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jjtrsftliitr Kreisbilltt.

Mit wöchentlicher Oratis-MeilageIllustrirt« Nnterörltnugsblatt".

Nr. 48. Dienst-, den 22. April 18SV.

Amtlicher.

Berlin, den 3. April 1890.

Nach einer Mittheilung des hiesigen Italienischen Botschafters sind dem Dr. Vincnzo Novellt zu Rom am 23. Februar d. I. folgende Werth- Papiere entwendet worden.

Italienische 5% Reute von 200 Lire Nr. 138.151. Italienische 5 % Rente von 100 Lire Nr. 004.116. 028.097. 028.347. 028.380.114.393. 161.216. 162.806. 188.849. 328.103 412.590. Italienische 5 °/0 Rente von 50 Lire Nr. 037.854. 098.941. 544,158. 544.162. Italienische 5°/0 Rente von 25 Lire Nr. 007.714. Italienische Mittelmeerbahn 06198. 06199. 06200. 06201. 06202. 07267.07268.10116. 10120. 19300 oder 019.310.

Ew. Hochwohlgeboren setze ich hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß, die Polizeibe­hörden deS dortigen BezirkeS gefälligst mit ^geeigneten Weisungen zu Mehrn, damit eine etwa versuchte Verwerthung dieser Papiere ver­hindert wird.

Die in Betracht kommenden Handelskreise werden von dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe von dem Diebstahle benachrichtigt werden. Der Minister des Innern.

I. A. gez. Lodemann.

- An den Königlichen RegierungS-Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Gaffel. n 3987.

Gaffel, den 12. April 1890.

Abschrift erhalten Ew. Hoch- und Hochwohl- geboren zur gefälligen alsbaldigen weiteren Ver- anlassung.

Der Regterungs-Präsident. I. A. AlthauS. An die sämmtlichen Königlichen Landräthe und den Königlichen^Polizei-Director hier. A. II. 3003.

Hersfeld, den 18. April 1890.

^ Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur

Geprüfte Herzen.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

M v.

Doctor Stebert, dessen chemisches Etablissement M gleichfalls im Fabrikdistrict des Städtchens lag, A rannte am heutigen Morgen in höchst ärgerlicher Stimmung in seinem Büreau auf unb ab, immer wieder vor einem Geldspind stehen bleibend und mit der Faust auf die verschlossenen Fächer schlagend, zu denen er den Schlüssel verloren hatte. Er würde jedenfalls weniger erregt gewesen sein, hätte er nicht gerade heute bet der Gewerbe­bank mehrere Wechsel einlösen müssen. Die Zeiger der Uhr wiesen bereits auf zehn und drei Stunden später wurden die Büreaus der Bank geschlossen. Eile that noth; deshalb hatte er nach der Maschinenschlosserei gesandt, um das Schloß der Kasse mit Gewalt öffnen zu lassen. Sehnsüchtig spähte Siebert durch das Fenster, bis endlich der seit wenigen Tagen zum zweiten Werkmeister ernannte Lund mit den nöthigen Werkzeugen erschien. Er machte sich sofort an die Arbeit, schüttelte aber alsbald den Kopf und sagte:

»Ich fürchte, Herr Doctor, daß eS mir nicht gelingen wird, den Kasten zu öffnen. Wir haben k- da mit einem englischen Schloß zu thun, dessen

Kenntnißnahme mitgetheilt. Von dem Bekannt« werden einer etwa versuchten Verwerthung obiger Papiere ist mir alsbald Anzeige zu erstatten.

3614. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 19. April 1890.

Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises in deren Gemeinden sich Schulstellen befinden, beauftrage ich, den betreffenden Herren Lehrern bekannt zu geben, daß sie die am 1. d. Mts. fällig gewesenen Zinsen von den bei hiesiger Sparkasse verzinslich angelegten Ablösungska« pttalien, soweit solches bis sitzt nicht geschehen, noch alsbald im Büreau des Königlichen Land« rathSamtes in Empfang zu nehmen bezw. durch einen schriftlich Beauftragten abholen zu lassen haben.

3673. Der Königliche Landrath ______________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld den 19. April 18907

Die am 5. April 1866 zu Friedlos geborene Anna Catharina Goßmann hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

3670. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 21. April 1890.

Die am 10. August 1865 zu Allmershausen geborene Eva Elisabeth S t a n g hat um Erthei- lung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

3706. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Aus dem Landtage.

Berlin, 18. April. In der heutigen (43.) Plenar­sitzung wurde die dritte Berathung d c r E t a t S bei demCultusetat fortgesetzt. Abg.Dr. Windthorst(Centr.s erklärte, daß er, um den Wünschen seiner Wähler gerecht zu werden, eine Reihe von früher bereits geltend gemachten Be­

Federwerk eine ganz verzwickte Coustructton bat * »Bieten Sie Ihr ganzes Wissen und Können auf,* rief der Chemiker erregt, »es soll mir auf ein gutes Trinkgeld nicht autommen.*

Lund fuhr in seiner Arbeit fort, bis er schließlich erklärte, daß es ganz unmöglich sei, das Schloß zu öffnen.

Nunmehr aerieth Siebert in Verzweiflung. Stand doch sein guter Ruf als Geschäftsmann in Gefahr, wenn er nicht rechtzeitig die Zahlung an die Bank bewerkstelligte. Entschuldigungen galten dort nichts, mochten sie auch noch so ge­rechtfertigt erscheinen.

