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Herssel-er Kreisblatt.
__________Mit wöchentlicher Hratis-Aeikage „Zllustrirtes N«terhaltu«gsölatt".__________ Nr. 99. ~ Sonnabend den 23. August 1890.
Amtliches.
Königliche Regierung.
Journ. A. III. Nr. 5377.
Caffel, den 26. Juli 1890.
Da eine möglichst schleunige Verbreitung der Kenntniß von Seuchenausbrüchen zur Verhütung des Umsichgreifens der Seuchen erforderlich ist, die bisherigen Vorschriften sich aber für diesen Zweck nicht als ausreichend erwiesen haben, ersuche ich die Herrn Kreisthierärzte, fortan in jedem Falle, in welchem der Ausbruch einer Thierseuche amtlich festgestellt wird, außer der bisher schon vorgeschriebenen Mittheilung an den Landrath und die Ortspolizeibehörde der Gemeinde, wo der Ausbruch erfolgt, noch eine sofortige kurze Mittheilung an sämmtliche OrtS- polizeiverwalter zu machen, deren Bezirke an den Ortspolizeibezirk des Ausbruchs unmittelbar an- stoßen.
Diese Mittheilungen haben & den Grenzbe- zirken auch an die entsprechenden Behörden der benachbarten Staaten und Regierungsbezirke zu erfolgen; die dortigen Behörden sind um Anordnung gleicher Maßnahmen ersucht worden.
Um das neue Verfahren zu erleichtern erhalten Ew. Wohlgeboreu anliegend 20 Formulare Postkarten zur Benutzung für die Mittheilungen, nach deren Verbrauch Sie sich um Ergänzung des Bestandes an mich wenden wollen.
Die verauslagten Portokosten sind in den regelmäßigen vierteljährlichen Liquidationen in Anrechnung zu bringen.
Die genaue Befolgung der gegebenen Vorschrift, mache ich den Herrn Kreisthierärzten zur besonderen Pflicht.
An den Königlichen DepartementSthierarzt und an die sämmtlichen Königlichen Kreisthterärzte des RegierungS-Bezirks. *
Abschrift löste ich Euer Hochwoblaehoren zur
Am Fuß des Aro«q«ija. I
Ein Roman von G. Reuter. (Fortsetzung.)
„Liebe Sylvia," sagte Elfe traurig, „ich habe eben mit Paul über die Einladung von Mrs. Black gesprochen. Er meint auch, es wäre das Beste, wenn Sie für eine Weile dorthin gingen."
„Sie schicken mich fort?" fragte Sylvia wie ei» erschrockenes Kind und sah Elfe mit zuckenden Lippen an.
„Fasten Sie eS nicht so auf, liebe Sylvia. Wir müssen dieses Haus jetzt selbst verlassen und wissen noch nicht, wohin wir uns wenden sollen."
„Warum habe ich mir das nicht klar gemacht," rief Sylvia nun aufgeregt. „Ich bin Ihnen längst zur Last geworden und sah eS nicht."
Sie schlang ihre Arme um ElseS Hals und legte ihren Kopf an deren Brust.
„Ach," sagte sie weinend, „es wird mir so schwer von Ihnen fort zu gehen, zu anderen, fremden Leuten."
„Blacks werden gewiß alles thun, damit eS Ihnen dort gefällt," tröstete Elfe. „Und später kommen Sie dann auch wieder zu uns."
„Später —* wiederholte Sylvia ' trostlos, »später--. Ach werde ich denn den Einen zu dem ich gehöre niemals, niemals wiederfinden?"
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Die Erntearbetten waren unterbrochen, öte | Fabrik trotz des damit verbundenen Verlustes außer Thätigkeit gesetzt worden.
Was von Argentinern auf der Estancia el Paraiso arbeitete, befand sich in der Stadt, um am folgenden Morgen feine Stimme abzugeben und das fremde Volk war aus Neuster mitgelaufen.
Nur ein alter Krüppel, der durch eine Maschine zu Schaden gekommen war und von Alvarez das Gnadenbrot erhielt, ließ sich vor der Brennerei von der Sonne wärmen.
Sylvia und Elfe schlenderten gegen Abend Arm in Arm in die Felder hinaus. Ein sanfter Wind strich über das Land. Die beginnende Kühle war genußvoll nach den durchlittenen Sonnengluthen und trieb sie weiter zu gehen als sie eS beabsichtigt hatten.
Als sie heimkehrten, sahen sie einen Reiter, von Staubwirbeln eingehüllt, sich entfernen. Vor der Thür empfing sie Paul mit einen so vergnügten Gesicht, wie sie eS seit Wochen nicht mehr an ihm wahrgenommen hatten.
„Wer, meint Ihr wohl, war inzwischen bei mir?" rief er ihnen entgegen. „Endlich habe ich Euch eine gute Nachricht zu sagen I Ottenhausen hat mir angeboten, als technischer Compagnon bet ihm einzutreten. mit der neuen Dampfsäge nicht allein zu E , 'mmen. Dachte mir'S wohl. Das FräulriO ÄUwlltsch widerspenstig! Na - wollen ^udwig :H« ~ Was meinst
gefälligen Kenntntßnahme und mit dem Ersuchen ergebenst zugehen, den Ortkpolizeibehörden von dem angeordneten Verfahren Mittheilung zu machen und ihnen aufzugeben, jeden aus dem Nachbarbezirk mitgetheilten SeuchenauSbruch sofort in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Nach einem Jahre sehe ich einem gefälligen Berichte darüber entgegen, wie sich das neue Verfahren bewährt hat.
