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Htlsftl-er KreisMit.

__________Mit wöchentlicher Kratis-WeikageIllustrirtes Nnterljaltungsblatt".

Rr. 96. Sonnabend den 16. August 1830.

Amtliches.

Hersfeld, den 14. August 1890.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 13. Februar d. J. Nr. 1356, im Kreisblatt Nr. 20, die Revision der Schankgefäße unter Benutzung des Geißler'schen Apparats be­treffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 22. d. MtS. erinnert.

1356. Der Königliche Landrath __________Freiherr von Schleinitz.

Bekanntmachung.

Der am 25. Juni von Hamburg und am 2. Juli von Lissabon abgegangene DampferBuenos Aires" der Hamburg-Südamerikantschen Dampf- schifffahrts-Gesellschaft ist auf der Reise nach Brasilien am 24. Juli bei Jeharara auf Raza Islands bei der Einfahrt in die Bucht von Rto de Janeiro gestrandet. Die zur Zeit des Unfalls an Bord gewesene Post hat nicht gerettet werden können und ist alS verloren zu betrachten.

Berlin, W. 11. August 1890.

Reichs-Postamt, I. Abtheilung.

In Vertretung: Fritsch.

Wütische Nachrichten.

Berlin, 14. August. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin machten gestern Vor­mittag eine Spazierfahrt. Später nahm Se. Majestät die Vorträge deS Geheimraths Dr. v. LucanuS, deS HausministerS v. Wedell und des StaatSministerS v. Boetticher entgegen. Am heutigen Vormittage arbeitete Se. Maiestät der Kaiser zunächst längere Zeit allein, nahm einige Vorträge entgegen und unternahm alsdann mit

Am F«K des Aconqnija.

Ein Roman von G. Reuter. (Fortsetzung.)

Die Estancia de los Vipos umfaßte ein Gebiet von vielen Leguas*) Ausdehnung und bestand zum größten Theil ebenfalls auS Zuckerrohr- plantagen. Der an die Estancia el Paraiso grenzende Theil wurde durch das ebenerwähnte Dickicht gebildet.

Zum Zwecke der Jagd hatte man einige Wege hindurchgehauen, das Uebrtge aber in seinem wildverwachsenen Zustande gelassen.

Um die südöstliche Ecke zu erreichen, mußte Röver den Wald passiren. Ein starker, moderiger Geruch von verwesenden Pflanzen drang daraus hervor. Schon lagerte tiefer Schatten auf dem schmalen Pfade zwischen dem dornigen Gestrüpp, auS dem zuweilen ein hervorragender Zweig seinen Pancho mit gekrümmtem Stachel faßte, als wollte er ihn zurückhalten. Ungeduldig aber riß der junge Mann seinen Mantel loS und achtete nicht darauf, wenn die Dornen des Garrabando ihn

Am Rande deS Wäldchens stand einzeln ein riesenhafter Lorbeerbaum, die graue Rinde von einem Schlingkraut mit glänzenden, grünen Blättern epheuarttg bedeckt. Auf seiner höchsten

} Legua spanische Meile,

der Kaiserin eine längere Spazierfahrt. Als-! dann hatte der Reichskanzler General v. Caprivi die Ehre, von Sr. Majestät empfangen und mit zur Kaiserlichen Tafel gezogen zu werden. Am Nachmittage um 2 Uhr hat der Kaiser alsdann Berlin verlassen und sich mittels Sonder- zuges vom Lehrter Bahnhöfe aus über Oldesloe nach Kiel begeben, woselbst die Ankunft am heutigen Abend um 7'/, Uhr stattfinden wird. Der Kaiser begiebt sich zunächst nach dem König­lichen Schlöffe, während die Herren des Gefolges sofort nach ihrem Eintreffen vom Bahnhöfe an Bord der Kaiserlichen JachtHohenzollern* gehen. Abends um 10 Uhr begiebt sich auch der Kaiser an Bord der Jacht, um dann alsbald nach Reval in See zu gehen.

Nach den neuesten Bestimmungen erfolgt die Ankunft Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm in Narwa am 17. d. Mts. Nach­mittags 5 Uhr. Am Abend desselben Tages findet daselbst Diner statt. Am 18. August wird das Regimentsfest des Garderegimeuts Preobra- schensky mit Kirchenparahe gefeiert. Der 19. und 20. August sind Manövertage, am 21. August Ruhetag, am 22. wird voraussichtlich das Manöver zu Ende gehen. Se. Majestät wird in den Tagen vom 17. bis 21. August in Narwa, am 22. August in Gomonlow und am 23. und 24 August in St. Petersburg residiren.

Bezüglich der Rückreise Kaiser Wil­helms von Rußland wird Folgendes be­richtet: Am 24. d. M. gedenkt der Kaiser, sich in Kronstadt an Bord derHohenzollern" einzu- schiffen, um am 25., begleitet von derIrene" unter Führung des Prinzen Heinrich, in Memel einzutreffen. Nach Besichtigung der dortigen Sehenswürdigkeiten fährt der Kaiser nach L o e tz e n, um den dort am 26. und 27. statt- findenden Festungsmanövern betzuwohnen. Von Loetzen aus erfolgt die Rückkehr über P i l l a u

Spitze ließ ein Dentudo seinen knarrenden Ruf, durch die Abendsttlle ertönen. Unter dem Baume | hielt ein Reiter. Röver erkannte, wie er erwartet hatte, Rodrigo Maziel.

