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HersMer Kreisblitt.

__________Mit wöchentlicher Kraiis-ZkeilageMustrirtes Zlvterhactungrölatt".__________

Nr. 56. Donnerstag den 15. Mai 1890.

Amtliches.

Caffel, den 5, Mai 1890.

In Ausführung der Polizeiverordnung, be» treffend die Verpflichtung zur Anzeige anstecken­der und gemeingefährlicher Krankheiten vom 30. November 1877 (Amtsblatt S. 374) bestimme ich, daß die Ortspollzeibehörden, welchen gemäß §. 2 der Verordnung seitens des behandelnden Arztes Anzeige von einer Erkrankung an Milzbrandkar- dunkel gemacht worden ist, spätestens innerhalb 4 Tagen Abschrift der ihnen erstatteten Anzeige dem Königlichen Gewerberath Dr. Kind zu Wies» baden zur Kenntnißnahme mitzutheilen haben.

Ich ersuche Euer Hochwohlgeboren die Orts» Polizeibehörden des dortigen Kreises mit ent­sprechender Anweisung zu versehen.

Der Regierungs-Präsident.

J. V.: von Pawel.

An sämmtliche Herren Landräthe des Regierungs­bezirks, J. A. 11. Nr. 3496.

HerSfetd, den 14. Mai 1890.

Wird den Ortspolizeibehörden deS Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt.

4523. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Braun, Kreisdeputirter.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 12. Mai. DaS Interesse der heutigen Sitzung, welcher zahlreiche« Publikum auf den Tribünen beiwohnte, knüpfte sich an den NachtragSetat, sofern er die Mittel für Maßregeln zur Unterdrückung des Sclavenhandels und zum Schutze der deutschen Interessen in Ostafrika enthält. Nach­dem der StaatSjecretär der Auswärtigen Amts Frhr. von Marschall da« Bedürfniß dieser Forderung kurz begründet, machte Abg. Bamberger (deutschsr.) in ausführlicher Dar­legung die bekannten Bedenken gegen die ostafrikanische Colonialpolitik geltend. Aus diesen Ausführungen nahm

Geprüfte Herzen.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Schluß.)

Der Tag war trübe und vereinzelte Schneeflocken senkten sich träge zur Erde nieder; aber in den Herzen der kleinen Gemeinde, welche sich an dem aen Wochentage in der Kirche der kleinen versammelt hatte, leuchtete der glänzendste Sonnenschein-

Drei Brautpaaren galt die innig empfundene Rede deS Geistlichen, und an jedes einzelne richtete er Worte von tiefer Bedeutung. Aber in seiner Rede erwähnte er auch eines Mannes, der mit Weib und Kindern mitten in der kleinen Ge­meinde saß, ihn und seine Lebensgefährtin den jungen Paaren als leuchtendes Muster hinstellend.

»Wie schwer war die Prüfung, die der Herr ihnen schickte, und doch wie unerschütterlich ihr Gottvertrauen. Eins richtete das Andere in der Trübsal auf, und Kummer und Sorge stärkten nur ihre gegenseitige Liebe. Möchte es auch bet Euch so sein, Ihr jungen Paare, wenn sich die Gnadensonne des Herrn einmal verdunkelt und schwere Wetterwolken Euch bedrohen. Dann wird Zufriedenheit in Euern Herzen eine bleibende Wohnstätte finden und Gottes Segen nie von Euch weichen."

Alles blickte auf Jobst, der, seinen Arm um haS treue Weib schlingend, gleich einem Kinde

