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Hersseliiel IrcisMitt
Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Ilkuflrirtes MnterhaktungsKlatt".__________
Nr. 105. Sonnabend den 6. September 189V.
Aöonuements-Kinladung.
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Hersfelder Kreisvlatt
mit der wöchentlichen Gratis Beilage ^JllustrirteS Unterhattungsblatt" pro September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
HerSfeld, den 5. September 1890.
Die Königlichen Herren Localschulinspectoren deS hiesigen Kreises, mit Ausnahme von O b e r g e i 8, beehre ich mich hierdurch an die gefällige umgehende Erledigung meines Ersuchens vom 17. Juli d. Js. Nr. 6699, im Kreisblatt Nr. 84, Alterszulagen der Lehrer betreffend, ergebenst zu erinnern.
6699. Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l ein ttz.
+ Die Einnahmen aus den indtrccten Abgaben.
Ein stehendes Thema in manchen Blättern ist die Ueberlastung der Bevölkerung durch die neue Wirthschaitspolitik, speciell durch die Zoll- und Steuererhöhungen. Nach ihrer Darstellung ist das deutsche Volk schwerer als alle anderen, und noch dazu unnötbiger Weise so hoch belastet.
Ueber den letzten Vorwurf brauchen wir kein Wort zu verlieren: wovon hätten wohl die iu
einem sich neu entwickelnden Haushalt ganz natürlicher Weise steigenden Ausgaben bestritten werden können, ohne die Erschließung neuer Einnahmequellen oder ohne die bessere Ausnutzung -.------ ----- — «—-- - - - ---------
alter? Zudem haben sämmtliche Parteien, auch mehreremal eingetretenen weiteren Aenderungen,
die freisinnige, regelmäßig alle Ausgabe-Etats sowie durch die Aenderung der Zucker- und bewilligt, womit sie indtrect die Nothwendigkeit der Branntweinsteuergesetzgebung ist im Jahre
bewilligt, womit sie indtrect die Nothwendigkeit der beschlossenen, wenn auch von letzterer stets angefochtenen Ausgaben anerkannt haben.
Was aber den Vorwurf der Ueberlastung
anbetrifft, so ist dieser leicht zu widerlegen. Als im Jahre 1879 neue Einnahmen erforderlich wurden, war es nothwendig, sie auf dem Wege der indirecten Besteuerung herbeizuschaffen. Auf diesen Weg wies uns die einfache Thatsache hin, daß in Preußen-Deutschland das System der directen Besteuerung sehr entwickelt, das der indirecten aber sehr vernachlässigt war. Alle großen Culturstaaten bezogen ihre Haupteinkünfte aus den Zöllen und Verbrauchssteuern. In England fiel an diesen Abgaben auf den Kopf 24,9 Mk , in Frankreich 27,7 Mk., in Italien 12,4 Mk , in Oesterreich-Ungarn 12,1 Mk., in Rußland 13,1 Mk. und in den Vereinigten Staaten Nordamerikas 26,1 Mk., dagegen in
Preußen-Deutschland nur 6,22 Mk. Da Mehreinnahmen nothwendig rmren, blieb damals gar nichts Anderes übrig, als den Weg der weiteren Entwicklung des indirecten Abgadensystems zu beschreiten.
Dies ist geschehen. Prüfen wir nun die Wirkung dieses Vorgangs. Das kürzlich erschienene „Jahrbuch für das Deutsche Reich", Jahrgang 1890, giebt uns hierzu das Mittel an die Hand, indem es die thatsächlichen Erträge der Zölle und Verbrauchssteuern, erstere seit 1835, letztere seit 1868 mtttheilt. Im Jahre 1878/79, dem letzten Jahre vor der Einführung des neuen Zolltarifs, wurden eingenommen an Zöllen 114716000 Mk., an Tabacksteuer 1002000 Mk., an Salzsteuer 35 957 700 Mk., an Rübensteuer 48433000 Mk., au Branntweinsteuer 45 653 700 Mk., an Biersteuer 17 692 600 Mk., zusammen 263455000 Mk., also auf den Kopf 6,22 Mk. Durch den Zolltarif und die seitdem
1888/89 folgende Einnahme erzielt worden: Zölle 312 532 000 Mk., Tabacksteuer 10 832 600 Mk., Salzsteuer 41929900 Mk., Zuckersteuer 28617500 Mark, Branntweinsteuer 139137800 Mk. und Biersteuer 25958200 Mk., zusammen 559008000 Mark, auf den Kopf 11,74 Mk. Durch die ge- sammte Zoll- und Verbrauchssteuer-Gesetzgebung vom Jahre 1879 bis 1888 ist also im Jahre 1888/89 im Vergleich zu dem erstgenannte« Jahre eine Mehreinnahme von 295 553 000 Mk. erzielt worden und die Belastung auf den Kopf hat sich um 5,52 Mk. gehoben.
Mit der auf den Kopf 11,74 Mk. betragenden Belastung ist Deutschland noch immer hinter den sämmtlichen oben genannten Staaten, namentlich aber weit hinter England, Frankreich und den Vereinigten Staaten zurückgeblieben, ganz abge- sehen davon, daß diese Staaten in der Zwischen- zeit ihre indirecten Abgaben sogar noch vermehrt
haben.
