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Herssel-er Kreisblett.

__________Mit wöchentlicher chraiis-Aeilage «Illustrirt« AnterhMuugsblatt-.

Nr. 65. Donnerstag den 5. Juni 1890.

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HersfeLder KreisvLatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Berlin, den 13. Mai 1890.

Nach den bisherigen Erfahrungen hat der zweite Absatz der Verfügung vom 9. October 1888 II. 11433, betreffend die Behandlung , der Gnadenbezüge bei der Veranlagung der Hinterbliebenen von mittelbaren Staatsbeamten, ' Geistlichen und Lehrern zur Klaffen- bezw. classi» ficirten Einkommensteuer zu verschiedenen Aus­legungen Anlaß gegeben.

Mit Rücksicht hierauf wird zur Herbeiführung eines gleichmäßigen Verfahrens die Bestimmung im 2. Absatz der gedachten Verfügung dahin declarirt, daß, falls die Gnadenbezüge einen vier- bezw. zweimonatlichen Betrag der Bezüge des Verstorbenen übersteigen, die vier bezw. zwei ersten Monate des Bezuges bei der Berechnung des steuerpflichtigen Einkommens des Empfangs- berechtigten außer Ansatz bleiben sollen.

Hierbei findet die Verfügung vom 15. Januar 1878 (Mittheilungen Heft 7 S. 35) entsprechende Anwendung.

Im Uebrigeu ergiebt sich die Ausführung aus folgenden Beispielen:

I. Die Wittwe eines im Januar 1890 im Amte verstorbenen Pfarrers genießt Gnadenbezüge im Jahreswerthe von 4800 Mk. (monatlich also

400 Mk ) bis Ende März 1891 ohne weiteres Nebeneinkommen.

Die Gnadenbezüge bleiben für die vier Monate Februar bis einschließlich Mai 1890 außer Ansatz.

Für 1889/90 ist daher ein steuerpflichtiges Ein- kommen nicht vorhanden, für 1890/91 aber vom 1. April 1890 ab als solches der Gesammtbetrag der Gnadenbezüge für die zehn Monate Juni 1890 bis März 1891 mit (10 X 400) 4000 Mk. in Ansatz zu bringen.

II. Der Todesfall ist im März 1890 einge­treten. Die Wittwe hat Gnadenbezüge im Jahreswerth von 4800 Mk. bis zum 30. Sep- tember 1890, vom 1. October 1890 ab Wittwen- Pension im Jahresbetrage von 1800 Mk.

Die Gnadenbezüge bleiben für die 4 Monate April bis einschließlich Juli 1890 außer Ansatz.

Das steuerpflichtige Eiukommen der Wittwe berechnet sich für 1890/91 vom 1. April 1890 ab dahin:

a) Gnadenbezüge für die Zeit vom 1.

August bis 30. September 1890, also für 2 Monate (2 x 400) = 800 Mk.

b) Wittwenpension für die Zeit vom

1. October 1890 bis 31. März 1891 also für 6 Monate (6 x 150)= 900 zusammen = l/oo

III. Der Todesfall tritt im Monat Juni 1890 ein. Die Wittwe genießt 3300 Mk. Jahreszinsen aus Kapitalvermögen und außerdem bis zum 1. Juli 1891 Gnadenbezüge im Jahreswerthe von 3000 Mk. Von den letzteren bleiben die Bezüge für die 4 Monate, Juli bis Ende October 1890 außer Ansatz. Das steuerpflichtige Einkommen der Wittwe ist daher zu berechnen:

1. Für 1890/91 vom 1. Juli 1890 ab: .a) Jahreszinsen...... 3300 Mk.

b) Gnadenbezüge auf 5 Monate (1. November 1890 bis 31. März

1891) 5 X 250 = . . . - 1250 zusammen 4döU

2. Für 1891/92:

a) an Jahreszinsen ..... 3300 Mk.

b) Gnadenbezüge für 3 Monate (1. April bis 30. Juni 1891)

3 X 250 = ... 750 , zusammen 4050

IV. Der Todesfall tritt im Dezember 1890 ein. Die Wittwe bezieht 1000 Mk. Jahreszinsen aus Kapitalvermögen, außerdem bis zum 30. September 1891 Gnadenbezüge im Jahreswerthe von 3600 Mk. (monatlich also 300 Mk.) vom 1. October 1891 ab eine Wittwenpension im Jahres« betrage von 1200 Mk. (monatlich 100 Mk.).

Die Gnadenbezüge bleiben für die vier Monate Januar bis einschließlich April 1891 außer Ansatz.

Das steuerpflichtige Eiukommen der Wittwe ist zu berechnen:

1. Für 1890/91 vom 1. Januar 1891 ab: Jahreszinsen ...... 1000 Mk.

2. Für 1891/92 dagegen:

a) Jahreszinsen ..... 1000 ,

b) Gnadenbezüge für 5 Monate (1. Mai bis 30. September 1891) 5 X 300 = .... 1500 o) Wittwenpension für 6 Monate (1. October 1891 bis 31. März

1892) 6 X 100 - . . . . 600 zusammen 3100

Der Finanz-Minister. Ja Vertretung. gez.: Meinecke.

