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Mit wöchentlicher Kratis-Aerlage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 103. Dienstag den 2. September 1890.
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HersfeLder Kreisblatt
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„JUustrirtes Unterhattungsblatt" pro September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgeru und von der Expedition angenommen.
Amtlich«.
Bekanntmachung.
Bet den Unteroffizier-Schulen Potsdam, Marienwerder, Biebrich und Ettlingen können im October d. Js. noch Freiwillige zur Einstellung gelangen.
Diejenigen jungen Leute, welche 17 Jahre alt sind, das 20. Lebensjahr aber noch nicht überschritten haben, können sich unter Vorlage eines Meldescheines — welcher beim Königlichen Landrathsamt zu beantragen ist —; diejenigen jungen Leute, welche innerhalb 3 Monaten das 17. Lebensjahr erreichen, können sich ebenfalls unter Vorlage der zur Erlangung eines Meldescheines erforderlichen Papiere, -bet dem unterzeichneten Bezirkskommando schriftlich melden.
Bei allen Meldungen sind sämmtliche Schul- und sonstige Zeugnisse mit vorzulegen.
Hersfeld, am 28. August 1890.
Königliches Bezirkskommando.
« Der Tag von Sedan kehrt zum zwanzigsten Mal wieder. Zwanzig Jahre liegen hinter uns, seitdem Deutschlands Heere Frankreich in einem entscheidenden Schlage
bezwungen, zwanzig Jahre, seit aus der blutigen Saat das Deutsche Reich und die Kaiserkrone hervorwuchsen, zwanzig Jahre, seit die Kriegs- waffen ruhen und ein gesegneter Friede über Deutschland sich ausgebreitet hat. Der Tag von Sedan war zwar noch nicht die letzte Krieqsthat, aber wie das deutsche Volk sich diesen Tag als ein Symbol der neuerrungenen Macht und Einheit erkor und zu einem Nationalfesttage erhob, den es alljährlich feierte, so dürfen wir heute auch von dem Abschluß einer hinter uns liegenden zwanzigjährigen Periode sprechen, die von dem Tage von Sedan datirt.
Wie alljährlich, so lenken sich auch heute unsere Blicke zum Himmel voll Dank für die Gnade, die er dem deutschen Volke und den deutschen Waffen erwiesen. Aber wir blicken auch auf die Helden, die heute nicht mehr unter uns weilen. Der große Kaiser und sein Sohn, welche die deutschen Heere von Sieg zu Sieg geführt, und welche uns auch Führer auf allen Gebieten des Friedens waren, sehen heute von oben herab auf ihr Volk, dem sie in dem von ihnen erschaffenen neuen Reiche ein heiliges Vermächtniß hinterlassen haben. Die Wiederkehr des großen Tages ruft uns daher die doppelte Mahnung zu: den Blick stets nach Oben zu richten und das Ver- mächtviß mit aller Kraft zu pflegen und zu wahren. Wie wir stets dessen eingedenk sein sollen, daß aller Segen nur von Oben kommt, und wie wir deshalb stets uns der Segnungen der Religion bewußt bleiben sollen, so ist die Erinnerung an die Großthaten der beiden Kaiser und ihrer Heere wie ein Bad, in welchem sich unsere Kraft stählen, erfrischen und stärken soll für die Zeit, wo es uns beschieden sein sollte, das Errungene zu vertheidigen.
Aber bet der zwanzigjährigen Wiederkehr lenken sich unsere Gedanken auch auf die nunmehr hinter uns liegende fast zwanzigjährige Friedenszeit. Wer hätte eS damals gedacht, daß uns eine so
lange Zeit des Friedens beschieden sein würde, wer hätte auch nur zu hoffen gewagt, daß das neue Deutsche Reich in dieser in der Entwickelung der Völker so kurzen Spanne Zeit auf allen Gebieten so gedeihen würde, wie es in Wahrheit der Fall gewesen! Kaiser Wilhelm I. hat sein Gelübde, mit welchem er die Kaiserkrone übernahm, gehalten, nämlich „allzeit Mehrer des Reichs" sein zu wollen, „nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung". Die Weisheit des Kaisers und seines Rathgebers wußte nicht nur alle Anschläge auf die Ruhe Europas zu verhindern, sondern er verstärkte mehr und mehr die Friedensbürgschaften und unter dem Schutze des Friedens konnte sich die Wohlfahrt entwickeln und entfalten, das nationale Bewußtsein heben und eine Reform der gesellschaftlichen Verhältnisse in Angriff genommen werden, welche, wie sie nur im Fried'^WdrjhM kaun, zugleich die beste Stütze für den Frieden selbst ist, seitdem die Herrscher auch anderer Staaten erkannt haben, daß auch sie ihre Völker auf diesen Weg führen müssen.
