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Hersseldtl Klkisblitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageJünstrirtes MLerhaliungsvlE.

Nr. 62.

Donnerstag den 29. Mai

1890.

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Jllustrirt-s Unterhaltungsblatt"

>ro Juni werden von allen Kaiserlichen Sostanstalten, Landbriefträgern und von der Spedition angenommen.

politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser hatte am Montag Vormittag im Neuen PalaiS bet Pots­dam den Reichskanzler von Caprivi zu einem längeren Vortrage empfangen und daran an­schließend auch noch den Vortrag des Chefs des Civil-Cabinets entaegevgenommen. Am späteren Nachmittage empfing der Kaiser den großbri- tavnischen Botschafter am Berliner Hofe Sir Edward Malet. Im Laufe des Dienstag Vor­mittags arbeitete Se. Majestät von 9'/, Uhr ab mit dem commandirenden Admiral Frhrn. v. d. Goltz, sowie mit dem Staatssecretär im Reichs- Marine-Amt Heusner und dem Chef des Marine- CabinetS Frhrn. v. Senden-Btbran, sowie dem­nächst auch noch längere Zeit mit dem Vertreter deS Milttär-Cabinets, Abtheilungs-Chef Oberst von Oidtmann. Die Beschädigung am rechten Fuße, welche der Kaiser sich am Sonntag Nach­mittag zugezogen hat, veranlaßt ihn, sich für kurze Zeit einige Schonung aufzuerlegen. Der Kaiser und die Kaiserin haben deshalb auch die beabsichtigte Fahrt nach Pasewalk zur Parade des Kürassier-Regiments Königin (Pommersches Nr. 2) verschoben.

Grundzüge für die zukünftige Ent­wickelung unserer HeereLorgani-

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Am Lutz des Aranquijn.

Ein Roman

von G. Reuter.

(Fortsetzung.)

Außer dem Salon befanden sich in dem Häuschen nur noch die beiden Schlafzimmer der Geschwister und auf die Veranda mündend, die Küche und eine Kammer für Amanda Hänsgen.

Paul zündete sich eine Cigarrette an und be­obachtete behaglich, wie sein Schwesterlein ihm ein Brödchen mit eingekochten Orangen zubereitete. Der Bäcker war soeben zu Pferde aus der Stadt gekommen, die Estancia mit seiner Waare zu versorgen.

Röver genoß nach den Campagnemonaten, in otuen er jede Mahlzeit im Fluge genommen, jede Stunde Schlafes der Arbeitszeit abgestohlen hatte, seinen ersten freien Tag.

Wenn Su morgen von KranoldS Hochzeit Mückkehrst, könnten wir wohl unseren Ritt inS Gebirge antreten,- begann Elfe. »Maztels Schwestern erwarten mich schon längst/

. --Sie müssen sich gedulden! Acht Tage erfordert das Reinigen der Maschinen noch meine Aufsicht. Ich könnte Dich aber auch unter der Obhut von Maziel oder einem der andern Beamten voran- schicken/

»ein Paul/

s a t i o n legte in der Mittwochsitzung der Militär-1 commission der Kriegsminister von Verdy du Vernois dar. Nach den Berichten verschiedener Blätter betonte er, daß es sich dabei bis jetzt nur um Ideen handele, welche im Schooße der preußischen Regierung erörtert worden seien, ohne daß die Reichsregierung schon damit befaßt worden sei. Diese Vorschläge hätten auch bis jetzt noch keine concrete Form angenommen, und er könne daher auch über die damit verknüpften Kosten heute noch nichts sagen. Ebenso wenig sei es möglich zu sagen, wann es möglich sein werde, diese Organisation durchzuführen; doch werde man sie jedenfalls staffelweise durchführen müssen. Es werde sich aber darum handeln, die bestehenden Truppenorganisationen in der Rich- tung dieser Pläne auszugestalten, also die bestehenden Armeecorps zu verstärken und keine neuen Truppenkörper zu schaffen. Ueber die Zahlen, um die es sich hier handele, machte der Kriegsminister folgende Mittheilungen: Aus den drei Jahrgängen der Diensttauglichen würden jedes Jahr 11500 Mann, zusammen also 34 500 Mann zurückgestellt; ferner können aus der Zahl der für bedingt tauglich Erklärten 20000 Mann entnommen werden, was also eine Gesammtsumme von 54500 Mann ausmachen würde. Die heute geforderten 18 Millionen sollten nur dazu dienen, die Mindestanforderung in Bezug auf die solide Ausgestaltung derjenigen Waffen durchzuführen, für welche sie gefordert ist. Das stelle den ersten Schritt dar, um die vorhandenen Truppenkörper in eine Normalorganisation zu bringen. Die Ersatzreserve bezeichnet der Minister als zur Zeit noch unentbehrlich.

