Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Abonnementsprei«: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postaufschlag.
Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zelle 20 Pfg.
M größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Utruftlhtr ^rotahhft
Beilage zur Nr. 73 -es Kreisblatts.
* (Zur Warnung) — Das „N. W. T." berichtet: Im Ambulatorium des Hofrathes Professor Albert in Wien erschien eine Frau aus Jedlesee mit ihrem 7jährigen Töchterchen mit der Angabe, daß ein bekannter Herr im Scherze das Mädchen mit beiden Händen am Kopfe faßte und in die Höhe hob, um ihm, wie er meinte, „Paris zu zeigen." DaS Kind fühlte gleich darauf heftigen Schmerz in der Halsgegend, welche über Nacht beträchtlich anschwoll, so daß die besorgte Mutter kaum den Morgen erwarten konnte, um für ihr Kind auf der Klinik des Hofrathes Albert Rath und Hülfe zu suchen. Hofrath Albert constatirte, daß es sich hier um eine Zerrung und Schwellung der Halsweichtheile handle, und wies darauf hin, daß der Unfug, welchen viele unbesonnene Leute auch heutzutage noch mit dem sogenannten „Parts oder Prag zeigen" treiben, oft von unheilvollen Folgen begleitet sein könne, indem durch das Aufheben beim Kopf die ganze Körperschwere nach abwärts ziehe und es leicht zur Zerreißung von Muskeln, Nerven, Blutgefäßen oder gar des Rückenmarks kommen könne.
* Mit dem gestrigen Tage hat die T a g e s - länge den höchsten Stand erreicht und geht es nun wieder allmählig abwärts, d. h. die Tage werden wieder kürzer. Kalendermäßig beginnt nun auch der Sommer.
* Die Prägung der Nickel 20 Pfennigstücke wird an den deutschen Münzstätten seit einiger Zeit so lebhaft betrieben, daß jetzt gegen 19*/2 Millionen Stück dieser Münzsorte ausgeprägt sind.
4- Friedlos, 23. Juni. Gestern Nachmittag ertrank hier beim Baden in der Fulda der 9 Jahre alte Theodor Goßmann.
H Ober-Eisenhaufer», 21. Juni. Ein- bestialischer Straßenraub wurde am 17. d. M. an dem 67 Jahre alten, ehrlichen, fleißigen und sehr gefälligen Butterhändler Jend aus Steinperf aus dem Heimwege von Siegen,
zwischen Steinbrücken und Roth a/B. verübt. Genannter fuhr den Montag mit dem Butterwagen nach Siegen und kehrte Dienstag Abend mit einer Baarschaft von etwa 300 Mk. zurück. Da der Weg von Steinbrücken nach Roth ein ziemlich steiler ist, ging Jend nichts ahnend neben seinem Gefährt. Die durch den Wald führende Straße entlang kommt ein Mann ihm entgegen. Jend als zuvorkommender Mann ruft dem Fremden „guten Abend" zu. In demselben Augenbl'cke greift dieser schon den alten Mann an der Kehle und wirft ihn zu Boden. Nachdem die Bestie dem Armen 21 Messerstiche beigebracht hatte, hat derselbe auch noch ein schweres Sitzbrett auf seinem Opfer zerschlagen. Sodann hat er dem Unglücklichen die eingenähte Geldtasche herausgeschnitten. Für todt glaubend hat er jenen in einen Graben geworfen, wo er dann am anderen Morgen bewußtlos aufgefunden wurde. Da rc Jend außer den furchtbaren Wunden auch noch eine schwere Gehirnerschütterung davon getragen hat, so wird an seinem Aufkommen gezweifelt. Die blutige Stätte läßt darauf schließen, daß ein furchtbarer Kampf stattgefunden hat. Bis jetzt ist einer als verdächtig verhaftet. Möge es der Gerechtigkeit gelingen diesem Scheusal, hinter Schloß und Riegel, sein Handwerk zu legen.
Gaffel, 21. Juni. Im Schlachthause erhielt gestern ein Metzgergeselle beim Schlachten eines Ochsen eine bedeutende Verletzung dadurch, daß der Ochsen um sich schlug und den Gesellen gegen die rechte Hand traf, in welcher er das Messer hielt, dessen Klinge ihm nun in den linken Arm eindrang.
Malsfeld, 22. Juni. Der Bursche der hiesigen Brauerei Heydenreich ritt gestern zwei Pferde in die Fulda zur Schwemme, gerieth aber zu tief in den Strom und versank. Sofort angc- stellte Rettungsversuche blieben ohne Erfolg und konnte der Unglückliche erst nach einer halben Stunde, und zwar als Leiche, aufgesünden werden.
Fulda, 19. Juni. Wie vorsichtig Kinder mit dem sogenannten Seilchenspringen sein müssen, zeigt wiederum nachfolgender traurige Fall. Ein blühendes Mädchen von neun Jahren hatte dieser Tage eine erhebliche Anzahl Kirschen gegessen, sprang kurz darauf Seil, zog sich in Folge dessen Darmverschlingung zu und erlag nach wenigen Tagen seinen qualvollen Leiden.
Marburg, 20. Juni. Ein 21 Jahre alter Student der Chemie aus Wiesbaden hat sich gestern vergiftet. Der sehr befähigte junge Mann litt, wie es heißt, an Verfolgungswahn und hat in diesem traurigen Zustande die unselige That begangen.
