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zu versichernde Person vereinbaren, daß ein höherer Lohn in Anrechnung kommt,

1. für die in der Land- und Forstwirthschaft beschäftigten Personen, welche keiner Krankenkasse angehören, der für sie von der höheren Ver­waltungsbehörde unter Berücksichtigung von Naturalbezügen 2c. festzusetzende durchschnittliche Jahresarbeitsverdienst beziehungsweise der für Betriebsbeamte nach § 3 des land- und forst- wirthschaftlichen Unfallversicherungsgesetzes zu er­mittelnde Jahresarbeitsverdienst;

2. für die bei der Seeschifffahrt betheiligten Personen der für die Seeunfallversicherung maß­gebende Jahresarbeitsverdienst;

3. für Mitglieder einer Knappschaftskasse der dreihundertsache Betrag des vom Kaffenvorstande festzusetzenden durchschnittlichen täglichen Arbeits­verdienstes der betreffenden Arbeiterklasse, jedoch nicht weniger als der dreihundertsache Betrag des ortsüblichen Tagelohnes gewöhnlicher Tage­arbeiter des Beschäftigungsorts;

4. für Mitglieder einer Orts-, Betriebs- (Fabrik-), Bau- oder Jnnungs-Krankenkasse der dreihundertsache Betrag des für ihre Kranken- kaffeubeiträge maßgebenden durchschnittlichen Tagc- lohnes beziehungsweise wirklichen Arbeitsver­dienstes;

I 5. im Uebrigeu der dreihundertsache Betrag des ortsüblichen Tagelohns gewöhnlicher Tagearbeiter des Beschäftigungsortes.

Beträgt hiernach der Jahresarbeitsverdienst bis zu 350 Mk. einschließlich, so ist eine Beitragsmarke der Lohnklaffe I zu 14 Pf., beträgt derselbe über 350 Mk. bis einschließlich 550 Mk., so ist eine Beitragsmarke der Lohnklaffe II zu 20 Pf., be­trägt derselbe über 550 Mk. bis einschließlich 850 Mk., so ist eine Beitragsmarke der Lohn- klaffe III zu 24 Pf. und beträgt derselbe über 850 Mk., so ist eine Beitragsmarke der Lohn- klaffe IV zu 30 Pf. für jede Arbeitswoche in die Quittuugskarte etuzukleben.

Von erheblicher Bedeutung für die Versicherten ist es, bei zettweiser Arbeitslosigkeit ihr Ver­sicherungsverhältniß dadurch fortzusetzen, daß sie für jede Woche der Arbeitslosigkeit bei der nächsten Postanstalt eine Doppelmarke zum Preise von 28 Pf. erwerben und diese selbst etukleben. Das­selbe gilt für diejenigen Personen, welche durch Selbststäudigwerden rc. aus dem Versicherungs- Verhältniß ausscheiden und die erworbenen An­rechte nicht aufgeben wollen. Auch diese müssen, Wenn sie später in den Genuß einer Rente gelangen wollen, Zusatzmarken erwerben und in die Quittnugskarte selbst einkleben.

Bei Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses seitens der Saisonarbeiter genügt die Etuklebuvg einer 20 Pf.-Marke für jede Woche.

6. Erlangung der Renten.

Will nun ein Versicherter in den Genuß einer Reute gelangen, so hat er weiter nichts zu thun, als seinen Anspruch unter Ueberreichung seiner Quittuugskarte, sowie der sonstigen zur Be­gründung des Anspruchs dienenden Beweisstücke bei der für seinen Wohnort zuständigen unteren Verwaltungsbehörde (Laudrath, in Stadtkreisen Magistrat, Polizeibehörde rc.) anzumeloen. Alles Weitere wird dann von der zuständigen unteren Verwaltungsbehörde veranlaßt. Beansprucht der

Versicherte Altersrente, so muß er auch fernerhin Beiträge entrichten. Nur beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit hört die Beitragsletstung auf und tritt dann an die Stelle der Altersrente die höhere Invalidenrente.

