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Nr. 52. Dienstag den 6. Mai " 18907
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Amtlich«.
HerSfeld, am 1. Mai 1890.
Die Herren Ortsvorstäude des Kreises benachrichtige ich davon, daß in Ausführung des ReichS- JmpfgesetzeS vom 8. April 1874 im Kreise Hersfeld die Jmpfstatioue» bezw. Impf- und Revifions-Termine für das Jahr 1890 wie folgt bestimmt worden sind.
1. Station Hersfeld.
a) Impfung: Mittwoch, den 21. Mai, Vormittags 9 Uhr, Erstimpfung der im Jahre 1889 geborenen Kinder der Stadt Hersfeld und der Restanten.
Revision: Dienstag, den 27. Mai, Vormittags 9 Uhr.
b) Impfung: Donnerstag, den 22, Mai, Vormittags 9 Uhr, Erstimpfung, bezw. Wiederimpfung der Kinder und Schüler aus den Gemeinden KaikobeS, Allmershausen mit Hählgans, Heenes, Meisebach, Eichhof und fiskalischer Oberförsterei Hersfeld und Wiederimpfung der Schüler der Stadt Hersfeld.
Revision: Donnerstag, den 29. Mai, Vormittags 9 Uhr.
2. Station Sorga, umfassend die Ortschaften Sorga, Kathus, PeterS- berg, Wilhelmshof und Oberrode.
Geprüfte Herzen.
Erzählung von Oskar Höcker.
Als Jobst die WtedergaV Freiheit ver- kündigt wurde, brach sich der zurückgehaltene Schmerz und Kummer in seiner Brust Bahn, und er verfiel in ein anhaltendes Schluchzen. Endlich kehrte er freudestrahlenden Antlitzes zu den Seinen zurück und feierte mit ihnen ein freudiges Wiedersehen.
Aber den Kelch der Leiden hatte er trotz seiner Freilassung doch noch immer nicht geleert. Der Verdacht haftete nach wie vor auf ihm. Die große Masse glaubte an seine Schuld, und Mißtrauen und Verachtung traten ihm jetzt erst recht entgegen. Er trug es mit der Stanohaftigkeit, welche ein gutes Gewissen zu verleihen pflegt und mit neuer Lust begab er sich an die Arbeit. Allein seine Kundschaft blieb aus, bis auf einige Wenige, die von seiner Unschuld überzeugt waren. Er erhielt keine Bestellungen mehr, und waS er auf Verkauf anferttgte, fand keinen Absatz. Bald genug erkannte er, daß das Gespenst der Sorge um daS tägliche Brot vor seiner Thüre stand. Blutenden Herzens sah er sich genöthigt, die Sparkassenbücher seiner Kinder in Geld umzuwandeln, und eines TageS mußte er zu Anton, seinem Lieblinge, sagen, daß er keine Arbeit mehr für ihn habe. Meister und Geselle vermochten vor Wehmuth
Impfung: Donnerstag, den 22. Mai, Nachmittags
Revision: Donnerstag, den 29. Mai, Nachmittags
4 Uhr.
3. Station Friedlos, umfassend die Ortschaften Friedlos, Reilos, Rohrbach, Tann, Mecklar, Meckbach und fiskalische Oberförsterei Meckbach.
Impfung: Freitag, den 23. Mai, Nachmittags 4 Uhr.
Revision: Freitag, den 30. Mai, Nachmittags 4 Uhr.
4. Station Obergeis,
umfassend die Ortschaften ObergeiS, Untergets, Aua, Gittersdorf, Biedebach und fiskalische Oberförsterei Neuenstein.
Impfung: Sonnabend, den 24. Mai, Nachmittags 4 Uhr.
Revision: Sonnabend, den 31. Mai, Nachmittags 4 Uhr.
5. Station Schenklengsfeld, umfassend die Ortschaften Schenklengsfeld, Ober- lengsfeld, WehrShausen, Hilmes, Conrode, Lam- pertSfeld, Landershausen, Unterwetsenborn, Wüst- feld, MalkomeS, Schenksolz, Dünkelrode, Motzfeld und Hillartshausen.
Impfung: Montag, den 2. Juni, Vormittags 8 Uhr. Revision: Montag, den 9. Juni, Vormittags 8 Uhr.
6. Station RanSbach,
umfassend die Ortschaften Ransbach und Ausbach. Impfung: Montag, den 2. Juni, Nachmittags
1 Uhr.
Revision: Montag, den 9.Juni, Nachmittags 1 Uhr.
7. Station Philippsthal,
umfassend die Ortschaften PhilipPSthal und Röhrtgshof mit Nippe.
Impfung: Montag, den 2, Juni, Nachmittag?
2V2 Uhr.
Revision: Montag, den 9. Juni, Nachmittags 21/a Uhr.
nicht zu sprechen, als sie einander zum Abschied die Hand reichten.