Nun kann mau ja ^reW sagen, daß, wenn Frankreich und England eine durchschnittliche Belastung pro Kopf von je 25 oder 27 Mk. vertragen. hiermit noch nicht bewiesen sei, daß in Deutschland eine Belastung von 11,74 Mk. keine zu hohe sei. Denn das Nationalvermögen jener Länder ist größer als dasjenige Deutschlands. Indeß der Unterschied ist denn doch nicht ein so beträchtlicher, daß 11,74 Mk. Belastung mit indirecten Abgaben für Deutschland zu viel, 25 bezw. 27 Mk. Belastung für Frankreich bezw. England gerade normal sei. Neumann Spellart hat für das Jahr 1880 das VolkSverwöge« von England auf 180 Milliarden Mk., von Frankreich auf 216 Milliarden Mk. berechnet. Das Volkseinkommen Deutschlands berechnete er auf 8200 Millionen Mk., waS etwa einem Volksvermögen von ca. 205 Milliarden Mk. gleichkommen würde. Diese Zahlen möge«
Am Fuß des Aeonqnija.
Ein Roman von G. Reuter.
Aber wer beschreMFlierichs Gefühle, alSer nun, durch das feinfiebrige Laub des Busches lugend, beobachten mußte, wie die neuen Ankömmlinge die Gefangenen gewahr wurden. Wie sie unter heftigem Rachegeschrei die Unglücklichen von ihren Fesseln befreiten. Und dann verstreuten sie sich über den Grund um die, wie sie meinten sich hinter Felsen und Sträuchen verborgen haltenden Gegner aufzutreiben und zu einem Kampf zu zwingen, den sie in ihrer Ueberzahl nicht mehr fürchteten.
Der einzige Feind, den sie aufstöberten, war der unglückliche Dr. Flierich, den drei Reiter auf einmal entdeckten und umzingelten. Durch die Gefahr und daS Mißlingen seiner Pläne zum Aeußersten gereizt, bäumte er sich, wie eine der kleinen, rothen Schlangen jener Gegend aus dem Gebüsch hervor und drang in blinder Wuth mit seinem Messer auf die Gegner ein.
Was konnte er gegen die Reiter thun?
Und der Eine, ein vornehmer Estanctero, welcher im elegantesten Reitanzuge auf prachtvollem Pferde saß, war — Estadillo. Er ließ den tobenden kleinen Doctor, der um sich biß und mit den Füßen stieß, von seinen Dienern entwaffnen.
„Haben Sie allein alle dlese Leute an der Aus-] wenn er Scenen betwohnt, die — Sennor! die Übung ihrer Wahlpflichten gehindert und zu Ge- " ......"
fangenen gemacht, Sennor?" fragte er Höfllich.
„Sennor," stammelte Dr. Flierich, der zwischen den Fäusten der beiden Reitknechte Caligula oder Ludwig XIV. als Herrscher über die Republik Argentinien anerkannt hätte — Sennor, ich hoffe nicht, daß Sie einem unschuldigen Fremdling, einem Reisenden, der die Gastfreundschaft Ihres Landes in Anspruch nimmt, Verbrechen zur Last legen, deren unglücklicher Zeuge er durch einen beklagenSwerthen Zufall werden mußte!"
Er hatte seine Rednergabe wiedergefunden und fuhr mit höherem Pathos fort:
„Sennor! Im Namen der Gerechtigkeit, die dieses Land regiert, flehe ich, der Schutz- und Hilflose, Sie an: Lassen Sie mich unbehindert gehen. Ich, der ich in der Ausübung meines friedlichen BerufeS zum Heil aller edlen Argen- tiner ... Der ich die Heilquelle der Natur, das Wasser zu suchen bestrebt bin, welches Ihre Fluren — die Ihren, Sennor — fruchtbar machen soll, der ich jene lang andauernde Ungunst des ehernen Himmels, die dem Ackerbau Argentiniens verhäng- nißvoll wird, auszugleichen, mich auch in diesem Augenblick einzig bemühe! Sehen Sie, wie ich zittere, alle diese Greuel zu sehen."
„Wenn Sie unschuldig waren, warum vertheidigten Sie sich so heftig?" fragte Estadillo kalt.
»Soll ein Mensch nicht den Verstand verlieren,
der argentinischen Nation nicht zur Ehre gereichen?" jammerte Dr. Flierich. Er sah dabei so erbarmungswürdig aus, daß der Eüavciero im Begriff stand, ihn freizugeben, alS ein neuer Trupp sich der Stelle näherte. Und leider befanden sich dabei einige der befreiten Gefangenen.
„Glauben Sie ihm nicht," schrieen diese empört auf Flierich eindringend. „Er hat die Bande
befehligt."
„Gehört er nicht zu den Hauptwühlern für den Prätendenten Pedro?" schrie eine Stimme.
Flierich wurde kreideweiß vor Schrecken.
„Meine verehrten Herren," flehte er mit de« eindringlichsten Tönen, „Sie haben mich gesehen. Ich leugne es nicht. Ich wollte diese Wahn- sinnigen, diese Tollhäusler verhindern, einer verlorenen Sache ihre Kräfte zu widmen."
„Wir wollen ihn nach Tucuman schleppen. Er soll für unseren Candidaten seine Stimme abgeben," rief ein Spaßvogel lachend. „Weigert er sich, so kitzeln wir ihm die Rippen mit dem Dolch."
„Er seine Stimme abgeben?" antwortete ei« anderer. „Ein elender Fremder, ein GermanoS hat überhaupt keine Stimme in der Republica Argentina. Er kann seinem Heiligen danke«, wenn wir ihn und alle die Gringos hier dulde«, damit sie uns dienen." , ,
Beifallsgeschrei folgte dieser Meinungsäußerung.