Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Abonnenient-prei«: »iertcljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel.

Postaufschlag.

Die Znscrtiontgebührrn betragen für den Raum einer Epaltjeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zelle 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt,

Herchl-tl Kreislilatt.

Mit wöchentlicher Kratia-Aeilage ^Illustrirte« Avterhallungsölatt".__________

Nr. 50. Donnerstag den 1. Mai 1890.

Bestellungen auf das

gerefelber Kreisblatt mit der wöchentliche« Gratis Beilage »Allustrirtes Unterhaltungsblatt" pro Mai und Juni werden von allen Kaiser, lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Cassel, den 20. April 1890.

Auch im laufenden Jahre, und zwar in der Zeit von Ende August bis Ende September, soll an der Landwirthschaftsschule zu Weilburg ein Bortbildungskursus für Elementarlehrer der rovtnz Hessen-Nassau abgehalten werden. Die in demselben zur Behandlung kommenden Gegen­stände sind folgende:

1. Chemie, 1. Theil (Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff);

2. Pflanzenproductionslehre;

3. Zoologie (Anatomie und Physiologie der landwirthschaftlichen Hausthtere);

4. Unterrichtswesen.

Den Theilnehmern wird ein staatlicher Zuschuß in Aussicht gestellt, sofern die Gemeinde den Lehrern selbst einen Beitrag von mindestens 35 Mark herzugeben bereit ist; der staatliche Zuschuß beträgt für die Lehrer aus dem Regie­rungsbezirke Cassel 80 Mark. Den Gemeinden, welche einen Beitrag leisten, ist anheimzugeben, sich durch einen von dem Lehrer auszustellenden Revers dahin zu sichern, daß derselbe den Betrag zurückzuzahlen hat, wenn er innerhalb Jahresfrist nach staltgehabtem Kursus die Gemeinde verläßt.

Wir ersuchen, die Lehrer sowie die Gemeinden zur Sache zu verständigen und die Lehrer zugleich

Geprüfte Herzen.

Erzählung von Orkar Höcker.

(Fortsetzung.)

ES mochte eine Stunde später sein, als sich ein Polizetlieutenant mit mehreren Schutzleuten nach der Wohnung von Jobst begab, um daselbst, zur nicht geringen Ueberraschung der Familie, eine Haussuchung vorzunehmen.

Bald versammelte sich vor dem kleinen Gebäude eine neugierige Menge und die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt, daß Jobst in dem Verdacht stehe, an dem verübten Einbruch betheiligt gewesen zu sein.

Der Meister wechselte zwar die Farbe, als ihm der Polizetlieutenant den Zweck seines Erscheinens mittheilte, doch ließ ihn sein gutes Gewissen ruhig erscheinen. Wohl ergrimmte sein Herz bet dem Gedanken, daß man ihn eines gemeinen Ver- brechenS für fähig halte; hatte er ja doch seit der Reihe von Jahren, daß er sich im Ort etablirt, bewiesen, wie ehrlich und rechtschaffen er dachte und handelte; begegnete ihm ja doch Jedermann mit großer Achtung. Und nun auf einmal sah er seinen guten Ruf durch schnöden Verdacht untergraben. Das war es, was seine Brust erbeben machte. Selbstverständlich fanden die Pottzetbeamten, trotz eifrigsten Suchens, keine Spur von der entwendeten Summe; dennoch wurden sämmtliche Werkzeuge Jobst'S beschlag­nahmt. Nur mühsam hielt der Meister mit

anzuregen, daß sie sich zu dem Kursus melden. Auffallenderweise ist in den letzten Jahren die Zahl der Meldungen immer geringer geworden, obgleich doch angenommen werden mußte, daß die Lehrer mit Freuden diese Gelegenheit zu ihrer Fortbildung ergreifen würden. Die dortseits entgegenzunehmenden Meldungen sind uns bis zum 16. Mai d. I. spätestens vorzulegen; im Falle, daß solche nicht eingehen, erwarten wir Fehlanzeige.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. Falckenheiiner i. B.

An die Königlichen Landräthe und die Stadt- schul * Deputationen des Regterungs * Bezirks. J. B. Nr. 4837.

* * *

Hersfeld, den 29. April 1890.

1. Wird den Ortsvorständen des Kreises mit dem Auftrage zugefertigt, das weiter Nöthige hiernach mit den betreffenden Herren Local- schulinspectoren zu besorgen und das Ergeb­niß, sowie darüber, ob ihre Gemeinde bereit ist, ihrem Lehrer behufs Theilnahme an dem fraglichen Kursus in Weilburg eine Beihülfe von mindestens 35 Mk. zu gewähren, bis zum 10. Mai d. I., zu berichten, wobei ich bemerke, daß von einer etwaigen Negativ- anzeige abgestanden wird.

2. Werden die Königlichen Localschulinspectoren des Kreises hiervon ergebenst in Kenntniß Sesetzt mit dem Ersuchen, das Erforderliche iernach gefälligst zu besorgen und mitthetlen zu wollen, ob und wie für die Vertretung der angemeldeten Lehrer bei ihrer eventuellen Einberufung als Kursisten gesorgt werden kann.

