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Hersstl-er Kreisblütt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage ^llustrirtes Nuterhalluugsölatt-.__________

Nr. 44. Donnerstag den 17. April 1890.

Amtliches.

Königliche Regierung.

Caffel, den 1. April 1890.

Auf Grund eines mit der Hessischen Brand- versicherungsanstalt getroffenen Abkommens ist der hiesigen Königlichen Polizei-Direktion vom 1. d. Mts. ab in der Person des Schutzmanns Voigtländer ein Criminalschutzmann zugewiesen worden, welcher die besondere Aufgabe hat, die innerhalb des Regierungsbezirks vorkommenden Brandstiftungsfälle zu ermitteln. Derselbe ist dem hiesigen Polizei - Direktor unterstellt und erhält von diesem seine Aufträge nach Maßgabe der an die Königliche Polizei-Direktion ergehenden Requisitionen.

Euer Hochwohlgeboren setze ich hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß, die unter­stellten Polizeibehörden und Gendarmen mit entsprechender Weisung gefälligst versehen zu wollen, damit dem rc. Voigtländer seitens derselben die erforderliche Unterstützung zu Theil wird.

Der Regierungs-Prästdent. J. A.: AlthauS.

An sämmtliche Königliche Landräthe des Regte- rungS-Bezirks.» A. IL 2639. *

Hersfeld, den 14. April 1890.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und den Königlichen Gendarmen des KreiseS zur Nach­richt und Beachtung in vorkommenden Fällen mitgetheilt.

3277. Der Königliche Landrath _____________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 14. April 1890.

Diejenigen Herren Ortsvorstände deS hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 24. September 1886 Nr. A. 134 (Kreisblatt Nr. 114), die Einreichung des »amenttiche« Verzeichnisses der in den Ge­

Geprüfte Herzen.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Die Majorin zeigte sich sehr verstimmt. Sie hatte die Bonne heimlich beobachtet und ersehe», wie wenig religiöser Sinn derselben innewohnte. Da sich ihnen indeß unterwegs Bernhard anschloß, der heute im Hause der Majorin zu Tische ge« laben war, so hielt sie mit ihren Bemerkungen zurück, und erst nach aufgehobener Mittagstafel gab sie der Bonne einen Wink, sie nach ihrem Boudoir zu begleiten.

Dort angelangt, sagte sie zu der erstaunten Lilli: »Ich hoffe und wünsche, daß Sie künftig mit mehr Aufmerksamkeit dem Gange des GotteS- dienstes folgen; daS ist für Ihre Stellung un­bedingt nothwendig, denn Sie sollen Ihren Pflege­befohlenen Gottesfurcht einflößen. Außerdem wäre es mir lieb, wenn Sie inner- und außerhalb meines Hauses etwas einfachere Kleidung trügen. Schließlich bemerke ich Ihnen noch, daß Ihnen ein offenes Eingeständniß, kein Gesangbuch zu besitzen, in meinenAugen durchaus nicht geschadet haben würde. Wohl aber habe ich eS für unpassend gefunden, daß Sie ein goldgerändertes Gedicht- buch mit in die Kirche nahmen. Damit eS nicht wieder geschieht, erlaube ich mir hiermit, Ihnen etm Gesangbuch zum Geschenk zu machen."

Räch diesen Worten entließ sie die mit Purpur-

meinden vorhandenen band- und spanndienst- Pflichtigen Personen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 21. d. MtS. erinnert.

3534. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 14. April 1890.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 17. März 1885 Nr. 3077 (Kreisblatt Nr. 34), die Revision der Gemeindekassen be­treffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 21. d. Mts. erinnert.

3535. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n t tz.

Hersfeld, den 12. April 1890.

Der Gutsbesitzer Johannes R ü g e r zu Unter- Weisenborn ist heute als Bürgermeister der dastgen Gemeinde auf die Dauer von 8 Jahren verpflichtet worden.

3383. Der Königliche Landrath ________ Freiherr vonSchletnttz.

" Hersfeld, den 14. April 1890.

Bei der am 1. d. M. vorgenommenen Leerung der dem hiesigen Waisenhause gehörigen Armen- büchsen fanden sich folgende Beträge in denselben: Im Gasthaus zum deutschen Haus 1 M. 1 Pf. » » » Löwen . . . » 46 »

» Borsaal des hiesigen König­lichen Amtsgerichts . . . . 2 51 , zusammen 3 98 Der Königliche Landrath

________ Freiherr von Schle inttz.

Gefunden: Eine Axt und eine Serviette. Mel­dung der Eigenthümer bet dem Ortsvorstand zu Obergeis.

Gefunden: Ein Fäßchen. Meldung deS Eigen- thümerS bet dem Ortsvorstand zu AllinerShauseu.

rölhe übergossene Lilli, die nach ihrem Zimmer | übernahm Bernhard bet ihnen vorläufig das Amt eines Tröster».

Ihre Neigung zu meiner Tochter," äußerte drinnen in der Stube der Hausherr zu Heim Richter, »ist mir schon lauge kein Geheimniß mehr; nvr überrascht eS mich, daß Sie schon jetzt mit einer Werbung hervortreten. Auf einen ver-

eilte und dort in lautes Schluchzen ausbrach. Doch war es weniger eine Folge der Beschämung, welche ihre Augen mit Thränen füllte, als viel­mehr der Unwille, über die ihr gewordene Zurecht- Weisung. Mit heftigen Worten schalt sie die stolzen, gefühllosen Menschen, die sich nach ihrer Meinung auf ihre Standesrechte etwas einbildeten und an Jedem mäkelten, der unter ihnen stand.

