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Nr. 106.

Dienstag den 9. September

1890.

Amtliches.

Unter dem Rindvieh der Handelsleute Salomon Abraham, Kallmaun Katz und Wolf Katzen- stein ir sowie des Ackermanns Conrad Stöppler dahier ist die Maul- und Klauenseuche ausge» brochen, was hierdurch veröffentlicht wird.

Schenklengsfeld, den 8. September 1890.

Der Bürgermeister Rüger.

Folitische Nachrichten.

Flensburg, 5.September. Dem heutigen Corpsmanöver gegen markirten Feind im Ge­lände bei Bau nördlich von Flensburg lag folgende Generalidee zu Grunde. Die Nord- division geht, dem Angriff deS Südeorps aus» weichend, von der Eider nach Nordschleswig zurück Das IX. Arwec-Corps, dessen Süddivision bis zum.nördlichen Rande von Flensburg vorge­drungen ist, hat den Auftrag, den Feind in östlicher Richtung nach dem Sundewitt abzn- dränge». Das Gefecht entwickelte sich bald nach 8 Uhr Morgens. Jhre Majestät die Kaiserin hatte sich auf eine Anhöhe nördlich von Krusan begeben, um von dort den Gang des Manövers zu verfolgen. Se. Majestät der Kaiser traf um 9 Uhr ebendaselbst ein, be­grüßte Ihre Majestät und leitete sodann theil» weise die Bewegungen des markirten Feindes. Die Zurückdrängung desselben nach dem Sunde- Wttt gelang nicht. Ihre Majestät die Kaiserin wurde bet der Ankunft in Krusan auf das Herzlichste von der Bevölkerung empfangen. Die Schulen bildeten Spalier. In den in der Nähe gelegenen Dörfern und Gehöften hatten alle Häuser festlichen Schmuck mit deutschen und schleswig - holsteinischen Fahnen angelegt. Gravenstein, 5. Septbr. Nach dem Empfange

der Damen, als Vertreterinnen der gesammten I Provinz, bei Ihrer Majestät der Kaiserin trugen 120 Flensburger Sänger vor Ihren Majestäten im Schloßhofe mehrere Lieder vor. Graven» stein, 6. Septbr. Bei dem gestrigen Diner für die Provinz bet Ihren Majestäten toastete der Kaiser auf das Grünen, Blühen und Weiterent­wickeln der Provinz, die seinem Herzen besonders nahe stehe, weil er hier von seinem Großvater beim letzten Kaisermanöver zum Major befördert sei und weil sein Großvater als letzte öffentliche große That die Grundsteinlegung znr Eidercaual» schleuse vollzog. Der Oberpräfident Steinmann toastete auf die Majestäten, für den Besuch der denkwürdigen Stätte dankend. Der Kaiser erhob sich nochmals und brächte, deS Geburtstages deS Erzherzogs Carl Stephan gedenkend, ein Hoch auf denselben aus, welcher durch die Gnade des Kaisers Franz Joseph mit einem Geschwader hierher gesandt sei, wodurch die engen Beziehungen innigster Freund­schaft und feste st er Waffenbrüder­schaft wiederum bekundet worden seien.

Se. Majestät der Kaiser Wilhelm hat an die Wittwe des Ministers v. Lutz von Schloß Gravenstein aus das folgende Beileidstelegramm gerichtet:Soeben erhalte Ich hier die schmerz­liche Kunde von dem Hinscheiden ihres Gatten, in welchem Se. Kgl. Hoh. der Priuzregeot und das bayerische Land einen bewährten Diener ver­lieren und in dem Ich einen verdienten Staats­mann betrauere, der allezeit treu zu Kaiser uud Reich gestanden. Ich spreche den Hinterbliebenen und in erster Stelle Ihnen Mein aufrichtigstes Beileid aus."

Kaiser Wilhelm wird bereits am 30. September als Gast des Kaisers Franz Joseph zu den steirischen Hofjagden eintreffen und im steirischen Jagdschloß Mürzsteg fetn Absteige- q kartier nehmen Es bestätigt sich, daß auch

der König von Sachsen und Prinz Leopold von Bayern an den Jagden theilnehmen werden.

Fürst Bismarck besuchte in Homburg v. d. H. am Freitag Nachmittag den Schießplatz und zeichnete sich in das dort aufliegende Ehrenbuch ein. Um </28 Uhr Abends brachten die Ham­burger Vereine dem Fürsten einen Fackelzug, an welchem sich die Bevölkerung zahlreich betheiligte. Schützenhauptmann Wodiczka brächte ein Hoch auf den Fürsten Bismarck aus, welches derselbe mit einem jubelnd aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser Wilhelm erwiderte. Der Fürst erschien sodann bet dem im Kurgarten ab­gehaltenen Feste und wurde von dem zahlreichen Publikum auf das Herzlichste begrüßt.

Mit dem 1. October tritt die neue Nota­riatsordnung inKraft. Dieselbe weicht insofern wesentlich von dem früheren Rechtszu» stand ab, als die bisher nothwendigen, oft lästigen, sog. Instrument-Zeugen fortfalleo. Die nota­riellen Verhandlungen werden nunmehr tu der­selben Form wie die gerichtlichen Verhandlungen ausgenommen, unterliegen auch im Wesentlichen demselben Kostentarif. Nur bei Verhandlungen mit blinden, tauben oder stammen Personen bedarf es auch ferner der Zuziehung von zwei Zeugen. Notarielle und gerichtliche Beglaubigungen von Unterschriften durften schon nach der bis­herigen Gesetzgebung nur erfolgen, wenn die Unterschrift persönlich von dem Richter oder Notar vollzogen oder anerkannt war. Um Ab­weichungen hiervon vorzubeugen, hat das neue Gesetz angeordnet, daß in Zukunft in der Be­glaubigung diese persönliche Beurkundung aus­drücklich bescheinigt werden muß.

