Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postaufschlag.

Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzelle 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.

Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Del größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Ittsftlhtt Kreishlatt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Anterhaltungsklalt".__________

Nr. 115. Dienstag den 30. September 1890,

DUMlAAMmg.

Mit dem 1. October 1890 beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal er­scheinende

Hersfelder Kreisblatt

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage

Illustrirtes Ullterhultullgs-Blatt".

Wir bitten, das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.

Im Feuilleton erscheint mit Beginn deS neuen Quartals

Kreuz und Lalömond", eine sehr interessante historische Erzählung von JErnst von Waldow* worauf wir besonders auf» ^Merksam machen.

W Der vierteljährliche Abonnementspreis für das /Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gra- | tis-BeilageIllustrirtes Unterhaltungs­blatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.

Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kreisblatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bis 1. October 1890 gratiS und franco zu­gesandt.

3MF Inserate finden zweckentsprechende Verbreitung und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 26. September 1890.

Diejenigen Herren OrtSpolizeiverwolter deS

Kreises, welche in der Zeit vom 1. Januar biS heute polizeiliche Strafverfügungen wegen Fischerei-Uebertretungen erlassen haben, werden aufgefordert, mir bis zum 20. October d. I, eine Nachweisung folgender Art einzureichen:

1. Name des Bestraften,

2. Bezeichnung der Fischereiübertretung,

3. Angabe der verfügten Strafe. Negativ-Anzeige kann unterbleiben.

9019. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 27. September 1890.

Wie zu meiner Kenntniß gekommen ist, wird in einem größeren Theile des Kreises das Einzelhüten betrieben, obgleich solches nach §. 1 und 2 der Hirten-Ordnung vom 18. October 1828 verboten und auch bereits durch Verfügung vom 27. September 1883, Nr. 11860, Kreisblatt Nr. 103, auf dieses Verbot besonders aufmerksam gemacht worden ist.

Indem ich die Herreu Octsvvrstände des Kreises beauftrage, in den Gemeinden auf ortsübliche Weise alsbald bekannt machen zu lassen, daß -des Einzelhüten auf nicht eingefriedigten Grund­tücken unstatthaft und zu bestrafen sei, erwarte ch bestimmt, daß fortab seitens der Ortspolizei- irhörden sowohl als der Königlichen Gendarmerie nerauf ein besonderes Augenmerk gerichtet und ede Zuwiderhandlung unnachstchtlich zur Be- trafung gebracht wird.

9033. Der Königliche Landrath _____________Freiherr von Schleinitz.

Cassel, den 25. September 1890.

Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf Grund des Preuß. Gesetzes vom zur Zwangserziehung überwiesene und von mir in der Rettungs-AnstaltBeiserhaus" zuRengs- Hausen bei Oberbeisheim in Pflege untergebrachte Christian Philipp Pohlmann aus Hanau geboren

am 12. September 1875 ist am 22, d. Mts. auS seiner Pflegestelle durchgebrannt.

Königliches Landrathsamt ersuche ich ganz er- gebenst, nach dem Zögling umgehend Nach­forschungen gefälligst anstelle», im Betretungsfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civil- Person, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eissubahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachtung von 4 Mark gewähren werde, der obengenannten An­stalt wieder zuführen lassen zu wollen.

Vom Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nachforschungen bitte ich mich hternächst gefälligst zu benachrichtigen.

Der Landesdirector: von Hundels Hausen.

An Königliches Laudrathsamt zu Hersfeld. Jr. II. Nr. 3828.

* * *

HerSfeld, den 27. September 1890.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises behufS Fahndung nach dem Entlaufenen mitgetheilt.

Im Betretungsfalle ist derselbe festzunehmen, in die Anstalt zurückbringen zu laffen und mir Anzeige zu erstatten.

9048. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

tt Zum Verständniß der Jnvalidi- täts- und Altersversicherung.*)

Die Invaliditäts- und Altersver- sicherung beginnt voraussichtlich mit dem 1.

ES ist dringend erwünscht, daß die weiten Kreise, die eS angeht, rechtzeitig vor dem Inkrafttreten der JnvaliditätS- uno Altersversicherung über die Bedeutung des Gesetzes, über ihre Obliegenheiten, um die Vortheile desselben zu erlangen, über den Umfang der VersicherungSpflicht, über das Verfahren bei Erhebung der Beiträge rc. aufgeklärt werden. Zu diesem Zwecke bringen wir zunächst eine allgemeine Uebersicht über Rechte und Pflichten der zu versichernden Personen und werden später weitere Erläuterungen über Einzelheiten folgen lassen.

Nachdruck verboten.

Uerrathene Keöe.

Erzählung aus Lithauen von Karl Funk.

