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Beilage zur Nr. 91 des Kreisblatts

Hersfeld, den 5. August 1890.

* Die Einlösung der am 1. September 1890 weiteren Mittheilungen soll ein Güterzug entgleist fällig werdenden ZinsschetnederLandes- sein und die Strecke versperrt haben. Näheres kreditkasse wird bei derselben vom 25. Aug. konnte man bis jetzt nicht erfahren.

1890 an, sowie außerdem in bisheriger Weise ' ' " " "

bei ollen Königlichen Steuerkassen des Regierungs­Bezirks Caffel erfolgen.

* Die schöne Ferienzeit ist zu Ende; heute heißt eS wieder die Schulbücher zur Hand ge­nommen. Der Abschied von den Ferien wird den Lehrern wie den Kindern diesmal wohl besonders schwer geworden sein, da erst die letzte Woche sommerliche? Wetter brächte, während der größte Theil der Ferien verregnete.

* E i n e B e r u f s - S t a t i st i k hat am 25. Juli der Deutsche Radfahrerbund aus­genommen. Danach waren unter seinen 12735 Mitgliedern 5795 Kaufleute und Handlungsgc- hülfen, 1062 Mitglieder, welche einen bestimmten Beruf nicht erwählt oder genannt haben, 850 aus Handwerker kreisen, 825 Industrielle, 676 Verwaltung?-, Eisenbahn-, Steuer- und Postbe­amte, 557 Ingenieure und Architekten, 497 Kunst- gewerdler, 396 Studenten und Schüler höherer Klassen, 303 Hotel- und Gastwirthe, 255 Bankiers, Bank- und Kassenbeamte, 248 Pharmaceuten und Chemiker, 236 Rentiers, 179 Geistliche und Lehrer, 170 Aerzte, 159 Land- und Forstwirthe, Kunstgärtner, 108 Gelehrte, Professoren rc., 87 höhere Justizbeamte und Rechtsanwälte, 82 Officiere und Militärärzte, 77 Künstler für Musik und Theater, 68 Damen, 57 Militärbeamte und 48 Wund- und Thierärzte, sowie Zahn­techniker.

Caffel, 4. August. Die Berliner Post, welche am gestrigen Sonntag früh hier eintreffen sollte, ist erst Nachmittags hier eingetroffen. Ein wolkenbruchartiger Regen soll gestern auf der Strecke der Halle-Casseler Bahn zwischen Sanger- hausen und Rtestädt den Bahndamm unter - spült haben, so daß die Strecke nicht mehr fahrbar war und der Verkehr thetlweise über andere Linien geleitet werden mußte. Nach

Frielendorf, 1. August. Wie vorsichtig man im Sommer bet großer Hitze mit der Zubereitung und Behandlung von frischer Kochwurst sein muß, beweist folgender Fall. In der nahen Ortschaft Ebersdorf wurde bet Vollendung der Zimmer­arbeit an einem Neubau die hier landesübliche sogenannte Hebekirmes gefeiert. Der Arbeitgeber verabreichte u. A. auch vor einigen Tagen selbst zubereitete Garwurst, sogenannte Sülze. In der­selben Nacht noch erkrankten einige Zimmerleute und Arbeiter, die davon genossen hatten, unter heftigen Magenschmerzen und Erbrechen. Der. in der Nacht noch hinzugeholte Arzt constattrte leichte Vergiftung, jedenfalls hervorgerufen durch Wurst- gift. Nach einigen gegebenen Medicamenten legte sich die Krankheit bald wieder und hatte zum Glück keine weiteren nachtheiligen Folgen.

Rotenburg a. F., 2. August. Gestern Mittag verunglückte auf dem Bahnhof Heinebach ein aus Westfalen zurückkehrender Arbeiter. Der Zug war schon im Weiterfahren, als der Mann noch etwas aus dem Wagen holen wollte. Dabei gerietb er unter die Räder und wurde überfahren, Der Unglückliche wurde sofort nach hier ins Krankenhaus geschafft, starb aber schon am Abend bald nach der Amputation eines Beines.

Tveysa, 3. August. Gestern Nachmittag zwischen 5 und 6 Uhr zog ein Gewitter über unsere Stadt, was sehr viel Hagel brächte. Die Hagelkörner waren so stark wie ein kleines Taubenei und der Regenguß hat an zwei Stunden angehalten. Das Wasser hat in mehreren Straßen über einen Fuß hoch gestanden.

BeisefSrth, 1. August. Ein der Wittwe F. dahter gehöriger Junge von 10 Jahren wurde vor etlichen Tagen beim Hetdelbeerpflücken von einer giftigen Fliege in den Nacken gestochen. Die Angehörigen beachteten die kleine Verletzung

anfangs nicht und zogen erst den Arzt zu Rathe, nachdem sich bedenkliche Symptome einstellten. Die Hilfe kam aber zu spät. Der Bedauerns« werthe ist gestern an Blutvergiftung verstorben; deshalb ist zu rathen, in dergleichen Fällen so« bald als möglich zum Art zu gehen.

Gelnhausen, 31. Juli. EinEisenbahn - Unfall mit glücklichem Ausgang er« eignete sich am 28. d. M. auf der Linie Gießen« Gelnhausen. In der Nähe der Station Mittel« gründau revolttrte die auf dem Felde weidende Gänseheerde, und aller Mühe der Gänsehirtin ungeachtet eilte sie dem Eisenbahndamme zu, auf dem gerade ein langer Güterzug im Anzüge war. Die etwas beschränkte Gänsehirtin lief nun in ihrer Angst, der eigenen Gefahr nicht achtend, auf den Bahndamm, um die heftig schreienden Bratvögel, welche schon zwischen den Schienen watschelten, fortzujagen. In dem Be­streben, die dummen Gänse vom Bahnkörper herunterzubringen, hatte das Weib das Heran­nahen des Zuges nicht zeitig genug bemerkt, auch der Locomolivführer konnte den Zug nicht mehr zum Stehen bringen und so geschah daS Gräßliche, das Weib wurde von den Puffern er­faßt, umgeworfen und der ganze Lastzug fuhr über den Körper hinweg. Aber kaum war der 25ste und letzte Waggon des Zuges über die Gänsehirtin hinweggefahren, als sich dieselbe zwischen den Schienen wieder emporkrabbelte. Außer dem heftigen Stoß in den Rücken, der weiter keine bösen Folgen hatte, einigen Beulen und Hautabschürfungen war der Hirtin nichts passirt, sie war zwischen die Schienen gefallen, und die Waggons waren über das dürre Weib hinweggegangen, ohne ihr zu schaden. Als sie sich von ihrem Schreck erholt hatte, meinte die Hirtin kopfschüttelnd:So etwas ist mir mein Lebtag noch nicht passirt!"

Rotenburg, 2. August. Heute Abend gegen 7 Uhr zog sich über unserer Stadt ein drohendes Wetter zusammen, es wurde so finster, daß in