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Hersseliitr Kreisdlitt.

Mit wöchentlicher chratis-Meilage ^Illngrirtes N«terhakkl«gsvlatt".

Nr. 83. Sonnabend den 3l. Mai 1890.

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Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentliche« GratisBeilage »Jllustrirtes Unterhattungsblatt" pro Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Bekamtmachung.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh in hiesiger Stadt ist erloschen.

i HerSfeld, den 24. Mai 1890.

A II. 1023. Der Bürgermeister

Braun.

____________________ Bolz.

Uolitische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser arbeitete im Laufe des Mittwoch Nachmittags im Neuen Palais bei Potsdam mehrere Stunden allein. Im Laufe des Donnerstag Vormittags conferirte derselbe von 10 Uhr ab mit dem Kriegsminister General der Infanterie von Verdy du Vernois, arbeitete demnächst längere Zeit mit dem Ver­treter deS Mtlttär-Cabtnets, Oberst v. Oidtmann und empfing Mittags den aus Altona in Berlin ein- getroffenen commandirenden General des 9. Armee- Corps General der Infanterie v. Leszczynski.

Wie derReichsanzeiger" meldet, nimmt die Besserung des verstauchten Fußes Sr. Majestät

des Kaisers einen durchaus normalen und günstigen I ist am Verlauf. 1 sitzende

Ueber Reisepläne des Kaisers ver­lautet: Nach der Feier des 150jährigen Stiftungs­festes der Gardes du Corps, an welcher auch die Prinzessinnen Victoria und Margarethe und die ganze Hofgesellschaft theilnehmen werden, beab­sichtigt der Kaiser seine zweite Nordlandfahrt anzutreten, zunächst zum Besuch des KönigS von Dänemark in Fredensborg, sodann des Königs und der Königin von Schweden in Christiania. Dorthin wird auch die Kaiser n Auguste Viktoria den Kaiser begleiten, sie wird aber dann nach Deutschland zurückkehren, zunächst eine mehr- wöchentliche Kur in Bad Ems gebrauchen, und sich dann zu ihren Kindern nach Saßnitz auf Rügen begeben. Der Kaiser wird von Christiania aus einige Ausflüge ins Land machen und während des Monats Juli, wiederum wie im vorigen Jahr, an Bord der NachtHohevzollern" eine Fahrt die norwegische Küste entlang unter­nehmen. Die Rückfahrt wird zunächst nach Wilhelmshafen sich richten und von dort aus eine Fahrt nach England unternommen werden, da, der Köln. Ztg. zu Folge, der Kaiser beabsichtigt, dort der großen Regatta in CoweS beizuwohnen. Von dort geht der Kaiser zunächst nach Potsdam zurück, um den Truppenübungen deS Gardecorps beizuwohnen und die große Parade abzuhalten, die diesmal nicht wie sonst am 2. September, sondern schon am 12. August auf dem Tempel- Hofer Felde statrfinden wird. Die Parade findet diesmal so früh statt, weil die Garde-Kavallerie unmittelbar darauf nach Schlesien aufbrechen muß, um an den dortigen Kaifermanövern theil- zunehmen. Mitte August begtebt sich der Kaiser zur See nach Petersburg zum Besuche des Zaren und zur Theilnahme an den Manövern in KraSnoje Selo, wo er etwa eine Woche bleiben wird.

ich des Königs von odann des Königs

-Der Evangelisch-sociale Congreß

l Mittwoch zusammen getreten. Zum Vor­sitzenden wurde Geheimrath Prof. Dr. Wagner gewählt. Auf dem Congreß sind die verschiedensten Parteien vertreten. Derselbe sandte zunächst ein Begrüßungstelegramm an Se. Majestät den Kaiser. Herr Pfarrer Frhr. v. Sodeu-Berlin erstattete sodann Bericht über dieKirchenge-

meiude in ihrer socialen Frage."

Berlin, 28. Mai. Der Lehrertag berieth in seiner heutigen zweiten Hauptversamm­lung über die Thesen Klausnitzers (Berlin) über die Aufgabe der Volksschule gegenüber der socialen Frage und einigte sich schließlich in einer Reso­lution, wonach die sociale Mitarbeit der Volks­schule auf die Erziehung der charaktervollen Jugend zu beschränken sei. Die Resolution, die niederen Küsterdtenste den Lehrern fernerhin

nicht mehr zu übertragen, wurde angenommen. Ein Telegramm des Cultusministers v. Goßler wurde hierauf verlesen, worin derselbe für daS gestrige BegrüßungStelegramm seinen Dank ausspricht, reichen Segen für die treue Arbeit wünscht und den Lehrern zuruft: vorwärts für die deutsche Volksschu

:selbe für daS seinen Dank

wünscht und den Lehrern zuruft:Unermüdlich vorwärts für die deutsche Volksschule, den Eckstein des Vaterlandes". Der Lehrertag nahm ferner nach dem Vortrag des HauptlehrerS Greßler (Barmen) und längerer Discusston die Thesen der Vortragenden auf Einrichtung von Schulsynoden, zusammengesetzt aus sreigewählten Vertretern der Familie, Kirche, Lehrerschaft, sowie aus den Beauftragten der staatlichen und communalen Schulbehörden, an. Gegen 31/* Uhr schloß der zweite Vorsitzende, Oberlehrer Schubert (Augsburg), nach den üblichen Formalten den Lehrertag mit einem begeistert auf. Hoch auf Se. Majestät den Katsi verbündeten Fürsten.

