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Httsselder Kreisbllitt.
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Nr. 59.
Donnerstag den 22. Mai
1890.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Die diesjährige Frühlings s Leyreresm serenz wird Freitag den 30. d. MsnatS in Weidenhain abgehalten werden.
Die Herren Lokalschulinspektoren und Herren Lehrer werden zu derselben hiermit ergebenst eingeladen.
Phtlippsthal, den 18. Mai 1890.
Der Kreisschulinspektor:
Rosenstock, Pfarrer.
+ Kaiser Wilhelm II. und die Landlente.
Unser Kaiser hat auf seiner Königsberger Reise wiederholt Gelegenheit genommen, sich über i die hohe Bedeutung der Landwirthschaft für den preußischen und deutschen Staat auszusprechen. Bet dem Mahle im Schlosse am 14. Mai be- zeichnete er das förderliche Wirken der großen landwirthschaftlichen Bevölkerung als den Boden, aus dem wir unsere Kraft schöpfen und den zu stärken seine stete Sorge sein werde. In dem Trinkspruch vom 16. Mai, ausgebracht auf dem von der Provinz gegebenen Festessen, heißt es wörtlich:
»Ich weiß sehr wohl, Meine Herren, daß Momente kommen mögen gerade in einer Provinz, wie dieser, mit überwiegend ländlicher Bevölkerung, wo es Ihnen Sorge machen kann, wohin e8 wohl mit Ihnen gehen werde. Seien Sie unbesorgt, Meine Herren! Wenn es auch zuweilen so scheinen mag, als ob die Sympathie oder daS Verständniß für die Interessen der Landwirthschaft nicht da seien, so mögen Sie sicher sein: der König von Preußen steht so hoch
[ man sich wirklich in manchen agrarischen Kreisen beunruhigt fühlte und meinte, in dem alten Kanzler den festesten Stützpunkt für die Sorge um das Gedeihen des Ackerbaues, der über die Hälfte der gesammten Bevölkerung zu ernähren hat, verloren zu haben. Durch die Worte unseres hoch über allen Parteien stehenden Kaisers, der sich selbst als Hort der Lebensinteressen der Landwirthschaft bekennt, sind jene Spekulationen auf einen Kurswechsel und jene Befürchtungen mit einem Male zerstört worden.
Diese neue Kundgebung in Verbindung mit den Erlassen über die Arbeiterfrage, über die Behandlung der Soldaten, ferner mit der Bremer Rede über Handel und Schifffahrt, beweist von Neuem, wie sehr unserem Kaiserlichen Herrn alle berechtigten Einzel- und Berufsintereffen am Herzen liegen und wie er bestrebt ist, sie, die sich keineswegs widersprechen, in Harmonie zu erhalten. Die Landwirthschaft bat im letzten Jahrzehnt viel schwerere Zeiten durchwachen müssen, als Handel und Industrie, die in des letzten Jahren aufblühten. Gegenüber den Strömungen, welche in einseitiger Weise der Verbilligung des Verbrauchs der Großstädter nachstreben und den Nutzen einer leistungsfähigen Ackerbau treibenden Bevölkerung für das große Ganze nicht erkennen wollen oder unterschätzen, hat diese Bevölkerung alle Ursache, mit Dankbarkeit zu dem Throne aufzublicken und das Kaiserliche Regiment mit vollster Kraft zu unterstützen.
über den Parteien und 'über dem Getriebe des j Parteihaders, daß Er, unentwegt auf jeden Einzelnen Seines Landes schauend, auch für das Wohl jedes Einzelnen und jeder Provinz beflissen ist. Ich weiß sehr wohl, wo es Ihnen gebricht und was für Sie zu thun bleibt, und Ich habe auch Meine Wege dem entsprechend vorgezeich- net. .... Oft genug sind Versuche gemacht worden, die Interessen der Landwirthschaft, welche in dieser Provinz eine so hervorragende Bedeutung haben, zurückzudrängen. Es sind auch Strömungen da, die leider die Achtung vor dem Ackerbau und vor der Landbevölkerung nicht mehr haben. Ich freue Mich aber, es sagen zu könne», daß ein Umschwung schon eingetretea ist; denn einer unserer bedeutendsten Parlamentarier hat Mich noch diesen Winter versichert, daß er, obgleich er früher anderer Ansicht gewesen, nach eifrigem Studium und tieferem Eingehen auf die bäuerlichen und grundbesitzlichen Dinge zu der festen Ueberzeugung gekommen sei, daß das Heil für die Zukunft Unseres Landes in einer festen, sicher fundirten Bauernschaft liege, und daß er seine größte Aufgabe darin erblicke, seine Partei dahin zu bringen, dafür wirken zu wollen."
Dieses Eintreten unseres Kaisers für die Interessen der Landwirthschaft und besonders des Bauernstandes wird in seiner hohen Bedeutung überall auf dem Lande dankbar gewürdigt werden. Allerdings fehlt es nicht an Bestrebungen gegen die gesetzliche Fürsorge für die Ackerbau treibende Bevölkerung. Die bei den Wahlen so lebhaft betriebene Agitation gegen die Steigerung einiger Lebensmittelpreise richteten ihre Spitze gegen die landwirthschaftlichen Zölle und im Reichstage liegen bereits Anträge auf sofortige oder allmähliche Abschaffung der Schutzzölle für landwirth- schaftliche Produkte vor. Der Rücktritt deS Fürsten BIsmarck gab noch besonderen Anlaß zu Wirthschaftsvolttischen Spekulationen, so daß
Aus dem Reichstage.
