Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postaufschlag.
Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spritzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zelle 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Herchl-er Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 111.Sonnabend den 20. September • 1890.
WmMck'MMW.
Mit dem 1. October 1890 beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende
Hersfelder Kreisblatt
mit der wöchentlichen Gratis-Beilage
„Jllustrirlcs Unlcryaltungs-Blatl".
Wir bitten, das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bet Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.
- Der vierteljährliche Abonnementspreis für das i -Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gra- j tis-Beilage „Jllustrtrtes Unterhaltungs- dlatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.
Neu hinzutretenden Abonnenten wird das M Kreisblatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bis 1. Oktober 1890 grartS und franco zugesandt.
3C Inserate finde« zweckentsprechende Berbreitung und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
Die Expedition.
Amtlich».
HerSfeld den 17. September 1890.
An Stelle des verstorbenen Johannes Bommer ist der Ackermann Heinrich Detseroth II. zu Hilmes als Sachverständiger zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen für den Gemeindebezirk Hilmes widerruflich bestellt und verpflichtet worden.
8624, Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e t n i tz.
Aw K«ß des Aeonqnija.
Ein Roman
von G. Reuter.
(Fortsetzung.)
Das würde sie auch früher bewundert haben. Doch daß eine solche Erscheinung eben nicht nur Arbeiter, sondern auch ein gebildeter Mann, ein zartsinntger Freund und ein liebenswürdiger Gesellschafter sein konnte, das hätte sie schwerlich geglaubt, wenn sie es nicht durch Erfahrung gelernt hätte. Er war ihr immer neu und unbegreiflich. Es erweckte auch jetzt zuerst wieder ihr Interesse.
; Und sie plauderte wieder mit dem Kinde. Doch alles noch in gedämpften Tönen. Dann konnte
^ den längeren Besuch von Ottenhausen und von Röver ertragen.
Und endlich, eines Abends, als der Erstere bei ihr saß, fragte sie diesen, nicht Röver:
-Sie haben ihn gefunden? — Wo?- —
-In einer Höhle, welche man hier in der Gegend das Goldloch nennt,*
-Dort -! Geben Sie mir die Tasche, die — ;, — man —*
-Gnädige Frau!"
-Ich kann es jetzt ertragen."
I Ottenhausen sah sie mitleidig an.
Hersfeld den 17. September 1890.
An Stelle des verstorbenen vorhtnnigen Bürgermeisters Deißenroth ist der Bürgermeister Heinrich Brod zu Lengers als Sachverständiger zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen für den Gemeindebezirk Lengers widerruflich bestellt und verpflichtet worden.
8625. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
Acildcrung der Gcmerbestcnei- VeranlaMg.
Nachdem verschiedene Blätter über die in Berlin stattgehabte Probeveranlagung auf Grund der übrigens nur vorläufig aufgestellten Grundzüge zur Reform der Gewerbesteuer theils unrichtige und unvollständige Mittheilungen gebracht haben, dürfte im Interesse des belheiligten Publikums eine Richtigstellung und Bert 'llständigung derselben rathsam sein. Zu diesem Zweck theilt der -Retchs-Anzeiger" Folgendes mit:
-Die Probeveranlagung hatte den Zweck, möglichst sicheres Material über die Wirkung einer Veranlagung der Gewerbesteuer auf neuen, der Entwickelung der heutigen Gewerbeverhältnisse entsprechenden Grundlagen zu gewinnen; ähnliche Probeveranlagungen sollen auch in anderen Bezirken stattfinden. Die Probeveranlagung in Berlin ist mit jeder möglichen Sorgfalt durchgeführt und hat, von den ihre Mitwirkung aus unbekannten Gründen ablehnenden Abgeordneten einer Handelsklasse abgesehen, überall eine sehr eifrige und anerkeunenswerthe Unterstützung seitens der Bethetligten gefunden, so daß die Ergebnisse wohl auf diejenige Genauigkeit Anspruch machen können, welche bei solchen Privatveranlagungen überhaupt zu erzielen ist. Wir sind in der Lage, einige Mittheilungen über dieselben zu machen. Bisher waren in Berlin zur Gewerbesteuer veranlagt 74118 Betriebe. Nach den angestellten
-Ja," wiederholte ste, -ich kann es ertragen, sagen Sie mir alles."
-Gnädige Frau, es ist nicht viel zu berichten. Er hat sich gefürchtet, Sie in sein Elend hinab- zuziehen. Darum täuschte er Sie mit guten Berichten — und floh Sie später. Wahrscheinlich war sein Ende plötzlich und schmerzlos und — wahr cheinlich nicht durch den eigenen Willen herbetgeführt. Wir haben dem armen, müden Erdenpilger ein Grab bereitet und wenn Sie wollen. . . ."
