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Hersfei-er Kreisbilitt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Mnterhaltungsölatt"
Nr. 100
Dienstag den 26. August
1890
Aöounemeuts-Kinkadung.
Bestellungen auf das
Aersfetder Kreisvlatl mit der wöcheuttiche« GratisBeilage ^Jlluftrirtes Unterhaltungsblatt" pro September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
hatte, äußerte er sich in bemerkenswerther Weise, I Jahrhunderts jenseits der Vogesen, die Ohnmacht, theilweise unter Zugrundelegung seiner Wahr- | nicht blasse Langeweile und nicht üppige Kurz-
nehmungen im Staatsrath, über die Person und Thätigkeit unseres Kaisers. Die Rede ist mittlerweile in Broschürenform erschienen. Der Redner sprach zuerst von der echt deutschen, zähen, eisernen Willenskraft des Kaisers. »Es giebt
Amtliches
Auf Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des §. 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird der Beginn der diesjährigen Jagd auf Hasen auf den 15. September d. I. festgesetzt.
Caffel, am 19. September 1890.
Namens des Bezirks-Ausschusses: Der Vorsitzende Rothe.
Caffel, am 22. August 1890.
Bekanntmachung.
In dem Orte A s b a ch lKr. Hersfeld) ist am 22. August in Vereinigung mit der Postagentur daselbst eine Telegraphenanstalt mit Fernsprech- betrieb in Wirksamkeit getreten.
Der Kaiserliche Ober-Postdtrector. Ziehlke.
Der Landtagsabgeordnete des Waldenburger Kreises, Generaldirector Dr. Ritter sprach am 16. August vor seinen Wählern. Nachdem Dr. Ritter über seine Thätigkeit während der letzten beiden Sessionen des Landtages Bericht erstattet
Am K»ß dr» Aronqnija.
Ein Roman von G. Reuter. (Fortsetzung.)
»— — Weißt Du übrigens Else," fuhr Röver fort, »daß Oltenhausen einmal verlobt war? Seine Braut schickte ihm den Ring zurück, als seine ZukunftSaussichten sich durch die Testaments- offnung änderten."
Elfe machte eine bejahende Bewegung.
»Ich sollte meinen, daS Gefühl, einen Mann, der so viel Enttäuschungen erfahren hat, von Herzen glücklich zu machen, müßte Reiz für Dich haben."
»Ich liebe ihn nicht," sagte Else so kummervoll, daß ihr Bruder begütigend auSrief: »Nun, dann ift S nichts. Einmal wird der Rechte schon für Dich kommen."
»Der Rechte?" antwortete das Mädchen bitter, »o Paul, eS ist so wenig wahr, daß zwei Menschen für einander bestimmt sind, wie, baß die goldenen Sterne vom Himmel aus die Erde fallen."
Auch Sylvia berührte, während sie mit Else die Vorbereitungen zum Abendessen traf, den Gegenstand und sprach die Ansicht aus, Elfe werde unter dem Einfluß des täglichen Verkehrs eine wärmere Neigung für diesen guten Mann fassen.
»Liebt man einen Mann, weil er gut ist und weil man ihn täglich steht?" fragte Else hart.
keinen Deutschen unter den nahezu 50 Millionen, welcher so einzig und allein mit allen Fasern des Lebens und allen Fibern des Herzens auf» geht in der Förderung des deutschnationalen Glückes, wie Wilhelm den Zweiten, den großen Erben der väterlichen und großväterlichen Hohen- zollerntugenden; ihn, der erfüllt ist von dem Ernste seiner hohen Mission und getragen von den Fittigen eines durchdringenden Geistes."
Uebergebend auf seine Wahrnehmungen im Staatsrathe hob der Redner hervor, daß, wie die ungewöhnliche Herrscherkraft des jungen Monarchen überrascht habe, so auch die Herrscher- thätigkeit gleicherweise, ob Handel und Industrie, Ackerbau oder Arbeiterbewegung in Frage komme, von einer ungewöhnlichen, scharfblickenden Initiative zeuge. Namentlich erinnerte der Redner an das goldene Wort des Kaisers, gesprochen zu dem Abgeordneten v. Ey nerv: »Ob wir nun Dank oder Undank für unsere Bestrebungen für die Aufbefferung des Wohles der arbeitenden Klassen ernten, — in diesen Bestrebungen werde Ich nicht erlahmen. Ich habe die Ueberzeugung, daß diese staatliche Fürsorge uns zu dem Ziele führen wird, die arbeitenden Klassen mit ihrer Stellung innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung zu versöhnen. Jedenfalls geben diese Bestrebungen Mir für alles, was wir thun, ein ruhiges Gewissen."