Faktische Nachrichten.

Nach Meldung aus Muerzzuschlag werden Ihre Majestäten die Kaiser Wilhelm und Franz Josef mit den übrigen fürstlichen Jagdgästen am 1. October 6^4 Uhr Abends mittelst Separal- zuges in Neuberg eintreffen und zu Wagen nach Muerzsteg Weiterreisen, wo die Ankunft 7 ^4 Uhr Abends erfolgt. Jeder Empfang bei der Ankunft ist verbeten. Dem Vernehmen nach werden an drei Tagen Treibjagden abgehalten werden; ein vierter Jagdtag ist für den Pürschgang bestimmt. Das Wetter ist augenblicklich prachtvoll. Die Rückreise Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm dürfte nach den bis jetzt getroffenen Bestimmungen über Hieflau und Passau erfolgen.

Berlin, 30. September. Anläßlich des heutigen Geburtstages der Kaiserin Augusta fand im Mausoleum zu Charlottenburg eine Gedächt­nißfeier statt, welcher die Kaiserin, der Kron­prinz, Prinz Eitel Fritz, Prinzessin Leopold, die Hofstaaten des hochsetigen Kaiserpaares und zahlreiche andere Notabilitäten beiwohnten. Die Gedächtnißrede hielt Ober-Hofprediger Kögel, die liturgischen Gesänge wurden vom Domchor aus­geführt. Die Kaiserin, die Kaiserlichen Prinzen und die Prinzessin Leopold legten am Sarge kostbare Kränze nieder; auch aus anderen Kreisen und von Auswärts waren zahlreiche Kränze ein- gegangen.

Se. Majestät der K a i s e r hat auf das Hul- digungslelegramm des Evangelischen Bundes seinen Dank aussprechen lassen und seine Freude darüber ausgedrückt, daß der Evangelische Bund der Lösung der socialen Frage seine Mitarbeit schenken will."

Der Besuch des Königs der Belgier in Berlin wird Mitte October erwartet. Der König wird der Einweihung des Mausoleums in Potsdam beiwohnen, zu der auch die Groß- herzogin von Baden erwartet wird.

Bei der Aufnahme von Anleihen, worüber Ver­handlungen im Gange sind, handelt es sich um 160 Millionen Mark für das Reich und 50 Millionen für Preußen, welche vom Reichstag bezw. Landtage bereits genehmigt sind. Wie es heißt, ist von einem bekannten Berliner Flnanz- confortium eine Offerte auf Uebernahme von 160 Millionen 3 proc. Reichsanlethe erfolgt; der Uebernahmecours soll 87 betragen.

Zur Feier des Jahrestages der Einnahme von Straßburg versammelten sich am Sonntag die ehemaligen Angehörigen des Ladischen Leib - Grenadier - Re gi- ments Nr. 109 zu einer kameradschaftlichen, festlichen Zusammenkunft in K a r l s r u h e. An einen Festzug mit ausgezeichnet gelungenen Be­ziehungen aus die Geschichte des Regiments schloß sich ein Banket in der Festhalle, an welchem Tausende theilnahmen, und bei welchem lebende Bilder patriotischen Inhalts zur Darstellung kamen. Darauf ergriff Se. K. H. der Groß­

herz 0 g, der Chef des Regiments, welcher von ä, Baden-Baden zur Theilnahme an dem Feste hier D hergekommen war, das Wort zu einer Ansprache, rc,

in welcher er für die Einladung dankte und bit m(

Hoffnung aussprach, die -soeben dargestellten geschichtlichen Bilder würden auf Alle den Ein- M druck machen, daß die Vergangenheit hochzuhalten ® sei, insbesondere die Zeit, die Deutschland ge.

einigt und groß gemacht habe. Der Großherzos & ermähnte alle Anwesenden, diesen Geist in ihn $ Heimath zu tragen, dort zu verbreiten und be* sonders auf die Jugend zu übertragen, damit in noch viele Generationen der großen Zeit sich §

erinnerten, damit Alle die ganze Kraft in sich §

aufnähmen, die aus dieser Zeit auf uns üben m gegangen sei. Beim Scheiden begrüßte der Groß-

