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Itrsfdhtr Kreistlutt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-MeikageIssustrirtes Anterhaltungsklatt".__________

Nr. 110.Donnerstag den 18. September 1890.

Amtliches.

Hersfeld, den 16. September 1890.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden daran erinnert, daß dii Klaffensteuer-Zu- und Abgangslisten sowie die Listen der zu den Stufen 1 und 2 durch Zugangsstellung neu veranlagten Personen pro I. Halbjahr 1890/91 an die König- -lichen Steuerkassen bis spätestens zum 20. d. M t s. einzureichen sind.

8685. Der Königliche Landratb

Freiherr vonSchleinttz.

Hersfeld, den 17. September 1890.

Nach einer Mittheilung des ständischen Bau- amteS dahier sind die Gemeinden:

Allmershausen, Eitra, Friedlos und Unter­baun

mit Erledigung von Landwegebau-Aufgaben im Rückstände.

Die Herren Ortsvorstände der genannten Ge­meinden haben für die Ausführung der rück­ständigen Arbeiten, mit Frist biS zum 1. O c t o b e r d. I., Sorge zu tragen. Nach Ablauf dieser Frist wird der etwa weiter ver- bliebene Rückstand auf Kosten der säumigen Gemeinden veraccordirt werden.

8139-8143. Der Königliche Landrath

Fretherrvou Schleinitz.

Bockenheim, den 13. September 1890.

DaS Königliche Landrathsamt benachrichtigen Wir hierdurch ergebenst, daß die Heu- und Strohankäufe fortgesetzt werden und die Hafer­ankäufe für das hiesige Königliche Magazin in nächster Zeit beginnen und so viel als möglich direet von den Produzenten gekauft werden soll. Ueber die QualitätS-Ansprüche und die je nach den Handels-Covjuncturen zu gewährenden Preise

ist das Amt stets bereit, specielle Auskunft! mündlich oder schriftlich zu ertheilen, wenn Seitens der Produzenten bemusterte Offerten uns vorgelegt werden. Das Königliche Laud- rathsamt ersuchen wir ergebenst den Kreis- Insassen durch das Kreisblatt von der Fortsetzung der Heu- und Strohankäufe sowie Aufnahme der Haferankäufe Seitens des überschriebenen Amtes gefälligst Kenntniß zu geben und uns von der stattgehabteu Bekanntmachung gefälligst zu benachrichtigen.

Königliches Proviant-Amt.

An das Königliche Landrathsamt zu HerS- feld. I. Nr. 2174.

* * *

Hersfeld, den 15. September 1890.

Wird veröffentlicht.

8640. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Unter den Viehbeständen der Landwirthe Conrad Apel und Georg Axt in Gasteroda ist der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche fest­gestellt.

Eisenach, den 10. September 1890.

Der Großherzogl. Director des III. Verw.-Bez. Zu k. 2189. I. V.: Müner.

* * *

Hersfeld, den 15. September 1890.

Wird veröffentlicht.

8600. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

HerSfeld den 15. September 1890.

Für die am 23. August 1873 geborene Anna Elise B i e b e r zu Niederaula ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

8644. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Rotenburg a. F., den 11. September 1890.

Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich ergebenst, daß die unter der Heerde des Schäfers Burghardt zu Jba ausgebrochene Räude­krankheit erloschen ist.

Der Königliche Landrath. I. V.: Schroeder. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. J.-N. 8997.

Hersfeld, den 16. September 1890.

Wird veröffentlicht.

8662. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlein i tz.

In hiesiger Gemeinde ist unter dem Rindvieh die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, was hiermit veröffentlicht wird.

Conrode, den 13. September 1890.

Der Bürgermeister Mohr.

+ Die fsiii.it fragt.

Wie in Schleswig, so hat Kaiser Wilhelm auch in Schlesien soeben auf die sociale Frage hingewiesen. Man ersteht daraus, wie sehr unserem Kaiser die Aufgabe, die ihm mit der socialen Frage gestellt ist, am Herzen liegt und wie sehr alle seine Gedanken auf ihre glückliche Lösung gerichtet sind. '

In Schleswig sprach er es aus, daß jeder deutsche Mann an seinem Theile dahin wirken müsse, daß die festgeschlossenen Bande der Ord­nung den umstürzenden Elementen gegenüber aufrecht erhalten werden, und er knüpfte die Hoffnung daran, daß wenn jeder Bürger seine Pflicht thue, dann auch er im Staude sein werde für sie zu sorgen und zu unser Aller Heil in Ruhe und Frieden die Geschicke des Vaterlandes zu lenken.