3914. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 29. April 1890.

Den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises

seinem Unwillen zurück, doch der flehende Blick seines Weibes und die thränenfeuchten Augen seiner Kinder, die sich an ihn schmiegten, ließen ihn seinen gerechten Zorn unterdrücken.

Nur Muth, meine Sieben? rief er den Setaigen zu, nachdem die Polizeibeamten Zimmer und Haus verlaffen hatten und sein Weib ihm weinend an die Brust sank.Noch lebt der alte Herrgott, der ein gerechter Richter ist und dessen Sonne Alles an den Tag bringt. Er wird nicht wollen, daß ein ehrlicher, braver Mann zu Grunde geht. Darum wollen wir fest auf thu bauen und nicht verzweifeln."

Meister Jobst war übrigens nicht der Einzige, der sich eine polizeiliche Nachsuchung hatte ge­fallen lassen müssen. Auch in die Heimstätten der Arbeiter der Maschinenschlofferet und der Rönning'schen Fabrik waren die Diener des Ge­setzes gedrungen, und zuguterletzt erhielt Behrens ebenfalls einen Besuch von ihnen. Doch stießen die Beamten auf keine verdächtige Spur; bet dem Contordiener aber erschien der Staatsanwalt, der thu und Frau Emma in ein strenges Verhör nahm. Aber auch dieses ergab nichts. Trotz alledem langte von Rönning ein Schreiben an, in welchem er Behrens mittheilte, daß er seines Dienstes enthoben sei und binnen vierundzwanzig Stunden die Wohnung zu räumen habe, da er fortan eines aufmerksameren Wächters bedürfe und nicht Lust verspüre, noch einmal bestohlen

sende ich in den nächsten Tagen die Loosungs- scheine für die in ihren Gemeinden befindlichen Militairpflichtigen zu, mit dem Auftrage, solche denselben alsbald auszuhändigen und das gleich­zeitig beigefügte Verzeichniß, nachdem der Empfang der fraglichen Loosungsschetve auf demselben Ihrerseits bescheinigt ist, ungesäumt an mich zurückzusenden.

3972. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Zu der Freitag de« 9. Mai, Bor« mittags 10 Nhr, in Nisderaula stattfindenden amtlichen

Irüjahrs-Gonferm;

des Bezirks Hersfeld I. werden die Herren Local- schulinspectoren und Lehrer hierdurch freundlich eingeladen.

HerSfeld, den 30. April 1890.

- Der KreiSschulinspector Hosbach.

+ Der Arbkitttskitrteg.

Allmählich ist es in allen Volksschichten und politischen Parteien, mit Ausnahme natürlich der socialdemokratischen Kreise, zum vollen Bewußt­sein gekommen, daß sich die Agitation für daS Feiern am 1. Mai als ein Element der Störung des inneren Friedens dargestellt hat. Bekanntlich ist der Gedanke, den 1. Mai zu einem Weltfeier­tag zu machen, keineswegs von dem internationalen Arbettercoagreß in Paris ausgegangen, vielmehr trat man dort, wie der Aufruf der socialdemokra­tischen Fractiou vom 13. April zugiebt, einem solchen Beginnen entschieden entgegen. Trotzdem war in demselben Aufruf gesagt, daß mau immerhin den 1. Mai zu einem Ruhetag machen möge, wo

zu werden. Dem Schreiben war eine entsprechende Summe als Entschädigung beigefügt.

Die beiden Eheleute wußten zuerst nicht, waS sie sagen sollten, so starr machte sie daS Schreiben. Frau Emma war die Erste, welche die Sprache wiederfand, und ihren Mann mit Vorwürfen überhäuste.

Hättest Du mir nur gefolgt," rief sie dem in stiller Verzweiflung dastehenden BehrenS zu, und den Umgang mit diesem Jobst abgebrochen, dann stünden wir jetzt rein da und der Verdacht, dem Einbrecher Gelegenheit gemacht zu haben, wäre nicht auf uns gefallen."

Ich kann mir nicht denken," sagte BehrenS in dumpfem Brüten,daß Jobst das Verbrechen begangen hat."

Da kam er aber bet Frau Emma schlecht an; sie hatte dem Schlaffer von jeher nichts Gutes zugetraut, sein unsteter Blick war ihr stets aus­gefallen und sie ahnte es, daß es noch einmal ein schlechtes Ende mit ihm nehmen würde.

Während die beiden Ehegatten durch ihr Ge­spräch sich gegenseitig erhitzten und sich nicht eben in liebevollen Ausdrücken ergingen, war Lilli vor die Frau Majoriu Steiner beschieden worden, welche bereits die Entlassung des Contordieners aus den Diensten Rönnings erfahren hatte. Sie brauchte jetzt keine Rücksicht mehr zu nehmen und so begann sie denn zunächst damit, der über­raschten Ltlli ihre Unzufriedenheit zu erkeuneq zu geben,