Zum ersten Mal in seinem kurzen, bisher so harmlosen Leben war die Kleidung des jungen Stutzers nicht ein Muster tadelloser Eleganz und Sauberkeit. Seine Cravatte hing lose über das bestaubte und zerknitterte Chemisetlhemd herab. Der Hut saß ihm im Nacken und das üppige, schwarze Haar stand ungeordnet daraus hervor. Seine Augen, die wie glühende Kohlen in dem brünetten Gesicht funkelten, richteten sich mit leidenschaftlichem Haß auf Röver.

Sie haben eine Dame beleidigt .. .!* rief er ihm entgegen.

Röver zuckte die Schultern.

Maziel riß seinen Revolver hervor.

Vertheidigen Sie sich, Herr - Mann gegen Mann l"

Röver nahm gelassen seine Waffe in die Rechte die Männer richteten sich in den Steigbügeln auf und faßten sich ins Auge , . .

Fast zu gleicher Zeit krachte der Schuß.

Hochauf bäumten sich die Pferde und mit schwerem, dumpfen Fall stürzte Röver seitwärts zu Boden.

In wilden Sätzen jagte das ledige Thier an Maziel vorüber ins Weite.

Der hielt sich mühsam im Sattel. Röver hatte

und Kiel voraussichtlich am 27. Der Kaiser gedenkt am 29 früh auf Station Wildpark bei Potsdam einzutreffen. ____

In WilhelmShaven fand am Mittwoch zu Ehren der Officiere des dort eingelaufenen österreichischen PanzerschiffesKaiser F r a n z I o s e f I." im Officier-Castno ein Fest­mahl statt, an welchem gegen 120 Officiere theil- nahmen. Viceadmiral Paschen brächte einen Toast auf Se. Majestät den Kaiser Franz Josef aus, den der Commandeur des österreichischen Panzerschiffes, Erzherzog Stephan, mit einem Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser Wilhelm erwiderte.

In den deutschen Münzstätten sind bis Ende Juli d. J. an Goldmünzen unter Abzug der wiedereingezogenen für 2440895695 Mk. geprägt worden; davon für 1937 571020 Mk. Doppelkronen, für 475 364 490 Mk. Kronen und für 27 960185 Mk. halbe Kronen; an Silber- münzen desgleichen für 452 234 817,30 Mk ; davon für 74 096 735 Mk. Fünfmarkstücke, für 104 956 688 Mk. Zweimarkstücke für 178 982 921 Mk. Einmarkstücke, für 71488 661,50 Mk. Fünf- zigpfennigstücke und für 22714911,80 Mark Zwanzigpfennigstücke; an Nickelmünzen für 44 996 556,80 Mk., davon für 4 005 274 Mk. Zwanzigpfennigstücke, für 27 589 049,60 Mk Zehn- Pfennigstücke und für 13 402 233,20 Mk. Fünf­pfennigstücke; an Kupfermünzen für 11217 805,89 Mk., davon für 6 213178,32 Mk. Zweipfennigstücke und für 5 004727,07 Mk. Ein- Pfennigstücke.

Amtlicher Nachweisung zufolge sind vom Be­ginn des laufenden Betriebsjahres (1. October 1889) bis zum Schluß des Monats Juli 1890 2 943 937 Hektoliter reinen Alkohols hergestellt worden. Nach Entrichtung der Verbrauchsabgabe sind davon 1950 532 Hektoliter in den freien Verkehr überaefübrt. Am Schlüsse deS Monats

in die Luft geschossen die Kugel war in de« Lorbeerbaum gefahren.

Einen scheuen, finsteren Blick warf der Argentiuer auf seinen Feind. Paul lag auf dem Rücken in dem gelben, verdorrten Grase. Seine Augen waren geschlossen, ein Strom dunklen BluteS drang langsam aus seiner Schulter über den Arm und über die Hand, der die Waffe entfallen war.

Ein grausendes Entsetzen überfiel den jungen Mörder. Er drückte seinem Roß die Sporen in die Weich-n und entfloh. DaS erschrockene Thier jagte mit ihm durch die Felder, der Stadt ent­gegen. Er lenkte eS nicht. Den Kopf auf die Brust gesenkt, starrte er vor sich nieder; allein die lebenslange Gewohnheit ließ ihn bei dem unsinnigen Galopp nicht stürzen.

In seinem Hirn fand nur der eine Gedanke Raum: Sie wollte eS, ich mußte es thun. Sie wollte eS.

Hätte er nur das Blut nicht gesehen.-- Wenn er die Augen schloß, meinte er den rothen, gräßlichen Strom über seine Hände fließen zu fühlen.

Eine abergläubische Furcht vor etwas Unbe­stimmten packte ihn. Doch der Wunsch, der Ge­troffene möge wieder zum Leben zurückkehreu, mischte sich nicht hinein. Im Gegentheil. Maziel hoffte mit ganzer Seele, daß sein Gegner todt sein möchte. Er machte nicht den geringsten Ver­such, ihm jemand von den ihm begegnenden Arbeitern zu Hülfe zu schicken.

Maziel lechzte nach dem Anblick der geliebte«