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Mit wöchentlicher -ratis-Meilage .Llluflrirtes Zluterhallungrblatl".

Nr. 48. ^ Sonnabend den 26. April 1890.

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Amtliches.

rat-Pouzeiblatt er« ind bei der Unmög« elbst eine bezügliche süer oüne Erfola

Berlin, den 1. April 1890.

Am 28. Februar 1887 ist in Bacharach ein unbekannter geisteskranker Mann aufgegriffen und seither in der Irrenanstalt zu Andernach ver- pflegt worden.

Alle zur Feststellung der Persönlichkeit und der Herkunft des Geisteskranken angestellten Versuche, insbesondere die in mehreren Rheinischen . Blättern und in dem Ken lassenen Bekanntmachungen, lichkeit, von dem Kranken Auskunft zu erlangen, b . geblieben. Auch die auf Grund deS Umstandes, daß der Geisteskranke anscheinend Wallonisch spricht, in Belgien stattgefundenen Ermittelungen haben zu einem Ergebnisse nicht geführt.

Unter Beifügung eines Signalements des Betreffenden, ersuche ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst, gefälligst zur Ermittelung der Persön­lichkeit desselben geeignete Nachforschungen anzu- ordnen und über das. Ergebniß demnächst zu berichten.

Im Bedarfsfälle wird von dem Königlichen Regierungs-Präsidenten zu Koblenz auf Ersuchen eine Photographie des Geisteskranken dorthin mitgetheilt werden.

Der Minister des Innern.

Im Auftrage: gez. Lodemann.

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten, HerrnRothe.HochwohlgeborenzuCassel. 1.B.2619.

Signalement des am 28. Februar 1887 in der

Geprüfte Herzen.

Erzählung von Oskar Höcker.

~ , (Fortsetzung.)

Damit eilte Heinz in die Schlafstube zurück | und während er nach seinen Kleidern griff, mur- | melten seine Lippen:Endlich ein Patient! O, lieber Gott, ich danke Dir herzlich dafür. Möchtest Du mir auch die Kraft geben, den Aermsten, der mir zu meinem langersehnten Glück verhilft, wieder gesund zu machen!"

Es war ein sonderbares Gebet, das da zum Himmel emporstieg und doch wiederum so ent­schuldbar.

Ich bitte, Herr Doctor," tönte eS von Neuem von der Straße herausbeeilen Sie sich eS ist Gefahr im Verzüge."

Ich komme gleich," antwortete Heinz, mit tFLsP1?^^ von Kragen und Binde bereits beschäftigt.

Der Patient mußte in der That sehr schwer erkrankt sein, denn die ungeduldigen Aeußerungen des Boten wiederholten sich, trotz aller Eile, deren sich Heinz beim Ankleiden befleißigte. Endlich k war er fertig und er konnte dem abermals rufenden 8 Boten die beruhigende Nachricht zugehen lassen, tz daß er binnen jetzt und einer Minute bet ihm

Nähe von Bacharach aufgegriffenen Geisteskranken. Größe: klein. Haare: dünn, blond. Stirn: hoch, schmal. Augen: blau. Nase und Mund: ge- wöhnlich. Zähne: gut. Bart: blonder Vollbart. Gesicht: oval. Statur: untersetzt, gekrümmt. Besondere Kennzeichen: Auf der linken Wange eine Narbe, anscheinend Brandnarbe.

Bekleidungsstücke bei der Ergreifung: 1 braune Hose. 1 graue Weste. 1 zerfetztes Hemd. 1 blau- wollene Jacke. 1 blauer leinener Kittel. 1 Paar Schuhe. 1 alter Filzhut. 1 Paar grauwollene Socken. 2 Messer und 1 Rosenkranz.

* * *

Kassel, den 14. April 1890.

Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren re. zur weiteren gefälligen Veranlassung und Bericht­erstattung binnen 4 Wochen.

Der Regierungs-Präsident.

I. A.: Kochendörfer.

An sämmtliche Königliche Landräthe deS Regie­rungsbezirks und den Königlichen Polizei-Director hier. A. II. 3024.

* * *

Hersfeld, den 22. April 1890.

Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnißnahme mitgetheilt. Sollte über die oben beschriebene Persönlichkeit etwas bekannt sein bezw. ermittelt werden, so ist mir Anzeige zu erstatten.

3751. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 23. April 1890.

Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. die landrathsamtliche Verfügung vom 9. März 1878 Nr. 2443 im Kreisblatt Nr. 20) wonach die Ab­haltung von H a u s c o l l e k t e n wegen Beschä« digungen durch H a g e l s ch l a g nicht genehmigt wird, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, die Landwirthe in Ihren Gemeinde- bezirken hierauf speziell aufmerksam zu machen, und dieselben bei jeder sich darbietenden Gelegen­heit auf die Nothwendigkeit und Nützlichkeit der

auf der Straße angelangt sein werde.--- Doch da durchzitterte ihn ein jäher Schreck. Er befand sich ja ohne Hausschlüssel! Wie sollte er unten die Thür öffnen! Seine übergroße Gefällig­keit hatte ihm einen Streich gespielt, der ihm möglicherweise das erstrebte Glück wieder entrückte.

Aber Herr Doctor," erklang es abermals von der Straße herauf,so kommen Sie doch endlich!"

Nur noch eine kleine Geduld," bat Heinz flehendlich,ich bin fix und fertig, es fehlt mir nur der Hausschlüssel Er verließ das Fenster wieder und eilte nach der Kammer. Richtig er verfügte ja noch über einen zweiten Hausschlüssel. In seiner Aengstlichkeit ihn einmal zu verlegen, hatte er seine Wirthin um ein zweites Exemplar gebeten. Nach ihrer Aussage befand sich der Schlüssel in einem Kasten der Waschtoilette. Heinz suchte, aber vergebens. Der Schweiß trat auf seine Stirne und bei dem fortgesetzten Rufen von der Straße her nahm seine Erregung immer mehr zu.

Während der junge Arzt in der Kammer her- umwirthschaftete und ein Möbel nach dem andern fortrückte, öffnete sich die dtrect auf die Treppe mündende Stubenthüre und Doctor Siebert trat ein. Der Rumor in den über seiner Wohnung gelegenen Zimmern, sowie das anhaltende Rufen

Versicherung ihrer Feldfrüchte gegen Hagelschaden hinzuweisen.

3771. Der Königliche Landrath _________________Freiherr von Schleinitz.

Geehrter jenseitiger Stelle theile ich hierdurch ergebenst mit, daß in der zum diesseitigen Ver­waltungsbezirk gehörigen Gemeinde H e l m e r s - h ausen unter dem Rindvieh von 5 Gehöften die Maul- und Klauenseuche ausge­brochen ist.

Dermback. am 22. April 1890.

Der Großherzogl. S. Director des IV. Ver­waltungsbezirks Schmid t. V.

Hersfeld* den 24. April 1890.

Wird veröffentlicht.

3800. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

HeEbH, 22. April 1890.

Für den am 10. Dezember 1871 zu Allmers- Hausen geborenen Johe^u Ritter Rieding ist um Entlaffnng aus dem diesseitigen Staatsver- bände behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

3689. Der Königliche Landratb __________Freiherr von Schleinitz.

Bekanntmachung.

Im Laufe der letzten Wochen sind an ver­schiedenen Orten einzelne falscheZinsscheine von Schuldverschreibungen der kon- solidirtenvterprocentigeuStaats- anleihe zum Vorschein gekommen, durch welche denjenigen Personen, die solche in Zahlung angenommen haben, Verluste entstanden sind. Wegen gerichtlicher Verfolgung der Berfertiger dieser Scheine ist das Erforderliche veranlaßt.

Wir machen indeß noch besonders hiermit darauf aufmerksam, daß für falsche Zins- scheine in keinem Falle von uns Er­satz gewährtwird. Das Publikum kann sich vor Verlusten der erwähnten Art dadurch schützen, daß dasselbe die Annahme von Zins­

auf Der Straße hatten seinen Zorn erregt, er war in seinen Schlafrock geschlüpft und die Treppe hinaufgeeilt, um sich nach dem nächtlichen Unfug zu erkundigen und gebieterisch Ruhe zu fordern.

Abermals tönte eS von der Straße hinauf:

Um Alles in der Welt, sind Sie denn noch immer nicht fertig? Kommen Sie doch, eS ist die höchste Zeit!"

Erzürnt trat der Chemiker an das offenstehende Fenster und schrie hinunter:Gehen Sie zum Teufel! Kommen Sie am Tage, wenn Sie etwas wollen."

Sie werden doch meinen Herrn nicht sterben lassen?*

Wenn er bis morgen nicht warten kann, so soll er sich nicht geniren."

Na, Sie sind mir ein schöner Arzt. Ich werde Sie bestens rekommandiren."

Im nächsten Augenblick war der nächtliche Bote verschwunden.

Dem Himmel sei Dank," rief jetzt Heinz in der Kammer,endlich habe ich ihn gefunden!" Mit dem Hausschlüssel in der Hand kehrte er ins Zimmer zurück, erschrak aber nickt wenig, als er einen fremden Herrn im Schlafrock sah,