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Nr. 42.
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Hersfewer Kreisvlatt
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Amtliches.
Cassel, den 4. April 1890.
Der dem Bezirksverbande des Regterungs-Be- zirks Cassel aufGranddeS Preußischen GesetzeS vom E^M-M durch Beschluß deS Königlichen Amtsgerichts zu HilderS vom 21. Dezember 1889 zur Zwangserziehung überwiesene und von mir zur Aufnahme in die RettungSanstalt Sannerz, KreiS Schlächtern, RegierungS- Bezirk Cassel, bestimmte HilariuS Bott aus SimmerShausen, KreiS Gersfeld, des Topfwaarenhändlers Johann Adam Bott Sohn, hat sich der Ueberführung in die erwähnte Anstalt durch Verlassen der elterlichen Wohnung entzogen.
Königliches Landrathsamt bitte ich ergebenst, nach dem rc. Hilarius Bott Nachforschungen anstellen, im Betretungsfalle ihn festnehmen und durch einen geeigneten Civiltransporteur auf Kosten des diesseitigen BezirksverbandS in die Anstalt zu Sannerz überführen lassen zu wollen.
Hierorts werden einem geeigneten Civiltransporteur neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachtuvg von 4 Mark
Sonnabend den 12. April
gewährt. Königliches Landrathsamt bitte ich | ergebenst bei der eventuellen Beauftragung eines Transporteurs möglichst höhere Beträge nicht zusagen zu wollen.
Von dem Ergebniß der Nachforschungen und der eventuellen Ueberführung des Bott nach Sannerz bitte ich endlich ergebenst, mir seiner Zeit gefälligst Nachricht geben zu wollen.
Der Landes-Director. J. A. S ch r o e d e r.
An Königliches Landrathsamt zu HerSfeld. I. II. Nr. 1617.
* * *
Hersfeld, den 9. April 1890.
Wird den Herren Ortspolizeiverwaltern und der Königlichen Gendarmerie deS Kreises zur Kenntnißnahme und Recherchirung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.
Im Betretungsfalle des rc. Bott ist derselbe festzunehmen und der obenbezeichneten Anstalt alsbald zuführen zu lassen, auch mir hiervon Anzeige zu erstatteu.
3291. Der Königliche Landrath ______Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 8. April 1890.
Auf die in dem RegierungS-Amtsblatte für 1890 auf Seite 65 veröffentlichte Bekanntmachung der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden zu Berlin vom 15. d. Mts., betreffend die Kündigung der früher noch nicht zur Ver- loosung genommenen Schuldverschreibungen der 4procentigen Staatsanleihen von 1850, 1852, 1853 und 1862 werden die Interessenten des Kreises hierdurch besonders aufmerksam gemacht. 3159. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 10. April 18907
Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Juli 1890 gekündigten 3 ‘/2 °/0 Staatsschuldscheine von 1842 liegt im GeschäftSlocale des Königlichen
1890.
Landrathsamtes sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises während der Dienststunden den Inhabern zur Einsicht offen. Zugleich mache ich auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 4. März d. I., abgedruckt im RegierungS-Amtsblatt Seite 65/66, aufmerksam.
3160. Der Königliche Laudrath _____________Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 9. April 1890.
Die am 16. September 1867 zu Friedewald geborene Margarethe BudeShetm hat um Er» theilung eines Reisepasses behufS Auswanderung nach Amerika nachgqucht.
3299. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
HerSfeld, den 11. April 1890.
Diejenigen Herren OrtSvorstände deS hiesigen Kreises, welche noch mit der Wiedereiureichung der Klassensteuerrolle pro 1890/91, nebst Offen» legungSdescheinigung 4m Rückstände sind, werden hieran mit Frist biS zum 14. d. MtS. erinnert. 3365. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
+N such des deutschen Arbeiters betitelt sich eine kleine Schrift von Hans Felsen, welche kürzlich in Altenburg (Verlag von Stephan Geibel) erschienen ist. Unter dem vielsagenden Titel werden in gemeinverständlicher Weise Betrachtungen über Zeitfragen geboten, von denen wir nur wünschen können, daß sie recht viele Arbeiter lesen mögen. Der Verfasser sagt von sich, daß er einer einfachen Arbeiterfamilie entstamme, und daß seine Schrift auf Erfahrungen aus praktischer Thätigkeit, auf der Kenntniß deS ArbetterftandeS beruhe. Er hat fremde Länder
Geprüfte Herzen.
Erzählung von Oskar Höcker.
(Fortsetzung.)