An die Königliche Regierung zu Cassel. II. 3806.

* * *

Cassel, den 21. Mai 1890.

Abschrift zur Beachtung unter Bezugnahme auf unsere Rundverfüguugen vom 2. Februar 1887 C. I. 1165 und vom 18. October 1888 C. I. 7764 bezw. Mittheilungen Nr. 21 S. 8 und Nr. 23 S. 7/8.

Die Herren Landräthe wollen die Gemeinde»

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Am Fuß des Aconqnija.

Ein Roman von G. Reuter.

(Fortsetzung.)

Die Veranden der neben einander liegenden Gebäude wurden nur durch die sie tragenden Pfosten getrennt. Elfe stand auf den Stufen, dem ihrem Vorbau führten, still und schaute hinüber. Drüben lehnte der Aufseher Heinrichsen. Er hatte sich einsam und allein gewähnt.

Da, in der stillen feierlichen Morgenstunde, « mit seinem wüsten Kopf, seinen matten Gliedern nicht genießen, nicht durch Arbeit heiligen konnte, mochten ihm Erinnerungen an ein anderes Dasein überkommen haben Reue, Schauder vor einer zweiten Nacht wie der vergangenen vor einer Zukunft, die aus solchen Nächten, solchem Erwachen bestehen sollte -Verzinst über bte Müdigkeit, die keinen Entschluß a neuem Beginnen mehr fassen konnte, die am Rande angelangt wa ®rGe&un8 in die eigene Schwäche r,#ÄÄ P"aen schlaff herab, über sein Gesicht Rossen Thränen.

.^S erschüttert zurück. Ein Mensch, I b" so leidet, ist ein entsetzlicher

ung

zu

Die Glieder bebten dem Mädchen. Und sie hatte ihn auch gekränkt verächtlich beleidigt.

Wie konnte sie es wieder gut machen?

Wenn man ihm zeigen würde, daß man doch ein Herz für ihn habe daß er unter Menschen sei, die ihm gerne beistehen, helfen wollten. . ..

Trotz der energischen Bemühungen, die ihr Bruder gemacht hatte, deu Landsmann einem geordneten Leben wieder zu geben und ihn für tüchtige Arbeit zu gewinnen, bestand eine Gereizt­heit zwischen beiden Männern, die alle Früchte von Pauls gutem Werk in Frage stellte. Rövers Geduld war nicht groß. Heinrichsen setzte sie durch ein, mit seinen äußeren Umständen in keinem Verhältniß stehendes hochfahrendes Wesen beständig auf die Probe. Auch höhnten die Arbeiter über ihn und gehorchten ihm nicht. Dadurch, daß er sich im Laster mit ihnen gemein machte, vermochte er seine Stellung ihnen gegen­über nicht zu wahren.

Möglicherweise war sie, Elfe selbst, die Einzige, der er sein scheues, verschlossenes Wesen öffnen, die sein Vertrauen gewinnen konnte,

Behutsam, ihn nicht zu erschrecken, ging sie ins Haus. Sie schickte ihr Mädchen mit einem Auftrag in die gegenüberliegende Schlächterei. Nach e ner Weile rief sie den Mann beim Namen.

Er fuhr zusammen, wischte sich die Thränen vom Gesicht und kam mit seinen leisen unsicheren

Schrillen über die Veranda tn ihre kleine Küche. Dort fand er sie beschäftigt auf einem Herde aus Feldsteinen Feuer anzuzünden.

Wollen Sie mir etwas Holz spalten?" bat sie mit gesenkten Blicken, als fürchte sie, er möchte bemerken, daß sie thu beobachtet habe.

Heinrichsen erfüllte schweigend ihren Wunsch. Die von ihm zurechtgeschnittenen Späne schichtend und anzündend begann sie zögernd:

Was haben Sie heute zu thun? Sind sie nicht schon beim Reinigen der Maschinen?"

Ich glaube," antwortete er gleichgültig,ich sollte auch dabei sein. Aber in meinem Kopfe klopft es wie mit tausend Hämmern. Ich werde verrückt von dem Lärm in der Fabrik und übel von dem Oelgeruch."

Er sah umher nach einem Wassergefäß und spülte sich die Hände sorgfältig ab.

Muß mir doch andere Arbeit suchen," murmelte er,in einem Contor oder so--" Er riev sich die Finger trocken.

Kennen Sie das Gefühl von Unbehagen, wenn man Erde oder Staub an den Händen hat?" fragte er.Man sollte sich daran gewöhnt haben, für mich ist es unüberwindlich."

Er seufzte und sah mit seinen rothumränderten Augen in die Höhe. Es war ein Mitleid er­weckender Blick.

Das, worüber er jetzt klagte, war eine lächer«