Die Sparpfennige der Kinder waren bald aufgezehrt. Ein Hausgeräth nach dem andern mußte verkauft werden, selbst der geringe Schmuck der Hausfrau wanderte zum Juwelier.
Und trotz alledem wankte Jobst in seinem Gottvertrauen nicht; er fühlte in seiner Brust, daß der Herr ihn und die Seinen nicht zu Grunde gehen lassen werde.
»Die Leute hier im Orte mögen uns nicht," sagte der Meister eines Morgens entschlossen zu seinem Weibe, »nun wohl, GotteS Welt ist weit und sein Himmel wölbt sich überall, — so laß uns nach dem Wanderstabe greifen und eine neue Heimath suchen!"
Wohl weinte die Gattin, aber indem sie den braven Mann innig umschlang, flüsterten ihre Lippen: »Du weißt am Besten, waS uns frommt, Dein und GotteS Wille geschehe!"
Aber mit dem Wandern ging eS nicht so rasch, wie Jobst es sich gedacht. Die schweren Schicksals- schlüge der letzten Zeit waren nicht spurlos au ihm vorübergegangen; sein bisher so kräftiger Körper erlahmte und er fühlte in seinen Gliedern eine Mattigkeit, die er bisher nie gekannt. An einem der nächsten Abende vermochte er sich nicht mehr aufrecht zu erhalten, und die besorgte Gattin brächte ihn zu Bett.
Zu der nämlichen Stunde ging Heinz Richter
8. Station Asbach, umfassend die Ortschaften Asbach, Beiershausen und Kohlhausen.
Impfung: Dienstag, den 3. Juni, Nachmittags 2 Uhr.
Revision: Dienstag, den 10. Juni, Nachmittags 2 Uhr.
9. Station Kerspenhausen, umfassend die Ortschaften Kerspenhausen, Hilp^r- Hausen, Roßbach, Holzheim, Cruspis, StärkloS und fiskalische Oberförsterei Niederaula.
Impfung: Dienstag, den 3. Juni, Nachmittags 4 Uhr.
Revision: Dienstag, den 10. Juni, Nachmittag» 4 Uhr.
10. Station Unterhann, umfassend die Ortschaften Unterbaun, Oberhauu, Eitra, Sieglos, Rotensee, Wippershain, Bien- gartes und fiskalische Oberförsterei Wippershain. Impfung: Mittwoch, den 4. Juni, Nachmittags
2 Uhr.
Revision: Mittwoch, den 11. Juni, Nachmittags 2 Uhr.
11. Station Niederaula, umfassend die Ortschaften Niederaula, MengS« Hausen, Solms, Ntederjossa, Hattenbach, Kleba, Reimboldshausen, Kemmerode und Engelbach. Impfung: Mittwoch, den 4. Juni, Vormittags 9 Uhr.
Revision: Mittwoch, den 11. Juni, Vormittags 9 Uhr.
12. Station Frieliugeu, umfassend die Ortschaften Frielingen, Allendorf, Gersborf, Heddersdorf und Willingshain. Impfung: Donnerstag, den 5. Juni, Vormittags 11 Uhr.
Revision: Donnerstag, den 12. Juni, Vormittags 11 Uhr.
13. Station Kirchheim, umfassend die Ortschaften Kirchheim, Reckerode,
an Dem kleinen Hause vorüber, um in dem größeren gegenüber zu verschwinden. Auch ihn hatte daS Schicksal nicht mit zarten Händen angefaßt, wennschon sein Kreuz um vieles leichter war, als jene- von Jobst.
Seitdem Rönning den namhaften Verlust erlitten, zeigte er sich verstimmt, und obwohl Heinz ihm in Bezug auf jenen nächtlichen Vorfall alle- klar dargelegt hatte, ließ er ihn doch seine Uebellauntgkett empfinden, indem er mit großer Hartnäckigkeit auf der Erfüllung der Verlobungs- klausel bestand. Frau Julie, Dora und Bernhard hatten Alles gethan, den Vater milder zu stimmen, aber er war ihnen mit einer Rauheit begegnet, welche sie geradezu zurückschreckte. Rönntug war außerordentlich gereizt, so daß der geringste Anlaß seinen Zorn auflodern machte. Der sonst so freundliche und biedere Fabrikherr zankte jetzt von srüh bis spät mit seinen Untergebenen, und da mehrere von ihnen infolgedessen um ihren Abschied etnkamen, so nahm Rönntngs Erbitterung nur noch zu. Gegen Siebert hatte er sich seltsamerweise nicht geändert. Er las ihm zwar den Text, daß er den zum Doctor Richter entsandten nächtlichen Boten eigenmächtig weggeschickt hatte, — da sich aber der Chemiker ruhig die Vorwürfe gefallen ließ, so fand Rönning zu einem weiteren Streite keine Ursache. Siebert hielt daher auch mit seiner Werbung um Doras Hand nicht länger zurück, und wenn Rönning nicht gleich ja sagte,