Reichskanzler General v. Caprivi Veranlassung, zunächst zu | constatiren, daß mit dem Kanzlerwechsel ein Wechsel in der I Stellung der Regierung zur Colonialpolitik nicht eingetreten sei. Früher kein Freund der Colonialpolitik, sei er inzwischen zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Sache nicht ohne Verlust an Ehre und Geld rückgängig gemacht werden könne. Indem der Herr Reichskanzler diesen Gedanken des Näheren au«- führte, auch auf die Entstehungsgeschichte der Colonialpolitik näher einging, betonte er nachdrücklich, daß die verbündeten Regierungen fremde Rechte überall respectiren, auch die Colonialpolitik so führen würden, daß die allgemeine Politik darunter keinen Schaden leidet und daß der berechtigte Auf­schwung nationalen Ehrgefühls nicht verletzt wird. Von den Rednern aus dem Hause sprachen dann die Abgg. Graf Udo zu Stolberg (deutschcons.) und v. Kardorf (ReichSP.) im Sinne der von der Regierung innegehaltcncn Colonial­politik, während v. Vollmar (Soc.) jede staatliche Unter­stützung colonialer Bestrebungen als mit den sonstigen Auf­gaben des Staates im Widerspruch stehend erachtet. Abg. Windthorst (Centrum) hält es für nothwendig, daß das bisher Erworbene erhalten werde, spricht seine Anerkennung dem Reichscommissar Major Wißmann aus und erwartet im Uebrigcn über die Verhältnisse der deutschostafrikanischen Ge­sellschaft nähere Aufschlüsse in der Commission. Gegen 5 Uhr wurde die weitere Berathung aus morgen Nachmittag

1 Uhr vertagt. Außerdem steht, der Gesetzentwurf, betr. die FriedenSpräsenzstärke des deutschen Heeres auf der Tages­ordnung.

Berlin, 13. Mai. In der heutigen (5.) Plenarsitzung wurde die erste Berathung des NachtragSetat beendigt. Nach Mittheilung des Staatssekretär« des Auswärtigen AmteS Frhrn. von M a r s ch a l l von der Einnahme der Stadt Lindi schilderte Regierungscommissarius Major Liebert, vor Kurzem au« Ostasrika heimgekehrt, die dortigen Ver­hältnisse aus eigener Anschauung als zu den besten Hoffnungen berechtigend und würdigte dabei namentlich die Verdienste des Major Wißmann uns betonte den friedlichen Charakter der Expedition Emin Paschas. Abg. von Bennigsen (nat.-lib.) führte im Hinblick auf die Mit- theilungen deS RegierungScommissarS sowie die gestrigen Erklärungen deS Herrn Reichskanzlers aus, daß die colonialen Unternehmungen in Ostafrika den Interessen Deutschlands entsprechend geleitet würden und an deren Aufgeben füglich nicht gedacht werden könnte. Abg. Dr. Barth (deutsch- freis.) suchte darzuthun, daß man sich in Bezug auf Ostafrika Illusionen mache, die seine Partei nicht unterstützen könne. Sie rathe zum langsamen Rückzüge. Die Vorlage könnten

glückselig lächelte, und nach vollzogener Trauung drängten sich sämmtliche Anwesenden zu ihm hin, und schüttelten seine ehrliche, schwielige Hand.

In dem Palast ähnlichen Gebäude deS Parkes vollzog sich ein fröhliches Hochzeitsmahl, bet welchem Doctor Richter, der immer wieder von Neuem sein junges Weibchen liebkoste, in seinem grenzenlosen Glück nur die einzige Besorgniß hatte, abgerufen zu werden, um seiner Pflicht als Arzt zu genügen, denn er war als solcher sehr gesucht; sein erster Patient hatte ihm viele andere gebracht, und mit Genugthuung konnte Papa Rönning von ihm sagen, daß er etwas Tüchtiges gelernt habe und eine glänzende Zu» kunft ihm bevorstehe.

Noch wußte Heinz nicht, daß seiner in der KH eingerichteten Wohnung, die fortan daS

Paar bewohnen sollte, eine sinnige Ueber- raschuna wartete. Dora hatte nämlich in seiner Studirstube oberhalb seines Schreibt scheS daS verhängntßvolle Etui das Bildniß seiner Ge­liebten angebracht, von einer zierlichen Dra­pierung umrahmt.

Bernhard und Thekla wußten bereits darum, und daS junge Ehepaar neckte den verwunderten Heinz gar oft mit seinen Blicken, bis er endlich am späten Abend die Lösung des Räthsels fand und vor dem Schreibtisch stehend, gerührt auf daS Etui blickte, deffen Innenseite Doras lieber Antlitz jetzt wiederspiegelte. Er drückte sie an

seine Freunde nicht bewilligen. Abg. Fürst Radziwill (Pole) erklärte, daß seine Partei damit einverstanden sei, die Culturmission in Ostafrika zu fördern. Nachdem dann noch Abg. Dr. Windthorst die Aufgaben der christlichen Mission in Ostafrika von Neuem hervorgehoben, wiederholte Abg. v. V o l l m e r seine Ansicht, daß dem Reiche wichtigere Aufgaben zufielen, als auf Staatskosten coloniale Bestrebungen zu fördern. Seine Partei werde nach wie vor gegen jede officielle Colonialpolitik stimmen. Die Vorlage wurde dem­nächst der B u d g e t c o m m i s s i o n überwiesen. Nächste Sitzung morgen Nachmittags 1 Uhr. (Militärvorlage.)

