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Htrssel-er Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage ^Illuftrirte« Zlnterhallnngrblatt".

Nr. 49. Dienstag den 29. April 1890.

Bestellungen auf das

Hrrsfrtder Kreisblatt mit der Wöchentttche« GratisBeilage »Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro Mai und Juni werden von allen Kaiser- lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Der RegiermtgS-Baumeister Vesper zu WieS- bademMtW: mit der Wahrnehmung der Ge- -flhafre eines Assistenten deS Gewerberaths in der Provinz Hessen-Nassau beauftragt ist, hat keinen Dienst angetreten.

[, W Cassel, den 12. April 1890.

l Der Regierungs-Präsident. Rothe.

Hersfeld, den 2s. April 1890.

I - Der Kreistag hat für die Verpflegung armer scrophulöser Kinder auS dem Kreise in der Kinderheilanstalt zu Sooden a/W. wiederum 200 Mk. bewilligt.

Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, dies in ihren Gemeinden zur Kenntniß zu bringen und-Anmeloungen entgegen zu nehmen. Diese sind unter Beifügung eines ärztlichen Attestes und einer Bescheinigung des Bürgermeisters über die Bedürftigkeit der Eltern möglichst bald mir ein- zuretchen.

Der Vorsitzende des KreiS-AusschusseS: Freiherr von Schleinitz.

J. A. Nr. 537.________________________________.

Hersfeld, den 28. April 1890.

Für den am 15. October 1868 zu Oberhaun geborenen Dienstknecht Heinrich Jacob Braun ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staats«

verbände behufs Auswanderung nach Amerika uachgesucht worden.

3927. Der Königliche Landrath __________Freiherr von Schleinitz.

Rotenburg a. F., den 22. April 1890.

Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich ergebenst, daß unter der Heerde des Schäfers JustusBorchardtzu Jba die Räudekrankheit ausgebrochen ist.

Der Königliche Landrath v. A l t e n b o ck u m.

An Königliches Laudrathsamt zu Hersfeld. J. Nr. 3813.

* *

Hersfeld, den 25. April 1890.

Wird veröffentlicht.

3831. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

+ GchLltsmbcssllMM für Staatsbeamte und Volksschullchrcr.

Dem Abgeordnetenhause ist jetzt der schon an- gekündigte Nachtragsetat zugegangen, in welchem fürdieAufbesserungvonBeamtenge« h ä l t e r n 18 Millionen Mark ausgeworfen sind. Berücksichtigt werden fast sämmtliche Unterbeamte, einzelne Klassen von mittleren Beamten, sowie die Volksschullehrer. Die Erhöhung der unteren Gehälter erfordert 10511000 Mark, 13 Procent der bisherigen gesammten Besoldungen der Unter­beamten. Die Erhöhung der mittleren Beamten« gehäller verursacht einen Mehrbedraf von 1994 000 Mark. Der Fonds für die Remunerirung der Diätarien im Unterbeamtendienst ist um 10 Procent, der Diätarien für den Bureaudienst um 5 Procent verstärkt; der gesammte Mehrbedarf hierfür beträgt 1325 000 Mark. Die AlterSzu« lagen für Lehrer und Lehrerinnen werden rund

3 Millionen Mark erfordern. Für einzelne Dienststellen sind besondere Stellenzulagen in Aussicht genommen, wofür 1170000 Mark be­stimmt sind.

Von einer gleichmäßigen procentualen Erhöhung der Gehälter der Staatsbeamten ist deshalb abgesehen worden, weil das Bedürfniß sehr ver- schieden ist. Es sollen vielmehr, was die haupt­sächlich in Betracht kommenden unteren Beamte» betrifft, die zahlreichen Verschieden­heiten in den Besoldungssätzen, für welche innere Gründe nicht sprechen, bei dieser Gelegenheit beseitigt und für den gesammten Bereich der Staats­verwaltung alle unteren Beamten in bestimmte Besoldungsklaffen nach dem Grundsätze einge­richtet werden, daß Äerall für gleichwerthsge Stellung und Obliegenheiten auch gleiche Be­soldung gewährt wird. Dadurch wird die Be­setzung der geringer dotirten Stellen mit ge­eigneten Persover erleichtert und die Bildung von größeren Besoldungsgemeiufchaften ermöglicht, innerhalb welcher ein Aufrücken in die höheren Gehaltsstufen stattfiudet. Deshalb sollen zehn Gehaltsklassen gebildet werden, deren oberste die Gehälter von 16 bis 2000 Mark, deren unterste die von 400 bis 800 Mark umfaßt. Als Bei­spiele der Bertheilung in die neuen Besoldungs­klaffen führen wir an: I» die Stufe 1200 biS 1800 Mark rücken bet der Eisenbahn die Tele­graphisten und Lademeister, in die Gehaltsstufe 1200 bis 1600 Mark die Rangier- und Wagen- meister, in die Stufe 1100 bis 1500 Mark rücken die Förster, durchschnittlich mehr 200 Mark, die Zugführer und Steuerleute, Packmetster der Eisenbahnen, die Gendarmen mit durchschnittlich mehr 175 Mark. In die Gehaltsstufe von 1000 bis 1500 Mark rücken die Grenz« und Steuer­aufseher mit durchschnittlich mehr 125 Mark- die Weichensteller erster Klaffe, Locomottvenheizer, Maschinenwärter, die Schutzmänner iu den

