr rückwärts oder mehr vorwärts gekehrt werden — viel bemerkenswerther ist jedenfalls, wie die Socialdemokratie selbst auf die neue Zeit sich einrichtet.
In dem Streite zwischen den „Alten" und den „Jungen" haben vorläufig die Ersteren obgestegt, und es werden daher vorerst Demonstrationen und dergleichen möglichst vermieden und von den Führern unterdrückt werden. Desgleichen will sich die Partei auf allen Gebieten des öffeut- lichen Lebens, besonders aber im Parlamente, eifrigst bethätigen. Ein Artikel des Leipziger Wählers begründet das in folgender Weise:
„Die Fraktion kommt durch ihre eifrige parlamentarische Thätigkeit den Volksforderungen nach positiven Resultaten nur entgegen; würde sie dem Ansinnen einiger Parteigenossen gemäß Abstinenzpolitik treiben, so würde die Masse sich von uns einfach abwenden und, sich aus das Berufsgebiet beschränkend, mit der K r o n e nicht
ist sie erschöpft bis zum Tooe uud der Meoccus, den wir gerufen, sagte mir, daß sie schwerlich das Licht des nächsten Tages schauen werde.
Sie selbst scheint das zu fühlen, hat sie mir doch mit bebenden Lippen die Bitte zugeflüstert: Euch, edler Herr, zu ihr zu geleiten, weil sie Wichtiges Euch beichten wolle."
„Mir?" fragte Barbarigo gedehnt — „warum begehrt sie mich zu sehen?"
„Wohl meine. ich, daß sie das Knäblein, so sie geboren, Euerem Schutz vertrauen will."
„Und nannte sie nicht ihren Namen?"
„Nein — auch ich begehrte ihn zu wissen, doch gab sie leise zur Antwort, nur Euch selbst wolle sie ihn nennen."
„Seltsam!"
„Freilich — damals, als sie sammt den übrigen befreteten Gefangenen auf unser Schiff gebracht ward, ließ ich sie wissen, daß nunmehr sie in der sicheren Hut des edlen Domenico Barbarigo sich befinde.
Da verhüllte sie, einen Schrei ausstoßend, fester ihr Antlitz und bat mich, da sie schwer krank sei, sie in dem stillen Raume zu belassen, wohin wir die Frauen geführt."
„Welche Sprache redete sie mit Dir?"
„Wetten möchtezich, daß sie eine Venezianerin ist, wenn sie gleich ein fremd klingend Italienisch spricht."
allzuschwer einen mo dus videndi herstellen können, dessen Kosten das Unternehmerthum zu tragen hätte; denn man mag über das sociale Königthum denken wie man will, durch eine Verstaatlichung von Industrie und Ackerbau würde die Krone das Bewußtsein der Masse zu Un- gunsten der politischen Freiheit allerdings auf eine gewisse Zeit verdunkeln können, wenn die Socialdemokratie sich zur Erreichung praktischer Ziele in der Gegenwart mit oder ohne Absicht unfähig erweisen sollte. Manche Parteigenossen unterschätzen gar zu leicht die reale Macht der monarchischen, wie überhaupt der historischen Autoritäten."
Also vorsichtige Mäßigung, Verminderung revolutionären Lärms, damit die Arbeiterschaft nicht von der Socialdemokratie abgeschreckt wird und zum socialen Königthum Vertrauen faßt, was die Erreichung des unveränderlichen Ziels der Socialdew.Matic, des völligen Umsturzes, verzögern könnte." Feruer führt ein den „Jungen" bisher nahestehendes Organ, die Berliner Volkstribüne aus, daß die politisch-sociale Entwickelung an unvorhergesehenen Wechsel- fällen so reich sei, daß man die Zukunft unmöglich Vorhersagen könne, eS lasse sich noch gar nicht übersehen, ob nicht ein wirklich parlamentarisches Regime durch die massenhafte Invasion von Arbeitervertretern werde gezwungen werden können, viele den Socialismus vorbereitende Reformen zu beschließen und so der neuen Gesellschaft den Boden zu bereiten. Der Umstand, daß die Parlamente als Vertretungskörper der Bourgeosie entstanden seien und bisher stets in diesem Sinne funktionirten, erlaube doch keinen Schluß auf die Zukunft. Das Eindringen neuer Elemente in alte Formen könne Wesen und Wirkung dieser Formen von Grund aus ändern. Die revolutionäre französische Nationalversammlung Don 1789 habe daS bewiesen. ES sei nicht einzuseben, wie die socialdemo-
„Eme Venezianerin?" — Domenico sagte daS leise vor sich hin und versank in tiefes Sinnen, endlich raffte er sich auf, griff zu Mantel und Barett, und der Thür zuschrettend, fügte er hinzu:
„Ist die Gondel bereit, so geleite mich, doch will ich nicht, daß einer der übrigen Hausdiener mitkomme."
„O," lächelte Carlo, „ist auch nicht von Nöthen, Sir Domenico, habe mein Lebzeit daS Ruder kräftig gehandhabt und es noch nicht verlernt, eine Gondel schnell durch die Kanäle zu führen."
Carlo hatte nicht zu viel versprochen. Ehe noch eine halbe Stunde verflossen, hatte er seinen Herrn vor ein hohes, düsteres Haus geleitet, das in einer der schmalen Gassen der Testiere dt Castello gelegen war.
„Gelobt seien die Heiligen!" rief Frau Catalina, sich tief vor dem Nodili verneigend, als die Männer jetzt die steile Steintreppe erstiegen hatten und den geräumigen Vorsaal betraten.
„Wie ergeht es der kranken Frau?" fragte Sir Domenico gepreßt.
„O Herr — ihre Augenblicke sind gezählt, ich glaubte schon, daß sie sterben werde, ehe Ihr kämet, doch die Liebe zu dem Knäblein, dem die Arme das Leben gegeben, hält sie noch zurück. — Sie will Euch, Sir Domenico, das Kind vertrauen."