-Ja — später," murmelte Sylvia. -Und nun seine Briefe."
Ottenhausen ging hinüber. Röver hatte ihm als einen Verwandten des Verstorbenen die Tasche übergeben. Sie enthielt dessen Legiti- mationspaptere. Mit ihr legte Ottenhausen einen goldenen Reif in Sylvias Hände, den Trauring, der sie an dem Todten band.
Die Freunde hatten die Aufregung für sie gefürchtet, als man sie an den Hügel führte, unter welchem der lange Gesuchte nun lag. Aber sie blieb ruhig. Sie weinte nicht einmal.
Bald wandte sie sich ab und sagte leise: -Er liegt nicht hier. Es ist alles in mir so kalt, als ständ' ich an dem Grabe eines Fremden."
Sie hatte Recht.
Der Mann, der wild und scheu, betrunken und verlumpt in jener Höhle gelebt - ihn hatte sie
Grundzügen und zwar bet vorläufiger Annahme der Befreiung aller einen Ertrag von 1500 Mk. nicht erreichenden Betriebe werden in Zukunft gewerbesteuerpflichtig bleiben 47128, Es würden also über 31 Procent der bisher steuerpflichtigen Betriebe befreit werden. Die neue Veranlagung fand ohne Rücksicht auf die Betriebsarten nach Maßgabe des Ertrages und des Anlage- und Betriebskapitals in vier Klassen statt. Es ergab sich nun, daß im Verhältniß zu der bisherigen Veranlagung bei der neuen Veranlagung eine dem Wesen der Gewerbesteuer durchaus entsprechende steigende Entlastung von der Klaffe 2 ab, einschließlich dieser, bis zur Klaffe 4 herunter eintreten würde; insbesondere würden die bisher in den Klassen b, h und k veranlagten Kleinhändler, Handwerker und Fuhrleute 20. ganz erheblich entlastet werden. Allerdings steht dem eine stärkere Heranziehung der Großbetriebe gegenüber; dies w'^.rde indessen lediglich eine Ausgleichung gegen W bisherige Ungleichheit bedeuten, bei welcher vielfach der Großgewerbebetrieb un- verhältntßmäßig gering besteuert wurde — eine natürliche Folge des Umstandes, daß die bestehende Gewerbebesteuerung noch wesentlich auf den ursprünglich vortrefflichen, heute aber durch die Entwickelung der gewerblichen Verhältnisse überholten Gesetz vom 30. Mai 1820 beruht. Von einer Ueberlastung der Großbetriebe — selbst bet der Annahme eines Steuersatzes von le/0 des Betriebsertrages — kann übrigens wohl kaum die Rede sein. Auch die großen Gewerbetreibenden selbst dürsten die Nothwendigkeit einer Reform der bestehenden Gesetzgebung anerkennen, bet welcher das Großgewerbe oft nur mit einem geringen Bruchtheil von l°/0 des Ertrages belastet ist, während das Kleingewerbe vielfach 2—3°/0 zu zahlen hat. Hierzu kommt, daß nach der gegenwärtigen Gesetzgebung eine Reihe sehr leistungssähiger Gewerbebetriebe — wie Dampf- straßenbahnen, Theater, Concertunteruehmungeu, Panorama u. A. — der Steuer von stehendem
»'.»!?.»«>»'-»! .....U .1. ..................-l-IHM«”1.' “W nicht gekannt, ^s graute ihr vor der Erinnerung an ihn. Den Geliebten ihrer Jugend hatte sie verloren, als er sich mit den letzten verzweifelten Küssen aus ihren Armen riß.
Und wieder nach dem Verlauf einiger Tage empfing die junge Frau ein Schreiben von MrS. Black. Sie bat Sylvia darin, ihr Nachricht zu geben, ob sie im Stande sein werde, die beschwerliche Reise nach Europa zu unternehmen. Sie selbst, Mrs. Black, könne nun nicht länger zögern. Das Schicksal ihrer kleinen Mädchen lasse ihr keine Ruhe. Sie wollte zum Abgang des nächsten Steamers in Buenos Ayres eintreffen. Aber vielleicht habe Frau von Otten- hausen ihren Entschluß aufgegeben und bleibe in Amerika.
Sylvia verstand in ihrem seltsamen Traumzustande nicht einmal, was die gute Mrs. Black mit dem Schlußsatz ihres Briefes auszudrücken versuchte.
Aber der Rosenhauch, der in den letzten Tagen auf ihre Wangen zurückgekehrt war, verschwand vollständig. Sie reichte Paul den Brief, ohne ein Wort zu sprechen.
-Sie wollen — aber das ist unmöglich!" rief dieser heftig. -Sie sind viel zu angegriffen."
-Die Seereise wird mir gut thun. Was soll ich noch hier?"
Paul sah sie vorwurfsvoll an.