Die Bonne kam erst nach ein paar Stunden wieder zum Vorschein. Sie schämte sich, ihrer verweinten Augen wegen, namentlich vor Bernhard; doch dieser hatte sich bereits von seiner Braut beurlaubt, da am heutigen Sonntagnachmittag Mutter und Schwester Freund Heinz erwarteten. Derselbe war, nachdem ihn Dora ihrer Gegenliebe versichert, zu dem heroischen Entschluß gelangt, bei dem Vater um ihre Hand anzuhalten. Heute sollte die» geschehen und Bernhard war entschlossen, dem Freund erforderlichen Falle» Assistenz zu leisten.

Als er daheim anlangte, befand sich Heinz bereits beim Vater, der, sowie er vernommen hatte, um was es sich handle, den gemessenen Befehl ertheilte, daß Niemand ihn stören dürfe. Somit war es für Bernhard unmöglich, das Zimmer zu betreten, in welchem sich der Vater mit Heinz befand. Die Mutter und Dora harrten tagte taf die Rückkehr der Beiden, und so

Aus dem Landtage.

Berlin, 15. April. In der heutigen (40.) Plenar­sitzung nahm nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten vor der Tagesordnung unter großer Spannung des Haufe« Ministerpräsident Reichskanzler v.CaprividaS Wort. Derselbe erklärte zunächst, daß, wenn er sich vor der Tagesordnung das Wort erbeten habe, das nicht geschehen sei, um im Namen der Staatsregierung ein P r o g r a m m zu entwickeln. Den po- littschen Angelegenheiten bisher fremd, sei er nicht im Stande, heute schon die Lage zu übersehen. Allein er habe es für angezeigt gehalten, seinerseits den ersten Schritt zur An­knüpfung persönlicher Beziehungen zu den Mitgliedern des Hauses zu thun, da diese sicherlich zu einer sachlichen Er­leichterung der Geschäfte beitragen würden. Wenn er auch einer so großen Mannes, wie des Fürsten BiSmarck, Nach­folger sei, so trete er dennoch sein Amt unverzagt an, denn verschiedene Momente seien vorhanden, die ihm hi^u Ver­anlassung gäben. Er sei überzeugt, daß das große Gebäude, welche« durch den Fürsten BiSmarck errichtet, festgefügt sei und weiteren Bestand haben werde. Sodann betrachtete er e« al« ein außerordentlich günstiges Moment, daß in dem Augenblicke, in welchem Fürst BiSmarck von seinem Posten geschieden, unser junger Monarch vor den Ritz getreten, und die entstandene Lücke auSgefüllt habe. Ferner hege er einen unverwüstlichen Glauben an die Zukunft Preußens, und habe die Ueberzeugung, daß als Ausfluß einer welthistorischen Nothwendigkeit diesem Lande in Verbindung mit dem Reiche noch eine hoffnungsreiche Entwickelung blühen werde. Die Königliche Staatsregierun^ habe nicht die Absicht, eine neue Aera heraufzuführen, allein e« "liege in der Natur der Ver- hältnisse, daß neben einem so energievollen und zielbewußten Manne, wie eS der Fürst BiSmarck >var, manche andere Richtung in den Hintergrund gedrängt worden und manche, vielleicht berechtigte Wünsche unberücksichtigt geblieben seien. ES sei nothwendig, daß den einzelnen Ressort« ein größerer Spielraum zugestanden werde, ebenso, daß in dem preußischen Ministerium das Prinzip der Collegialität zu größerer Gel­tung gelange. Die StaatSregierung sei überall bereit, zurück­gehaltene Gedanken und Wünsche aufzunehmen uno da« Gute zu ergreifen, von wo und von wem es immer komme. Wenn die Regierung so allen berechtigten Wünschen Wohl­wollen entgegenbringe, so hoff« auch er andererseits auf das wünfchenswcrthe Entgegenkommen seitens des Hauses, denn er sei gewillt, mit Allen, die ein Her; für das Heil und die Ehre Preußens besaßen und gesonnen wären, den Btaat in monarchischem, das Reich in nationalem Sinne auSzubauen, gemeinsam zu arbeiten. (Lebhaftes Bravo!) Abg. Rickert

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wunderten Blick von Heinz fügte Röuning hinzu:

»Sie sind noch ein junger Arzt."

»Jawohl," pflichtete Heinz bei, »seit zwei Monaten habe ich die Erlaubniß zu praktiziren."

Rönning lachte.Und da wollen Sie jetzt schon heirathen? Sie haben ja noch nicht einmal Patienten."

»O doch

»DaS heißt, Sie sind, wie alle Anfänger, Armenarzt. DaS trägt aber nichts ein. Oder hat Sie schon eine zahlungsfähige Familie zu ihrem Hausarzt erkoren?"

Nein."

»Oder sind Sie schon einmal bei Nacht gerufen worden?"

»DaS Alles wird schon mit der Zeit kommen," gab Heinz zurück. »Sie verlangen von einem jungen Arzte wahrhaftig zu viel."

»Besitzen Sie Prtvatvermögen?" fuhr Rönning unerbittlich in seinem Examen fort.

»Nicht viel," seufzte Heinz. »Aber immerhin doch genug, um mich über die Patientenlose Zeit hinweg bringen zu können."