»Zum Teufel/ rief Siebert, mit dem Fuße stampfend, »ich muß das Schloß geöffnet haben! Sollte es denn Niemand in der Stadt geben, der mit englischen Schlössern umzugehen versteht?*

Lund sah vor sich hin und zuckte die Achseln. »Wenn eS hier im Orte Jemand fertig bringt, so ist es nur Meister Jobst. daS ist ein Tausendkünstler in derlei Dingen/

Dem Chemiker war bei Nennung des NamenS zu Muthe, als ob er einen elektrischen Schlag erhalten hätte. Wie versteinert stand er da, selbst dann noch, als sich Lund bereits entfernt hatte Sein Haß gegen Jobst kämpfte mit der ge« bieterischen Forderung, rasch zu handeln, einen harten Strauß, aus welchem die letztere jedoch schließlich siegreich hervorging. Er sandte einen

schwerden von Neuem zum Ausdruck bringen werde. Zunächst verlangt er die Wiederherstellung einer katholischen Abtheilung im EultuSministerium und erörtert sodann die Frage des Ein­spruchsrecht«. Einer Remedur bedürften das SchulaufsichtS. gesetz, der Eid der Bisthumtverweser und namentlich daS Sperrgesetz; ungeregelt sei auch noch die Altkatholikenfrage. Die Unerträglichkeit der KirchenvermögenS-Gesetze« sei bereits in der zweiten Lesung dargethan worden. Nachdem er weiter noch die Orden-frage besprochen, erklärt er, daß die Ange­legenheiten der Schule bereit« zum Theil bei der zweiten Lesung erörtert worden, daß er dieselben zum andern Theile bei seinem Schulantrage beleuchten werde. Die Dinge würden so lange keinen befriedigenden Charakter annehmen, al« wir nicht eine freie Kirche und eine christliche Schule besäßen. CultuSminister Dr. von G o ß l e r entgegnet, daß von dem Herrn Vorredner geltend gemachten Wünsche sich im Allge­meinen mit den am 1. März 1888 von ihm zum Ausdruck febrachten deckten. Die Regierung sei in Rücksicht auf die ver- hiedenarttge Zusammensetzung de« Staate» in politischer, in confesfioneller und in anderen Beziehungen genöthigt, sich in Diagonalen zu bewegen. Der Vorwurf der Imparität sei ungerechtferttgt, denn bei allen spezifisch kacholischen Angelegen­heiten wirkten stet« kacholische Räthe mit. Er sei fest über­zeugt, daß mit einer katholischen Abcheilung und mit einem katholischen Ministerium oje Gesetzgebung auch nicht annähernd den günstigen Umlauf genommen haben würde, den dieselbe während der letzten 8 oder 9 Jahre aufzuweisen gehabt habe. Die Frage de« Einspruchsrecht« will der Herr Minister als eine Angelegenheit de« Au«wärtigen Amte« nicht erörtern; zu einer Abänderung des SchulaufstchtSgesetze- könne er die Hand nicht bieten. Bezüglich de« Bitthum-verweserS komme es dem Staate weniger auf die Vereidigung, als auf die Mitwirkung bei der Besetzung eine« bischöflichen Stuhle« an. Eine No­velle zu dem Sperrgesetze werde dem Hause demnächst zugehen. Nachdem der Herr Minister sodann noch den Standpunkt der Regierung in der Frage der Altkatholiken, betreffs der Unthunlichkeit der Wiedereinführung der aufgehobenen Ver- fasiungSbestimmungen, sowie des Orden-wesen« bargelegt, giebt er dem Vorredner anheim, zu etwa gewünschten Ab­änderungen der Gesetzgebung selbst die Initiative zu ergreifen. Abg. Graf zu L i in b u r g - S t i r u m (cons.) tritt den Ausführungen des Abg. Windthorst entgegen. Eine katholische Abtheilung hält er nicht für nöthig, zumal die Herren ja eine solche mit ihrer Beschwerdecommission hier im Hause selbst bildeten. Die Schule gehöre dem Staate; der Kirche gebühre wohl eine Mitwirkung, nicht aber die Herrschaft über die Schule. Er steht in der Frage der Eidesleistung der BiS- thumSverweser auf dem Standpunkte der Regierung und I spricht sich ebenfalls gegen die Wiederherstellung der aufge»

Boten in die Stadt, der den Schlossermeister zu ihm rufen sollte. Zu der Erregtheit SiebertS gesellte sich jetzt die Besorguiß. ob sein Gegner auch der Aufforderung Folge leisten und nicht die Gelegen« heit benutzen werde, sich an ihm zu revanchiren.

So verging eine bange halbe Stunde, da kehrte der entsendete Bote mit Jobst zurück.

Der Meister grüßte höflich und machte sich mit seinen Instrumenten sofort an die Arbeit. Nicht ohne Beschämung blickte der Chemiker auf den schlichten HandwerkSmann, dessen Benehmen auch nicht die geringste Spur von Groll zeigte, und doch mußte er wissen, daß Siebert eS gewesen war, welcher ihm die Arbeit in der Rönning'schen Fabrik entzogen hatte.

»WaS meinen Sie/ redete Siebert den eiftig arbeitenden Meister an, »wird es Ihnen gelingen, das Schloß zu öffnen?*

»Ganz gewiß/ lautete Jobst's kurzer Bescheid. »WaS man in England zuwege bringt, das können wir in Deutschland auch/

Und richtig, nach wenigen Minuten flog der Deckel auf und der Blick deS Chemikers ruhte mit Wohlgefallen auf den Geldrollen und Werth­papieren, die der Schrein barg.

Die Zeiger der Uhr wiesen auf halb zwölf, und somit hatte er noch hinreichend Zeit, die Wechsel einzulösen.

WaS ist meine Schuldigkeit?* fragte Siebert