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Herssel-er Kreisblitt.
Mit Wöchentlicher Oralis-Aeilage „ISnstrirtss Anter-aklnngaölatt".
■ n ' Dienstag den 20. Mai 1890"
Amtliches.
Hersfeld, den 16. Mai 1890.
Ungeachtet der diesseitigen Verfügung vom 25. September 1886 I. A. Nr. 61 im Kreisblatt Nr. 116 sind mir seitens einzelner Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises die Liquidationen über die von dem Fiskus (Staat) an Ihre Gemeinden zu zahlenden Umlagen nicht rechtzeitig sondern erst nach Schluß des Rechnungsjahres eingereicht worden. Dieses Verfahren hat zur Folge gehabt, daß der liquidirte Betrag nicht mehr für das abgelaufene Etatsjahr angerechnet werden konnte und verursacht auch außerdem unangenehme Weitläufigkeiten. Ich sehe mich deshalb genöthigt, die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises auf die genaueste Jnnehaltung des in der Eingangs erwähnten Verfügung be zeichneten Termins — 1. März — hierdurch hinzuweisen, unter dem Anfügen, daß dieselben für einen jeden der Gemeinde durch die besagte Verzögerung entstehenden Nachtheil für haftbar erklärt werden können.
4465. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputirter.
Hersfeld, den 17. Mai 1890.
Für den am 17. Juni 1869 zu Gotha geborenen Kaufmann Georg Karl Hickethter zu Röhrigshöfe ist um Entlassung aus dem dies- fettigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Südamerika nachgesucht worden.
4633. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputirter.
Hersfeld, den 19. Mai 1890.
Diejenigen Herren Bürgermeister, Gutsvorsteher und Gemeinde Nechnungsführer, denen die Klaffen- und Gewerbesteuer-Veranlagungskosten für das Etatsjahr 1889/90 bet den Steuer-Erhebungen
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Am Fuß des Aronquija.
Ein Roman von G. Reuter.
(Fortsetzung.)
Kranold selbst hatte immer gefühlt, daß er mit seinen linkischen Handwerkermanieren nur eine Höflichkeitsbeachtung bei dem jungen Mädchen fand.
Während deS Gesprächs der Männer war der Hof gesäubert worden. Kranold trat herzu, um einen behenden, kleinen Slowaken behilflich zu sein, ein Faß mit Bier aus einem der langgestreckten Schuppen in's Freie zu rollen und einen Hahn in dem Spundloch anzubringen. Unter einem mächtigen Cedrobaume, der mit seinem feingefiederten Laub die Mitte des Hofes über- schaltete, wurde die Festtafel hergerichtet. Der ganze, im Paradies befindliche Vorrath von Sitzgegenständen mußte dazu herhalten. Die Wiener Stühle aus der Wohnung des Directors, Strohsessel und Baumklötze bunt durcheinander. Da die Nacht schnell herniedersank, wurden grüne und rothe Papterlaternen an den untersten Baumästen befestigt. Röver, der Leiter selbst, brächte seiner Schwester Petroleumlampen herbei und zündete sie an. Dabei hals ihm ein
noch nicht ausgezahlt sind, werden behufs Empfangnahme der 2c. Beträge auf Sonnabend, den 24. d. Mts. Vormittags 8 Uhr hierher vorgeladen. Auch wird ersucht, das Dienstsiegel mitzubringen. Königliche Steuerkasse. Hecker, Rentmeister.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 16. Mai. Die erste Berathung der Militär- vorlage wurde in der heutigen (7.) Plenarsitzung beendigt. — Abz. Liebknecht (Soc.