Herzog alle mit dem Rufe, mit welchem wir uns F

immer begegnen, und mit welchem im Nothfälle 2

Jung und Alt die Waffen ergreifen werden: h

Hoch Se. Majestät Kaiser Wilhelm! hoch, hoch!' ä

(Frankreich.) Die Gerüchte über ein französisch-russisches Bündniß werben ei

von Paris aus officiös dementtrt. Gegenüber 9,

verschiedenen Blättermeldungen wird erklärt, daß st zwischen dem früheren Minister des Aeußerev, Spuller und dem russischen Botschaftsrath ti

Kotzebue Verhandlungen über ein französisch- v russisches Bündniß niemals stattgefunde« g

haben. Eine Expedition nach Dahomeß^ ti rüstet die französische Regierung aus; TurM würden nach Dakar abgeschickt. Das Unter-k ti nehmen soll andauern, bis der König von Daho- 3 mey sich unterworfen habe, was allerdings nicht 0 so bald und so leicht geschehen dürfte. d

(Portugal.) Wie die letzten Nachrichten l aus Lissabon besagen, wird dort die Bildung eines n e u e n C a b i n e t s immer schwieriger. i Die revolutionäre Bewegung im Lande nimmt zu; in Almeida fanden der Monarchie feindliche t

Kundgebungen statt. Die Lage wird als sehr I

ernst geschildert. In Lissabon wurden vielfach 5

die Rufe laut:Nieder mit der Monarchie! 1

Nieder mit dem König!" Zu diesen vielen I

Schwierigkeiten, mit denen die portugiesische Regierung zu kämpfen hat, gesellen sich nun am i

gebltch auch noch finanzielle Sorgen. Der. '

LissabonerSeculo" meldet nämlich, sämmtlichen Staatsbeamten würde am 1. October infolge Geldmangels blos die Hälfte des Gehalts aus« 1 bezahlt werden. 5

(Balkanstaaten.) Belgrad, 29. SepL M , Bet der gestrigen Rückfahrt des Königs Alexander ' !

und des Königs Milan von Topschider explo' dtrte unter den Rädern des Hof' Wagens eineGewehrpatrone kleinen Kalibers mit schwachem Knall, ohne Schaden anzurichten. Die sofortige Untersuchung ergab, daß die Patrone auf der Straße verloren worden und zufällig unter ein Rad des Wagens ge­rathen war.

A«S Provinz «rrd Nachharg-bist»

H e r 8 f e l d, 29. September 1890.

* Am Mittwoch den 8. October d. I. wird der Hauptverein des Evangel. Bundes für Hessen« Cassel sein Jahresfest in Melsungen feiern. Der Anfang ist auf 10 Uhr festgesetzt, zu welcher Zeit der Gottesdienst, in dem der Ortspfarrer

uns Steg verliehen! Lutgi brächte die Nachricht, athemloS kam er vom Molo daher, mit eigenen Augen hat er die türkische Galeere gesehen, die mit umgekehrter Flagge eben vor Anker ging. Der edle Lazaro Mocenigo führte die erbeutete Galeere nach Venedig, um die Kunde eines großen Sieges zu bringen und"

Erzählte er nichts von Sir Domenico Bar- barigo, meinem Gatten?" unterbrach Andrtana die Dienerin, indem sie sich, am ganzen Körper erbebend, erhob.

Nein," erwiderte Marietta kopfschüttelnd, setzte aber gleich darauf tröstend hinzu:

Lutgi ist bald davon gegangen, um uns das frohe Ereigniß zu berichten. Er sah noch den edlen Mocenigo ans Land steigen, sein Haupt war verbunden, eine Binde deckte die leere Augenhöhle er hat das eine Auge im Kampfe verloren, aber ewigen Ruhm dafür gewonnen. Seine Kriegsknechte erzählten dem lauschenden Volke, daß am 26. Juni ein furchtbar Seegefecht in den Dardanellen stattgehabt.

