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Hersskl-er Kreishiiitt.

Mit VSchmtlicher Krati« BeilageIllustrirtes Htuterhaltungsölatt".

Sonnabend den 10. Mai

1890.

Amtliches.

Der Herr Minister des Innern hat dem Ver­eine zur Förderung der Pferde- und Viehzucht in den Harzlandschaften zu Quedlinburg die Erlaubniß ertheilt, im Laufe dieses Jahres eine : öffentliche Verloosung von Wagen, Pferden, Reit-, : Fahr- und Jagdgeräthen rc. zu veranstalten und die in Aussicht genommenen 15000 Loose zu je 3 Mark im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Cassel, den 29. April 1890.

Der Regierungs-Präsident. J. V.: von Pawel.

HerSfeld, am 1. Mai 1890.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises benach­richtige ich davon, daß in Ausführung des ReichS- Jmpfgesetzes vom 8. April 1874 im Kreise Hersfeld die Jmpfstationen bezw. Impf- und RevifionS-Termine für das Jahr 1890 wie folgt T bestimmt worden sind.

1. Station HerSfeld.

u) Impfung: Mittwoch, den 21. Mai, Vormit­tags 9 Uhr, Erstimpfung der im Jahre 1889 geborenen Kinder der Stadt HerSfeld und der Restanten.

Revision: Dienstag, den 27. Mai, Vormit­tags 9 Uhr.

b) Impfung: Donnerstag, den 22. Mai, Vor­mittags 9 Uhr, Erstimpfung, bezw. Wieder­impfung der Kinder und Schüler aus den Gemeinden Kalkobes, Allmershausen mit Hählgaus, Heenes, Meisebach, Eichhof und fiskalischer Overförsterei Hersfeld und Wieder­impfung der Schüler der Stadt Hersfeld.

Revision: Donnerstag, den 29. Mai, Vor­mittags 9 Uhr.

2. Station Sorga, umfassend die Ortschaften Sorga, Kathus, Peters­berg, Wilhelmshof und Oberrode.

Impfung: Donnerstag, den 22. Mai, Nachmittags 4 Uhr.

Revision: Donnerstag, den 29. Mai, Nachmittags 4 Uhr.

3. Station Friedlos, umfassend die Ortschaften Friedlos, Reilos, Rohrbach, Tann, Mecklar, Meckbach und fiska­lische Oberförsterei Meckbach.

Impfung: Freitag, den 23. Mai, Nachmittags 4 Uhr.

Revision: Freitag, den 30. Mai, Nachmittags 4Uhr.

4. Station Obergeis,

umfassend die Ortschaften Obergeis, UntergeiS, Aua, Gittersdorf, Biedebach und fiskalische Oberförsteret Neuenstein.

Jmpfit^g: Sonnabend, den 24. Mai, Nachmittags

Revision: Sonnabend, den 31. Mai, Nachmittags

4 Uhr.

5. Station SL^fiengsseld, umfassend die Ortschaften Schenklengsfeld, Ober­lengsfeld, Wehrshausem Hilmes, Conrode, Lam- pertSfeld, Landershausen, Unterweisenborn, Wüst- feld, Malkomes, Schenksolz, Dünkelrode, Motzfeld und Hillartshausen.

Impfung: Montag, den 2. Juni, Vormittags 8 Uhr. Revision: Montag, den 9. Juni, Vormittags 8 Uhr.

6. Station Ransbach, umfassend die Ortschaften Ransbach und Ausbach. Impfung: Montag, den 2. Juni, Nachmittags 1 Uhr.

Revision: Montag, den 9.Juni, Nachmittags 1 Uhr.

7. Station Philippsthal, umfassend die Ortschaften Philippsthal und Röhrtgshof mit Nippe.

Impfung: Montag, den 2. Juni, Nachmittag? 2i/, Uhr.

Revision: Montag, den 9. Juni, Nachmittags 2Uhr.

8. Station Asbach, umfassend die Ortschaften Asbach, Beiershausen und Kohlhausen.

Impfung: Dienstag, den 3. Juni, Nachmittags 2 Uhr.

Revision: Dienstag, den 10. Juni, Nachmittags 2 Uhr.

9. Station Kerspenhausen, umfassend die Ortschaften Kerspenhausen, Hilper- Hausen, Roßbach, Holzheim, Cruspis, Stärklos und fiskalische Oberförsterei Ntederaula.

Impfung: Dienstag, den 3. Juni, Nachmittags Revision ^Dienstag, den 10. Juni, Nachmittags

4 Uhr.

10. Station Unterhaltn, umfassend die Ortschaften Unterhaun, Oberhaun, Eitra, Sieglos, Rotensee, Wippershain, Bien- garteS und fiskalische Oberförsterei Wippershain. Impfung: Mittwoch, den 4. Juni, Nachmittags 2 Uhr.

Revision: Mittwoch, den 11. Juni, Nachmittags

11. Station Niederaula, umfassend die Ortschaften Ntederaula, Mengs« Hausen, Solms, Niederjossa, Hattenbach, Kleba, Reimboldshausen, Kemmerode und Engelbach. Impfung: Mittwoch, den 4. Juni, Vormittags 9 Uhr.