Frankfurt a. M. Hier stürzte am Mitt- woch an einem Neubau ein schweres Gesimse ein, zerschlug das Gerüst und tödtete einen am Bau arbeitenden Bildhauer. Zur Räumung der Trümmer wurde die Feuerwehr herbeigerufen.
Frankfurt a. M., 21. Juni. Bei der Station Mühlacker sind zwei Güterzüge zusammen» gestoßen. Ein Zugmeister und ein Gepäckführer sind dabei getödtet, einem Zugmeister beide Füße abgefahren worden. Der Betrieb ist gestört.
Meugeriughauseu, 19. Juni. Einen schrecklichen Tod fand der Schuhmacher K. hierselbst. Demselben erkrankte im Felde ein Pferd an Kolik. Er brächte dasselbe nach Haus und wurde, als er das kranke Thier ausspannen wollte, von demselben so unglücklich vor den Leib geschlagen, daß er nach fürchterlichen Schmerzen am Sonnabend starb.
Vermischt« S.
— B er li n, 20. Juni. (Zumdeutschen Bundesschießen.) Die Festzugscommission hat nunmehr festgesetzt, daß die am Festruae thetlnehmenden Schützen sich von 10 Uhr ab tn den Zelten und den angrenzenden Wegen sammeln, während der historische Festzug sich auf der
G'in Roman von @. Reuter.
(Fortsetzung.)
„Lassen Sie das Schreiben, Sie bekommen auch Heimweh dabei!" sagte Ottenhausen.
Er sah ihr ernsthaft in die verweinten Augen.
Elfe lächelte. „Hätte ich nur geschrieben, statt zu träumen. Ich weiß kaum, wonach ich mich sehnen sollte. Was mir Deutschland lieb machte, würde ich doch nicht wieder finden."
Sie griff nach einer Strickerei, die ihre Finger ruhig und sicher handhabten, während sie Otten- Hausen freundlich ansah.
ES wahr ihm wohl bei ihrem klugen Zuhören. Er kramte nach und nach eine Menge Ansichten und Gedanken vor ihr aus, die er in seiner Einsamkeit gesammelt hatte.
Zuletzt bemerkte Ottenhausen, er habe den besten Theil seines Ausfluges nun wohl genossen und fragte, ob er Elfe in der Stadt Wiedersehen werde.
„Ihr Bruder sollte Ihnen morgen den Schwindel des Volksfestes zeigen. Die Statue des Generals Belgrano soll enthüllt werden. Der Lokal- Patriotismus wird dabei wohl ganz exotische Blüthen treiben."
in die Stadt gekommen. Der Fremde sollte nur nicht sehen, daß sie über ihren Paul zu klagen hatte.
Die Abendsonne färbte den westlichen Himmel über den zackigen, gewaltig-wilden Linien des Gebirges mit den leuchtenden Tinten, die ein Sonnenuntergang in Argentinien mit jenem in Egypten gemein hat. Dem goldenen Orangegelb, gegen welches der Aether fast grün erscheint, um nach Osten zu durch alle Schatttrungen von Violett wieder in tiefes Saphirblau Überzugehen. Hier erglühte aber nicht nur die Himmelskuppel, — nein, auch die starren Felsen mit ihren Hängen ewigen Schnees brannten wie rothglühendes Eisen, wie spitze gelbe und blaue Schwefelflammen — die Sterra erschien wie eine gewaltige räthsel- hafte Farbenphantasie.
Nachdem Elfe dem scheidenden Ottenhausen ein Stück hinaus begleitet hatte, blieb sie auf dem Rain in den Feldern stehen, den erhabenen Anblick in sich aufzunehmen.
Schnell, jäh, wie alles dort aufgelodert war, als die Sonne sank, verlosch auch die Pracht.
ES war als ziehe eine unsichtbare Riesenhand graue Nebelschleier über die großartige Erscheinung am Horizont. Die Farben wurden blasser und
■wmw—vmnw wrffTOBW-----------------------—■
Das Mävcheu mußte an Ottenhausens Vergleich denken. Ja — er hatte schon Recht. Wenn sie überlegte, — was hatte sie von dem Brief, den sie begonnen, abgehalten? Die Unmöglichkeit zu erzählen, was ihr in den letzten Wochen begegnet war, was sie darüber gedacht und empfunden hatte.
Sie nahm sorgfältig ihr Kleid zusammen, damit der Staub der Straße es nicht beschmutze und wollte den kurzen Weg heimkehren, als sich eine männliche Gestalt vor ihre am Rande des Weges erhob.
Sie stutzte. Doch vielleicht hatten sich ihre Gedanken unbewußt mit dem verschwundenen Heinrichsen beschäftigt. Sie wunderte sich deshalb nicht, ihn so plötzlich vor sich zu sehen.
„Haben sich gnädiges Fräulein auch an dem schönen Farbenspiel erfreut?" fragte er sanft. „Ich machte gerade Studien, wieviel Nährwerth Zuckerrohr in den Stadien frühlingsgrüner Unreife besitzt." Damit wies er auf eine Pflanze, die er aus der Erde gezogen hatte.
„Verrathen Sie dem gestrengen Chef nicht, daß ich sein Besitzthum schmälere. Hunger thut weh."
„Mein Gott," rief Else entsetzt, „was haben Sie in dieser Zeit getrieben? Sie haben gedarbt —