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Herssel-kl Kreisdllltt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 112.
Dtenstag den 23. September
1890.
DWWck-KMmg.
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Die Expedition.
Amtlich«.
Das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld wird hierdurch ergebenst benachrichtigt, daß die unter den Schafen der Gemeinde Dippach ausgebrochene Räudekrankheit erloschen ist.
Etfenach, den 15. September 1890.
Der Großherzoglich S. Bezirks-Director von B e u st.
Au das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld. P. 2217.
* * *
Am Lutz des Aconquija.
Ein Roman von G. Reuter.
(Fortsetzung.)
»Er hat Dich lieb gehabt, mein Munterchen — ach, wie hat er Dich lieb gehabt!" schluchzte die junge Frau, nahm sich dann zusammen und setzte ihr Hütchen auf.
Mr. Black klopfte; die Diener kamen, das Gepäck zu holen. Mrs. Black ertheilte laut ihre letzten Befehle. Das Hin und Her, der unruh- volle Lärm einer Abreise durchdrang alle Räume des Black'schen Palastes. Abschiednehmen nach allen Seiten, ein fortwährendes Suchen nach dem Kinde, das von Arm zu Arm ging — ein an« UUWs Erscheinen von Freunden mit unnöthigen ReisMschenken, ein Wirrwarr zwischen Lachen und Weinen pflanzte sich bis auf den Bahnhof fort.
Hier erwartete Paul Röver die Frauen und erklärte seine Absicht, ihnen ein Stück Wegs das Geleit zu geben — ein paar Stationen, bis zum ersten Nachtquartier.
„ jauchzte. Mrs. Black fand es selbstverständlich, und Sylvia sah ihn glücklich an und war so gesprächig, wie Paul sie von dem Abend ihrer Ankunft her in Erinnerung hatte. Sie
Hersfeld, den 19. September 1890.
Wird veröffentlicht.
8772. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Bekanntmachung.
Am 1. October wird in dem zum Landbe- stellbezirke der Kaiserlichen Postageutur in K t r ch h e t m (Kr. Hersfeld) gehörigen Orte Heddersdorf eine Posthülfstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Gastwirth und Kaufmann Georg N » hn übertragen ist.
Cassel, am 18. September 1890.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
___Ziehlke._____________
Gefunden: eine Peitsche. Meldung des Eigen» thümers bei dem Ortsvorstande zu Obergeis.
+ Die Mahnan der Kaisers, »endlich aus dem Schlummer zu erwachen, tu welchem sich die Bürger so lange gewiegt haben-, hat in allen Blättern einen freudigen Widerhall gefunden. Mit Dank begrüßen sie den Kaiserlichen Appell an „alle Bürger ohne Unterschied der Parteien und Konfessionen", mitzuwirken an der Wiederherstellung der Achtung vor der Kirche, des Respects vor dem Gesetz und des unbedingten Gehorsams gegen die Krone und ihren Träger-.
Die Mahnung kommt zu rechter Stunde und die Zeit ist so recht geeignet, dieser Mahnung auch Gehör zu verschaffen. Am 30. September hört die Gültigkeitsdauer des Socialistengesetzes auf. In socialdemokratischen Kreisen hat man schon seit Wochen und Monaten berathen, welche Taktik nach diesem Termin einzuschlagen sein werde. Man ist in jenen Kreisen bisher hierüber zu einer Einigkeit noch nicht gelangt; die radikaleren Elemente sind gerade über diese Frage mit den gemäßigteren in heftige Fehde gerathen. Wie dem aber auch sei: für alle außerhalb der Socialdemokratie Stehenden ist es die alleinige
redete aber nur von der Zukunft, in der er selbst i keine Rolle spielte.
So verließ Sylvia Tucumau in anderer, ganz anderer Weise, als sie je hätte ahnen können.
Die Lokomotive führte den Bahnzug durch die üppigen Felder des Gartens von Argentinien hinaus — hinaus — der Salzwüste — dem Strom des Parana zu, der sie dem Weltmeer entgegentragen sollte. Und Sylvia hatte es erfahren, wie fremd man sich, durch das Meer getrennt, zu werden vermag.
