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Helssel-kl Kreisblstt.
Mit wöchentlicher -rali«-Beilage .Mustrirt« Zluterhallnngsklati-.__________
Nr. 60. Sonnabend den 24. Mai 1890.
Akonnements-Ginladung.
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Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentliche« Gratis Beilage „Jllustrirtes Unterhalt« ngsvlatt" pro Jn«i werden von allen Kaiserlichen ßostanstalten, Landbriefträgern und von der rxpeditiov angenommen.
AmUlches.
Hersfeld, den 23. Mai 1890.
Diejenigen Herren Ortsvorstände der Landgemeinden des hiesigen Kreises, welche noch mit Erledigung der diesseitigen Verfügung von 9. d. Mts. Nr. 3961 im Kreisblatt Nr. 54, Erhöhung der Lehrergehälter betreffend, im Rückstände find, werden hieran mit Frist bis zum 30. d.Mts.
3961. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 21. Mai 18A).
Für den am 30. März 1873 zu Heringen geborenen Georg Schäfer und den am 19. April 1875 daselbst geborenen Friedrich August Schäfer ist um Entlassung aus dem diesserttgen Staats- verbavde behufs Auswanderung nach Amerika nachaefuLt worden.
48^ Der Königliche Landrath.
In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.
’ Hersfeld, den 23. Mai 1890.
Die Schulstelle zu Wehrshausen wird in Folge Versetzung ihres seitherigen Inhabers mit dem 1. Juni d. J. vacant.
Etwaige Bewerber um dieselbe wollen ihre
Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und Befähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bet dem unterzeichneten Landrathe oder dem Königlichen Localschulinspector Herrn Pfarrer Barchfeld zu Schenklengsfeld einreichen.
Namens des Königlichen Schulvorstandes: 4934. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
^ Pfingsten. ^,
Noch liegt in Maienfrische
Die schöne Erde da,
Noch fingen ihre Lieder Die Vögel fern und nah, Doch schon aus dunkler Wolke Zuckt öfter Wetterstrahl, Mit lautem Donner füllend Die Berge und das Thal.
Aus Luft und Sonne wehet Sich schon der Sommertag, Läßt seine Rosen blühen Im Garten und am Haag.
Die Veilchen find gestorben, Ihr zarter Dust verweht, Das Schöne muß vergehen, Wenn Schöneres entsteht.
Die Saat wogt auf dem Felde,
Ein hoffnungsgrünes Meer, Gar reiche Früchte kündet Der Bäume zahllos Heer, Und in dem Rebstock kräftig Der neue Saft sich regt, Damit der Nächste Herbst uns Viel wonnige Trauben trägt.
Es wirket aller Orten Der Pfingsten hett'ger Gruß, Der aus des Frühlings Blühen
Erfüllung uns verheißt.
Er leuchtet aus der Sonne Und aus des Mondes Licht, Und auch mit Feuerzungen Im Blitz er zu uns spricht.
Ed. Mund.
+ Wussten.
Pfingsten, der fünfzigste Tag nach Ostern, ist das Fest der Errichtung der ersten christlichen Gemeinde, das Fest der Begründung der christlichen Kirche. Wie wir das Weihnachtsfest, die Geburt Christi, durch Ausschmückung eines Baumes feiern, welcher mit seinem Lichterglanz in die dunkle Winterzeit hineinleuchten soll, so schmücken wir an dem Geburtsfest der christlichen Kirche unsere Wohnungen und Häuser mit grünen Maien, um mit diesen Zeugen der neuerwachten Natur die Freude an der großen That der Begründung der christlichen Kirche auszudrücken, Belege fett ihren ersten Tagen die menschliche Gemein'chaft beherrscht und ihren Geist veredelt.
Es prägt sich in diesen Bolksfitten ein be» merkenswerther Zusammenhang Mischen Kirche and Natur, Religwa und Leben aus. Es hat Zeiten gegeben, wo von christlicher Seite die Natur als schroffer Gegensatz zu den überir- discheu Gedanken und Zielen heftig bekämpft wurde, wie andererseits die Naturalisten mit Geringschätzung auf die Satzungen der christlichen Lehre herabblickten und verlangten, daß diese sich den Naturgesetzen accomodire. Diese Einseitig- keiten dürfen heute als überwundene Standpunkte gelten: der Gegensatz, der fich zwischen den Satzungen der christlichen Lehre und den Naturgesetzen offenbart, fiadet allein seine Lösung in der Bethätigung der werkthätigen Liebe deS Christenthums aus allen Gebieten, welche daS höchste und oberste Geschöpf der Natur, den
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Am Lutz des Aconquija.