Der Regierungs-Prästdent. Rothe. An die sämmtlichen Königlichen Landräthe und den Königlichen Polizei-Director hier.
* * *
Hersfeld, den 20. August 1890.
Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises mit der Auflage zur Kenntniß gebracht, jeden auS dem Nachbarbezirk mitgetheilten SeuchenauSbruch sofort in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lasten.
7860. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Gefunden: ein Armband. Meldung der Eigen- thümertn bei dem Ortsvorstand zu PeterSberg.
» Die hohen Fleisch-reise in Berlin.
In den großen Städten, namentlich Berlin, sind die Fleischpreise sehr hoch. In Berlin werden im Kleinverkauf gezahlt für daS Pfund Rindfleisch (Kochfleisch) 75 Pfg., Filet 1,50 Mk., Kalbfleisch 70 Pfg., Keule 90 Pfg., Hammelfleisch (zum Kochen) 80 Pfg-, Schweinefleisch 80—90 Pfg. Die nächste Ursache liegt natürlich in dem verringerten Angebot von Waare. Für die sechs Markthallen Berlins wurden im Juli-August 1889 auf dem Centralviehhof auf- getrieben an Rindern 22707 Stück, an Schweinen 76 059, an Kälbern 17 992, an Hammeln 202533, wogegen der Auftrieb in den gleichen Monaten dieses Jahres nur 17 502 Rinder, 61075 Schweine, 17 001 Kälber und 160 424 Hammel betrug.
Der Ausfall ist um so bedeutender, als die Einwohnerzahl Berlins inzwischen um 40—50 000 Köpfe gestiegen ist.
Vielfach herrscht die Meinung, daß an der Fleischtheuerung Manipulationen der Zwischenhändler die Schuld tragen. Zwischen dem Viehzüchter und dem Fleischverzehrer stehen der Mäster, der Großhändler, der Großschlächter, der im Schlachthofe schlachtet, und der Ladenschlächter, der daS vom Großschlächter gekaufte Fleisch au die Kunden auspfundet. In einem Artikel der Allgemeinen Fleischerzeitung tritt der Director des Cevtralviehhofes, Oekonomterath Hausburg, der Annahme entgegen, daß der Zwischenhandel die Fleischtheuerung hervorgebracht habe. Wir lasten dahingestellt, ob die Zwischenhändler nicht häufig die Fleischpreise künstlich auf der Höhe halten und ob es allenthalben ^utrifft, daß in der Zeit hoher Fleischpreise der Nutzen der Groß- und Ladenschlächter am geilsten sei. Jedenfalls aber liegt die Hauptursache für die Erscheinung in der durch schlechte Ernten und geringe Viehpreise veranlaßten Verringerung der Viehhaltung.
Die Zucht von Rindern und Schafen deS Landes, insbesondere der preußischen Ostseeprovinzen hat unter den letztjährigen höchst dürftigen Futterernten erheblich gelitten. Die Landwirth- schaft war genöthigt, ihren Viehstand durch Abstoßung irgendwie entbehrlicher Thiere gegen den Winterhunger zu schützen. Es ist unglaublich, — sagt Herr Hausburg in seinem Artikel — wie viel Tausende dieser jungen, dürftigen, unreifen Thiere der Berliner Markt in den letzten beiden Jahren ausgenommen hat. Weiter heißt eS über die Schweinezucht: Eine Reihe von Jahren bis zum Frühjahr 1889 hatten wir am Berliner Viehmarkt Ueberfluß au Schweinen und niedrige, viel zu niedrige Schweinepreise, welche das Mastfutter schlecht bezahlt machten. Die Züchter schafften daher eine Zuchtsau nach
Du dazu, Elfe? Der gute alte Kerl hat auf der anderen Seite des Flustes ein Blockhaus für uu» gebaut. Seine Bedingungen sind wirklich freund" schaftlich und großmüthig. Bis mein Arm wieder beweglich ist, soll ich die Arbeiter beim Holzfällen beaufsichtigen. Ottenhausen hat ganz gewaltige Pläne. DaS Terrain des nächsten Seitenthales ist von ihm angekauft worden. Kann er es durchsetzen, woran ich nicht zweifle, dorthin eine Station der ueuen Bahnlinie zu bekommen, so will er eine Fahrstraße durch die VerbtndungSschlucht bauen. Dann hat er für sein Holz directe Transportgelegenheit auf der einen Seite nach BuenoS — also Europa, — auf der andern nach Bolivta. Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht binnen zehn Jahre» Millionäre werden! So mit einem anständig denkenden Manne zusamuwn im Großen zu arbeiten, das macht Spaß!"
Trotz dieser unerwartet günstigen Aussichten ür die noch eben so umwölkte Zukunft, konnte ich Elfe über daS Anerbieten nicht von Herzen reuen.
Wie sollte sich daS Verhältniß zwischen ihr und Ottenhausen gestalten?
„Ganz so, wie eS in Deinem Willen steht," antwortete Paul auf ihre ausgesprochenen Bedenken. „Ottenhausen wird Dich nicht mit seinen Wünschen belästigen. Das hat er mir ausdrücklich versichert. Der hat Selbstbeherrschung gelernt. Hat schwere Zeiten durchgemacht. Wir bespräche«