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Hersstl-er Kreisblett.
__________Mit wöchentlicher Hratis-Ieikage „Illustrirtes Unterhaltungsblatt".__________
Nr. 104 Donnerstag den 4. September 1890.
Aöounements-Kinladnng.
Bestellungen auf das
Hersfetder Kretsbtatt mit der wöchetttlichen Gratis Beilage »Jllustrirtes Unterhattungsblatt" pro September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 1. September 1890.
Am 1. Dezember d. Js. findet wiederum im deutschen Reiche eine allgemeine Volkszählung statt. Dieselbe wird in derselben Weise und nach der gleichen Methode, wie die Volkszählungen der früheren Jahre zur Ausführung kommen. Die Zählung erfolgt unter der unmittelbare» Leitung der Ortsbehörde resp, einer für die Gemeinde zu bildenden Zählcommisston.
Zur Austheilung und Wiedereinsammlung der Zählbriefe sowie zur vorläufigen Prüfung deS ZählmaterialS nach beendigter Zählung und zur einstweiligen Feststellung des Resultats der Zählung in den einzelnen Zählbezirken ist, wie früher, für jeden Zählbezirk ein Zähler und ein Vertreter, der in Verhinderungsfällen für diesen eintrttt, zu bestellen. Bet der Auswahl der Zähler ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß sie zur Verrichtung der ihnen obliegenden Geschäfte hinreichend befähigt sind, und deren Gemeinsinn und Befähigung dafür bürgen, daß sie daS Zählgeschäft mit Umsicht instructionsmäßig ausführen. Es darf wohl erwartet werden, daß fich Personen in genügender Anzahl finden werden, welche das Amt eines
Zählers alS Ehrenamt zu übernehmen bereit sind; sollten dagegen durch die Annahme von Zählern wider Erwarten Kosten entstehen, sind solche von der Gemeinde ic. zu übernehmen, da Remunerationen an Zähler, welche zur unent- geltlichen Uebernahme dieses Ehrenamtes nicht bereit sind, weder aus der Reichs- noch aus der Landeskasse beansprucht werden können.
Jeder Zählbezirk soll in der Regel 40 Haushaltungen umfassen; erscheint dieser Umfang jedoch in einzelnen Fällen zu bedeutend, so kann der Zählbezirk auch auf weniger Haushaltungen beschränkt werden.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises (mit Ausnahme der Stadt Hersfeld) weise ich daher an, mir b i 8 z u m 10. S e p t e m b e r d. J. zu berichten, in wieviel Zählbezirke ihre resp. Gemeinden voraussichtlich zerfallen werden und ob eine hinreichende Anzahl freiwillige Zähler und Stellvertreter vorhanden ist.
Die Zusendung des nöthigen FormularpaptereS sowie die öffentliche Bekanntmachung der Volkszählung rc. wird später erfolgen.
8196. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Iolitische Hlachrichtm.
Se. Majestät der Kaiser ist am Dienstag früh ins Manöverfeld deS Gardecorps bei Blumenhagen in der Nähe von Pasewalk gereist, von wo er selbigen Tages noch sich nach Kiel begeben hat. Dem offictellen Programm für den Kieler Aufenthalt ist Folgendes zu entnehmen: Die im Hafen liegenden Schiffe werden am 2. September mit Flaggenparade Toppsstaggen setzen. Der Kaiser wird sich per Wagen nach dem König» lichen Schlöffe begeben, woselbst großer Empfang stattfinden wird. Nach dem Empfange im Schlöffe wird der Kaiser sich an Bord der Jacht
„Hohenzollerv" einschiffen. Am 3. September, Morgens 8 Uhr wird von der im Hafen liegenden Flotte die vom Großmast der „Hohenzollerv" herabwehende Kaiser-Standarte salutirt und Toppsflaggen gesetzt. Im Großtopp wird von allen deutschen Schiffen kurz vor 9 Uhr die österreichische Flagge gehißt. Um 9 Uhr wird der Kaiser sich auf der Kieler Stationsyacht einschiffen zu einer Fahrt um die bereinigten Flotten. Nach Beendigung der Fahrt wird der Kaiser sich an Bord des österreichischen Panzerschiffes »Kaiser Franz Josef" begeben, um 1 Uhr an Bord der Yacht „Hohenzollerv" zurückkehren und alsdann mit der vereinigten Flotte nach FlenSburg in See gehen, woselbst gegen 7 Uhr geankert werden soll. Die Officiere der Garnison und im Hafen liegenden Kriegsschiffe versammeln sich um 6V2 Uhr Abends im Wappevsaale deS Königlichen Schloffes. Sobald die Standarte des Kaisers auf der Zinne des Schloffes erscheint, salutirev die im Hasen liegenden Kriegsschiffe mit je 33 Schüssen. Den Salut eröffnet daS Wachtschtff „Niobe." Für die vom Kaiser zur Flottenrevue am 3. September eivgeladeven fürstlichen Damen stellt S. M. S. „Irene" einen Dampfer. Beim Jassiren der Kaiseryacht geben die Mannschaften der Kriegsschiffe Hurrahs und Paradiren.