Ein Roman von G. Reuter. (Fortsetzung.)
-Wenn auch weniger gewandt, als der Sohn der Sierra, führte Römer doch die Touren mit Leidenschaft und Feuer aus.
Paul Röver war nicht gerade ein schöner Mann, trotzdem ihm diese Eigenschaft meistens rückhaltlos zuerkannt wurde. Seine Gestalt war eher breit und kräftig, als elegant, seine Züge nicht eben fein geschnitten, die Augen weder ungewöhnlich groß noch sehr dunkel. Aber sie hatten einen gewiffen Seitenblick voll Treuherzigkeit und Schelmerei, voll Hingebung und fragender Bitte, dem nicht zu widerstehen war. „Paul schielt sich den Leuten iuS Herz,* sagte Äse von ihres Bruders gefährlichen Augen. Dazu hatten seine weichen Waugeu von der südlichen Sonne einen Herrlichen, roth durchschimmerten Broucelon er* holten. Hub ;eder Lichtstrahl weckte einen goldenen Widerschein auf dem braunen Schaurrbart und in den kurzen Locken, die sich um eine breite, Niedere Stirn und einen gewaltigen Nacken hänselten. Paul war sehr stolz auf dieses schöne Haar und pflegte es mit Sorgfalt. Auch seine kleinen Hände und Füße Lwanbene « in schwachen Stunden.
Doch verlor sich diese E.telkeit nicht inS Geckenhafte. Alles an dem jungen Mann war impulsive Aeußerung einer kraftstrotzenden Natur, die voll aufging in dem, was die Stunde forderte, gleichviel ob Lust oder Arbett. Nur theoretisches Studium durfte es nicht sein — das verlangte ernste Ueberwindung.
Seunora Alvarez und Kranold klatschten Beifall. Fräulein Carmen hatte, als sie einsah, daß Rövers Aufmerksamkeit heute nicht auf sie zu lenken sei, ein großes Stück Zucker aus ihrer Tasche gezogen und begann höchst natürlich, aber nicht anmuthig, daran zu nagen und zu saugen.
Inzwischen hatte Heinrichsen mit vielem Geschick auf der Guitarre phantasirt. Er gerieth mehr und mehr in eine fieberhafte Aufregung, in der er mit den Peons Possen trieb, ein Glas Bier nach dem anbern herunterstürzte und sich schließlich einen umherliegenden roth und blauen Poncho um die Schüttern dropirte. Dann verschwand er plötzlich in einem der Schuppm, hotte eine Letter, legte sie an den Cedro und stieg hinauf.
Auf einen der untersten Aeste fetzte er sich zurecht. Das Licht einer grünen Papierlaterne fiel über die schmale Gestalt in dem narrenhaften Aufputz. Die wob eine silberne Aureole um sein helles Haar, welches ihm auf die Schultern und über das blasse feine Auttttz fiel. So saß er dort oben und spielte zum Tanz. Ein grotesker, peuüiche: Anblick.
Ars Elfe später noch einmal hinaufsah, hatte der sonderbare Geselle die Menschen und ihr Geschwirr unter ihm augenscheinlich vergessen. Den Kopf — sich selber lauschend — über die Guitarre gebogen, entlockte er dem einfache« Instrumente süße, traurige Melodien.
Es war Mitternacht vorüber. Da gab Sennor Alvarez den Befehl, den Hof zu räumen. Rover zog den Arm der Schwester in den seinen.
Nachdem sie sich von der Familie des ChefS und den übrigen Beamten verabschiedet hatten, begaben sich die Geschwister in das weißgetünchte Häuschen, das ihre Heimstätte war.
Das gelbbraune Volk dagegen zeigte noch keine Lust zum Schlaf. Mit Sesseln und Stühle« beladen zog eS hinaus zu einer einsam, im Felde gelegenen Kneipe, deren Thür ein Schild mit der Jaschrist
„Fonda del Esperanza*
- trug. Hier in der warmen orangendu'tende« Nacht bei dem Scheine der Glühstregeu wurde der ländliche Ball bis zum Morgengrauen fortgesetzt.
Ja der fensterlosen Lehmbaracke, in deren Ecken die Familienglieder des Besitzers zu f^itr u :er» ! suchten, so gut sie konnten, faß ein £g^ ser Männer stumm und still mit gierten Gesichtern um den Tisch. Die Masche mit Ernas, einem berauschenden Schnaps aus gegoltenem Zacker» rotzrsaft, ging Pon Mund p Maus. Die WurM