Aus dem Landtage.

Berlin, 12. Mai. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in seiner heutigen (57.) Plenarsitzung nach unwesentlicher Debatte den Gesetzentwurf, betr. die Fürsorge für die W a i se n von Lehrern an öffentlichen Volksschulen, definitiv in dritter Lesung und ging darauf zur zweiten Berathung des Antrages der Abgg. Zelle und Dr. Langerhans (beide deutschfreis.) wegen Ergänzung der Städteordnung für die 6 östlichen Provinzen über. Nachdem Minister des Innern Herrfurth erklärt, daß durch die bezüglichen Be­schlüsse der Commission die gegen den Antrag Zelle obwalten­den Bedenken zum Theil, zedoch nicht vollständig, beseitigt seien, beantraate Abg Zelle (deutschfreis.) eine» Zusatz, dem­zufolge die Aenderung der Wahlbezirke auch in Folg« einer Anlegung oder Umänderung von ©tragen oder Plätzen oder in Folge neuer Bauten auf der Grenze von Wahlbezirken soll erfolgen, dürfen, sowie die Ausdehnung der Bestimmungen des Gesetzentwurfes auf Westfalen, Rheinland, Frankfurt a. M. und Schleswig-Holstein. Mit diesen Amendements, be­züglich der Herr Minister erklärte, daß durch dieselben die gehegten Bedenken im Wesentlichen beseitigt würden, ge­langten die Beschlüsse der Commission nahezu einstimmig zur Annahme. In der daraus folgenden ersten Berathung des Gesetzentwurfes, betreffend die Schulpflicht, sprachen sich mit Ausnahme der Redner des Centrums und der polnischen Fraction, denen gegenüber Cultusminister Dr. v. Gotzler den Standpunkt der Vorlage in allen Punkten aufrechterhielt, die Redner aller übrigen Parteien für das Princip der Vor­lage au«; behufs Beseitigung der im Einzelnen gehegten Be­denken wurde der Gesetzentwurf an die um 7 Mitglieder verstärkte Unterrichtscommission verwiesen und die nächste Sitzung auf Dienstag, 13 Mai, Vormittags 11 Uhr an« beräumt. (Kleine Vorlagen.)

Berlin, 13. Mai. Das Abgeordnetenhaus er«

sich und war überglücklich, daß heute die Nacht» [ glocke schwieg wie ein Grab.

Doch nicht nur bei Rönnings hatte man ein fröhliches Hochzeitsfest gefeiert, sondern auch in dem kleinen Hause, deffen Erdgeschoß wieder Behrens mit den Seinigen bewohnte. Alle Freunde der Familie waren versammelt und unter ihnen Meister Jobst mit seinem treuen Weibe nicht vergeffen worden. Bet der Tafel brächte er den Toast auf das junge Ehepaar auS, welches in seinem stillen Glücke dasaß, als ob es ein Traum sei, der an ihnen vorüber» schwebte. Um sich von dem Gegentheil zu ver» gew ssern, drückte Anton zum Oeftern daS zarte Händchen seines jungen Weibes, fragte aber stets besorgt hinterher, ob es ihr auch nicht weh gethan habe. Lilli schüttelte lächelnd das Haupt, und als er immer wieder dieselbe Frage an sie richtete, weil er vor lauter Glückseligkeit nichts anderes zu sagen wußte, da zupfte sie ihn an seinem allerliebsten Schnurrbart und fragte lächelnd:W Dir daS weh?"

Plötzlich aber ward Anton auffallend stiller. Man sah ihm an, daß er über etwas nachsann, biS er sich schließlich erhob, mit dem Messer an das vor ihm stehende W-tnglaS schlug und zu reden begann.

Sein Trinkspruch galt dem wackern Meister und dessem Hause. ES waren schlichte, ehrliche Worte, die seinen Lippen entquollen, aber sie rührten dennoch Aller Herzen, »nd als Anton