Englische Blätter haben allerlei Mittheilungen über Zwischenfälle bei dem Besuche unseres Kaisers in Rußland gebracht, welche gegen Ende des Besuchs eine merkliche Abkühlung der freundschaftlichen Stimmung herbeigeführt haben sollen. Alle solche Mittheilungen müssen als erfunden bezeichnet werden. Nach Petersburger Nachrichten liegt nicht der leiseste Anlaß zn jenen Gerüchten vor. Ebenso berichtete die Nordd. Allg. Ztg.: Die aus Rußland zurückgekehrten Herren seien einstimmig in dem Lobe über den herzlichen und freundschaftlichen Ton, der von Anfang bis Ende
Am F«ß des Aconqnija. I
Ein Roman von G. Reuter.
(Fortsetzung.)
Einer der Kerle ließ sich herab zu antworten:
»Davon spricht man nicht."
»Gehen Sie allein, wenn Sie Lust haben," rieth ihm ein anderer mit höhnischer Miene.
Dr. Flierich sah, daß auf diese Weise nichts mit den störrischen Gesellen zu beginnen war. Er kreuzte die Arme und warf sich in die Brust.
„Bueno — handelt wie Ihr wollt. So "wird auch Don Pedro handeln wie er will. Versteht Sr, was ich damit sage? Ich werde mich eben» ls nicht deutlicher erklären. Aber — aber Caballeros — ich rathe Euch, die Sache zu überlegen."
Aufgeregt nahm er seine Brille ab und putzte sie hastig mit dem rothsetdenen Taschentuch und lief dem Eingang der Schlucht zu, um nach den nahenden Feinden auszuschauen.
Seine zerlumpte, wilde Bande lud gleichgültig und verstockt ihre Revolver und band die Pferde los.
Dr. Flierich mußte gewärtig sein, daß sie ihn im nächsten Augenblick mit den Gefangenen allein IteficiL
Sein tapferes Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen. Sie hatten die hohe Aufgabe, die ihnen zu Theil geworden war, noch nicht in voller
Reinheit begriffen. Man mußte mit ihren | Schwächen rechnen.
„Wer mir treulich bis zum Ende hilft, bekommt das Doppelte deS vereinbarten Preises. Die anderen Caballeros erhalten von der ihnen noch zustehenden Hälfte nicht einen Peso."
Der Ariero zog sein blutiges Meffer auS dem Gürtel, und rieb bedächtig an seiner Miripa die Klinge wieder blank.
Dr. Flierich erstickte fast vor Wuth und Angst. Seine neuen Landsleute waren doch unangenehme Persönlichkeiten.
Endlich ergriff der alte Halbindianer das Wort. Seine düsteren Augen blitzten dabei scheu nach dem Felsgeklüft, aus dem die starren, grauen Kaktusarme gespenstisch ragten, in dem die Geier ihre Nester hatten.
„Sennor," begann er, daS ist alles schön und gut. Ihr habt uns auf Menschen gedungen, Menschen von Fleisch und Blut. DaS Gezücht in der Höhle aber — Caramba — Sennor — dagegen kämpft kein Gaucho. Ihr wißt doch, daß eS drin umgeht." Er schlug ein Kreuz.
„Die Vaqueros erzählen sich gräßliche Dinge, Sennor," fiel ein junger Geselle mit einem frechen Gesicht, der sicher schon einige ihm unbequeme Nebenmenschen abgestochen hatte, schaudernd ein.
Dr. Flierich brach in ein unbändiges Gelächter aus.
»ES geht drin um! Was geht drin um? Ge-
spenster? Geister? die Euch tapfere Caballeros am Kragen packen und Euch das Genick umdrehen könnten? — Ihr Helden! O, über den unsinnigen Aberglauben! Ihr, das freiste, daS gebildetste Volk des Erdballes! Ihr Argenttner, die Ihr die Fahne der Aufklärung in der starken Faust, an der Spitze der Humanität marschiert! Ihr Söhne der Conquistadoren! Ihr glorreichen Nachkommen der Inkas — Ihr — Ihr — Ihr unerschrockenen Wächter des Völkerrechts, Ihr —"
Der ehemalige Photographengehülfe hielt inne, weil er keinen Ehrennamen mehr wußte, mit dem er den Ehrgeiz seiner Bande roher geldgieriger Schurken anstacheln konnte. — »Ihr furchtet Euch vor Gespenstern?"
„Fürchten?" murrte der Ariero, »wer hat davon gesagt? Will der Herr Gringo unS beleidigen ? Mag er doch hineingehen . . . Gegen die Seelen, die aus dem Fegefeuer zurückkommen und an finsteren Orten ihr Wesen treiben, hilft kein Meffer und keine Schußwaffe. Da ist nichts zu thun."
„Wenn aber der Herr uns wahrhaftig den doppelten Preis geben . . .?"
„Gewiß, gewiß," schrie Flierich. „Und mehr noch, wenn Ihr wollt. Nur schnell, sonst ist alles verloren."
Sie beeilten sich nicht eben sehr, die Männer, die wie alle Naturvölker und alle tu Rohheit zurückgesunkenen Ausgestoßenen der Gesellschaft