-Dem.) erklärte, nachdem er in ausführlicher Weise abfällig die Politik des ersten Reichskanzler« kritisirt hatte, sich gegen die Vorlage, während nach ihm der Abg. v. K a r d o r f f (deutschcons.) alsbald Beran. lassung nahm, die großen Verdienste zu betonen, welche Fürst Bismarck sich um die Einheit, Freiheit und Macht Deutsch, lands erworben hat. (Lebhafte Zustimmung.) — Auch Abg. Dr. Hänel (deutschfreis.) hält mit der vollen Anerkennung der unsterblichen Verdienste des Fürsten Bismarck nicht zurück. Ueber die Vorlage selbst erhofft derselbe sowohl in militärischer wie in finanzieller Hinsicht noch nähere Auskunft. Er hält dafür, daß die Verweigerung der zweijährigen Dienstzeit seitens der Regierung mehr auf politischen als aus technischen .Erwägungen beruhe. —. Reichskanzler v. Castrivi verwies bezüglich der allgemeinen politischen Lage, soweit dieselbe bei dieser Vorlage in Frage kommt, aus die Thronrede und wehrte mit großer Bestimmtheit die Angriffe des Abg. Liebknecht auf die von seinem Amtsvorgänger befolgte auswärtige Politik ab, indem er bemerkte, daß er in der auswärtigen Politik des Fürsten Bismarck die denkbar glücklichste Erbschaft angetreten habe. Bei der Vorlage handle es sich nicht um die Nähe, sondern um die Schwere eines Krieges bezw. um die Vorbeugung eines solchen. Der Herr Reichskanzler wies des Näheren nach, daß die Friedenspräsenzstärke seit 1816 keineswegs eine Steigerung erfahren habe; in dem un- glücklichsten Jahre der preußischen Politik ^1850) sei sie sogar auf 0,79 Proc. zurückgegangen; mit Annahme des gegenwärtigen Gesetzes würden wir — unter Berücksichtigung der zu erwartenden Volkszählung — höchstens aus 1 Procent der Bevölkerung kommen. Abgesehen von den Ansprüchen an die größere technische Ausbildung der Soldaten könnten wir heute auch aus disciplinarischen Rücksichten grundsätzlich auf die dreijährige Dienstzeit nicht verzichten. Ueber die Scptennats- Frage, die mehr den Politiker als den Militär angehe, ließe sich allerdings reden; vielleicht würde sich die Friedenspräsenzstärke mit der fünfjährigen Legislatur- oder mit der fünfjährigen Volkszählungs-Periode verbinden lassen. (Lebhaftes Bravo.) Nachdem bann Abg. Frhr. v. M a n t c u f f e I (deutschcons.) ebenfalls gegenüber den Angriffen des Abg.
Individuum in abgetragenen K-eldern mit unge- und schlenderte for: pflegtem hellblonden Haar, welches als Aufseher; Mädchen weiter zu von ihm beschäftigt wurde. . [ Röver sah verdrossen drein.
„Wenn Du gehört hättest, wie Heinrichse» Tsich eben characterifirte
„Nun?' fragte sie neugierig.
„Ach — wozu ihm noch nachsprechen. Ich mag den Kerl nicht. Er ist eine unangenehme Mischung von Frechheit und Feigheit. Ich schicke ihn auch wieder fort."
Zwischen den zum Theil recht verkommen und wüst aussehenden Männern bewegte sich das junge Mädchen, die ihr Bruder vorhin einen ganzen Kerl genannt hatte. Sie trug ein dunkelblaues Kleid von baumwollenem Stoff, eine große Schürze und einen breitrandigen Basthut. Mit einer langen Gerte trieb sie ihre Puter, die auf dem Hofe umherliefen, dem Stalle zu.
Der hellblonde Landsmann, den Röver vor einigen Wochen betrunken in einer schmutzigen Schenke TucumanS aufgelesen und Heransgebracht hatte, sah flüchtig nach ihr hin. Dabei legte er sich der Länge nach auf die Festtafel, schaukelte den rechten Fuß über dem linken Knie und zog mit einer nachlässigen Bewegung seine zu kurzen Beinkleider über die Knöchel. Mürrisch sagte er zu Röver:
„Erinnert Ihre Schwester in diesem Augenblicke nicht an jene sagenhafte, germanische Königstochter, die zu den niedern Diensten einer Magd verdammt wurde. Mit welchem Zorn jungfräulicher Würde Gudrun auf mich herblickt, der es wagt, in ihrer Nähe die dehors zu verletzen."
