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Htlssel-kk Irtisblitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Itntertjaltungsbkatt".
Nr. 102.
Sonnaitnb bot 30. August
1890.
Aöonnements-Kinkadung.
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Hersfelder KreisvLatt mit der wöcheuttiche« GrattS Beilage
^JUuftrirtes Unterhaltungsblatt" pro September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher.
Im Hinblick auf die in der Zeit vom 31. August bis 7. September d. J8. in Aussicht genommene Abhaltung des 500jährigen Jubiläumsschießens der Hamburger Schützengesellschaft zu Homburg v. d. H. mache ich darauf aufmerksam, daß diejenigen Theilnehmer an diesem Feste, welche ein Schieß- oder Seitengewehr zu tragen beabsichtigen, insofern sie im Stadt» oder Landkreise Hanau ihren Wohnsitz haben und nicht zu den in §. 2 zu Nr. 1 bis 4 des nachstehend abae- druckten Staatsministerial-Beschlusfes vom 26. September 1889 bezeichneten Kategorien gehören, im Besitze eines Waffenscheines sein müssen.
Gesuche um Erthetlung eines solchen sind m ö g l t ch st frühzeitig an den Königlichen Landrath zu Hanau und zwar von Bewohnern des Landkreises Hanau durch Vermittelung des Bürgermeisters,, welcher dieselben mit seiner gutachtlichen Aeußerung versehen wird, einzureichen.
In den Gesuchen ist die Art der zu tragenden Waffen, die Zeitdauer und der örtliche Gültigkeitsbereich, für welchen der Waffenschein gewünscht wird, anzugeben. Die Erthetlung des letzteren erfolgt durch mich. Die Inhaber des Scheines haben denselben, so lange sie Waffen tragen, stets bei sich zu führen.
Für diejenigen Festtheilnehmer, welche außer
Am Fntz des Aeonquisa.
Ein Roman von G. Reuter. (Fortsetzung.)
Aus der Kindheit herüber dämmerte Röver eine Erinnerung . . .
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.. Trachtet nicht nach der Welt, noch nach dem, was in der Welt ist.
Er wußte, wo er dergleichen gelernt hatte. In einer widerwärtigen Schule von einem widerwärtigen, lächerlichen Lehrer. Warum kam ihm das jetzt? Es hatte nie in seiner Seele Wurzel geschlagen.
Er pfiff verächtlich durch die Zähne und schritt aufs Neue rauchend unter der Veranda auf und nieder.
Das Grübeln bereitete ihm physische Kopf- schmerzen. Er war es so wenig gewöhnt.
Endlich warf Paul die Cigarette fort, seufzte tief und breitete die Arme gegen das funkelnde Sternengewölbe aus. Von dort kam ihm keine Antwort. Die Natur weckt nur Sehnsucht und bange Todestrauer.
Ihm war auch todestraurig zu Muthe. Mußte er denn Sylvia ausgeben? — Warum — warum — warum?
All' die peinigenden Zweifel werden am nächsten
Tage vergangen sein, aber seine Liebe nicht. Sie wird erwachen, frisch wie die junge Lerche, wonnig, wie der Morgenwind um Blüthen weht.
Fern um die finsteren Masten des Gebirges erhob sich ein mattes Leuchten, die ersten Zeichen der beginnenden Dämmerung. Der müde Mann gab den Kampf auf und verfolgte gedankenlos das bleiche, silberne Weben des Lichtes um die hohen, weißen Berggipfel, bis ihm die Lider zufielen und alles um ihn her in Dunkel verschwamm. Jäh schreckte er gleich darauf empor. Er suchte nun sein Lager, mechanisch die Wollendecke über sich ziehend, um sich gegen die scharfe Morgenkälte zu schützen. In den Nestern an der Dachfirst rührten sich die wilden Tauben und erhoben ein schlaftrunkenes Gurren. Auf dem Hofe krähten die Hähne.
Der Morgen versuchte mit alltäglichem Getriebe den Eindruck des verworrenen AbendS auszu- gleichen und mit seinem hellen Lichte alle gespenstischen Schatten zu zerstreuen. Doch wollte eS ihm nicht gelingen.
Paul kam sich zwischen den zwei verweinten Frauen vor, wie ein schwarzer Missethäter.
War er in der That ein so krasser Egoist? — Was wollte er denn, als alle Menschen glücklich machen und sich selbst dazu?
Nun war er erst recht entschlossen.