Berlin, 19. Mai. In der heutigen (9.) Plenarsitzung setzte der Reichstag die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Abänderung der Gewerbeordnung (Arbeiterschutz- gesetz) fort. — Abg. Grillenberger (Soc.-Dem.) erkennt in der Vorlage einen Erfolg der Arbeiterbewegung, wenn dieselbe auch bei weitem nicht den Erwartungen entspreche, welche ! die kaiserlichen Erlasse erweckt hatten. Er billigt die Bestimmungen über Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit,
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Am Fuß des Acsnquija.
Ein Roman
von G. Reuter.
(Fortsetzung.)
»Der zugelaufene Deutsche — so nahe an einen »zugelaufenen Hund" erinnert," fiel die leise, heisere Stimme des Besprochenen Röver in's Wort; er hatte dicht hinter den Geschwistern gestanden. »Dann sollten Sie solche freundlichen Bezeichnungen nicht hier auf den Hof gebrauchen," fuhr er fort.
Erschrocken wendete das junge Mädchen sich zu ihm.
»Ich wollte Sie nicht verletzen!"
Ein müdes Lächeln glitt über das blasse, kränkliche Gesicht des Aufsehers. Er machte eine ablehnende Handbewegung.
»Schon gut. Katzen und Papageien sind nützlichere und erfreulichere Hausthiere als zugelaufene LandSleute."
Elfe big die Zähne auf die blühende Unterlippe. »Wollen Sie nicht an unserm Feste theilnehmen?" fragte sie mit erzwungener Güte. »Ich glaube der Chef und seine Damen kommen auch."
Heinrichsen ließ den Kopf hängen. Seine plötzliche Verlegenheit war peinlich zu sehen. Er murmelte etwas Unverständliches und ging davon. Else seufzte. Da sah sie Donna L
; Ihre Tochter, die seit einiger Zeit zur Sommerfrische auf dem Kamp weilten, erscheinen. Auch Don Rodrigo Maztel, der junge, elegante Chemiker der Fabrik kam herbei, die Damen zu begrüßen. Darüber vergaß Else den Zwischenfall mit Heinrichsen schnell.
Das improvisirte Fest nahm seinen Anfang.
Mit ritterlicher Aufmerksamkeit und in bester Laune machte Röver den Gastgeber. ElseS Augen glänzten in freudigem Stolz über ihren Bruder, der den Mittelpunkt der heitern Feier bildete, welche ein halbes Jahr tüchtiger Arbeit und eines erfolgreichen Kampfes gegen tausend Widerwärtigkeiten krönte. Wie Röver die Campagne geleitet und gewonnen, nahm er nun auch die Ehren des Sieges entgegen. Denn er war weit mehr Hauptperson auf dem Fabrikhof, als der dürre Sennor Alvarez, der trotz seiner hochtrabenden Phrasen unter seinen Beamten die Rolle eines Opernkönigs spielte, welcher thatenlos an der Seitenkulisse auf seinem Throne sitzt, während sich im Vordergründe die bewegte Handlung abspielt.
Da er einen guten Jahresabschluß in Aussicht hatte, war er sehr gnädig und richtete seine blumenreichen Redewendungen vorzüglich an Fräulein Rövers Adresse. Es sollte darin eine Aufmerksamkeit für ihren Bruder liegen. Elfe bemühte sich, ihre paar Brocken Spanisch zu- sammenzusuchen, um den zierlichen Artigkeiten
des edlen und ehrwürdigen Don, die sie freilich nur halb verstand, zu antworten. Dieser vergebliche Kampf mit einer unbegriffenen Sprache belustigte ihren anderen Nachbar, den jungen Chemiker, ganz anßerordentltch. Er verfiel darüber in ein unaufhörliches, heiteres Gelächter, klatschte kindlich in die Hände und betheiligte sich mit harmlosen Neckereien an dem Gespräch.
In derselben Zeit versuchte Röver der Gattin seines Chefs, einer Dame von stattlicher Körperfülle, einen Begriff von den sonderbaren Gewohnheiten junger deutscher Männer in ihren Schenken beizubringen. Sein Zutrinken versetzte auch sie in die vergnügteste Stimmung. Ihre Cigarette einen Augenblick bet Seite legend, nippte sie auS einem Bierseidel mit dem Bilde des deutschen Reichskanzlers, reichte dasselbe mit lebhaften Ausrufen des Erstaunens auch ihrer Tochter Carme und blieb in mütterlicher Zärtlichkeit für den jungen Director länger als eS ihre Pflichten »die zahlreiche Schaar ihrer Kleinen und en eigentlich gestattet hätten.
Am unteren Ende der auS Sägeblöcken und Brettern hergestellten Tafel hatten sich die Aufseher und das übrige Volk der Arbeiter eingefunden. Darunter einige Gauchos, die am Morgen mit frischer Rinderzufuhr vom Gebirge herabgekommen waren, wilde Gestalten mit ihren langen, straffen Jndianerhaaren, Unter den