In Schlesten gab er ähnlichen Gedanken Au8-

Am Fuß des Aconqnija.

Ein Roman von G. Reuter.

(Fortsetzung.)

Fluch, Fluch den andern, die mich ver­führten und dann hinauStrteben in dieses Höllen- land. Sylvia, er, Dein Großvater, der alte Mann, er gönnte Dich mir nicht, wollte Dich für sich und log, eS sei für Dein Wohl. Hätte ich Dich nicht gelassen im Vaterlande eine Hütte und arbeiten für Dich! Aber in meiner Kunst! Ich bin kein Knecht und Tagelöhner. Ich versuchte ich konnte nicht. Sylvia! sei barmherzig, bete für mich bete . . /

zu lüften.----------

So zerrüttet mußte die Kraft des Unseligen gewesen sein, so geschwächt sein Wille, daß er den AbschiedSbrief niemals in die Hände seines Weibes gelangen ließ, sich zu dem endgültigen Verzicht auf Erdenglück, auf daS Leben nicht auf« Masten vermochte.

-Hatte er, als die heitere Kavalkade vor drei Tagen daS Thal durchstreifte, geglaubt, man sei ihm auf der Spur und in der Angst vor Ent­deckung Hand an sich gelegt? - Oder hatte der unerwartete Anblick seines WeibeS genügt, daS vom Schicksal wundgehetzte Leben jählings zu zerstören?

Der Tod breitete seinen Schleier schonend über Misses Letzte. Röver begehrte nicht danach, ihn

XII.

Als die erste Dämmerung den hinter den Bergen versunkenen Mond in der Herrschaft über die Finsterniß zu ersetzen versuchte, hörte Else ein Geräusch an ihrem Kammerfenster.

Den Vorhang erhebend sah ste ihren Bruder davor stehen, den Finger auf den Mund gelegt. Er winkte ihr mit der Rechten, zu ihm heraus- zukommen. Tiefe Schatten lagen um seine Augen das that nicht der kalte, graue Morgennebel allein die Entscheidung war ge­fallen er hatte ihn gefunden. . . .

Leise öffnete Else. Ihr Bruder beugte sich dicht zu ihrem Ohr und flüsterte:

»Todt!" -

Das Mädchen schob ihn zurück. Mit ausdrucks­losen Augen und einem irren verzweifelten Lächeln blickte sie auf die erwachende Kranke. Lautlos schlich sie an ihr vorüber in's Freie.

Kaum hatte Else das Zimmer verlassen. als Sylvia aufgeregt lauschend den Kopf hob. Es war ihr, als vernehme sie absichtlich gedämpfte Stimmen auf der Veranda.

Man verbarg ihr etwas. In ihren Adern klopfte das fiebernde Blut, vor ihren Ohren und um ihre Schläfe brausten seltsame Töne. Mit weitgeöffneten Augen erhob sie sich hastig

| vom Lager und schlüpfte zitternd und schaudernd | in ihre Kleider.

Die Vorboten deS Geschehenen krochen durch den grauen Morgen zu ihr und legten sich ängstigend um ihre Seele.

Geräuschlos glitt ste au den im Wohnzimmer schlafenden Blackschen Damen vorüber, hinaus in's Freie.

Paul und Else, die auf dem Vorplatz standen und ihr den Rücken wendeten, hörten sie nicht.

Und indem Sylvia sich vorbeugte, um zu lauschen, sah sie vor sich auf dem Tisch eine braune Ledertasche liegen daS Monogramm H. v. O. mit der Krone darüber hatte ste selbst einst gestickt. Sie griff nach der Mappe der Abschiedsbrief ihres Gatten fiel in ihre Hände.

In demselben Augenblick wendete Röver stch insttnktmäßtg um.

Ein Wehgeschrei hallte durch den Morgen. Ohnmächtig fiel die Frau zu seinen Füßen nieder.

* * *

Nur wenige Schritte entfernt von seinem dunklen Schlupfwinkel, am Fuße der kahlen Granttblöcke arub man daS Grab für HanS Heinrich von Ottenhausen.

Die Sägemühle seines Vetters, deren ge­schäftiges Pfeifen, wenn es ganz still war, wie ein ferner verhallender Klang herübertönte, gab die Bretter zu seinem rohen Sarge. Und eS war der Vetter, den er einst tu dem Herzen seine»