Noch einmal sollte ein Aufruf an HanS Heinrich
halb des Stadt- und Landkreises Hanau ihren Wohnsitz haben und Schieß- oder Seitengewehre tragen wollen, ist höheren Orts genehmigt worden, daß die mit einem entsprechenden Vermerk versehene Schützenkarte die Stelle des Waffenscheins vertritt. Durch diese Karte wird es dem auf derselben namentlich bezeichneten Inhaber gestattet, vom dritten Tage vor Beginn des Festes ab bis drei Tage nach Schluß desselben in den Stadt- und Landkreisen Frankfurt a. M. und Hanau, sowie im Kreise Höchst und im Obertaunus-Kreise Seiten- und Schießgewehr zu tragen. Diejenigen Festtheilnehmer dieser Klaffe, welche noch andere Waffen zu tragen, oder die Erlaubniß über den gedachten Zeitraum hinaus ausgedehnt zu sehen wünschen, haben sich dieser- halb möglichst frühzeitig an den Landrath des Obertaunuskreises in Homburg v. d. H. zu wenden.
Es ist Vorsorge getroffen worden, daß den von auswärts kommenden Festtheilnehmern, welche auf der Hinreise nach Homburg v. d. H. Waffen tragen, ohne im Besitze eines Waffenscheines oder einer Schützenkarte zu sein, und den Reisezweck auf etwaiges Erfordern der Polizeibeamten glaubhaft darthun, kein Hinderniß in den Weg gelegt werde. Dieselben sind aber verpflichtet, alsbald nach ihrem Eintreffen in Homburg v. d. H eine Schützenkarte oder einen Waffenschein zu lösen und, so lange sie Waffen tragen, stets bei sich zu führen.
Cassel, am 19. August 1890.
Der Königliche Regierungs-Präsident. Rothe.
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Hersfeld, den 28. August 1890.
Wird veröffentlicht und werden die Ortsvorstände der Stadt« und Landgemeinden des Kreises angewiesen, hiervon etwaige Theilnehmer ihres Orts von dem fraglichen Jubiläumsschießen besonders in Kenntniß zu setzen.
8087. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Caffel, den 22. August 1890.
Der dem diesseitigen Bezirksverbaude auf Grund des Preuß. Gesetzes vom ^r^näl zur Zwangserziehung überwiesene und von mir in der Rettungsanstalt zu Sannerz, Kreis Schlüchtern in Pflege untergebrachte HilariuS Bott aus Simmershauseu geboren am 25. October 1877 ist am 30. Juni er. aus der Anstalt durch- gebrannt.
Königliches Landrathsamt ersuche ich ganz er» gebenst, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstellen, im Betretungsfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civil - person, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachtung von 4 Mark gewähren werde, in die obengenannte Anstalt zurückbringen lassen zu wollen.
Vom Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nachforschungen bitte ich mich htervächst gefälligst zu benachrichtigen.
Der Landes-Director. I. A.: S ch r o e d e r.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. Jr. II. Nr. 3355.
* * *
Hersfeld, den 28. August 1890.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach dem Entlaufeven mitgetheilt.
Im Betretungsfalle ist derselbe festzunehmen, in die Anstalt zurückbringen zu lasten und mir Anzeige zu erstatten.
8163. Der Königliche Landrath
Freiherr v ü n S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 27. August 1890.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises haben die von den Amtsanwaltschaften eingeforderten Personal-Berichte zu den betreffenden Anzeigen möglichst umgehend zu erstatten, damit nicht
von Ottenhaufen durch die Blätter gehen. Dann hatte er seiner Pflicht als Ehrenmann genügt. Nichts sollte ihn dann noch hindern. Das lächerliche Mitleid, das ihn heut Morgen jedesmal überkam, wenn er Sylvia ansah, würde schon zu überwinden sein. Nur vorsichtig, um sie nicht zu verstören. . .
Während Röver diesen Entschluß faßte, schritt er an Sylvias Seite der Laube zu. Sie hielt eine Arbeit in der Hand und er ein Buch auS Ottenhausens Bibliothek.
„Das wird unsere letzte Litteraturstunde fein,* bemerkte er. „Wir müssen an den Umzug denken. Ich werde ein Gefährt bestellen, um unsere Sachen fortzuschaffen. Auf Kisten und Kasten wird das Sopha festgebunden, darauf müssen Sie mit Munterchen und Elfe thronen. So geht eS mit acht Maulthieren im Triumph in die Berge.-
Bei diesen Worten suchte er ihren Blick auf- zufangen, doch begegnete ihr Auge dem seinen sehr still und traurig. Dann senkte die junge Frau die Wimpern und faltete die Hände, wie ein Kind, das eine Schulaufgabe hersagen soll.
„Lassen Sie mich doch zu Blacks gehen,- sagte sie schnell und leise. „Ich will versuchen, mich in der Stadt nützlich zu machen. Ich könnte Musikunterricht geben. Gewiß fände ich einige Schüler. Wenn Sie mich in den Ihnen bekannte» Familien empfehlen wollten .. .-