(Schluß.)

EinS war Wenzel aber ein WermuthStropfen in diesem Freudenbecher. Mehr denn je trieben jetzt die Wilddiebe ihr Unwesen; bald fand er hier, bald dort die Spuren, daß ein Reh, häufiger noch ein Hirsch abgethan worden war. Trotz aller Mühe wollte es ihm nicht gelingen, einen von den Thätern abzufassen. Klagte er zuweilen seiner Kathinka daS Leid, so nahm dieselbe den regsten Antheil daran. Und wenn er sich dann des Abends trotz ihrer Bitten aus ihren Armen riß, um noch ein Stück seines großen Reviers abzusuchen, so konnte es ihn gar nicht wundern, wenn sie ihn theilnehmend fragte, in welche Gegend er zu gehen gedenke, und ihn bat, sehr vorsichtig Zu sein, damit sie ihn ja nicht verliere. Durch­forschte Wenzel dann den bezeichneten Theil des WaldeS, so hörte er in entgegengesetzter Richtung, aber in weiter Ferne einen Schuß fallen. Sofort war er sich dessen bewußt, was dort vorging, aber an eine Verfolgung war in solchem Falle gar nicht zu denkm. Nicht nur ihm, sondern auch seinem alten Vater, der in letzter Zeit zu kränkeln begonnen, bereitete dies manchen Kammer.

An einem prächtigen Abende brach Wenzel ge­

rade von der Heideschenke auf, als der Jäger­bursche ihm bestürzt entgegen kam und die Nachricht brächte, daß es mit dem alten Förster sehr schlecht stehe. Eilends begaben sich beide nach Hause. Doch dort kaum angelangt, merkte Wenzel, daß er in der Hast die Klinge seines Hirschfängers verloren hatte, und beauftragte den Jägerburschen, dieselbe suchen zu gehen, was ihm bei dem klaren Mondschein gar nicht schwer fallen konnte. Unter­dessen machte sich der Sohn mit dem Vater zu schaffen, bet dem bald merkliche Besserung eintrat. Plötzlich wurde die Stubenthür ungestüm aus­gerissen, und herein trat der Bursche mit der ver­lorenen Waffe, indem er erregt auSrief:Jetzt haben wir die Kerle!"Wen denn?" fragten die andern wie aus einem Munde.Die Wild­diebe!" entgegnete der Bursche, und in fliegender Eile erzählte er nun, wie er kaum Zeit gehabt, sich vor den beiden zu verbergen. Drauf sei er ihnen nachgeschlichen und habe gesehen, daß sie die Richtung nach dem schwarzen Fluß zu ein­geschlagen hätten.Merkwürdig", sagte Wenzel, das liegt gerade wieder in entgegengesetzter Richtung vom MooSbruch, wo ich heute hinwollte!"

Ohne Verzug machte sich Wenzel nebst dem Burschen nach dem schwarzen Fluß zu auf. Sie waren noch keine halbe Stunde gegangen, als aus dieser Richtung her ein Schuß durch den stillen Wald schallte. Vorsichtig schlichen sie der Stelle

näher, und bald sahen sie vor sich auf einer kleinen Lichtung zwei Männer mit dem Auswetden eine- starken Hirsches beschäftigt, während ihre Gewehre etwas davon entfernt an einer dicken Eiche lehnten. Steht, Ihr Hallunken, oder ich schieße Euch nieder!" rief Wenzel mit donnernder Stimme. In diesem Augenblick verdunkelte eine finstere Wolke den Mond. Das benutzten die Wilderer und suchten zu entwischen. Die Jäger stürmten ihnen nach. Dabei stolperte einer der Fliehenden über eine Wurzel; als er sich aber kaum wieder erhoben hatte, faßte ihn Wenzel schon am Kragen, während der Jägerbursche den andern zu ergreifen suchte. Doch in demselben Augenblick machte der Gefaßte eine blitzschnelle Wendung und führte mit seinem langen Jagdmesser einen kräftigen Stoß nach dem Herzen Wenzels, den dieser mit seiner Flinte noch so geschickt partrte, daß die Klinge zerbrach. Nun kam es zwischen beiden zu einem verzweifelten Ringen, und dabei wurde Wenzel gewahr, daß er es mit einem weiblichen Wesen zu thun habe. Da trat der Mond wieder klar hervor, und wie vom Blitz getroffen stand der Jäger da, als er dem Wilodieb ins Gesicht schaute, denn eS war---seine heißgeliebte Kathinka. Diesen Augenblick benutzte dieselbe, rch sich loS und flog wie der Wind davon. Als Wenzel aus seiner Betäubung erwachte, setzte er I ihr nach. Zugleich kehrte auch der Jägerburs^