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Kerssel-er Kreisblsttt.

Mit wöchentlicher -ratis-ZLeitageIlluflrirtes AuterhattuugsVkaLL-.

Nr. 47.

Donnerstag den 24. April

1890.

«Aöonnemeuts-Kinladung. |

Bestellungen auf das

HersfeLder Kreisirlatt mit der wöchentttchen Gratis Beilage Mustrirtes Unterhaltungsblatt" pro Mai und Juni werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 21. April 1890. Für

1) Elisabeth Lipphardt geboren am 14. März 1873

2) Anna Margaretha Lipph ardt geboren am 5. August 1875 zu Raboldshausen, Töchter des Schäsers UeteLLippHardt, wohn­haft zu HerSfeld ist um Ertheilung von Reisepässen behufS Aus­wanderung nach Amerika nachgesucht worden.

3725. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Der Besuch des Kaisers in Bremen und Bremerhascu.

Zur Theilnahme an der Grundsteinlegung des Kaiser Wilhelm-Denkmals hat der Kaiser, be­gleitet von dem Grafen Moltke, dem Grafen Waldersee und großem Gefolge, am Montag in der alten Hansestadt Bremen einen Besuch abge­stattet. Seit drei Wochen war für diese Feier in allen Kreisen der Stadt gearbeitet worden. Die Thatsache, daß zum ersten Male ein Kaiser des neuerstandeilen Reiches in Bremens Mauern

Geprüfte Herzen.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Freut mich, Herr Chemikus," gab Jobst zurück, daß Sie endlich doch einmal den Himmel an­rufen: ich dachte schon, Sie hätten ihn gänzlich vergessen. Zu ihrer Beruhigung will ich Ihnen aber sagen, daß ich die zwölf Mark nicht für mich behalte, sondern die Hälfte den Armen gebe. Man muß auch Gutes thun, trotz der schlechten Zeiten."

Wenige Minuten später war das Schloß von Neuem geöffnet. Siebert zählte mit fliegender Eile die zur Einlösung der Wechsel nöthige Summe ab, während sich Jobst mit kurzem Gruß entfernte.. . .

Am Abend saß der Chemiker müde und ab­gespannt in seiner Wohnung. Der Tag hatte für ihn viel Anstrengungen im Gefolge gehabt. Im Laboratorium war ein großes GaSgebläse geplatzt, sodann hatten mehrere Arbeiter eigen­mächtig ihre Arbeit niedergelegt und einen Auflauf in der Fabrik erregt, so daß es für Siebert schwer hielt, Ruhe und Ordnung wieder herzustellen; und zu dem Allen kam noch, daß er seine Wohnung wechselte und den Transport der Möbel und anderen Utensilten überwachen mußte. Er empfand es heute ganz besonders, welch' gute Fee eine Frau sei. Wie kalt und öde sah eS in

weilen werde, hatte genügt, um alle Kräfte an-1 zuspornen und einen Wetteifer zwischen der privaten und der offiziellen Thätigkeit wachzurufen. Als der Kaiser um 9 Uhr Vormittags in Bremen eintraf, hatte die Stadt einen so xeichen Fest­schmuck angelegt, wie noch nie zuvor. Auch die Begrüßung des Oberhauptes des deutschen Reichs von Seiten der Bevölkerung war überaus enthu­siastisch. Alle Glocken läuteten, und die am Bahnhöfe aufgestellte Musikkapelle spielte die Nationalhymne. Beim Empfang waren beide Bürgermeister und zahlreiche weitere Würden­träger der Stadt anwesend. Der erste Bürger­meister begrüßte den Kaiser mit einer Ansprache, auf welche Se. Majestät in freundlicher Weise dankte. Alsdann erfolgte die Fahrt durch die mit einer dichtgedrängten, den Kaiser jubelnd begrüßenden Menge besetzten und festlich ge­schmückten Straßen. Nach einem kurzen Aufent­halt im Hause des Senators Luersmann, wo das Absteigequartier genommen war, besuchte der Kaiser das RathhauS, machte darauf eine Rund­fahrt durch das Freibafengebiet und begab sich alsdann nach dem Börsenhauptgebäude, wo er beim Eintritt durch den Handelskammer-Prä­sidenten Dr. Meyer mit einer Ansprache begrüßt wurde, in welcher der Redner namentlich die Segnungen hervorhob, welche Bremens Handel und Schifffahrt der unerschütterlichen Friedens­politik Deutschlands verdanke. Die Kaufmann- schaft brächte darauf dem Kaiser ein tausend­stimmiges begeistertes Hoch aus.

Se. Majestät begab sich nun zu Fuß nach dem alten Börsenplätze zur Grundsteinlegung des Denkmals, die um 12 Uhr stattfand. Der Kaiser vollzog mit den Worten:Dem Heimgegangenen zum Gedächtniß, den Lebenden zur Erinnerung, den kommenden Geschlechtern zur Nachetferung!" die ersten Hammerschläge. Darnach nahm der Bürgermeister Dr. Pauli das Wort, um im

der neuen Wohnung aus! Ueberall standen Koffer und Kisten, die auSgepackt werden mußten. Die Wirthschafterin bekümmerte sich wenig um die Bequemlichkeit ihre« Herrn, sie war müde von den Anstrengungen des Tages und hatte sich bereits zur Ruhe begeben.

