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Herssesiiel Kreishlett.
Mit wöchentlicher Krattr-Zt-ilag« ^llustrirte« Zluterhaltungsölatt".
Nr. 53. Donnerstag den 8. Mai ^ 1890.
Amtliches.
Gaffel, den 25. April 1890.
Der dem diesseitigen BezirkSverbande auf Grund 1 6,6 $"* ««-- V°M ^Mg-“™ i™ | Zwangserziehung überwiesene und von mir bet k dem Bürgermeister Weß zu Weiperz in Dienst r untergebrachte Franz Karl M o st aus Steinbach s geboren am 23. April 1873 ist am 22. d. M ! auS seiner Dienststelle durchgebrannt.
Königliches LandrathSamt ersuche ich ganz er« | aebenst, nach dem Zögling umgehend Nach- ! forschungen gefälligst anstellen, im Betretungsfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civil- s Person, welcher ich neben den baaren AuSlagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mk. und bei nöthig werdender Ucbernachtung von 4 Mk. | gewähren werde, seinem obengenannten Dienstherrn < wieder zuführen lassen zu wollen.
Von dem Geschehenen bezw. dem Ergebniß der i Nachforschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst B zu benachrichtigen.
| Signalement: Größe: 1,45 m Haare: blond, s Augen: grau. Nase: gewöhnlich. Mund: auf- t geworfen. Gesichtsbildung: rund. Kinn: rund. - Gesichtsfarbe: gesund.
Der Landes-Director. J. A.: Schroeder.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.
I Jr. II Nr. 1879.
Hersfeld, den 5. Mai 1890.
Wird den Ortspoltzeiverwaltungen und der ; Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kenntniß- nahme und Fahndung nach dem Entlaufenen I mitgetheilt. ,
Im Betretungsfalle ist derselbe festzunehmen, " seinem Lehrherrn zuführen zu lassen und mir Anzeige zu erstatten.
t 4094. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputtrter.
Caffel, den 29. April 1890.
Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen er« gebenst zu benachrichtigen, daß der Zwangszögling Hilarius Bott aus SimmerShausen inzwischen ermittelt und in die Rettvngsanstalt zu Sannerz verbracht worden ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 4. d. Mts. II N. 1617 als erledigt hierdurch zurückziehe.
Der Landes-Director. I A.: Schroeder.
An Königliches Landrathsamt zu HerSfeld.
II Nr. 1962.
Hersfeld, den 5. Mai 1890.
Wird mit Bezug auf mein Ausschreiben vom 9. April d. I. Nr. 3291 (Kreisblatt Nr. 42) veröffentlicht.
4134. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputtrter.
Bekanntmachung.
Die Kühe des Kunst- und HandelSgärtners Au gust Braun dahier sind mit M a u l - u v d Klauenseuche behaftet, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Hersfeld, am 6. Mai 1890.
Der Bürgermeister Braun.
Bolz.
Caffel, 1. Mai 1890.
Bekanntmachung»
Für die Zeit vom 15. Mai bis Ende September wird in Bad Wtldungen wieder eine Postanstalt mit Telegraphenbetrieb als Zweigstelle deS Kaiserlichen Postamts in Wtldungen Stadt unterhalten werden.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
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Zugelaufen: ein weißer Spitzhund. Meldung des Eigenthümers bet dem Ortsvorstand zu Ktrchheim.
Der Reichstag
wurde Dienstag Mittag 12 Uhr in feierlichster Weise durch S e. Majestät den Kaiser in Anwesenheit Ihrer Majestät derKaiserin, der Prinzen des Königlichen Hauses, Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Rupprecht von Bayern, der Generalität 2c. im Weißen Saale des Königlichen Schlosses eröffnet. Der Eröffnung war ein Gottesdienst für die evangelischen Mitglieder des Reichstages in der Schloßkapelle, welchem auch Se. Majestät der Kaiser beiwohnte, für die katholischen in der Hedwigskirche vorauf- gegangen. Seine Majestät, begrüßt durch ein vom Alterspräsidenten Grafen v. Moltke auSge- brachteS Hoch, in welches die Versammlung begeistert etnstimmte, in der Uniform der Garde du Corps, verlas bedeckten HaupteS vom Throne aus unter nachdrücklicher Betonung einzelner Stellen folgende Thronrede, welche Allerhöchst- demselben von dem Reichskanzler General v. C a p r i v t unter ehrfurchtsvollster Verbeugung überreicht worden war:
Geehrte Herren!
Nachdem Sie durch die Neuwahlen zu gemeinsamer Arbeit mit den verbündeten Regierungen berufen worden sind, heiße Ich Sie bei dem Eintritt des Reichstages in die achte Legislaturperiode willkommen. Ich hoffe zuversichtlich, daß es Ihnen gelingen wird, die bedeutsamen Fragen der Gesetzgebung, die an Sie herantreten, einer befriedigenden Lösung eutgegenzuführen. Ein Theil dieser Fragen ist so dringlicher Natur, daß eS nicht thunlich erschien, die Einberufung deS Reichstages länger hinauSzuschieben.