Revision: Mittwoch, den 11. Juni, Vormittags 9 Uhr.

12. Station Frielingen, umfassend die Ortschaften Frielingen, Allendorf, Gersdorf, Heddersdorf und Willingshain. Impfung: Donnerstag, den 5. Juni, Vormittags

Revision: Donnerstag, den 12. Juni, Vormittags 11 Uhr.

13. Station Kirchheim, umfassend die Ortschaften Kirchheim, Reckerode,

Geprüfte Herzen.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Die Schule des Schicksals hatte die bedauerns- Werthe Ltllt doch reich gemacht, reich an bitteren Erfahrungen, aus denen sie goldene Lehren ziehen konnte. Ihr hochfahrender Sinn, ihr unberechtigter Stolz waren gebrochen; sie hatte in der fremden Stadt vergebens nach dem Glück gejagt.

Mit der alten Hoffahrt im Herzen war sie in ihre neue Stellung getreten, und bald genug gelangte der Vetter von Frau Henneberg zu der Ueberzeugung, daß unter Lillis Regiment seine Wirthschaft zurückging und die Erziehung seiner Kinder dazu. Zwischen ihm und seiner Wirth- schafterin kam es zu heftigen Auftritten, die mit Lillis Entlassung endeten. Frau Hennebergs Vetter war ein gutmüthiger Mann, welcher mit der jungen Dame sicherlich noch Geduld gehabt haben würde, hätte nicht Lillt dieselbe erschöpft. Sie forderte ihn durch ihr hochmüthigeS Auftreten gewissermaßen heraus, ihr den Abschied zu geben, denn Lilli huldigte der Ueberzeugung, daß sie in dem großen Hamburg eine ungleich bessere Stellung finden werde.

Allein sie hatte sich getäuscht.

In den StellennachwetsungsbureauS forderte man Zeugnisse, deren sie entbehrte. Allerorten sah sie sich angewiesen, und da sie Handarbeiten

in ihrem Hochmuth nie erlernt hatte, so blieb ihr nichts übrig, als Annoncen zu erlassen, in denen sie sich erbot, jungen Schülern gegen mäßiges Honorar französischen Unterricht zu ertheilen. Sie brächte es indessen nur zu einem geringen Erfolg, da es in jeder größeren Stadt nicht an Sprachlehrern fehlt und die beiden kleinen Schülerinnen, welche sie erhielt, gaben den Unter­richt bald wieder auf, da ihre Eltern merkten, daß sie bet ihrer Lehrerin nichts lernten.

Lilli sah sich genöthigt, mit einer sehr be­scheidenen Wohnung fürlieb zu nehmen und selbst die Bezahlung der geringen Miethe für dieselbe fiel ihr schwer. DaS unerbittliche Schicksal machte sie von Tag zu Tag mürber und wurde für sie zur strengen Lehrmeisterin. Sie erlernte binnen Kurzem eine Kunst, die sie bisher nie gekannt, nämlich die Sparsamkeit. Sie respectirte jeden Pfennig, der sich in ihrem Besitze befand, und drehte ihn zweimal um, ehe sie sich entschloß, ihn zu verausgaben.

Wenn man nichts verdient, so werden aber auch die Pfennige endlich alle, und wennschon es Lilli widerstrebte, die Eltern um Hilfe anzugehen, so schrieb sie doch einen ausführlichen Brief an die­selben, ihnen ihre bcdauernswerthe Lage mit­theilend. Mit Sehnsucht erwartete sie den Briefträger, und ihr Herz pochte, wenn sie bei ihren Ausgängen den rothen Postwagen vor der Einfahrt des Vorderhauses stehen sah, der Geld­

briefe und Packele brächte. Aber für sie hatte er nichts. Endlich langte ein unbeschwerter Brief an, in welchem der Vater schrieb, daß er und die Mutter sich selbst in höchster Bedrängniß befänden und dem Hunger ausgesetzt wären, wenn nicht die gute Frau Heuneberg ihr Weniges mit ihnen theilte.

Nunmehr war für Lilli die letzte Hoffnung ge­schwunden, und da ihr auch noch die Wirthin daS kleine Stäbchen kündigte, weil sie mit der Miethe im Rückstand blieb, so bemächtigte sich des armen Mädchens jene Art von Lethargie, in welcher der Mensch mit starrer Gleichmüthtgkeit dem Ende der Dinge entgegen steht.

Draußen lagerte der Sonnenschein, draußen spielten fröhliche Kinder, Alles athmete Freude und Lust, nur in LilliS Herzen war es Nacht geworden und kein Hoffaungsschtmmer durchbrach die Finsterniß.

Ihr starrer Blick haftete noch immer auf der Gruppe der spielenden Kinder, welche jetzt plötzlich auseinander wichen, um einem jungen Manne Platz zu machen. Derselbe schien sich nach etwaS zu erkundigen und das kleine Mädchen des Haus­meisters deutete auf das Fenster, hinter welchem Lilli saß. Ihr thräneuumflorter Blick vermochte die Züge deS Fremden nicht zu erkennen, gleich­wohl erschrak sie. Wer konnte es sein, der sie in der fremden Stadt aufsuchte? Vielleicht etss