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Kerchlim Irrifllitt

_________Mit wöchentlicher HrakK-Keilage ^Illustrirt» Aultrhackungsblatt«.

Nr. 72. Sonnabend den 21. Juni 1890.

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Hersfelder Kretsdlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllnstrirtcslllltcrhaltllllgs-Blatt".

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Die Expedition.

Amtlicher.

Hersfeld, den 18. Juni 1890.

In Betreff der Aufnahme von Kranken in das hiesige Landkrankenhaus sehe ich mich veranlaßt, die Herren Ortsvorstände des Kreises auf die Verfügung des Herrn Landesdirectors vom 28. Februar 1876 abgedruckt im Kretsdlatt Nr. 22 hinzuweisen. In allen Fällen ist sorgfältige Ausfüllung des daselbst vorgeschriebe- neu Antragsformulares sowie genaueste Beachtung der sonstigen erlassenen Vorschriften erforderlich.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aw fuß des Aeonquifa.

Ein Roman von G. Reuter.

Später am Aben^ Röver^lag in Hemdärmeln müde von des Tages Arbeit auf dem Sopha, halb eingeschlummert neben den Resten seines Nachtessens steckte Maziel zögernd seinen Kopf in die Thür. Er war so zerstreut, daß ihm die Abwesenheit des jungen Mädchens nicht auffiel Röver fragte, ob er sich gut unterhalten habe. Aber es wollte kein Gespräch zwischen den Männern in Gang kommen. Der junge Spanier empfahl sich bald wieder. Röver dachte nicht daran, ihm ru erzählen, daß Elfe einen Besuch bet feinen Schwestern mache. Er blieb auf dem Divan liegen und verfiel unwillkürlich wieder in die alte Junggesellenangewohnheit, die halbe Nacht träumend und rauchend dort zu verbringen.

Plötzlich sprang er auf. Ein Ausdruck von Wildheit entstellte sein gutes Gesicht. Sich mit per Faust auf die Brust schlagend, rief er leiden- ichaftlich in das Nachtschweigen um ihn her:

»Zum Teufel, ich gewinne sie doch-"

.Es wurde gewaltig geschafft in den nächsten Arbeit' d^** k^b die Arbeiter unmäßig zur

I Die Aufnahmc-Anträge müssen portofrei an den I I Dirigenten des Landkrankenhauses gesandt werden, und ist, Eil- und Nothfälle ausgenommen, immer erst die Aufnahme-Genehmigung abzuwarten, ehe die Einlieferung des Kranken in das Landkranken­haus erfolgt.

5746, Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 19. Juni 1890.

Durch das Reichsgesetz vom 1. Mai 1889 ist die Bildung von Erwerbs- und Wirthschaftsge­nossenschaften mit beschränkter Haftbarkeit zu­gelassen. Dergleichen Genossenschaften können sich für dieselben Zwecke bilden, wie Erwerbs« und Wirthschaftsgenossenschaften überhaupt.

Die Haftsumme der einzelnen Genossen ist im Statute zu bestimmen, darf aber nicht niedriger sein, als der von dem Genossen zu zeichnende Geschäftsantheil. Zu der Einführung dieser neuen Form der Genossenschaften, von welcher nament­lich eine größere Betheiligung der wohlhabenden Klassen an dem Genossenschaftswesen erwartet werden darf, haben die aus landwirthschaftlichen Kreisen hervorgegangenen Anträge einen wesent­lichen Anlaß gegeben. Besonders geeignet erscheint die Genossenschaft mit beschränkter Haftbarkeit für solche Zwecke, für welche es der Inanspruch­nahme eines größeren Kredites nicht bedarf, als ländliche Produktiv« und Konsumvereine, Meierei, Molkereigenossenschaften, Vereinigungen für den gemeinsamen Bezug von Saatgut, künstlichem Dünger und dergleichen.

Aber auch eigentliche Kreditgenossenschaften werden in kleineren Kreisen auf der Grundlage der beschränkten Haftpflicht vielfach eine erprieß- liche Wirksamkeit entfalten können.

Seitens des Herrn Ministers für Landwirth­schaft, Domainen und Forsten zu Berlin ist es daher für angezeigt erachtet worden, die ländliche

Aber er griff auch selbst mehr zu als eS nöthig gewesen wäre, und das Beispiel seiner thätigen Kraft wirkte anfeuernd auf die Trägen.

Aus dem öl- und syrupgetränkten, schwärzlich klebrigen Zustand trat der Fabrikbodcn und die Maschinen mehr und mehr in blankgeputzter Herrlichkeit hervor. Die Messinggriffe, Schrauben und Hähne funkelten in goldenem Glanz, die kupfernen Behälter leuchteten röthlich und die schwarzen Kessel nahmen eine würdevolle Miene an.