Kurz nach Sonnenuntergang hielt der Bahnzug an einem einsamen Gehöft. Unter Kreischen, Schnattern und Fluchen suchten die Reisenden in der verräucherten Posada einen Platz auf dem Lehmboden zur Nachtruhe. Weiber, Kinder, Männer, Damen, Landstreicher und Gauchos in wirrem Durcheinander. Das Bahnpersonal zündete vor der Kneipe im Freien ein Feuer an, Mate zu kochen und sich gegen die Nachtkühle zu schützen. Die Locomotive stieß müde die letzten Rauchwolken aus ihrem schwarzen Munde und stand mit den verlassenen Wagen hinter sich, wie ein dunkles Gespenst auf den Schienen.
Röver hatte nach hartem Kampfe ein besonderes Zimmerchen oder vielmehr einen leeren Raum in einem Nebengebäude für die Damen erobert und ihnen eigenhändig ein erträgliches Lager gebaut.
Aufgabe, sich zu rüsten, um welchen Gefahren auch immer rechtzeitig und in rechter Weise zu begegnen. Wie dies zu geschehen habe, das hat Kaiser Wilhelm in seiner Mahnung treffend angedeutet.
Kaiser Wilhelm hat alle Bürger ohne Unterschied der Parteien und der Konfessionen zur Mitwirkung bet der Bekämpfung der umwälzenden Elemente aufgefordert. Einigkeit ist die schärfste Waffe in diesem Kampfe. Man rede nicht von der Uneinigkeit auf der anderen Seite; in der Hauptsache ist und bleibt die Socialdemokratie einig. Ihr mit Erfolg zu begegnen, ist vor Allem größere Einigkeit der bürgerlichen Parteien nöthig. Der alte Parteihader, die alte Parteieifersucht müssen endlich zu Grabe getragen werden, wo es gilt, etwas zu vertheidigen, waS Allen heilig ist.
Aber nicht nnr Einigkeit in der Abwehr ist nöthig, fonbfv auch größere Einigkeit in den positiven Zielen welche eine Reform der socialen Verhältnisse erstreben. Im Reichstage hat sich auf diesem Gebiete schon ein guter Schritt zum Besseren vollzogen. Wir sehen Conservative, Nationalliberale und Centrum mit gleichem Eifer sich den Bestrebungen zuwenden, welche eine Besse- rung der Lage der arbeitenden Klaffen bezwecken. Die Hauptgesetze auf diesem Gebiet sind durch diese drei Parteien zu Stande gebracht worden, und was den Arbeiterschutz anbetrifft, dessen Erweiterung in der im November von Neuem beginnenden Herbstsesston verwirklicht werden soll, so lassen die bisherigen Berathungen die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß auch dieselben Parteien wieder auf diesem Gebiete einig und positiv schaffend zusammenstehen werden. Wenn hier und da aus den Kreisen von Arbeitgebern Kundgebungen des Uumuths über ein Zuviel laut wurden, so werden diese für die parlamentarische Berathung gewiß nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Freilich aber wäre es auch wünschenSwerth, daß in jenen Kreisen den hohen Zielen der Social- reform fein Hinderniß entsteht. Bet aller Au-
Es war das Letzte, was er für Sylvia thun konnte. Er wollte auf der Station bleiben und den von Rosario eintreffenden Zug erwarten, der ihn nach Tucuman zurückbringen sollte.
Sylvia schlief nicht. Die Unruhe, die sie empfunden hatte, seit sie den Entschluß faßte, die Freunde zu verlassen und wieder nach Deutschland zurückzukehren, die Unruhe, die sie durch Thätigkeit und eine unaufhörliche Beschäftigung ihrer Phantasie mit den Pflichten, welche sie erwarteten, zu beschwichtigen versucht hatte, ergriff sie aufs neue und steigerte sich bis zu einem völligen Verzagtsein, zu einer Angst vor der Zukunft, die sie kindisch schalt, und doch nicht über« winden konnte. Als der Lärm vor der Kneipe, das Knacken und Prasseln des Feuers, das Singen und Mandolinenspieler«, das Rufen und Zanken sich endlich gelegt hatte und gegen Morgen eine feierliche Stille eintrat, saß die junge Frau aufrecht auf ihrem primitiven Lager, stützte die heißen Wangen in die Hände und kämpfte mit einem Schluchzen, das ihr den Hals zuschnürte. Neben ihr schnarchte Mrs. Black tu dem Frieden ihres guten Gewissens. Eine heftige Abneigung gegen die gute Frau überkam Sylvia. Warum hatte Mrs. Black ihr den Vorschlag gemacht, dem sie folgen mußte, wenn sie nicht toll erscheinen wollte? Wären Mrs. Black und ihre kleinen Mädche«