In Preußen hat sich in dem dreijährigen Zeitraum von 1886 bis 1889 die Länge der schmalspurigen Feld- und Industriebahnen von

genommenen er und die

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Am Fuß des Aronquija.

Ein Roman

von G. Reuter.

(Fortsetzung.)

ES war die erste energische Willensäußerung von Fräulein Sonne. Wie hätte ein spanisches Elternpaar, wie hätte die einfache bescheidene ; Natur von Sennor Kranold derselben widerstehen

III.

-Der Ehekontrakt war unterzeichnet worden. Die Herren, die der Ceremonie beigewohnt hatten, begaben sich zu der Hochzeitsgesellschaft zurück.

Auf dem mit Marmorfliesen gepflasterten Hof, unter dem dunkelblauen argentinischen Sommer- mmmel saß und stand man zwischen Blumen- gruppen umher, rauchte winzige Ctgaretten und schlürfte aus kugelrunden Gefäßen durch kleine Metallröhren den kochendheißen Mate, das süd- amerikanische Nationalgetränk, einen Aufguß von den getrockneten Blättern des Ilex paraguayensis. I * r^"^^tett Frauen trugen noch die fchwarzseidene Manta um Haupt und Schultern gesch ungen. Die meisten Damen hatten ihre be- W^Slicheu Köpfe mit Blumen, hohen Kämmen I ""^eichten Spitzenschleiern geschmückt. Das u'it Vorliebe in den Toiletten verwendete Korallen- I roth stimmte gut zu dem tiefen Schwarz der

j Haare, zu den brünetten Gesichtern. Es lag eine über einen zweiten Blick auf die stattliche Gestalt | kindliche, unbekümmerte Anmuth in dem Betragen | der Besprochenen zu gewinnen. Die Enttäuschung,

der jungen Mädchen. Mit ihren großen Augen und dem ausdrucksvollen Spiel ihrer großen Fächer wußten sie die zierlichen oder feurigen Komplimente, die ihnen von den, nach der letzten Pariser Mode gekleideten Herren ins Ohr ge­flüstert wurden, heiter anzunehmen oder geschickt abzulehnen.

Röver musterte mit raschem Siegerblick das weibliche Element.

»Donnerwetter Flterich," flüsterte er seinem Nachbar und Landsmann rasch tnS Ohr, »da ist etwas Neues! Haben Sie eine Ahnung . . .? da jetzt redet sie mit dem Pater*

Der rothhaarige kleine Doctor rieb sich kichernd die Hände. »Ja, die geistlichen Herren Habens gut; verehrt von der Tugend und Schönheit!"

Dr. Flterich machte gern banale Witze.

»UebrigenS, wenn ich nicht irre das muß die Dame aus BuenoS Ayres fein. Der Vater

bewirbt sich um den Gouverneurstuhl von Tucuman und die Tochter will ihm dabei helfen. Ach die portenaa!*) Es ist doch was Anderes mit den Frauen aus den Hafenstädten! Man findet das in der Provinz nicht!"

»Also verhetrathet?"

Flterich zuckte die Achseln und reckte seine magere kleine Figur, um an dem Brautpaar vor-

) porten» Hafenstadt»!«

der Besprochenen zu gewinnen. Die Enttäuschung, die Fräulein Röver durch ihr Ausbleiben seinem liebenden Herzen bereitete, schien ihn nicht ganz für anderen weiblichen Reiz abgestumpft zu haben.

Man begab sich nun zu dem im Wohnzimmer errichteten, mit Blumen, brennenden Kerzen und Heiligenbildern geschmückten Hausaltar.

Der Cura schlug seine Bücher auf.

Die Brautmutter begann zu schluchzen und rückte den Kranz von Orangenblüthen auf dem Kopfe ihrer Tochter zurecht. Kranold, der sehr blaß geworden war, richtete sich empor und knöpfte seinen schwarzen Rock über der Brust zusammen. Die seidenen Kleider der Damen und ihre Fächer knisterten und rauschten leise. Die Herren drehten ihre Zwickelbärte und sahen gleichgültig drein. Dr. Flterich trippelte von einem Fuß auf den anderen.

Der Vater und ein Verwandter der Braut, Röver und Maziel, die Zeugen deS Bräutigams traten hinter das Paar.

Pater Gonzales blättert noch immer in den ihm vorgelegten Papieren.

In der ersten Reihe der Damen stand die Fremde aus Buenos Ayres, die portena. Wenn Röver sein Auge erhob, sah er das matte Weiß ihrer Schultern und ihrer Arme aus dem schwarzen Spitzeukletde leuchten. Und sie be­wegte ihre Glieder zuweilen mit einer langsamen,