Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Abonnemrntspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postaufschlag.
Die JnserttonSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
8« größeren Lufträgen entsprechender Rabatt.
Ittsfdhtr Kreisblutt.
Mit wöchentlicher Kratis-Weikage „Illustrirtes Anterhaltungsblatt".__________
Nr. 97. Dienstag den 19. August 1890.
Amtliches.
Cassel, den 11. August 1890.
Nach Mittheilung des Oberfischmeisters der Provinz, Regierungs- und Baurath Schmidt hier- selbst, befindet sich gegenwärtig vielfach Flachs zum Zwecke des Rötens in fast allen Flußläufen des Regierungsbezirks eingelegt, während Ausnahmen von dem gesetzlichen Verbot des Rötens von Flachs und Hanf in nickt geschlossenen Gewässern ausweislich des in Abdruck beigefügten Verzeichnisses in den letzten Jahren nur in wenigen Fällen und in der Regel nur auf 1 Jahr gestattet worden sind. Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich daher ergebenst, durch die AufstchtSbeamten die Zuwiderhandlungs-Fälle schleunigst feststellen und die Bestrafung auf Grund der §§. 44 und 60 Nr. 7 des Fischerei-Gesetzes vom 30. Mai 1874 herbeiführen zu lassen.
Der RegierungS-Prästdent. I. V.: A l t h a u S.
Au sämmtliche Königliche Landräthe des Re- giernngS-Bezirks. A. III. 5825.
* * *
Hersfeld, den 15. August 1890.
Vorstehend abgedruckte Verfügung wird den OrtSpolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises mit der Auflage zur Kenntniß gebracht, die Flußläufe innerhalb der Gemarkungen auf das Einlegen von Flachs rc. zu revidiren und etwaige Zuwiderhandlungsfälle alsbald zur Bestrafung zu bringen.
Für daS laufende Jahr sind, außer den Einwohnern zu Mecklar, für Ortschaften im hiesigen Kreise keinerlei Gestaltungen zum Einlegen von Flachs und Hanf ertheilt worden.
7722. Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei» i tz.
~~~ HerSfeld, den 16. August 1890.
Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr
Am Lutz des Aronquija.
Ein Roman von G. Reuter.
(Fortsetzung.)
„Lebe wohl!" klang es noch einmal von unten herauf.
Rodrigo wandle sich zum Gehen.
Da faßte Lastenia in dumpfen Schrecken hinaus. Ihre Hände griffen die kalten Eisenspitzen. Und sie rief leise stöhnend:
„Rodrigo — !*
Er lauschte zitternd. . -
War es Mitleid? Oder daS Grauen vor den Erinnerungen — vor der Einsamkeit der Nacht?
Ein leiser Tritt, ein knisterndes Rauschen von Frauenkletdern — geräuschlos öffnete sich die Hausthür und ließ ihn ein.
VI.
Elfe hatte eine Weile, in ernstes Sinnen verloren, gestanden, als ihr Bruder auf so seltsame Weise von ihr Abschied nahm. „ . -.
„Er fürchtet sich vor der Begegnung, dachte sie, „und will die Gewißheit so wett htuauMieben, als möglich. O, wie feige sind die Männer! Für sich und für die Eine, die sie lieben. Paul will Sylvia schützen. — An ihn aber "- den unseligen Mann — wer denkt an ihn? Nur sein
eines Brandunglücks um so größer ist, je mehr Nahrung dem ausgebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, thunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach beendeter Ernte, die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüHt sind, soweit möglich ein Jeder seine Vorräthe gegen Feuersgefahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine thunlichst erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattfinden möge.
Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober- Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. Kreisblatt Nr. 20) die Abhaltung von H a u s - colleeten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand ebensowenig wie bei Hagelschlag genehmigt werden wird.
Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Aufbewahrung der Streichzündhölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon oft geschehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren Ortsvorstände wollen für thunlichste Bekanntwerdung deS Gesagten Sorge tragen, und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder einzuwirken.
7736. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 18. August 1890.
Im Anschlüsse an mein Ausschreiben vom 18. Juni d. J. A. Nr. 755, Kreisblatt Nr. 73, benackrichtige ich die Herren OrtSvorstände deS Kreises, daß die auf Grund der alten Unter- nebmer-Verzeichniffe aufgestellten neuen Verzeich- Nisse der Unternehmer der land- und forstwirth- schaftlichen Betriebe nunmehr fertig gestellt sind und heute abgesandt werden.
Weib kann ihm helfen. Er liebt sie — ich weiß es ja — ich weiß es ja."
Das Mädchen faltete die Hände über der Brust, darin sie einen Schmerz fühlte, so qualvoll, daß sie die Augen schloß und minutenlang wie betäubt davon war.
Dann ging sie hinein, nahm Sylvia bei der Hand und blickte sie forschend an.
