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Herssel-er Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Anterhattungsölatt".

Nr. 113. Donnerstag den 25. September 1890.

DvMMilWMm.

Mit dem 1. October 1890 beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal er­scheinende

Hersfelder Kreisdlatt

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Illustrirtes Unterhattungs-Blatt".

Wir bitten, das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintrttt.

Der vierteljährliche AbonnementspreiS für das »Kreisblatt- mit der wöchentlichen Gra- tis-BeilageIllustrirtes Unterhattungs- blatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.

Neu hinzutretenden Abonnenten wird das te Kreisblatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bis 1. October 1890 gratis und franco zu­gesandt.

MF Inserate finden zweckentsprechende Verbreitung und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Die Expedition.

Amtliches.

HerSfeld, den 22. September 1890.

Für den am 19. Mai 1876 dahier geborenen AdamSchüßler ist um Entlastung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswande­rung nach Amerika nachgesucht worden.

8857. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Heeg. Kretssecretar.

Hersfeld, den 23. September 1890.

Für Minna Hettler, Tochter des verst. Bürstenmachers George Hermann Hettler, geboren am 25. Februar 1870 dahier, ist um Ertheilung eines Reisepasses bebufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

8892. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

H e e g, Kreissecretar.

Politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser ist mit den Herren seiner nächsten Umgebung am Montag Abend 10 Uhr von Bunzlau auS mittels Sonderzuges über Liegnitz, Mochbern, Jarotschin, Gnesen, Thorn und Korschen nach Trakehnen gereift, wo­selbst die Ankunft am Dienstag Mittag kurz vor zwölf Uhr erfolgte. Ohne in Trakehnen Aufenthalt zu nehmen, fuhr der Monarch dann sofort mit seiner Begleitung nach Theerbude zu Wagen weiter, um zur Abhaltung von Jagden bis etwa zum 30. d. M. in der dortigen Umgegend Aufenthalt zu nehmen. Am 80. d. M. wird Se. Majestät Theerbude wieder verlassen und sich zu Wagen nach Trakehnen begeben, von wo aus Mittags gegen </4l Uhr mittels Sonderzuges die Weiterreise nach Wien erfolgt, wo der Kaiser am Mittwoch, den 1 October. Vormittags 9 Uhr, auf dem Nordbahnhofe eintrifft. Soweit bis jetzt bekannt, wird Se. Majestät zum Besuch bei der Kaiserlich österreichischen Familie etwa acht Tage verweilen. Am 9. October wird der Kaiser mit seiner Begleitung voraussichtlich wieder in Berlin bezw. im Neuen Palais zu Potsdam eintreffen.

Folgenden kaiserlichen Dankerlaß hat der Oberpräsident von Schlesien zur öffent­lichen Kenntniß gebracht: Ich kann die Provinz Schlesien nicht verlassen, ohne Ihnen erneut auszu- sprechen, wie überaus warm und angenehm Mich, wie die Kaiserin und Königin, Meine Gemahlin,

die vielfachen Zeichen freudiger Theilnahme und treuer Ergebenheit berührt haben, welche Uns bei Unserer Anwesenheit während der diesjährigen großen Herbstübungen aus allen Kreisen der Be­völkerung auf dem Lande wie in den Städten zu erkennen gegeben sind. Ganz besonders sind wir nach den glänzenden Veranstaltungen Meiner Haupt- und Residenzstadt Breslau durch den überaus herzlichen und großartigen Empfang der Stadt Liegnitz erfreut worden, aus welchem 34 mit lebhafter Befriedigung ersehen habe, daß das Andenken an Meines hochseligen Herrn Großvaters Majestät, der so oft und gern unter den Einwohnern dieser Stadt geweilt hat, hier in ungeschwächter Verehrung fortlebt. Indem Ich Sie beauftrage, den Ausdruck Unserer leb­haften Freude und Unseres wärmsten DankeS zur Kenntniß der Einwohner der Provinz zu bringen, will Ich gleichzeitig Meine dankende Anerkennung für die vortreffliche und herzliche Aufnahme aussprecheu, welche die Kreise und Ortschaften der Provinz, denen in diesem Jahre durch die größeren Truppenzusammenziehungen eine vermehrte Eiuqaartierungslast auferlegt worden ist, den Truppen überall haben zu Theil werden lasten.

Rohnstock, den 20. September 1890.

Wilhelm R.

Minister des Innern Herrfurth kehrt gegen Ende der Woche nach Berlin von seinem Sommerurlaube zurück, den er größten- theils in Karlsbad und zuletzt in der sächsischen Schweiz verbracht hat.