Er erhob sich träge, glitt von dem Tische nieder
Liebknecht die unsterblichen Verdienste des Fürsten BiSmarck hervorgehoben und die Erwartung ausgesprochen hatte, daß in der Commission nähere Aufklärung über die von ihm im Allgemeinen für begründet erachtete Vorlage selbst erfolgen werde, wurde dieselbe an eine besondere Commission von 28 Mitgliedern verwiesen. — Schluß der Sitzung gegen 4’/. Uhr. Nächste Sitzung morgen 9ia$mittag 1 Uhr. (Novelle zur Gewerbeordnung.)
Berlin, 17. Mai. In der heutigen (8.) Plenarsitzung des Reichstages wurde in die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Abänderung der Ge^werbe- ordnung (Arbeiterschutzgesetz) eingetreten. Abg. Schrader (deutschfreis.) begrüßte die Vorlage als ein endliches erfreuliches Eingehen der Regierung auf wiederholte Beschlüsse des Reichstages. Er steht der Vorlage im Allgemeinen sympathisch gegenüber, bemängelt aber im Einzelnen namentlich die zu weitgreifenden Befugnisse des Bundesraths und die allzustrenge Bestrafung des Contraktbruchs. — Abg. Hartmann (deutschcons) erkennt in der Vorlage ein eminentes FriedenS- weik und bringt übrigens auch einige besondere Wünsche seiner Partei zum Ausdruck. Den Bestimmungen zur Wahrung der väterlichen Autorität, den Anordnungen über Schutz von Gesundheit, Leben und Sittlichkeit zollt er besondere Anerkennung, ebenso der Regelung der Sonntagsruhe auch für das Handelsgewerbe. Die Bestimmungen betreffs bei ContraktbrucheS hält er für durchaus nicht zu streng. Ebenso begrüßt Abg. Graf Galen (Centr.) freudig die Vorlage, welche berechtigten Erwartungen seiner Partei entspreche. Abg. Dr. M r g u c l (nationallib.) weist die Befürchtung zurück, daß die Arbeiterschutzgcsetzgcbung nicht ohne Schädigung unserer Industrie durchgeführt werden könne. Er hofft, daß die Regierungen im Falle der Nichtannahme einzelner Bestimmungen der Vorlage Seitens des Reichstags, deshalb nicht etwa das ganze Gesetz fallen lassen werden. Betreffs der Bestimmungen über den Contraktbruch ist er nicht ohne Bedenken. Die Tendenz der Vorlage, die elterliche Autorität den Kindern gegenüber zu wahren, sei gewiß 3U billigen, aber unter Umständen müsse auch das Kind gegen die Ausbeutung durch die Eltern geschützt werden. Vorbehaltlich einiger Aenderungen im Einzelnen, worüber man sich in der Commission verständigen werde, erklärt er sich im Großen und Ganzen für die Vorlage. — Schluß der Sitzung 41 /, Uhr. — Nächste Sitzung Montag Nachm. 1 Uhr. (Fortsetzung der heutigen Berathung.)
Aus dem Landtage.
Berlin, 16. Mai. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in seiner heutigen (60.) Plenarsitzung den Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung eines Amtsgerichte«
) ohne das näherkommende
reichten.
„Das thust Du doch nicht, Paul," sagte Elfe ruhig und nahm ihrer Dienerin ein Brett mit Gläsern und Krügen ab, fie auf den Tisch ordnend.
„Ich traue ihm nicht."
Sie lachte herzlich. „Der Arme," sagte sie mit dem unbekümmerten Mitleid, wie eS glückliche Menschen der Noth der Welt im Allgemeinen zu zollen pflegen. „Du bist nur eifersüchtig — gestehe es" neckte sie schelmisch." Du kannst “ nicht vertragen, wenn ich einer Katze oder eim
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Rover lachte nun gleichfalls.
„Denen will ich die Bewunderung Deiner lieben Person allenfalls gönnen."
„Was unser zugelaufener Deutscher meint, ist doch nicht viel wichtiger."
„Du, laß' Heinrtchsen diesen Ausdruck nicht hören .... Weil zugelaufen" (F. ty