Alle diese Segnungen, welche aus dem großen Siege von 1870 für unser Volk erwachsen, haben in den letzten zwei Jahren durch unsern regierenden Kaiser eine mächtige Förderung und Steigerung erfahren. Sein königliches Wort hat der Wiederherstellung des inneren Friedens die Bahn geebnet, und seine unablässige Fürsorge für daS Wohl seines Volkes hat dem äußeren Frieden durch die mannigfachen persönlichen Berührungen mit fremden Herrschern neue Bürgschaften gegeben, welche die Zuversicht auf Erhaltung deS Friedens allenthalben erhöhen, so daß wir heute, zwanzig Jahre nach der Schlacht von Sedan, nicht nur befriedigt über die Vergangenheit, sondern auch getrost und beruhigt in die Zukunft stauen können. Dabei haben wir die Gewißheit
Am Lnß des Arouquija.
Ein Roman von G. Reuter. (Fortsetzung.)
Die Männer fühlten zuweilen stumm in ihre Taschen nach den schmutzigen Paptergeldscheinen, mit denen ihnen ihre Mühe gelohnt worden war und verwürselten und verwetteten dieselben wenigstens in Gedanken, da ste es für diese Nacht noch nicht in der That thun dursten.
Zu derselben Zeit, als Paul Röver dem ersten bleichen Lichtschein, der um die Cordillerenhäupter aufglomm, sinnend entgegenschaute, in dem Thal des Goldloches aber noch Pechdunkle Nacht herrschte, da das heraufziehende Morgengewölk den Glanz der Sterne verschleierte, trabte die erste Gruppe treuer Staatsbürger wohlgemuth und ahnungslos auf ihren Pferden aus der grünen Schlucht, die zu Ottenhausens Besitzung führte.
Es waren vier Männer. Sie wurden von der bedeutenden Ueberzahl der Lauernden leicht über« wälttgt, von ihren Thieren herabgerissen, geknebelt und bei Seite ins Gebüsch geschleppt.
Dr. Flierich feuerte die Kämpfenden aus dem Hinterhalt mit lauten Beifallsrufen an. Nach der Weise großer Feldherren nahm er nicht selbst am Gefecht theil.
Eine Weile darauf kamen noch zwei Wähler.
Inzwischen galt eS, die Gefangenen bei Seite zu schaffen, damit sie nicht von ihren Parteigenoffen befreit werden konnten. Doch wie war daS in dem öden, sonnenhellen Thal möglich?
Plötzlich kam Flierich der Gedanke an daS Goldloch. Er kannte es nicht nur aus den Erzählungen von Elfe Rövers abenteuerlicher Reise, sondern aus eigenen traurigen Erfahrungen.
Der Volkssage zufolge sollte das unterirdische Gewässer, welches im Hintergrund der Höhle stand, und dessen Ursprung ebensowenig zu ergründen war, wie sein Abfluß, reiche Schätze an Goldsand bergen.
Auch er hatte, als er vor Jahren zuerst in die Gegend kam, wie so mancher Andere, der Ueberlieferung trauend, seine paar Mutterpfennige hier „verwaschen."
Jetzt sollte ihm das verwünschte Loch doch noch Nutzen bringen. Hier ließen sich die Gefangene» verbergen. Er selbst konnte sich mit den Genossen zwischen dem wüsten Felsgeröll, welches jenes Ende des Thalgrundes erfüllte, verbergen, um die Zahl der Kommenden zu erkunden. Dann ließ man sie — war ihre Stärke zu fürchten — vorüberzieben oder griff sie im geeigneten Augenblicke im Rücken an.
Doch schien dieser Vorschlag bei den ehren« Werthen Männern seiner Begleitung nicht den erhofften Beifall zu finden.
Schweigend umstanden sie ihn. Diejenige»,
Dann ein Einzelner. Dann wieder fünf. Dann | gar ein Dutzend.
Auch diese wurden überwältigt. Doch ging es dabei nicht ohne Blutvergießen und Revolverschüsse herüber und hinüber ab.
Jetzt packte auch den kleinen Doctor der Wahnsinn der Blutdurst und Kampfgier. Wie ein rother Teufel sprang er in das Handgemenge, schlug und schoß blindlings dazwischen.
Ein Mann aus dem letzten Trupp hatte gleich zu Anfang das Pferd gewendet, war entkommen und auf demselben Wege in das Gebirge zurück- gejagt.
Das war schlimm für Dr. Flierich und seine Freunde. Nachdem auch der letzte Kampf zu ihren Gunsten entschieden war, traten die tapferen Kämpfer für Wahlfreiheit und Völkerrecht zu einer Berathung zusammen.
Es war zu erwarten, daß der Flüchtling die neuen Zuzügler von der im Thal des Goldloches drohenden Gefahr benachrichtigen, diese sich zu größerer Anzahl vereinigen und ihnen kampfbereit entgegentreten würden. Zu einer regelrechten Schlacht mit einem gleichstarken Gegner zeigte Flierich keine Lust.
Aber der Hauptfeind war noch nicht erschienen und die Gefangennahme Estadillos war allein von wirklichem Nutzen für Don Pedro.
Es mußte eine Zeitlang dauern bis man droben in den Bergen einen Entschluß gefaßt hatte,