Wohl über hundert Schiffe hatten die Türken aufgebracht, aus daß sie die Venezianer, so mit ihren Fahrzeugen den Kanal sperrten, verjagen könnten.

Hart tobte der Kampf drei venezianische Schiffe verbrannten, der Oberbefehlshaber, Lorenzo Marcello fiel, getroffen von einer Kanonenkugel das Blut der Unseren ward nicht geschont, doch raste der Tod in den Reihen der Ungläubigen. Man spricht, daß an 10000

Türken gefallen feien und mehr venn achtzig Schiffe wurden erbeutet, auch gelang es, viele christliche Gefangene zu befreien, die in den Fesseln der Sclaverei schmachteten."

Erschöpft hielt das Mädchen inne und stützte sich, um auszuruhen, auf die Lehne eines zierlich ge­schnitzten Sessels.

Andrtana Barbarigo hatte die zarten Hände gefaltet und sprach ein stilles Gebet ob es ein Dank war für den Sieg der venezianischen Waffen, ob es den Seelen der Todten galt, die für den Glauben und die Freiheit gestritten niemand wußte es.

In diesem Augenblick ließen sich nahende Schritte vernehmen die leidende Frau erbebte, lauschend hob sie den Kopf, dann verbreitete lichter Freudenschein sich über ihr bleiches Antlitz, sie stieß einen leichten Schrei aus, eilte die Dienerin zur Seite schiebend, in das weite, prächtig eingerichtete Gemach, welches durch eine Glasthür mit dem Balkon verbunden war, und streckte die weiße Hand grüßend dem Manne entgegen, dessen Schritt sie gehört. Domenico Barbarigo, der Herr des Hauses war heimgekehrt.

Die hohe Gestalt des Patriziers, in schwarzem Sammet gekleidet, das dunkele Lockenhaar, in welches sich schon Silbersäden mischten, tief in die faltenreiche Stirn fallend, der ernste Aus­druck der bleichen Züge, hatten etwas Düsteres; ein gebietender Wink mit der Hand, welche das schwarze Barett mit der wehenden Feder hielt, entfernte die Dienerin, und erst, als die

Thür sich hinter Marietta geschlossen, neigte Sir Domemco sich leise zu der Gattin, die ihn lächelnd betrachtete, und hauchte einen Kuß des Will- & kommens auf ihre reine Stirn.

Es war am Spätabend desselben Tages, als Domenico Babartgo vor einem zierlichen Tische, 1 den Schreibgeräth bedeckte, in seinem Gemache i saß.

Die kränkelnde Gattin, von der Wiedersehens« v freude mächtig ergriffen, hatte sich bereits zur V Ruhe begeben, der Nobtlt schien, das Haupt ß mit der Hand stützend, in tiefes Nachdenken ver- : funken und jetzt, wo er sich nicht mehr Zwang anthat, den Ausdruck seiner Züge zu verbergen, trat es schleterlos zu Tage, daß schweres Leid ihn drücke.

Das Schreibrohr war der Hand Domenico's entsunken, als Carlo, sein Leibdiener, eintrat. Erwartungsvoll blickte er ihm entgegen. Der Mann hatte ohne Zweifel eine wichtige Meldung zu machen, denn auf dem bärtigen Antlitz lag große Erregung.

Was bringst Du für Kunde?" fragte ge« spannt der Nobtli.

Sir Domenico, ich that, wie Ihr befohlen, brächte die fremde Frau, welche mir ihren Namen | nicht sagen wollte, mit aller Sorgfalt zu meinem 4 Weibe. Tief verschleiert, wie sie es damals schon war, als wir sie mit hundert anderen christlichen M Gefangenen aus der Gewalt der Türken be- freieten, langte sie in meinem Hause an. U

(Fortsetzung folgt.)