Die junge Frau begann unruhig zu werden unter diesem Blick.
„Sie wollen mich vorbereiten, Sie haben Nachricht," stammelte sie.
„Sylvia, kennen Sie, nachdem was diese Frau gestern sprach, noch immer keinen höheren Wunsch, als wieder mit JhreukManne vereinigt zu werden?"
Sylvias Augen schimmerten durch Thränen.
„Sie muß meinen Liebsten hassen, wie würde sie es sonst über ihr Herz gebracht haben, mich so tief zu kränken," antwortete sie einfach. „Sehen Sie, Elfe, es kann ja sein, daß er für eine Zeit die Treue gegen mich mißachtet hat, aber darf ich ihn deshalb verdammen? Ich fürchte, er meidet mich, weil ich ihm einst gesagt habe, ich könnte ihm niemals vergeben, wenn er seine Liebe zu mir vergessen würde. Aber das war doch kindisch. Wie soll eine Frau ihrem Manne nicht verzeihen, wenn er reuig zu ihr zurückkehrt. Ach, wenn er nur käme und sähe, wie ich ihn so treu und herzlich liebe, er würde schon fühlen, daß bet mir seines Herzens echte, rechte Heimath ist."
Die Verzeichnisse sind gemäß §. 38 Abs. 1 deS ReichsgesetzeS vom 5. Mai 1886 nach vorheriger öffentlicher Bekanntmachung in den Gemeinden rc. vom 22. d. MtS. ab, zwei Wochen lang, bis zum 5. S e p t e m b e r d. I., zur Einsicht der Betbetligten offen zu legen. Mit der Bekanntmachung über die Offevlegung ist gleichzeitig zu veröffentlichen, daß binnen einer Frist von 4 Wochen wegen Aufnahme oder Ntchtaufnahme von Betrieben in das Verzeichniß, sowie gegen die Veranlagung und Abschätzung der Betriebe bet dem Sectionsvorstaude dahier Einspruch erhoben werden könne.
Nach Ablauf der Offeulegungsfrist, spätestens aber bis zum 8. September cr., ist mir das Unternehmer-Verzetchniß, nachdem auf dem Titelblatte die stattgehabte Auslegung mittelst Ausfüllung und Vollziehung des Vordrucks bescheinigt worden ist, zurückzureichen. Da mehrfach die Spalte 15 des Verzeichnisses unter pos. 6
„ob maschineller Betrieb und welcher Art stattfiudet"
dahier nur unvollständig ausgefüllt werden konnte, sind da, wo erforderlich, die fehlenden Angaben mit Bleistift ebenfalls vorher einzutragen.
Im Weiteren halte ich es nicht allein für zweckmäßig, sondern zum Gebrauche bet der Ein- reichuug von Unfall-Anzeigen sowie bei den späterhin anzumeldenden, eintretenden Betriebsveränderungen für nothwendig, daß auch die Gemeindebehörden im Besitze eines Exemplares des demnächst abgeschlossenen Unternehmer-Verzeichnisses sind. Den Herren Ortsvorständen wird deshalb nach einiger Zeit eine besondere Ausfertigung auf Kosten der Gemeinde rc. fertig gestellt und Übersaudt werden.
Der Vorsitzende des SectiouSvorstaudes: Freiherr vonSchleinttz, Königlicher Landrath.
J. A. Nr. 1050.
„So kommen Sie, ich weiß, wo der Mann sich aufhält, der gestern Munter das Medaillon gab. Ich bringe Sie zu ihm."
Schweigend faßten sich die beiden jungen Geschöpfe an den Händen, als sie hinausgingen in den Abend, der grauend über die weiten Felder sank.
Noch war der Mann, der sich jetzt Sylves nannte, nicht in die Fonda zurückgekehrt. Der Wirth ließ die Frauen uiedersitzen und forderte sie auf, zu warten.
Er glaubte, daß SylveS noch kommen werde.
„Der arme Bursche, er verspätet sich zuweilen. Er hat das Fieber — Heiliger Frauz, das Fieber bekommt man immer, wenn man den Branntwein liebt, — daS ist der Grund hier."
Elfe legte den Arm um die Schulteru der jungen Frau.
Elfe konnte eS ihr nicht sagen, was sie erwartete. Mochte sie selbst sehen.
Sylves — diese Namensänderung war Beweis genug. Und doch schien Sylvia den Zusammenhang nickt zu begreifen.
Und sie warteten, warteten.
3um Glück blieb die Fonda lange Zeit leer. Endlich kamen ein paar Arbeiter. Der eine von ihnen rief dem Wirthe zu:
„Der Sennor Röver vom Paraiso hat wohl Händel gehabt. Sein Pferd trabte ledig mit nachschletfenden Zügel au uns vorüber. Er reitet sonst gut ...