Geprüfte Herzen.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Gensdarmerie durchstreifte die Umgegend, während die Schutzmannschaft innerhalb der Stadt dem Verbrecher nachspürte. ,

Im Rönning'schen Hause herrschte große Ver­wirrung. Der Fabrikherr war zwar ein reicher Mann, dennoch bildete das gestohlene Geld immerhin eine Summe, die er nicht leicht ver­schmerzen konnte. Nachdem Bernhard zum Poli­zeichef gegangen war, hatte sich der Fabrikherr tn sein Bureau eingeschossen, um die nöthige Ruhe und Fassung zu gewinnen. Als er seine Familienwohnung wieder betrat, fand er Heinz Richter vor, der soeben aus der Stadt ange­langt war. Der junge Arzt wollte dem Haus­herrn condoliren, sah sich aber von demselben ziemlich barsch zurückgewtesen. ±

»Ich bin jetzt nicht in der Stimmung." fügte Rönning hinzu,Ihnen nach Gebühr den Text zu lesen. In einigen Tagen werde ich mir jedoch erlauben, Ihnen einen ausführlichen Brief zu schreiben."

Außer den beiden Männern befand sich nur noch Frau Rönning im Zimmer, die mit nicht weniger Erstaunen auf den Gatten blickte, als Heinz es that.

»Aber lieber Robert, warum bist Pst plötzlich

so unfreundlich gegen unsern lieben Doctor?"

Lieber Doctor?" wiederholte Rönning höhnisch. Pflichtvergessener wäre hier besser am Platz!"

Auf einen fragenden Blick der Gattin fuhr er erregt fort:Auf Dein beharrliches Bitten hin gab ich Dir, wie Du weißt, die Erlaubniß, Dora die von mir verhängte Verlobungsklausel mitzu theilen. Um Euch beiden eine freudige Ueber- raschung zu bereiten, ließ ich in vergangener Nacht durch einen Vertrauten den Herrn Doctor Richter zu einem fingirten Patienten rufen, um ihn auf diese Weise seines Wortes zu entbinden und gleichzeitig seinen Pflichteifer zu prüfen."

Oh, Du guter Mann! rief Frau Julia, den Gatten umarmend; doch dieser wehrte ihr ab, indem er sagte:

Laß Deine Dankesäußerungen, denn eS wäre besser gewesen, ich hätte meine Gutmüthigkeit nicht walten lassen. Der Herr Doctor Richter kam der Aufforderung des Boten, ihm zu einem Patienten zu folgen, nicht nach."

Aber Herr Rönning," unterbrach Heinz,ich"

Wollen Sie etwa leugnen?" fragte Rönning ^r^ein, aber"

Bitte mich auSreden zu lassen, zumal ich der Aeltere bin." Nach diesen Worten wandte sich Rönning wieder an seine Frau und berichtete weiter:Zuerst gab der Herr Doctor vor, daß ihm der Hausschlüssel fehle was jedenfallS

eine unverzeihliche Nachlässigkeit von einem Arzte ist, der zu jeder Stunde in der Nacht nach außer­halb gerufen werden kann. Nachdem er den Bote« noch eine geraume Weile hatte warten lassen und dieser ihn immer wieder zur Elle antrieS, rief ihm der Herr Doctor endlich ganz unumwunden zum Fenster hinab, ,oaß er zum Teufel gehe« möge!'"

Das ist ja nicht möglich!" rief erschrocken Frau Julie.

»Mein Gewährsmann lügt nicht."

Aber um Alles in der Welt, es ist ja nicht wahr!" rief Heinz verzweifelt.

Herr," donnerte Rönning ihm zu,haben Sie den Boten warten lasten oder nicht?"

Ja."

Haben Sie den Boten schließlich fortgehen lasten, ohne ihm zu folgen?"

Ja "

^Nun also, so sind wir fertig und ich möchte Ihnen denselben Rath geben, den Sie meinem Boten zuzurufen die Liebenswürdigkett hatten.

Aber so hören Sie mich doch nur erst an*

Eine Vertheidigung Ihrerseits ist bei dem er­wiesenen Factum culposum höchst überflüssig. Außerdem gehen mir jetzt ganz andere Dinge durch den Kopf und ich muß Sie ersuchen, Ihre» Besuch abzukürzen."

Heinz machte noch einen schwachen Versuch, zu einem ausklärenden Worte zu gelangen. Da ft^