Mit aller Kraft seines Geistes strebe der Kaiser danach, einen grollenden Volkstheil zu versöhnen und Deutschland vor revolutionären Zuckungen zu bewahren. »Heute sitzt bet uns auf dem Throne nicht. wie am Ende des vorigen
weil, welche damals eine Revolntion gebar und Blut zur Sühne gefordert, nein, — auf unserem Throne herrscht Gesundheit an Seele nnd Leib, strenge Gerechtigkeit, Selbstbeherrschung, musterhafter Familieustnu und im Verkehr bürgerliche Einfachheit neben einer mächtig würdigen Vertretung deutscher Majestät, vor Allem aber die spartanische Hohenzollerntugend harter, unermüdlicher Arbeit, peinlicher Ordnung und Pünktlichkeit. Unftr Staatsoberhaupt reicht bald hier den Arbeitern die Hand, bald giebt er fürsorgend devOfficieren landesväterlichen Rath, bald wird aufs eingehendste Anweisung ertheilt, daß den Forderungen der Zeit, wie der jugendlichen Natur bet der Jugenderziehung mehr Gerechtigkeit widerfahre, und dementsprechend werden nach reifer Erwägung die kaiserlichen Prinzen einer so bereits reorganisirten Lehranstalt anvertraut werden. Selbst anregend hat der Kaiser den hohen Werth des Geschichtsunterrichts hervorgehobev. . . . Eine Nation, die von einem solchen Kaiser geführt ist, wird zwar ebenfalls und erst recht friedlicher Fortentwickelung auf social-wirthschaftlichem Gebiete entgegengehen, aber sie wird nicht revolutionär ersMttert werden, und sollte dennoch irgendwo ein Aufruhr ausbrechen, Kaiser Wilhelm würde ihm mit all seiner starken Macht unwiderstehlich entgegentreten; aber auch das Land würde bald zur Besinnung gelangen, die Parteiunterschiede würden schwinden und eine gewalttge Reaction würde sich erheben — denn die schließlich immer herrschende Vernunft führt bei uns das Zepter."
Der Redner gedachte dann noch der Reisen des Kaisers, deren Zwecke und segensreich« Wirkungen immer mehr erkannt und gewürdt^ würden, und schloß dann mit dem Wunsche, daß Gott immerdar Seiner Majestät sieghafte Er
»Sylvia, Sie sollten doch wissen, daß es nicht I so ist . . .*
»Welch ein Vergleich," rief die junge Frau heftig. »Ihr Bruder . . .*
Sie stockte, Elfe streifte sie mit einem sonder» baren Blicke.
»Mein Bruder?"
Sylvias Finger glitten nervös an ihrem Kleide auf und nieder. Sie sah schweigend und er« schrocken auf die Freundin.
---»Welch ein Vergleich," wiederholte sie beklommen in Gedanken, als sie eine Stunde später neben Röver auf der Veranda stand und er in einer plötzlichen Aufwallnng ihre Hand faßte und innig sagte:
»Nun brauchen wir Sie nicht von uns zu lassen."
Sie sah ihm in das männliche Antlitz, welches durch die Krankheit bleicher und dadurch verfeinert erschien. Er heftete seine Augen fest auf die ihren, diese bittenden Augen suchten ihren Blick mit einer treuen Ausdauer und dann lächelte er, glücklich und traurig .... Und da tauchte es wie der zarte Schemen einer Vorstellung in ihr auf....
Verwirrt senkte sie die Wimpern über ihre hellen Augensterne, ihr lieblicher Mund öffnete sich und dann schloffen sich die Lippen wieder. Ein Zittern befiel sie, dem nicht zu wehren war und dessen sie sich doch schämte. Sie fühlte, daß ein Strom von Thränest sich heiß nach den Augen
reichung seiner volksbeglückenden Ziele geben möge.
drängle, dem sie nicht Raum geben durfte. — — AuS einem Abgrund von Hilflosigkeit sah sie bange und flehend zu dem treuen Manne auf, der seit Monden ihr einziger Rath und Schutz, ihr einziger Freund gewesen war, als könne nur er sie auch vor diesem erschreckenden Etwas — vor sich selbst beschützen.
Was sie in seinem Gesicht arbeiten, in seinen Augen schimmernd leuchten sah, erfüllte ste mit jäherem, tieferem Schrecken als alles Bisherige. Eine Purpurwoge der Scham huschte über ihr verstörtes, kleines Gesicht. Scheu flog sie von seiner Seite und eilte in ihre Kammer an das Bett der schlafenden Munter. Dort drückte sie, niederkniend, ihr brennendes Antlitz Verzweiflung-- voll in die Decken, die den Körper des Kiude- umhüllten. Sie hatte keine Thränen mehr. Ihr Inneres war eine brennende Flamme von Scham und verzehrendem Weh.
VIII.
Unter der weiten, schwarzen Himmelskuppel, von deren Wölbung die Sterne mit intensivem Glänze niederglühten, stand Paul. Er war aus dem Dunkel der Veranda hinausgetreten unter das flimmernde Lichtermeer, welches in den tausenden von Feuerfliegen, die die duftende Nacht durchschwärmten, zur Erde herabzurieseln schien. Tiefe Athemzüge hoben und senkten seine Brust. Er legte die Hand darauf und fühlte daS laut-