Nur der hübsche kleine Spanier saß müßig in seinem Laboratorium, strich sich zuweilen ge­dankenlos ein Ständchen von seinen hellgrauen Pantalons und schaute sehnsüchtig wie ein ge­fangener Vogel zum Fenster hinaus.

Endlich äußerte Röver sich unmuthig über seine Lässigkeit. Es würde Streit zwischen den Männern gegeben haben, da sprengte zu glücklicher Stunde eine Kavalkade in den Hof. Maztels Vater und seine Schwestern geleiteten ihren Gast zurück. Alle waren in heiterer lärmender Stimmung, wie ein gemeinsamer Ritt durch frische Luft und das Einbrechen in einen gastlichen Haushalt sie mit sich bringt.

Röver begrüßte seine Schwester mit einem lauten Jubelruf, faßte sie an beiden Händen und zog sie heftig an sich. Dann drückte er den Kopf an ihre Schulter und seufzte tief.

Was ist Dir?" fragte sie erschrocken.Hast Du Verdruß gehabt?"

Ich freue mich, daß Du wieder hier bist,

Bevölkerung auf die Vortheile des neuen GesetzeS aufmerksam zu machen, weshalb ich zum Erlasse dieser Bekanntmachung höheren Orts ange­wiesen bin.

4564. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Braun, Kreisdeputirter.

+ Die kaufmännische Sonntagsruhe.

Die Buchhalter und Commis in Fabrik- und Bankgeschäften, überhaupt Comptoiristen, ferner die Gehilfen und Lehrlinge in Verkaufsgeschäften, in Exportlagern, Kramläden, Magazinen rc.

Ä bisher von Reichswegen keinerlei Schutz g auf die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen. Während die gewerblichen Arbeiter und die Gewerbegehilfen (Personen, die bei der Bearbeitung und H e r st e l l u n g der Waaren thätig sind) nach den geltenden Be­stimmungen der Reichsgewerbeordnung zur Sonn- tagsarbett nicht verpflichtet werden dürfen, hat diese Vorschrift keine Kraft für Handlungsgehilfen aller Art (Personen, die in einem Handelsgewerbe kaufmännische Hilfsdienste verrichten). Nach den physischen und moralischen Gesetzen hat der junge Kaufmann und der Ladengehilfe gewiß denselben Anspruch auf Sonntagsruhe wie der Handarbeiter in Fabrik und Handwerk. That­sächlich besteht auch fast allerwärts in den Comptoiren der Fabriken, Banken, Export«, Großhandels-, Speditionsgeschäften rc. wenn nicht volle Sonntagsruhe für die Comptoirtsten, so doch eine auf nur wenige Stunden des Vor­mittags beschränkte Sonntagsarbeit. Ganz ander- liegen die Dinge im Kleinhandel, in den Ver- kaufsläden. Hier hat schlechte Sitte und Zwang der Concurrenz dazu geführt, daß vielfach an Sonntagen mit Ausnahme der Stunden bei Vormittagsaottesdienstes voll gearbeitet wird.

alles Mädel," sagte er zärtlich und küßte ihre Hand.

Holla, wen hast Du uns da mitgebracht

Er hieß seine Gäste willkommen, holte Maziel herbei und sorgte für das Unterkommen der Pferde. Mit dem Erscheinen seiner Schwester war ihm die gute Laune plötzlich zurückgekehrt.

---Zwischen den beiden lustigen jungen Spanierinnen beim Abendessen auf der Veranda, hatte Paul Röver einmal wieder die volle Empfindung, so wie alles lag und stand, einer der beneidenswerthesten Menschen unter der Sonne zu sein.

Später am Abend stellte sich noch ein Gast ein. Dr. Fliertch kam auf seinem, mit geologischen Instrumenten wunderlich behängten Maulthier angetrabt und wurde von den Freunden arg geneckt, er habe den Duft von Amandas köstlichem Spießbraten bis Tucuman gerochen.

Der kleine zappelige Mann, dessen Doctortitel o zufällig an ihm gerathen war, wie die wissen- chaftlichen Instrumente, die er von einem ver­hungerten Landsmanne geerbt hatte, stand in dem Rufe, seine Freunde nach einem bestimmten Schema zu besuchen, um sich bei ihnen satt zu essen. Heute jedoch nahm er Rövers derbe Späße darüber mit einem wichtigen und geheimnißvollen Lächeln entgegen und suchte Gelegenheit denselben sobald als möglich allein zu sprechen.

Seine hohe Gönnerin, die portena er war so glücklich gewesen, der Dame einige kleine Dienste