Die rheinisch-westfälischen Industriellen haben sich auf Veranlassung des Handelsministers über die Beschlüffe der ReichstagScommission zur Gewerbeordnung denH. Nachr." zufolge dahin geäußert, daß die Sonntagsruhe von 30

Am Fntz des Aconquiia. |

Ein Roman von G. Reuter.

(Fortsetzung.)

Alle die brünetten Männer in ihren engen, modernen Anzügen rauchten winzige Cigarretten und schlürften Mate durch Metallröhren und unterhielten sich in erhabenen und übertriebenen Ausdrücken, in den wohllautendsten Triumph­gesängen über das Glück des Tages. Sie hatten es, das muß man sagen, fest beim Stirnhaar gepackt und energisch festgehalten.

Donna Lastenia nahm ihre Huldigungen mit dem Anstande einer Königin entgegen.

So trat sie auch zu Dr. Flterich, der mit zer­zaustem Gefieder und funkelnden Augen in der Thür stand. Sie faßte ihn bet der Hand und leitete ihn mit einem berückenden Lächeln durch die Schaar ihrer Bewunderer und Verehrer, in­dem sie sprach:

Wir sind Ihnen dankbar, Don Auastasto, sehr dankbar und werden unsere Gefühle zu bethätigen wiflev. Sie haben unseren gefürchtetsten Gegner im Gebirge zurückgehalten. Seine Freunde warteten vergeblich auf sein Erscheinen, wurden verwirrt und rathlos und so . . . konnten wir diese Constellation benutzen."

Einen Augenblick wurde Dr. Flierich von dem Gedanken ergriffen, ob die schöne Frau jetzt nicht sprechen Werde:Dr. Anastastus Flterich, ich er­

hebe Sie zu dem Erwählten meines Herzens und i beglücke Sie mit meiner Hand." Ob der hin-1 reißende Mund, der wie eine rothe Blüthe in ihrem bleichen Antlitz glühte, sich ihm jetzt im Kusse entgegen neigen würde . . .

Amanda, arme Amanda, dann wäre eS Deinen Hoffnungen bös ergangen!

Doch solches geschah nicht. Donna Lastenia ließ den Helden an ihrer Seite niedersetzen und befahl, ihm eine Mate zu reichen.

Dann wandte sie sich an den jungen Maziel, den Einzigen, der gelangweilt dreinschaute, mit der Bitte, ihren Fächer zu holen.

Die Sturmfluth des Ehrgeizes in der Seele von Dr. Flierich ebbte in natürlichere Bahnen zurück. Er fand sich selbst wieder. Mit Auf­regung berichtete er den Umstehenden die Geschichte seiner Heldenthaten.

Und jetzt erschien auch der neue Gouverneur. Er wurde von seinen Gesinnungsgenossen aus dem Rathhaus in seine Wohnung geleitet, und hier mit rasendem Beifalls- und Glückwunschjubel empfangen.

Er sah nicht rechts noch links bis er vor seiner Tochter stand. Sie stürzte ihm nicht um den HalS, das verbot ihr die Etiquette und der Stolz. Aber als er ihre Hand ergriff, sie zu küffen, da flammten die Blicke dieser zwei leidenschaftlichen, ehrgeizigen Menschen, welche auf der von beiden verachteten Welt nur sich liebten, wie Feuergarben ineinander.

--Am Abend des folgenden Tages Der« anstaltete der neue Gouverneur zur Feier seines Regierungsantritts ein Bankett mit nachfolgendem Ball in dem größten öffentlichen Locale der Stadt.

Lastenia sollte dabei am Arme Don RodrigoS, als Dessen erklärte Braut erscheinen. Ihr Vater hatte ihr angedeutet, daß mit diesem Angehörigen einer mächtigen Familie, die seine Hauptstütze bildete, nicht gespielt werden dürfe, wie mit anderen.

Als sie über den Patio hivausschritten, bog sich Lastenia zu dem jungen Manne, der sie schweigend führte und sprach ihm inS Ohr:

Klüger wäre es gewesen, mein Freund, D« hättest mich nicht hierzu genöthigt. Geliebt habe ich nur zwei Männer meinen Gatten und Paulo Röver. Ihn hast Du so schlecht gettoffen, daß er lebt."

Maziel lachte höhnisch.

Lebt und liebt meine Schöne! Doch nicht Deine Herrlichkeit!*

So sprach nicht mehr der träumerische Knabe. Ein rachsüchtiger Mann war aus ihm geworden. Und die Verlobten maßen sich wie zwei erbitterte Kämpfer.

Donna Lastenia ging stumm an seiner Seite. Schlaff sanken ihre Mundwinkel herab, gelang­weilt und verbittert. Das verführerische Weib verwandelte sich in eine alternde Frau.

Rodrigo sah es. Er liebte sie nicht mehr. Nur das Bewußtsein, Gewalt und Herrschaft über sie, die ihn so maßlos gequält hatte, zu er»