Ich werde doch endlich Ernst machen," sagte Siebert zu sich, als auch er seine Schlafstube auf- suchte,und mit Rönning wegen Dora's gründlich sprechen. Der Kuckuck hole das Junggesellenleben."

Mißmuthig legte er sich zu Bett; aber er war noch zu erregt, um schlafen zu können. In dem Stockwerk über ihm ging Jemand mit unerbitt­licher Regelmäßigkeit auf und ab. DieS machte Siebert erst recht nervös, zumal das Geräusch der Schritte durch keinen Teppich gedämpft wurde. Es scheint ein Schreiber zu sein," dachte er ärgerlich bei sich,der seine sitzende Lebensweise durch abendliche Spaztergänge in seinem Zimmer auSzugleichen versucht. Der Kuckuck mag ihn holen! Wenn er noch lange auf und ab geht, so werde ich rasend!"

Der Chemiker hatte insofern recht, als eS ein Mann war, der oben auf- und niederschritt; nur irrte er sich im Beruf desselben. Er war kein Schreiber, sondern ein Doctor der Medicin, der auf das Erscheinen irgend eines nächtlichen Patienten wartete.

Die Nachtglocke von Heinz Richter befand sich nach wie vor in bester Ordnung, nur zog kein

Namen des Senats die Obhut über das zu errichtende Denkmal zu übernehmen. An diese Feier schloß sich alsdann noch ein Festmahl im Rathhause an, bei welchem der Bürgermeister Buff den Toast auf den Kaiser ausbrachte. Der Kaiser richtete in seiner Erwiderung zunächst herzliche Dankesworte für den Ihm seitens der Bevölkerung Bremens bereiteten Empfang. Er habe wohl empfunden, daß dieser Empfang aus warmem Herzen gekommen sei, und der Jubel der Bevölkerung habe Seinem Herzen wohlgethan. Vor 21 Jahren sei Er in Bremen gewesen, diese festliche Halle habe schon damals einen unaus­löschlichen Eindruck auf Ihn gemacht. Bürger­meister Buff habe in freundlicher Weise Seiner Familie Erwähnung gethan, das habe Ihn besonders gefreut. Die Tradition Seines Hauses sei immer die gewesen, daß der Herrscher Sein Amt von Gott erhalten und daß er dessen Willen auszuführen habe. Als Er damals in diesem Saale geweilt, habe Er nicht geahnt, daß Er einmal als Deutscher Kaff er hier stehen würde. Die höchste Pflicht des Herrschers sei, für die Erhaltung des Friedrüs zu sorgen. Im Inland« fühle man sich hingezogen zu den Seestädten. Er könne sagen, man habe großen Respekt vor Bremen, wo Solidarität unter den Handelsherren und treuer deutscher Bürgersinn wohne. Davon hätten auch der Ihm heute bereitete Empfang und die heute gehörten Reden von Neuem Zeugniß abgelegt. Was an Ihm liege, so wolle Er dafür sorgen, daß Bremens Entwickelung sich ungestört vollziehen könne. Er erhebe Sein Glas, gefüllt mit deutschem Weine, auf das Blühen, Wachsen und Gedeihen Bremens. Er wiederhole, daß Er Alles einsetzen werde, den Frieden zu erhalten. In dieser Gesinnung leere Er das Glas und rufe:Die Stadt Bremen und ihr Senat, sie leben hoch!"

Nach Beendigung der Tafel fuhr der Kaiser,

Hilfesuchender daran. Der junge Arzt hatte seinen Schreibtisch dicht an das Fenster gerückt, damit der Schein der Lampe auf der Straße sichtbar sei. Die Leute sollten daran erkennen, daß Herr Doctor Richter noch wach sei und vielleicht über irgend einen wichtigen Fall, der ihm in seiner Praxis vorgekommen war, eifrig studire. Jedenfalls war es empfehlenswerther, die Nachtglocke eines noch wachenden Arztes in Bewegung zu setzen, als einen bereits sich zur Ruhe begebenen Mediciner aus dem Schlafe zu rütteln. Allein Heinz hatte schon eine Reihe von Nächten seine Studirlampe brennen lassen und sich schließlich auf das Sopha gesetzt, um ein Wenig zu schlummern, doch zu einem nächt­lichen Patienten war er noch immer nicht gerufen worden.

Wenn das so fortgeht," sprach er ärgerlich vor sich hin,dann kann es kommen, daß ich länger auf DoraS Besitz warten muß, wie Jakob auf Rahel. Und es waren zweimal sieben Jahre. In diesem Falle wäre Dora dann dreiunddreißig Jahre alt, ein recht solides Alter für eine Braut." Er warf sich seufzend auf das alte Sopha, welches mit ihm stöhnte und ächzte. Nach einer Weile sprang er wieder auf, griff nach einem seiner medicinischen Werke, setzte sich an den Schreibtisch und vertiefte sich in die Lektüre vonBacillen und Bakterien."

Welch' große Mannigfaltigkeit," rief Heinz