Einer telegraphischen Mittheilung aus San­sibar zufolge ist der Reichscommissar Major W i ß m a n n am 26. d., begleitet von Suleiman bin Nasur, dem ehemaligen Gouverneur von Bagamoyo, nach Deutschland abgereist. Auf

»Was wäre da weiter? Du machst bet Estebans Mittagsrast und bist am Abend auf der Estancia des alten Maziel. Es hätte manches für sich. Jetzt wird es von Tag zu Tag heißer. Der Ausflug würde Dich weniger angreifen als in einer Woche. Ich würde Dich abholen. Wenn erst einmal Ordnung geschafft ist, bin ich für lange Zeit ein freier Mann und kann mich meinem Elschen einmal ordentlich widmen, gelt

Sie nickte ihm lächelnd zu.

Du!- rief er, sich im Stuhl zurücklegend und sie mit seinen strahlenden Augen so zärtlich an­schauend, wie ein Liebhaber und so stolz wie ein Vater,eigentlich brauchen wir doch nicht mehr auf der Welt, als wir jetzt haben; meinst Du nicht auch? Du sorgst für mich und ich für Dich so werden wir alt und grau und kümmern uns den Teufel um all das andere Weibsvolk!-

»Ich kümmere mich nicht im mindesten um sie/ antwortete Elfe mit ruhiger Schelmerei, »wenn Du es nicht thust, mein Paddychen . . . / Sie nannte ihren Bruder aus irgend einer Ktnder- stubenerinnerung zuweilen mit dieser Abkürzung.

Röver griff sich mit einer Geberde komischer Verzweiflung in seine kurzen Locken.

»Verdammt, wie sie einem zu schaffen machen! Aber ich habe genug davon. Taugen thut das Gesinde! all miteinander so viel, die Hölle damit zu heizen/

»Weißt Du, Brüderchen/ unterbrach Elfe diesen

demselben Schiffe hat sich -^ "^ackenzie, der Gouverneur der Britisch-ostarrttauischen Gesell­schaft, nach England ^mgeschifft.

Eine Zuschrift aus Paris an den »Hamburger Korrespondenten- giebt zu dem wiederholten Hinweise auf den Umstand, daß die von Frank­reich zu tragende Steuerlast diejenige Deutschlands um nahezu das Dreifache übertreffe, nachfolgende Illustration: »Zu Anfang dieses Jahres hatte ein im mittleren Frankreich ansässiger Gutsbesitzer zum Behuf der Arrondirung einen seinem Besitz benachbarten kleinen Streifen Landes gekauft und feinen Notar mit der Regelung dieses Ge­schäfts betraut; der Kaufpreis hatte nicht mehr als 80, sage achtzig F.ancs, betragen. Bei der Abrechnung fand sich, daß die Abgaben, Register­taxen, Localrecognitionen, Spesen u. s. w. die Höhe von 57 siebenundfünfzig FrancS erreichten und daß von diesem Betrage vicht- nachgelassen werden konnte! Ein Beispiel ver­wandter Art hat dem Schreiber dieser Zeilen vorgelegen. Der Bürger einer größeren süd- französischen Stadt kauft von einem Weinbergs- besttzer der Nachbardepartements eine kleine Partie Wein, die er einschließlich der Eisenbahnfracht von 16 Frcs. mit 83 Frcs. 50 Cent, bezahlt. An Octroi und sonstigen Gebühren wurden dem Geschädigten runde 12 Frcs. abgenommen. Wenn schließlich erwähnt wird, daß das Kilo gebrannten Kaffees, das in Deutschland mit 3 M. 20 Pf. (etwa 4 Frcs.) bezahlt zu werden pflegt, in dem heutigen Frankreich mindestens 6 FrancS kostet, so wird man sich eine Vorstellung davon machen können, wie hoch die Last der indirecten Steuern in diesem Lande während der letzten Jahre angewachsen ist. . . .*

Dem Reichstage ist eine vom Kaiserlichen Statistischen Amt aus gearbeitete Zusammen­stellung des Ergebnisses der Reichstags- Wahlen im Jahre 1890 vorgelegt worden.

Gefühlsausbruch freundlich, »Du bist hier draußen entschieden verwildert, und könntest Dich mit der Zeit wieder an eine sanftere, höflichere Ausdrucks­weise gewöhnen. Besonders wenn Du von meinen lieben Mitschwestern redest/

Else ich will mich bessern! Bin ich nicht schon auf dem besten Wege dazu? Wem habe ich in den letzten drei Monaten den Hof gemacht; außer Don Joss und Dir, meinem holdesten und geliebtesten Schwesterlein?-

Der junge Director sprang auf, bog, während er seine Cigarrette zwischen den Fingern der Linken hielt, mit der Rechten Elses Kopf zu sich heran und küßte sie stürmisch.

»Du bist und bleibst die Einzige, der mein Herz noch schlägt. Sonst ist es in einem wahren Zustande der Versteinerung. Na das mußt Du doch bemerkt haben?*

Gewiß, besonders gestern Abend beim Gatol-

»DaS war famos/ sagte Röver und blies den Rauch mit einem träumerischen Lächeln der Er­innerung in die Luft. »Das Negermädel sticht die sämmtlichen Spanierinnen aus! Diese Grazie! Und dabei die Leidenschaft! Hast Du gesehen, wie die Flügel ihrer kleinen, wunderlichen Nase zitterten

»Ich glaubte, Du wärest ganz versteinert?

»Bin ich auch/ versicherte Paul ernsthaft« Jetzt muß ich aber fort. Holla Pedros"