Jetzt erst fand Anton Worte, die gegen ihn erhobene Beschuldigung energisch zurückzuweisen. Der Meister unterbrach ihn nicht, sondern schritt schweigend neben ihm her und seine düsteren Gesichtszüge hellten sich mehr und mehr auf. Anton hatte bereits eine Weile zu sprechen aufgehört, alS Jobst plötzlich stehen blieb, seine Hand ergriff und sagte:
»Ich glaube Dir. Bei jedem Andern würde mein Verdacht fortbestanden haben: die Versicherung auS Deinem Munde jedoch, daß Du unschuldig bist, genügt mir. Konnt ich mir doch nicht denken, daß ein so treuherziger Bursche wie Du, das Kind seines Meisters um den Spar- Pfeuntg bringen werde, und noch dazu das Nesthäkchen, den kleinen Bausback, den Du so sehr inS Herz geschlossen hast."
. »Ach Meister," rief Anton unter hervorbrechen- »möge Ihnen der liebe Gott die Gutthat vergelten. Sie haben mir durch Ihr Vertrauen eine Wohlthat erwiesen, die ich nie vergessen werde."
Jobst erwiderte den herzlichen Händedruck seines Gesellen, der mit leichtem Herzen wieder an die Arbeit ging. Indessen erachtete eS Anton jetzt für seine heiligste Pflicht, alles aufzubteten, den wahren Thäter zu entdecken,
Der Zufall war ihm dabei einigermaßen günstig. ।
An einem der nächsten Abende spielte der Geselle mit den Kindern des Meisters, als plötzlich der älteste Knabe Arnold den Wunsch äußerte, Anton möge sich einmal die Haare in's Gesicht kämmen, er sähe dann gewiß so aus, wie Lund. Anton lachte und willfahrte dem Wunsche deS Knaben. Derselbe sah jedoch ziemlich enttäuscht aus und sagte: „Nein, Du siehst garnicht so auS, wie der Altgeselle."
„Wie kommst Du überhaupt auf den närrischen Einfall?" fragte der Vater, der, neben der Mutter sitzend, sein Pfeifchen rauchte.
Das Söhnchen eilte zu ihm, legte die Arme auf seine Knie, sah zu ihm empor und sagte: „Weil der Land unserm Anton ganz ähnlich sieht, wenn er sein krauses Haar glatt auS der Stirn nach rückwärts kämmt."
„Woher weißt Du das?" fragte der Vater erwartungsvoll.
„Ach," versetzte Arnold, „ich kam einmal auS der Schule, und da glaubte ich, Anton zu begegnen, aber es war unser Altgeselle und ich mußte lachen über seine seltsame Frisur. Er sagte mir auch, ich sollte nichts daheim sagen, sonst würde er mich schlagen."
„Wann war denn daS?"
Arnold sann nach, dann rief er: „Ein paar Tage früher, alS Du das Sparkassenbuch von Hermann vermißtest. Richtig, und ich sah dann, wie ich über den Platz gelaufen war und mich
wieder umdrehte, den Lund im Rathhaus verschwinden."
Anton Halle die Hand auf daS klopfende Herz gelegt; Jobst nickte ihm freundlich zu, sagte aber kein Wort. Auch gegen Lund verhielt der Meister sich schweigend, als der Altgeselle am nächsten Morgen zur Arbett erschien. Derselbe ahnte nicht, daß er scharf beobachtet würde und daß Jobst sowohl wie Anton seine Ausgänge heimlich überwachten. Dabei kam es zu Tage, daß Lund im WirthShause viel aufgehen ließ und sich einen Aufwand erlaubte, der mit seinem Lohn nicht im Einklang stand. Nunmehr hielt es Jobst geboten, den unehrlichen Altgesellen zur Rechenschaft za ziehen; aber dieser leugnete so hartnäckig, daß der Meister wieder irre zu werden begann. Trotzdem ließ Anton in seinen Nachforschungen nicht nach.
Ein prächtiger Sonntagnachmittag war erschienen, der Alt und Jung inS Freie lockte. Auch der Altgeselle rüstete sich zum AuSgang und Anton folgte ihm unbemerkt nach. Lund befand sich bald außerhalb des Städtchens und lenkte wenige Minuten später einem von der Landstraße rechts gelegenen Wäldchen zu, das von den Spaziergängern gemieden ward, weil sich innerhalb des Gehölzes eine verrufene Stelle befand. ES erhob dort eine uralte Buche ihre allen Aeste und unterhalb derselben war vor Jahr und Tag ein Raubmord verübt worden. Seit jener Zeit lag der hübsche, schattige Wald vereinsamt pa,