Die entschiedene, sachliche und überzeugende Weise, in welcher derReichSanzeiger- die Lügen derTimes- über die Duldung des Sclaven­handels in Deutsch-Ostafrika zurückwies, ist in Deutschland fast allseitig mit großer Genug­thuung ausgenommen worden. Hervorragende englische Blätter, wie der Standard, erkennen jetzt die Richtigkeit des deutschen Standpunktes

Am £u|| des Aconquija.

Ein Roman von G. Reuter.

(Schluß.)

Röver hielt Sylvia die Hände entgegen.

Sie müssen gehen.- ... Da schrie die junge Frau wie unter einer würgenden Hand, ihre Finger krampften sich um Rövers Arm:

Ich kann nicht gehen, ich kann nicht ..... Hilf mir! Ach Gott, eS ist zu spät - ist eS unmöglich...,?

Sie starrte Paul mit entsetzten Augen an.

Nichts ist unmöglich,- stammelte er,warten Sie auf mich . . . .*

Und er stürzte sich in das Gedränge, MrS. Black zu suchen.

Diese saß schon, die weinende Mutter fest an der Hand haltend im Coupö und gönnte den jungen Leuten die Feier des Abschiedes, alS Paul sie fand, und sie zu verständigen suchte.

In diesem Augenblick zeigte MrS. Black sich größer, als sich die Mehrzahl ihrer europäischen Schwestern in einem so kritischen Falle gezeigt haben würde. Sie brach weder in Klagen über die Verletzung der Sitte, noch über den Bruch von Versprechungen auS. Sie begriff, daß es sich vor allem darum handelte, Munter und etwas Handgepäck wieder aus dem Wagen heraus- zureichen, und dem glühenden, zitternden Manne

glückwünschend die Hand zu schütteln.---1

Sich aus dem Wagenfenster des stoßweise in Bewegung gerathenden Zuges hinauslehnend, sah sie, wie Sylvia ihr halb besinnungslos die Arme nachstreckte und sie darauf um das Kind schlang, welches Röver ihr zuführte.

Dann rasselte der Eisenbahnzug hinaus zur Ferne, der Salzwüste entgegen.

Sylvia verbarg ihr Gesicht an MuuterS dunklem Köpfchen.

Frag' ihn, ob wir bet ihm bleiben dürfen,- murmelte sie der Kleinen in's Ohr.

Und Paul küßte den Kindermund, der ihm die süße Botschaft brächte. Mit einer zarten, innigen Bewegung legte er den Arm der geliebten Frau in den seinen. Sie sah sein männliches, tapferes Gesicht von Hellen Thränen überströmt.

So standen sie allein vor der einsamen, schmutzigen Posada, auf der weiten, dürren Ebene und blickten noch überwältigt von dem Sturm ihrer Gefühle, dem enteilenden Bahnzug schweigend nach. Das Kind sprang jauchzend um sie her, das Sinnbild eines jungerblühenden, freudigen Lebens.

Donna Lastenia genoß ihre Macht in vollen Zügen.

Aber so galant der Spanier auch gegen die Schönheit gesinnt sein mag schließlich he«

gannen Tucumans Bewohner doch das von ihr geübte Regiment, dem Herrschsucht und zügel­lose Sinnlichkeit den Stempel aufdrückten, heftig anzugreifen.

Unter der Oberfläche glimmt der Aufruhr, der wie man sich zuflüstert, von der Central-Regterung in Buenos-Ayres aus genähert wird. LasteniaS Rolle dürste bald auSgesptelt sein.

Unter dem Druck, der auf allen Zweigen der Industrie und des Verkehrs lagert, haben auch Ottenhausen und Röver zu leiden. Ihre besten Pläne finden einen unüberwindlichen Widerstand bei dem Gouvernement. Eine Aenderung der bestehenden Verhältnisse würde ihnen sehr zu statten kommen.

Oeffentltch mischen sie sich gewiß nicht in Politik. Aber es giebt noch andere Wege, Volks­erhebungen zu unterstützen. Es gehört zu den tollen Launen deS Schicksals, daß dieses den conservativen Edelmann Ottenhausen gezwungen hat, solche Wege energisch zu verfolgen. Wenn man sein Kapital in Revolutionen anlegt, wird man allerdings nicht Millionär. Man säet auf Zukunftseruten. Ottenhausen und Röver und andere anständige Leute hoffen viel von dem neu aufgetretenen Kandidaten. Er ist nicht in PariS, sondern in Berlin gebildet.

Eine neue Stadt konnte noch nicht um die Sägemühle erwachsen. Immerhin haben sich die Häusergruppen zwischen den Feldern unh