Ich rechne dahin vornehmlich den weiteren Ausbau der Arbeiterschutz - Gesetzgebung. Die im Laufe deS verflossenen Jahres in einigen Landes- theilen vorgekommenen AusstandSbewegungen haben Mir Anlaß gegeben, eine Prüfung der Frage herbeizuführen, ob unsere Gesetzgebung den innerhalb der staatlichen Ordnung berechtigten und erfüllbaren Wünschen der arbeitenden Be
Geprüfte Herzen.
Erzählung von Oskar Höcker.
(Fortsetzung.) „ , t
»Jobst war immer ehrlich und bieder", fuhr Heinz in seinem Selbstgespräch fort. »Aber mein Verehrter Herr Rönning, wird er es mir am Ende nicht übel nehmen, wenn ich einem seiner Gegner Hilfe leiste? - Ei was, er kann nicht verlangen, daß der Patient, zu dem ich in der Nacht gerufen werde, auch noch ein guter Freund von ihm sein müsse." ,
Heinz kleidete sich rasch an und mit einer gewissen Genugthuung fühlte er nach den beiden Hausschlüsseln, die in der Brusttasche seines Rockes steckten.
Bald nachher stand er vor dem Bett des erkrankten Meisters.
ES war kein leichter Fall; die Körpertemperatur des Patienten hatte einen ziemlich hohen Grad erreicht und dazu gesellten sich noch die ihn peinigenden Delirien. Er betheuerte ohneUnter- laß seine Unschuld und befand sich in dem Wahne, den Geschworenen gegenüber zu stehen. Der Ausbruch eines Nervenfiebers war bei ihm zu befürchten.
»Wir müssen vor Allem das Fieber beseitigen," äußerte er zu der besorgten Gattin. »Antipyrin
wirb seine gute Wirkung thun." Er schrieb das nöthige Recept, mit der Weisung, dasselbe sofort nach der Apotheke zu tragen und den Provisor herauSzuklingeln.
In ängstlicher Verzagtheit blieb Frau Jobst stehen.
»Eilen Sie," rief ihr Heinz zu, »wir dürfen keine Zeit verlieren. Ich werde hier bleiben, um die Wirkung der Pulver abzuwarten."
Trotzdem rührte sich Frau Jobst nicht vom Platze. Thränen liefen über ihre Wangen, bis endlich das Geständniß schamvoll über ihre Lippen kam, daß ihr zum Anfertigen der Medicin daS nöthige Geld fehle.
»Du mein Gott," sagte Heinz gerührt, »so schlecht ergeht eS Ihnen? Na, da läßt sich ja nachhelfen."
Er zog aus seinem Portemonnaie ein Goldstück hervor, daS er der weinenden Frau einhändigte.
»Kostet die Medicin so viel?" rief sie erschrocken.
»Nein," lächelte Heinz.
Als er sich allein befand und zu dem Bett deS Kranken zurückkehrte, mußte er unwillkürlich an Rönning denken. Was würde derselbe wohl sagen, wenn er erführe, daß der junge Arzt für seinen nächtlichen Patienten auch noch die Medicin bezahlte. »Ob er dann wohl die Verlobung« - Hansel für erfüllt betrachtete? Närrische Wett,"
schloß Heinz mit einem Seufzer seine kurze Betrachtung.
Sein Blick fiel wieder auf den schwerathmende« Jobst und sodann auf die ruhig schlafenden Kinder, die nicht ahnten, in welcher Gefahr daS Leben des geliebten Vaters schwebte.
Der junge Arzt faltete seine Hände: »Möchtest Du mir Deinen Segen verleihen, Herrgott, daß eS mir gelinge, den armen Kleinen ihren Ernährer zu erhalten!" Er wandle sich nach der Wohnstube zurück und sein Blick streifte einen über dem Sopha hängenden frommen Spruch: »Gott hat geholfen! Gott hilft noch! Gott wird weiter helfen!" verkündeten die goldenen Lettern und Heinz war eS zu Muthe, als ob sich die schöne Verheißung in dem Hause der Armuth erfüllen würde.
»Wer diesen Spruch in seinem Zimmer hat," dachte er gleichzeitig bet sich, »der begeht kein Verbrechen; und wenn alle Welt gegen meinen armen Kranken zeugen sollte, mir sagt eS mein Herz, daß er unschuldig ist."
Frau Jobst kam athemlos mit der verschriebenen Medicin zurück. Sie wollte Heinz das zurück- erhaltene Geld einhändigen, aber er wies es freundlich mit den Worten ab: »Das eilt ja nicht. Warten wir damit, bis Ihr liehe;